Archiv für September 2011

27. September 2011

Deloitte yammert rum

Auch wenn mir bislang die 2011 Forrester Groundswell Awards nicht geläufig waren, der Gewinner-Case durchaus interessant.

Deloitte Australien hat mit der folgenden Begründung gewonnen:

The Australian affiliate of Deloitte, the global services company, deployed Yammer in 2008 with no plans for mass adoption. But usage rapidly exploded, spreading to 5000 of the company’s staff and 12 national offices. Yammer users have lower staff turnover (2% vs. company average 15-20%) and Deloitte says Yammer has reduced costs, broken down silos, and accelerated innovation. It also builds culture, improves connections for mobile workers, and makes it easier to leverage knowledge and expertise.

Giam SwiegersSpannend finde ich in diesem Zusammenhang das Interview mit dem CEO von Deloitte Australien, Giam Swiegers, der sehr offen darüber redet, daß die jüngeren Mitarbeiter in seiner Firma ganz andere Kommunikationsformen gewohnt sind und es seine Aufgabe ist, das Wissen der jüngeren und älteren Mitarbeiter zusammenzubringen. Er selber scannt alle zwei Tage sämtliche Konversationen auf dem Firmen-internen Yammer und beteiligt sich an Debatten, bei denen er Kontroversen ausdrücklich zulässt.

Yammer ist so eine Art Twitter für Unternehmen, um es ganz verkürzt auszudrücken. Yammer soll die Hierarchien verflachen und über eine verbesserte Diskussionskultur die Produktivität steigern, weil einfach mehr Mitarbeiter an Entscheidungsprozessen beteiligt werden und diese transparenter gemacht werden können.

Der Case von Deloitte Australien ist vor allem deswegen spannend, weil er zeigt, daß nicht nur hippe Unternehmen aus der Kreativbranche mit diesem neumodischen Krams Erfolge erzielen können. Oder, um es mit den Worten von Giam Swiegers auszudrücken: “Social media is changing the rules”.

27. September 2011

Musikbranchenlobbyist fordert 3-Strikes-Regelung

Der bislang als Musikbranchenlobbyist kaum in Erscheinung getretene Siegfrid Kauder, Präsident des BDMV fordert eine 3-Strikes-Regelung. BDMV? Ja, davon hatte ich auch noch nie gehört, es handelt sich bei der Vereinigung um folgendes Konstrukt:

Der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände e.V. (BDMV) gehören über 1,3 Millionen Mitglieder an. Vorwiegend ehrenamtlich geführte Orchester sind in Deutschlands größtem Musikverband organisiert.

Der Dachverband von mehr als 18.000 Ensembles in ca. 11.000 Mitgliedsvereinen, organisiert in 22 Mitgliedsverbänden auf Landesebene, kümmert sich um die Interessenvertretung gegenüber Politik und Medien, um Beratung und Servicebetreuung seiner Mitglieder sowie um die musikalisch-fachliche Grundlagenarbeit. Eine der zentralen Aufgaben der BDMV ist die politische und verbandspolitische Interessenvertretung ihrer Mitglieder. Zu diesem Zweck führt die BDMV zahlreiche Gespräche mit Politikern auf Bundes- und Landesebene, veranstaltet Pressekonferenzen und parlamentarische Abende und pflegt ein umfangreiches Kontaktnetzwerk zu Politikern, die sich der Musik im allgemeinen und der BDMV im besonderen verbunden fühlen.

Siegfried Kauder fordert nun, laut SpOn, eine gesetzliche Regelung, die ein 3-Strikes-Modell vorsieht:

Seine Idee: Ein Warnmodell, bei dem Rechteinhaber sich bei den Providern über Copyright-Sünder beschweren. Erst gibt es einen Hinweis, im wiederholten Fall dann Internet-Entzug – ganz ohne Gerichtsverfahren. Verfassungsrechtliche Bedenken hat er dabei nicht, denn die Sperre soll nur für einen kurzen Zeitraum gelten. “Ich denke da an drei Wochen”, so Kauder.

Siegfried Kauder ist Mitglied der CDU und als Bundestagsabgeordneter Vorsitzender des Rechtsausschusses des Bundestags.

Ich bin sehr dankbar für die Forderung Siegfried Kauders nach einem 3-Strikes-Modell. Es bestätigt mich so wunderbar in meinen Vermutungen, was die CDU und ihre Ansichten zur Netzpolitik angeht. In anderen Ländern wird ein Grundrecht auf Breitband manifestiert, hier droht man mit Internetverboten, nur weil eine Branche sich beharrlich weigert, Veränderungen zu akzeptieren, weil früher doch alles so schön war und ordentlich Geld verdient werden konnte.

[ via Urheberrecht: Kauder will Internet-Entzug » netzpolitik.org ]

27. September 2011

Bekenntnisse eines Süchtigen

Ich weiß gar nicht mehr genau, wie es eigentlich damit anfing. Ich kann mich noch dunkel an einige seltsame Gestalten erinnern, die in einer Straße wohnten und die über ziemlich viele spannende Dinge sprachen, u.a. war öfter von nah und fern, aber auch laut und leise die Rede. Später kamen abends öfter zwei Männer in Anzügen vorbei, der eine eher rundlich, der andere ein ziemlicher Schlaks. Die beiden waren oft da, fast immer pünktlich. Es wurde viel gelacht.

Schon früh wurde ich mit den üblichen Barbituraten konfrontiert, die gemeinsam im Kreise der Familie immer um 20 Uhr eingenommen wurden. Die Darreichung der Drogen wechselte nach genau 15 Minuten und wurde dann nicht selten moderiert verabreicht. Oftmals mußte ich mit ansehen, wie mein Vater nach einer Weile einfach dabei einschlief.

Schlimm wurde es allerdings, das gebe ich gerne zu, als sowohl Lehrer als auch Eltern mich auf die Modedroge meiner Jugendzeit aufmerksam machten. Künftig benötigte ich jeden Morgen meine Droge, oftmals begleitet von Kaffee und Brötchen. Ich wurde zunehmend apathisch, die Familie beklagte Phasen der Nichtansprechbarkeit. Nach dem Konsum der Droge wurde bei mir eine gesteigerte Diskussionsbereitschaft bemerkt. Die Langzeit-Wirkung dieser Einstiegsdroge sollte für mich verheerend sein.

Richtig wild wurde mein Drogenkonsum in der Mitte der 80er Jahre. Die Darreichung der Drogen wurde immer farbenfroher, bereits am frühen Nachmittag wurden sie genommen und stellenweise mit Musik beigemischt. Wenn schlechtes Wetter war, habe ich teilweise eine statische Testdroge konsumiert.

Ich bin mittlerweile seit über 30 Jahren süchtig. Aber ich kann gut von meiner Sucht leben. Ich fixe andere an, pushe ihnen dann Drogen rüber und behalte immer auch ein Teil davon für mich. Bei Elternabend werde ich deswegen oft mit strengen Blicken taxiert, aber als Süchtiger verdrängt man derartige Erfahrungen leicht. Meine Kinder profitieren von der Sucht, wir haben stets neues Besteck zuhause und Drogen in seiner reinsten Form ohne jegliche Beimischungen.

Ich habe festgestellt, daß die Modedroge, mit der mich Eltern und Lehrer angefixt hatten, für mich immer weniger Reiz darstellt. Meine aktuelle Lieblingsdroge ist viel direkter, wirkt schneller und man kann sie auch gut mobil einnehmen.

An staatlich geförderten Ausstiegsprogrammen bin ich nicht interessiert.

26. September 2011

Cityville+ – Städtebau mit Cityville auf Google+

Cityville ist jetzt auch auf Google+ verfügbar. Nachdem die Games auf Google+ eingeführt wurden, blieb es eher still, was sicherlich auch mit dem eigenen Notification-System für Games auf Google+ zu tun hat. Wer bereits Cityville auf Facebook gespielt hat, der wird enttäuscht sein, denn auf Google+ ist Cityville zwar genauso wie auf Facebook, aber man startet wieder ganz von Vorne. Eine Option zum Verknüpfen der Accounts gibt es leider nicht. Ich habe zwar in Retrospektive beim Aufbau der Stadt viele Fehler gemacht, aber noch einmal alles neu bauen ist dann doch zu aufwändig, finde ich.

CityVille grew to become our largest game on Facebook, so naturally we wanted to “build” a presence for it on Google+. Ultimately, we want to make our games accessible to everyone, everywhere – no matter where they play or what platform they play on.

Ich warte ja immer noch auf die mobile Variante von Cityville, das würde doch sehr viel Sinn machen, aber dann wäre es eleganter, wenn ich Nachbarn auf Facebook und Google+ hinzufügen könnte. Jetzt fehlt eigentlich ein Gameplay-Abstraction-Layer, damit man als ein User über verschiedene Plattformen spielen kann.

[ via Google+ CityVille = play everywhere! - zynga.com ]

26. September 2011

Mit Deiner Hilfe wird Facebook wird das neue Aol

Wir erinnern uns noch an AOL? Genau, das waren die mit den CDs. Überall lagen die CDs rum, wurden einem zugeschickt, an Zeitschriften geklebt, es gab kein Entrinnen. Wenn man möchte, dann kann man jetzt Facebook zum CD-Versender machen.

Auf der Seite via europe-v-facebook.org gibt es eine Anleitung, wie man Facebook zur Herausgabe der eigenen persönlichen Daten zwingen kann:

Nach der europäischen Datenschutzrichtlinie hat jeder Mensch das Recht eine Kopie der Daten zu bekommen, die ein Unternehmen über ihn speichert. Das gilt natürlich auch für deine Daten bei Facebook, da du als Europäer einen Vertag mit “Facebook Ireland Ltd” in Irland hast. Mit einer solchen Anfrage kannst du genau sehen, was Facebook von dir speichert, außerdem zeigen solche Anfragen dem Unternehmen, dass den Usern Datenschutz wichtig ist. Facebook hat dazu eine (sehr gut versteckte) Seite, auf welcher du deine Anfrage stellen kannst.
Natürlich haben auch Personen welche nicht auf Facebook angemeldet sind das Recht Daten zu bekommen, wenn Facebook diese hat.

Wenn jetzt genügend europäische Nutzer ihre Daten anfordern, die dann von Facebook auf CD gebrannt und zugeschickt werden, dann wird Facebook wirklich zum neuen Aol. Aber natürlich viel personalisierter.

Ich weiß immer noch nicht, was ich davon hätte, wenn ich meine Daten als PDF auf einer CD zugeschickt bekomme. Da ist mir Googles Data Liberation Front viel sympathischer, denn mit Google+ Takeout bekomme ich die Daten wann ich will und noch dazu in einem Format, das mir eine weitere Nutzung erlaubt. Facebook liefert einen großen Haufen Daten, mit denen ich eher nichts mehr anfangen kann. Die Facebook-CD dürfte ähnlich unspannend sein wie die gute alte Aol-CD.

[ via How to Get Facebook to Surrender Its Data about You - LAUNCH - ]