Gut gemeinte Intransparenz im Sinne des Nutzers?

Nico —  8.02.2012

Gestern sind zwei der aktuellen Darlings der Web-Szene in die Blog-Schlagzeilen geraten, weil sie einige Details ihres Dienstes nicht offengelegt haben. Für mich sieht das ziemlich nach dem Facebook Way aus, am Besten zusammengefasst durch den Satz „move fast and break things!“ – aber was bedeutet eine derartige Herangehenseise für den gemeinen Nutzer an sich?

PathDas derzeit sehr populäre mobile soziale Netzwerk Path will den Nutzern das Auffinden von Freunden erleichtern, aber schießt über das Ziel hinaus:

Upon inspecting closer, I noticed that my entire address book (including full names, emails and phone numbers) was being sent as a plist to Path. Now I don’t remember having given permission to Path to access my address book and send its contents to its servers, so I created a completely new “Path” and repeated the experiment and I got the same result – my address book was in Path’s hands.

Ich bin ja in meinem jugendlichen Leichtsinn davon ausgegangen, daß mir über die Facebook-Verknüpfung Leute angezeigt werden, die nun auch bei Path zu finden sind. Obwohl ich es natürlich irre praktisch finde, wenn ich mitbekomme, wer alles neu zu Path kommt, finde ich es natürlich unter aller Sau, wenn einfach heimlich mein Adressbuch ausgelesen wird, zumal ich keinesfalls die Einwilligung meiner Kontakte für ein derartiges Verfahren eingeholt habe. Der Co-Founder von Path, Dave Morin, hat allerdings in den Kommentaren direkt Stellung bezogen und eingeräumt, daß diese Praxis nicht ganz kosher ist und Änderungen angekündigt. Ein blöder Nachgeschmack bleibt.

PinterestEin anderer Darling des Webs hat ebenfalls einige Probleme mit der Transparenz und diese betreffen direkt den Kern des Geschäftsmodells:

If you post a pin to Pinterest, and it links to an ecommerce site that happens to have an affiliate program, Pinterest modifies the link to add their own affiliate tracking code. If someone clicks through the picture from Pinterest and makes a purchase, Pinterest gets paid. They don’t have any disclosure of this link modification on their site, and so far, while it has been written about, no major news outlet has picked up on the practice or its implications.

Wenn man so möchte, dann ist Pinterest eine User-generated Link-Farm, ein brilliantes Konzept, das ich vor etlichen Jahren auch schon mal umsetzen wollte. Pinterest soll Geld verdienen können, daher ist es völlig legitim, wenn Pinterest dafür sorgen will, daß die Umsätze über Affiliate-Netzwerke bei Pinterest ankommen. Allerdings muß dies dem Nutzer transparent dargelegt werden, denn der Nutzer geht natürlich davon aus, daß die von ihm eingesetzte URL auch auf Dauer Bestand haben wird. Ich habe nichts dagegen, daß Pinterest so vorgeht, denn es wird vor allem professionelle Linkschleudern von Pinterest fernhalten und es sorgt für eine frühe Monetarisierung, aber Pinterest täte gut daran, eine derartige Praxis prominent zu erwähnen, bzw. den Nutzern nach dem Ändern des Links eine Mitteilungen zukommen zu lassen. Wenn ich zu Amazon.de verlinke, dann immer mit meiner Amazon-ID, weil ich nicht einsehe, daß ich einem derartig großen Unternehmen kostenlos Nutzer rüberschiebe. Wenn Pinterest etwas von den Affiliate-Umsätzen abhaben will, die durch mich entstehen, dann finde ich das in Ordnung, aber es muß offen gelegt werden. Meine Amazon-URLs sind alle noch nicht von Pinterest modifiziert, ihr könnt also alle fröhlich gucken und kaufen.

Was haltet ihr von diesen Vorgängen? Ist das gut gemeint im Sinne des Nutzers, oder ist das eine bodenlose Frechheit, die zeigt, wie gedankenlose fiese Unternehmen mit den Daten der Nutzer umgehen?

19 responses to Gut gemeinte Intransparenz im Sinne des Nutzers?

  1. @niepi zwei schöne rote „P“ in @nico’s Blogpost – wie in „STOP“

  2. @niepi zwei schöne rote „P“ in @nico’s Blogpost – wie in „STOP“

  3. Saladinsam 8.02.2012 at 10:33

    Path ist schon ziemlich mies am Daten klauen. WhatsApp macht das übrigens schon ziemlich lange so, macht es aber nicht besser. Im Gegenteil. User aller Länder vereinigt Euch! Je mehr wir mit uns machen lassen, desto mehr wird auch mit uns gemacht. Und irgendwann wissen Vater Staat oder ein paar Hacker mehr über dich als Deine Familie.

    Wenn ich gefragt werde, ist mir die Praxis von Pinterest übrigens ziemlich schnuppe. Wenn nicht, dann ist das eine ebenso ungesehene Dreistigkeit wie die Nummer von Path. So.

  4. Saladinsam 8.02.2012 at 10:33

    Path ist schon ziemlich mies am Daten klauen. WhatsApp macht das übrigens schon ziemlich lange so, macht es aber nicht besser. Im Gegenteil. User aller Länder vereinigt Euch! Je mehr wir mit uns machen lassen, desto mehr wird auch mit uns gemacht. Und irgendwann wissen Vater Staat oder ein paar Hacker mehr über dich als Deine Familie.

    Wenn ich gefragt werde, ist mir die Praxis von Pinterest übrigens ziemlich schnuppe. Wenn nicht, dann ist das eine ebenso ungesehene Dreistigkeit wie die Nummer von Path. So.

  5. Es zeigt einmal mehr, daß man mit transparenter Kommunikation am besten fährt. Ich unterstelle Path nicht einmal dunkle Absichten, auch wenn die Gründer aus den Facebook-Gewächshäusern stammen. Aber Entwickler denken anders und haben andere Selbstverständlichkeiten als Nutzer. Beide nehmen an, daß die jeweils andere Seite in ihrem Sinne handelt bzw. mit den eigenen Gepflogenheiten vertraut ist. Doch wie heisst es so schön: „assume makes an ass out of u and me“.

    Bei Pinterest bin ich entspannter, denn a) finde ich diese Art der frühen Eigenfinanzierung clever und gut und b) sehe ich nicht, warum Dein Interesse an einem Affiliatelink höher sein soll als ihres — Du willst ja schliesslich etwas von ihnen: die schöne Oberfläche, den medialen Hype, die Bewunderung Deiner Follower, was Du da wieder tolles ausgegraben hast. Irgendeiner muss das ja bezahlen, da ist doch diese Lösung noch die eleganteste.

  6. Es zeigt einmal mehr, daß man mit transparenter Kommunikation am besten fährt. Ich unterstelle Path nicht einmal dunkle Absichten, auch wenn die Gründer aus den Facebook-Gewächshäusern stammen. Aber Entwickler denken anders und haben andere Selbstverständlichkeiten als Nutzer. Beide nehmen an, daß die jeweils andere Seite in ihrem Sinne handelt bzw. mit den eigenen Gepflogenheiten vertraut ist. Doch wie heisst es so schön: „assume makes an ass out of u and me“.

    Bei Pinterest bin ich entspannter, denn a) finde ich diese Art der frühen Eigenfinanzierung clever und gut und b) sehe ich nicht, warum Dein Interesse an einem Affiliatelink höher sein soll als ihres — Du willst ja schliesslich etwas von ihnen: die schöne Oberfläche, den medialen Hype, die Bewunderung Deiner Follower, was Du da wieder tolles ausgegraben hast. Irgendeiner muss das ja bezahlen, da ist doch diese Lösung noch die eleganteste.

  7. NicoLumma 8.02.2012 at 12:09

    @e13Kiki was pinterest angeht: ja, sicherlich. und ich finde es auch besser, wenn es kein „wir splitten kohle mit den nutzern“ gibt, das war einer der kardinalfehler damals bei shoppero, weil dann die motivation der nutzer u.U. nicht die richtige ist.

  8. NicoLumma 8.02.2012 at 12:09

    @e13Kiki was pinterest angeht: ja, sicherlich. und ich finde es auch besser, wenn es kein „wir splitten kohle mit den nutzern“ gibt, das war einer der kardinalfehler damals bei shoppero, weil dann die motivation der nutzer u.U. nicht die richtige ist.

  9. Ich schließe mich meinen Vorkommentaristen an; das Pintetedten via Affiliatelinks ist eine schöne Idee, und imho wenig ktritisierbar, wenn das über die eigene Plattform geschieht. Der Datenraub bei Path ist aber kriminell, und bleibt es auch, wenn es im Silicon Valley gängige Praxis ist:
    http://www.ring2.de/archives/path-datenskandal-der-pfad-zur-dunklen-seite-der-macht/

  10. Ich schließe mich meinen Vorkommentaristen an; das Pintetedten via Affiliatelinks ist eine schöne Idee, und imho wenig ktritisierbar, wenn das über die eigene Plattform geschieht. Der Datenraub bei Path ist aber kriminell, und bleibt es auch, wenn es im Silicon Valley gängige Praxis ist:
    http://www.ring2.de/archives/path-datenskandal-der-pfad-zur-dunklen-seite-der-macht/

  11. Ich schließe mich meinen Vorkommentaristen an; das Pintetedten via Affiliatelinks ist eine schöne Idee, und imho wenig ktritisierbar, wenn das über die eigene Plattform geschieht. Der Datenraub bei Path ist aber kriminell, und bleibt es auch, wenn es im Silicon Valley gängige Praxis ist:
    http://www.ring2.de/archives/path-datenskandal-der-pfad-zur-dunklen-seite-der-macht/

  12. Ich schließe mich meinen Vorkommentaristen an; das Pintetedten via Affiliatelinks ist eine schöne Idee, und imho wenig ktritisierbar, wenn das über die eigene Plattform geschieht. Der Datenraub bei Path ist aber kriminell, und bleibt es auch, wenn es im Silicon Valley gängige Praxis ist:
    http://www.ring2.de/archives/path-datenskandal-der-pfad-zur-dunklen-seite-der-macht/

  13. OliverGassner 8.02.2012 at 16:11

    Die Path-Aktion war mies.

    Pinterest könnte

    a) darauf hinweisen

    b) ggf eigene Affiliatelinks intakt lassen (falls sie das nicht schon tun …)

  14. OliverGassner 8.02.2012 at 16:11

    Die Path-Aktion war mies.

    Pinterest könnte

    a) darauf hinweisen

    b) ggf eigene Affiliatelinks intakt lassen (falls sie das nicht schon tun …)

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  1. #Path Datenskandal - Der Pfad zur dunklen Seite der Macht | rotten hamburg - beautiful st. pauli |☠ ring2 - 8.02.2012

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  3. Pinterest – das digitale Schaufenster » henningschuerig.de/blog - 8.02.2012

    […] zunächst mal vielleicht clever, aber es gibt einige Aufregung darüber, zumal die aktuelle Umsetzung nach deutschen Recht auch illegal sein […]