09. Januar 2012

Wo ist das deutsche Buzzfeed? Oder die deutsche HuffPo?

Slashdot, Digg, Techmeme, Hacker News, Huffington Post, Flipboard, News.me, Buzzfeed und noch viele weitere Plattformen gibt es in den USA, die dafür sorgen, daß Nutzer auf Inhalte aufmerksam gemacht werden. In Deutschland hingegen gibt es Rivva und auch Yigg und Webnews, das war es dann, mit marginalen Nutzerzahlen. Oder habe ich da etwas übersehen? Ich würde allerdings dennoch davon ausgehen, daß auch in Deutschland die Nutzer Inhalte rezipieren wollen und daß die bestehenden Plattformen längst nicht alles abdecken, was es so gibt. Nur, warum gibt es keinen einzigen großen deutschsprachigen “Aggregator mit einem Social Twist”? Stattdessen sieht man diese Meldung hier: Viral Aggregator BuzzFeed Raises $15.5M To Transform The Way People Get Their News und fragt sich unweigerlich, wieso in Deutschland zwar Gespräche über einen Deutschland-Start der Huffington Post geführt werden, aber niemand in der Medienbranche auf die Idee kommt, ein derartiges Projekt selber zu starten. Das Konzept der Huffington Post wurde nun wirklich endlos rauf und runter diskutiert, warum denkt man da überhaupt über ein Joint Venture nach, es ist ja nun nicht so, daß die Marke Huffington Post in Deutschland bekannt wäre.

Woran liegt es, daß es bislang keine wirklichen Aggregatoren in Deutschland gibt? Weil wir alle die amerikanischen Plattformen nutzen? Weil wir mit den Online-Angeboten der Medienhäuser zufrieden sind? Weil das dahinterliegende Geschäftsmodell eines werbefinanzierten Angebotes nicht attraktiv erscheint?

Wir bauen doch hier alles nach, was in den USA populär ist, aber bei der Aggregation von Inhalten tun wir uns sehr schwer. Interessiert den deutschen Nutzer nicht, was die anderen so lesen und interessant finden?

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es gab wikio.de. meines erachtens waren die besser und umfangreicher als rivva um die seite zur nachrichtenroutine zu benutzen. dann kam vor wenigen wochen die seitenumstellung auf ebuzzing.de. seither ist die seite nicht mehr zu benutzen: unheimlich rechen- und speicherintensiv. sowas nervt einfach nur. diese verschlimmbesserungen erinnern an mehdorn und die bahn =)

jensbest 8 pts

Nun. Einerseits zeigen die gerichtlichen Auseinandersetzungen bzw. Androhungen gegenüber commentarist und perlentaucher, dass "aggregation with an attitude" in Deutschland nicht gewünscht ist von den führenden Content-Erstellern. Das fortgesetzte Google-Bashing von Onkel Burda und seinem Verein spricht Bände. Freue mich dennoch über den Re-Start von commentarist, auch wenn unklar ist , warum sie sich jetzt immer noch so beschneiden lassen und damit als echte unabhängige Aggregatoren ausfallen.

in den Nischen findet man kleine Perlen wie z.B. Nachtkritik.de - aber das ist sicher nicht das was du meintest.

HuffPo: Das deutsche Medienangebot ist definitiv besser. HuffPo, Politco u.a. stiessen in US in eine Lücke, die es in D so nicht gibt.

Vermutlich weil bei uns über allem immer drohend das heilige Urheberrecht schwebt. Leistungsschutzrecht etc. pp. In die Nesseln setzt sich niemand freiwillig.

ChristophKappes 16 pts

Was Aggregation angeht, ist hier die Rechtslage hinderlich, sowie die Unsicherheiten bei der Bestimmung dieser Lage.

pjozefak 6 pts

National pride! Not enough people willing to say "screw the US", we want it "to be German!" As a group, the German tech scene is in love with the US scene. However many people it truly is, most German geeks secretly wish they lived in the US or just have "a thing" for it....don't know how to really describe it. Hence, they consume US media FIRST followed by whatever is available in German. If folks in Germany finally stopped constantly looking to the US for inspiration and simply started inspiring one another, you'd quickly have local versions of these media channels (see the reverse effect on Germany in the car industry versus the US's car industry which tends to follow). Finally, all the advertising goes to international sites first. There is a huge head-start there. Hence, marketing dollars are building up those channels in the US which you mention before ever getting allocated to German versions.

Finally, you have a bunch of us Americans interspersed in your ranks, subtly throwing all your national interests off by writing in English, innovating within your borders and financing start-ups! ;-)

Gunnar 5 pts

So schwer wird es nicht sein, das zu erklären:

- Der deutschsprachige Markt ist relativ klein

- Deutsche nutzen die englischen Dienste bereits

- Die kritische Masse für den Break Even wird nicht erreicht.

Oder? Ich hoffe, das hilft bei Eurer Investitionsplanung ;-)

NicoLumma 44 pts moderator

Gunnar haha, danke, aber ich frage das "rein privat", ohne aktuelle investitionsabsichten. ich finde den deutschen markt gar nicht so klein, hier wohnen immerhin 82 millionen menschen und die online-penetration ist auch schon ganz gut - noch dazu haben wir viele deutsche themen, die bei den us-amerikanischen diensten nie aufplopppen würden.

Gunnar 5 pts

NicoLumma Naja, am Ende ist es für Euch auch professionell wichtig, wie die Zusammenhänge sind. Jetzt trage ich mal Eulen nach Athen: Die USA sind durch Größe, Liberalität und technologischen Vorsprung ein Leitmarkt, an dem sich eine Innovation schnell durchsetzen - weil finanzieren und monetarisieren - kann. Gleichzeitig ist die englische Sprache international - anders als die deutsche Sprache. Innovationsfreundliches Umfeld und internationale Skalierbarkeit sind zwei Faktoren, die den USA damit einen großen Vorteil geben.Lokale Spezialdienste können in Deutschland Nischen abdecken - aber sich aus Deutschland schwer herausskalieren. Aber alle die, wie Du viele Dienste parallel nutzen - tun dies problemlos in Englisch. Das bedeutet, dass die Nische noch kleiner wird. Am Ende bleibt einfach ein ganz kleines Stück vom Kuchen ...

eric108 7 pts

GunnarNicoLumma Ach, diese Mähr, dass USA so groß und so fortschrittlich sind, ist doch 'ne Ausrede! Ziehen wir von den 82 Deutschen mal die ab, die regelmäßig englische Medien konsumieren, bleiben noch 81 Millionen übrig. Dann noch die ganz alten und die ganz Jungen weg und die, die kein Internet haben. Bleiben noch, puh, 50 Millionen. Von denen ziehen wir die ab, die sich im Web nicht intellektuell beschäftigen möchten, bleiben vermutlich noch, äh, konservativ geschätzt 5 Millionen übrig. Wenn wir von diesen die abziehen, die sich NICHT als fortschrittlich zeigen, bleibt es bei 5 Millionen.

Ich finde, das IST eine Zielgruppe.

Und die schwierige Monetarisierung? Ja, da müssten mal ein paar in die Vorleistung gehen. Aber halt nicht nur Investoren, die viel Geld auf den Tisch legen um coole Gründern ihr cooles Leben in einer Berliner Loft zu bezahlen. Es geht doch darum, dass neben der der Investorenzene und der Technik auch Menschen in Schwung kommen. Was ist denn das Erfolgsrezept von HuffPo? Automatische Technik? Nö. Menschen, ein Konzept und Wille. Die HuffPo war auch nicht immer groß - und trotzdem haben tolle Autoren dafür geschrieben.... Wäre das in D auch möglich? Ich denke schon - aber halt nicht in vorab trockenen Tüchern, super abgesichert und gut bezahlt. Erfolgreiche Internet-Projekt sind am Anfang meist kleine Internet-Klitschen von Leuten, die halt nicht anders können, als ihre Idee umzusetzen und dafür auch verzichten. Aus so etwas entsteht manchmal was Großes. Wenn schon vorab alles gepempert und gehypt wird, entsteht so etwas wie "Amen". Das ist die deutsche Variante, weil man sich hier so klein und un-englisch vorkommt.

Äh, jetzt bin ich vom Thema abgekommen. Aber das kann man ja mal sagen hier. Oder? ;-)

Gunnar 5 pts

eric108NicoLumma Ausrede? Immerhin sind die USA der Heimatmarkt für das Internet. Dort leben 3x so viele Menschen wie in Good Old Germany. Das Potential an Muttersprachlern ist 4x so hoch. Das Potential an der Englischen Sprache Mächtigen 6x so hoch. Nehmen wir an, dass die Zusammenhänge zwischen Marktgröße und Erfolgspotential exponentiell sind, sieht es schlecht aus für D. Nix da mit Ausrede. Keine Kritische Masse. Das ist Mathe, keine Ausrede. ;-)

sebastiankeil 15 pts

Gunnareric108NicoLumma Ich glaube wir haben wir das Problem, dass Old Time Publisher nicht wirklich verstehen wie es geht, nicht die richtigen Leute einstellen und dank der Rechenschaft gegenüber Shareholdern nicht Luft für 2 Jahre Aufbauarbeit haben. Junge Plattformen die etwas größer rangehen, müssen zurzeit die Nische belegen, weil die Masse sich nicht genug monetarisieren lässt.

Und den Stundenten die Zeit und Energie hätten fehlt die große Vision bzw die Connections um so ein Unternehmen auf die Beine zu stellen.

Insbesondere das Thema Vision ist entscheidend imho.

eric108 7 pts

GunnarNicoLumma Deutschland also chancenlos? Sorry, aber das ist Quatsch. Selbstverständlich hat Deutschland und auch die deutsche Sprache ausreichen Potential für 'nen Aggregator. Ich bleibe dabei: Die Haltung hier ist zu anspruchsvoll und tötet die Visionen (siehe unten bei Sebastian). Man kann nicht mal einfach was mit unklarem Ausgang basteln, sondern will/darf kein Risiko mit der Rentenversicherung eingehen...

Weil jeder der sowas in D startet und Wahrnehmung über Nerd-Kreise hinaus bekommt sich garantiert dann mehr mit Anwälten der obsoleten sterbenden deutschen Medienkonzerne beschäftigen darf wie mit der Weiterentwicklung seines Angebots.

Das deutsche Netz ist im Würgegriff der Medienkonzerne und ihrer politischen Hiwis, so lange die Medienkonzerne nicht endlich sterben gegangen sind wird sich da nichts tun.

eric108 7 pts

Ich denke, das Problem liegt in der Mentalität hier, zumindest ein wenig. Dazu muss man die Aggregatoren ein wenig unterscheiden:

So was wie die HuffPo scheitert m.E. nach an einem irgendwie wenig ausgeprägten Teamgedanken. Frag doch mal andere Blogger, ob sie gerne in ein anderes Blog schreiben möchten. Du findest nur sehr wenige - und das sind dann Vollblut-Insider. Für HuffPro brauchst du aber Menschen aus anderen Themen, die *auch* schreiben. Und die bestehen auf "my blog is my castle", oder so. Da muss viel Geld her, sonst wird nix dafür geschafft. Ich habe das mal für ein Tech-Thema versucht und bin gescheitert an "ach, ich schreibe ja in mein eigenes Blog zu wenig, wie soll ich da noch woanders was machen"-Ausreden. Der Gedanken, dass es doch eigentlich viel cooler ist, für ein größeres Gemeinschaftsblog als den eigenen Sandkasten zu schreiben, der ist hierzulande nicht ausgeprägt. Du schreibst ja auch auf lumma.de und nicht woanders ;-)

Und dann eher technische Aggregatoren: Erstens hat die unglückliche Diskussion der Verleger rund um Google News wohl einiges kaputt gemacht. Wer aggregiert, muss sich heute wie ein Schmuddelkind fühlen. Und dann gab es (interessanterweise aus der gleichen Verlegerseite) ja wirklich katastrophale eigene Versuche, bei denen mit viel Geld aber wenig Netz-Verständnis geworfen wurde. Das war auch nicht hilfreich. Und dann kennen wir auch Beispiele wie den Commentaristen, der dann gleich mal weggeklagt wurde.

Die anderen Ideen zu der Frage sind sicher auch nicht ganz falsch. Aber frag doch mal rum, wer gerne für eine deutsche HuffPo texten möchte...

tauben 5 pts

wie wäre es denn mit nerdcore, auch wenn das wahrscheinlich offiziell noch unter dem banner eines weblogs firmiert? da ich nerdcore, kottke und buzzfeed immer direkt im anschluss besuche, hänge die seiten für mich auch funktionsmäßig lose zusammen.

NicoLumma 44 pts moderator

tauben naja, bei nerdcore fehlt ja eher so die aggregationsfunktion basierend auf der nutzung der masse.

tauben 5 pts

NicoLumma stimmt, die übernimmt der autor in diesem fall. er aggregiert aber umgekehrt inhalte, die von buzzfeed, kottke und co. kommen für eine deutschsprachige community, oder?

NicoLumma 44 pts moderator

tauben ja, aber es fehlt eine plattform, auf der automagisch die interessanten themen des tages aufbereitet werden und von der dann massiv traffic ausgeht zu den sites. rivva ist dies nur sehr eingeschränkt.

tauben 5 pts

NicoLumma stimmt, aber für mich kommt die menschliche, beziehungsweise individuelle aggregation nach wie vor vor der automatisierten. besser gesagt denke ich, dass vielleicht erst mehr plattformen dieser art in deutschland entstehen müssten, um nutzer überhaupt mehr für inhalte zu interessieren bzw. zu sensibilisieren. aber vielleicht irre ich mich auch genau in diesem punkt, und gerade die massenaggregationen würden inhalte einem größeren publikum zugänglich machen.

alexsmoli 5 pts

bin mir ziemlich sicher, dass es demnächst eine deutsche HuffPo-Version geben wird.

NicoLumma 44 pts moderator

alexsmoli ja, aber wieso gibt es das nicht schon längst und wieso muss man dazu ein JV mit HuffPo machen, anstatt es selber zu bauen?

alexsmoli 5 pts

NicoLumma vielleicht weil "wir in DE" hier es leichter finden, wenn eine große Seite wie HuffPo in deutsch erscheint...anstatt etwas selbst zu bauen, was vielleicht sogar besser sein kann, aber auf Grund der fehlenden Popularität scheitern wird. Es gib ja solche Versuche momentan bei den iPad-Apps - selbst der Springer-Verlag versucht's ja.

FriedrichB 5 pts

Wie war das noch:

supply and demand :-) :-)

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laurenwellicome
laurenwellicome

nico aeallen Gibt's jetzt The Wall Street Journal DE (ist heute gestartet)! Nicht die gleiche, aber etwas. http://t.co/BjJ3ydG3

PenZiuM
PenZiuM

nico deinen Blogartikel hatte ich zum Frühstück - spannendes Thema werde mal was dazu schreiben die Tage

tobsn
tobsn

nico buzzfeed is a terrible news source and hoffpo is like the bold but worse. a European techcrunch is missing tough

moellus
moellus

nico Ich vermute mal, ihr habt schon was Entsprechendes in der Pipe? #digitalpioneers

Nico
Nico

moellus nö.

mlehming
mlehming

nico Und wieso nicht? :P

Nico
Nico

mlehming bin erst eine Woche da. :)

mlehming
mlehming

nico Das muss doch reichen ;)

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