Alkoholkonsumverbot im HVV ist überflüssig

Nico —  1.10.2011 — 8 Comments

Nach einer repräsentatitven Umfrage unter den Fahrgästen des HVV kam heraus, daß Hamburger ÖPNV-Fahrgäste den Alkoholkonsum in den Bussen und Bahnen störend finden. Daher tritt mit dem heutigen Tag ein Alkoholkonsumverbot im HVV in Kraft. Natürlich nicht im gesamten HVV, so sind z.B. die HADAG-Fähren vom Alkoholkonsumverbot ausgenommen.

Ich finde das Alkoholkonsumverbot im HVV überflüssig. Ich finde es auch nicht toll, wenn Betrunkene in der Ubahn liegen und Flaschen durch die Gegend rollen. Aber, ich finde, daß Urbanität anders sein darf als eine Kleinstadt mit lauter penibel geharkten Vorgärten. Ich finde es absolut überflüssig, daß versucht wird, immer mehr öffentliche Bereiche durchzuregulieren und mit Verboten zu versehen.

Es werden weiterhin Betrunkene die Ubahnen und Busse benutzen und es wird auch weiterhin Alkohol an U- und S-Bahn-Haltestellen verkauft werden. Damit wird das Gesaufe jetzt vor die Züge verlagert, aber es wird weiterhin passieren. In den USA ist es verboten, in der Öffentlichkeit Alkohol zu trinken und sichtbar alkoholische Getränke mitzuführen. Da sieht man also in Parks gerne Leute, die ihre Flaschen in braunen Tüten haben und aus diesen trinken. Wird dadurch das Problem gelöst? Nein.

In Hamburg wird jetzt die alte Tradition des Feierabendbiers in der U-Bahn zu Grabe getragen, das Fahrbier auf dem Weg zum Abendvergnügen soll es auch nicht mehr geben. Das alles geht zu Lasten einer weiteren ur-hamburgischen kulturellen Tradition: es steht nicht gut um die HoPiHaLiDo.

Ich frage mich allerdings auch, wie der HVV das Alkoholkonsumverbot in den U- und S-Bahnen durchsetzen will. Soll jetzt mehr Wachpersonal eingesetzt werden, um das Verbot durchzudrücken? Was macht der HVV in den S-Bahn-Zügen zum und vom Stadion, wenn der HSV spielt? Wird da nach offenen Bierdosen kontrolliert werden?

Das Verbot ist überflüssig. Es wird nicht dafür sorgen, daß weniger Betrunkene im ÖPNV fahren, sondern es bietet nur ein weiteres Verbot, wo ein Hinweis auf die Verhältnismäßigkeit des Alkoholkonsums und des nötigen Respekts gegenüber den anderen Mitfahrenden völlig gereicht hätte.

Man kann eine weltoffene Großstadt nicht mit Verboten durchsetzen.

8 responses to Alkoholkonsumverbot im HVV ist überflüssig

  1. hollygomadly 1.10.2011 at 9:33

    ich bin dafür daß man auch wieder überall rauchen darf,dann haben die Nichtraucher auch wieder was zu meckern…oder nicht?

    ähm,wieso nicht da öffentlich saufen,wo es niemanden stören kann?Es gibt genug freie Besäufnisanstalten!!

    Habt ihr schon mitbekommen,daß es 2,6 mio Kinder aus alkoholkranken Familien gibt?

    Super,die sind dann auch in der Öffentlichkeit nicht mehr ohne Einfluss.

    das Problem ist nicht die Einschränkung von Freiheit,sondern die Förderung von Sucht.

  2. NicoLumma 1.10.2011 at 9:43

    die sucht wird gefördert, weil man ein bier in der ubahn trinken darf?

  3. NicoLumma 1.10.2011 at 9:43

    die sucht wird gefördert, weil man ein bier in der ubahn trinken darf?

  4. Ich bin ja gespannt, wie wohl in Zukunft die U-Bahn Station Reeperbahn an einem typischen Freitag-Abend aussieht. Den “Probemonat” September hab ich leider nich mitbekommen, aber wie viele HVV-Schergen müssen die da einsetzen um das konsequent durchzusetzen? Oder ist es wie beim rauchen, wo eine Stimme vom Band über Lautsprecher auf das Rauchverbot hinweist. Ich bin mal gespannt.

  5. Und inwiefern ändert ein solches Alkoholverbot im ÖPNV etwas an der Tatsache, dass Kinder in Familien aufwachsen wo der Alkoholmissbrauch ein Problem ist?

    Und in der Öffentlichkeit darf weiter gesoffen werden. Dann wird die Bierdose, die man zuvor am Kiosk am Bahnsteig gekauft hat, vor dem Einsteigen eben auf Ex leer getrunken. Die Leute werden weiterhin betrunken den ÖPNV nutzen, daran wird dieses Verbot nichts ändern.

    Selbst wenn in Bahnhöfen der Alkoholkonsum verboten würde (die Wirte der Bahnhofskneipen werden sich bedanken), kann und darf man weiterhin im Suff den ÖPNV nutzen. Ist ja auch politisch und gesellschaftlich gewollt, denn so bekommt man die Menschen dazu, nach ‘ner Feier, Party, Fest etc. nicht mit dem Auto zu fahren…

  6. FriedrichB 1.10.2011 at 13:23

    @NicoLumma

    Da ich oftmals in HH und B die ÖPNVs nutze habe ich das Gefühl dass mehr und mehr dort Alkohol konsumiert wird. Wäre interessant von anderen zu erfahren, ob dass Tatsache ist? Wenn ja was kann man/frau tun?

    Verbote generell bewirken nicht viel.

    Ganz nebenbei: Versuche einmal in den weltoffenen Städten, wie N.Y und London in der U-Bahn Alkohol zu trinken :-)

    Viele Grüße Friedrich Bolle

  7. FriedrichB 1.10.2011 at 13:23

    @NicoLumma

    Da ich oftmals in HH und B die ÖPNVs nutze habe ich das Gefühl dass mehr und mehr dort Alkohol konsumiert wird. Wäre interessant von anderen zu erfahren, ob dass Tatsache ist? Wenn ja was kann man/frau tun?

    Verbote generell bewirken nicht viel.

    Ganz nebenbei: Versuche einmal in den weltoffenen Städten, wie N.Y und London in der U-Bahn Alkohol zu trinken :-)

    Viele Grüße Friedrich Bolle

  8. hollygomadly 1.10.2011 at 21:19

    Ja.Da bin ich streng.Das gepflegte Bierchen in der Ubahn etc ist nur eine Ausrede.das Stehen am Kiosk und andere genannte Ausweichmanöver auch.

    Neben Werbung etc spielt ja wohl auch unser eigenes Verhalten eine Rolle.Wer einmal Sucht überwunden hat,weiß wovon ich rede.

    Die betroffenen Kinder leben in einer Co-Beziehung und der öffentliche Raum bestätigt auch noch,daß es daraus kein Entrinnen gibt.Außer durch wegschauen,mitsaufen oder aufmucken wie ich es tue.

    Ich appelliere daran,sich dessen bewußt zu werden.

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