Das Spannungsfeld von Activist Media, Journalismus und Corporate Media

Activist Media ist ein tolles neues Wort, das mir bis dato nicht geläufig war. Es ist quasi eine Form des User Generated Content, publiziert und distribuiert von Leuten, die eine Agenda haben und daher wollen, daß ihr Thema Aufmerksamkeit bekommt. Diese Activist Media findet statt in einem Umfeld, in dem viele Geschäftsmodelle durch das Internet bedroht sind und daher immer mehr Kostendruck entsteht, was dazu führt, daß sich der Journalismus verändert und beispielsweise weniger Zeit für Recherche oder Reportage zur Verfügung steht.

Das ist gut für Activist Media, weil oftmals Beiträge einfach von den traditionellen Medien übernommen werden und damit mehr Reichweite bekommen, insbesondere bei Fotos und Videos ist dies zu beobachten. Der Umwälzungsprozeß der Branche führt aber natürlich auch vermehrt dazu, daß Unternehmen und Marken ihre eigenen Publikationen erschaffen und von ihrer Seite aus den traditionellen Journalismus angreifen.

Der amerikanische Journalist Tom Forenski hat dies in seinem Artikel The continuing rise of activist media and the demise of the Fourth Estate so zusammengefasst:

Some might cheer the diminishment of the “gate keepers” but professional journalists are essential to a healthy democracy. They are used to dealing with special interests and their agendas, and they strive to produce media that is fair, balanced, accurate, and trustworthy — most people don’t have the same training to see what’s what.

This struggle between establishment media and corporate interests has been going on for a long time. The media used to be referred to as the Fourth Estate, one of the four pillars of society.

What’s changed is that the Fourth Estate is shrinking rapidly because its business model is under attack. This means that its ability to act as a check and balance against the agendas of rich and powerful special interests is also under attack.

It means that important issues will increasingly be presented through media that is polluted by bias, and designed to serve the interests of corporate agendas rather than a common good.

While it is true that activist media of the Occupy Wall Street kind also gets a boost from a weaker establishment media, corporate media has money and that means access to mass media distribution channels — these are far more effective than relying on social networks.

Interessanter Aspekt, daß der klassische Gatekeeper benötigt werden soll, um die Interessen auszutarieren. Regelt sich das nicht durch die vielgepriesene Schwarm-Intelligenz oder wenigstens durch immer smarter werdende Tools, die interessante Inhalte nach oben spülen? Ich finde durchaus, daß dieses Thema interessante demokratie-theoretische Implikationen haben wird, da kann man mal durchaus drüber nachdenken.

2 Antworten auf „Das Spannungsfeld von Activist Media, Journalismus und Corporate Media“

  1. dieses „mal drüber nachdenken“ ist doch eine seit zehn jahren intensiv geführte debatte in der medienbranche. oder was meinst du jetzt damit?

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