Wir für Gauck: Ich gebe alles zu

Christian Wulff ist gerade erst über einen mangelhaften Umgang mit der Wahrheit gestolpert und vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten. Die Nachdenkseiten haben nicht nur herausgefunden, daß Gauck auch als Präsidentschaftskandidat schon ein gesteuertes mediales Kunstprodukt war, sondern auch, wer dahinter steckte:

Interessant daran ist zweierlei: zum Ersten der äußerst geringe Abstand zur Bundespräsidentenwahl, womit dieser Wahlgang und die Kandidatur Joachim Gaucks ein Gschmäckle von Kommerz bekommen. Er und die werbetreibende Agentur samt »FAZ« nutzen die verbliebene Popularität so schnell wie möglich, und sie nutzen die Verknüpfung mit dem Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten. Zum Zweiten entlohnt der Kandidat Gauck mit diesem Schritt die Werbeagentur Scholz & Friends, deren Mitarbeiter Nico Lumma die Petition »Wir für Gauck« ins Netz gestellt hatte. Wissen sollte man noch, dass die Agentur Scholz & Friends auch lange für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gearbeitet hat.

Da ich weiß, was jetzt auf mich zukommt, gebe ich hiermit ein vollumfängliches Geständnis ab. Ja, die Springer-Presse und ich haben Gauck zum Bundespräsidenten gemacht. Nun fragt man sich, wieso ich, dies getan habe. Dies will ich gerne erläutern.

Anfang der 80er Jahre erhielt ich einen Anruf von Axel Cäsar Springer, der mich zu einem Termin nach Hamburg einlud. Dort offenbarte er mir, wie wichtig ihm die Wiedervereinigung sei und daß er jemand brauche, der seinen Plan für ihn umsetzen würde, sollte er vor der Wiedervereinigung sterben. Springer sah die Wiedervereinigung nur vollendet, sobald eine Kanzlerin und ein Bundespräsident im Amt seien, die beide aus dem Osten Deutschlands kommen. Ich willigte ein und mir wurde Kai Diekmann als Adjutant zur Seite gestellt. Zügig machten wir uns ans Werk, ich habe das strategische Grundgerüst entwurfen, Kai hat es medial umgesetzt. Nach der Wiedervereinigung haben wir gemeinsam nach Kandidaten im Osten Deutschlands gesucht, die wir gemeinsam im Hintergrund würden aufbauen können. Natürlich war uns Angela Merkel sofort aufgefallen und wir überlegten, ob wir Joachim Gauck langfristig aufbauen könnten, irgendwas mit Kirche kommt schließlich immer gut in Deutschland. Dazu fehlte uns eine Werbe-Agentur, weswegen wir dann dafür sorgten, daß Scholz & Friends nicht nur zu einer großen Agenturgruppe in Deutschland heranwachsen konnte, sondern auch strikt mit linientreuen Kadern besetzt wurde, die von oben durchregiert werden konnten und sich ausschließlich um die FAZ und die INSM kümmerten. Alle anderen Kunden existierten nur auf dem Papier, 1000 Mitarbeiter haben nichts anderes getan, als FAZ und INSM zu fördern. Nicht immer alles klappte nach Plan, so versuchte Merkel einmal einen eigenen Kandidaten als Bundespräsidenten durchzudrücken und wir mußten dafür sorgen, daß er zurücktritt. Wir dachten, sie verstünde die Warnung, aber nein, kurz darauf präsentierte sie Christian Wulff als neuen Kandidaten. Daraufhin organisierten wir eine Pseudo-Graswurzelbewegung für Gauck, was besonders leicht fiel, da ich mittlerweile bereits das Kommando bei Scholz & Friends übernommen hatte und zügig die Kader für die Programmierung von wir-fuer-gauck.de und die bundesweite sublime Bewerbung befehligen konnte. Merkel blieb stur und Diekmann und ich mussten wieder dafür sorgen, daß ein Bundespräsident abtritt. Als erste Fotos des Eigenheims in Großburgwedel auftauchten, wussten wir, daß wir nur gewinnen konnten. Der Rest, so sagt man, ist Geschichte.

Um Spuren zu verwischen, habe ich Scholz & Friends letztes Jahr an WPP verkauft, Thomas Heilmann zum Justizsenator von Berlin gemacht und Sebastian Turner als Oberbürgermeisterkandidat von Stuttgart ins Spiel gebracht.

Ich stehe zu dem, was ich gemacht habe. Ich würde es jederzeit wieder tun. Ich mache in diesem Land die Bundespräsidenten und lasse mir von Kai Diekmann dabei helfen.

23 Antworten auf „Wir für Gauck: Ich gebe alles zu“

  1. Haha, made my day. Genauso und nicht anders kann man nur darauf regieren

  2. Haha, made my day. Genauso und nicht anders kann man nur darauf regieren

  3. Das der Springerverlag bei der Abwahl des alten Präsidenten und bei der medialen Inszenierung des neuen BP seine Finger im Spiel hatte, ist wohl nicht unumstritten. Da Springer auch einen angeblich “engen” freundschafltichen Kontakt zur Kanzlerin pflegt, ist es umso verwunderlicher, warum ein von Merkel bestimmter BP aufgrund des medialen Kreuzfeuers (vorranging: BILD) zurücktreten musste. Ein Machtspiel?

  4. Das der Springerverlag bei der Abwahl des alten Präsidenten und bei der medialen Inszenierung des neuen BP seine Finger im Spiel hatte, ist wohl nicht unumstritten. Da Springer auch einen angeblich “engen” freundschafltichen Kontakt zur Kanzlerin pflegt, ist es umso verwunderlicher, warum ein von Merkel bestimmter BP aufgrund des medialen Kreuzfeuers (vorranging: BILD) zurücktreten musste. Ein Machtspiel?

  5. nico lumma Ich find gut, dass du mal reinen Tisch gemacht hast ;)

  6. nico lumma Ich find gut, dass du mal reinen Tisch gemacht hast ;)

  7. Es nun ins Lächerliche zu ziehen wirkt auf mich nicht unbedingt souverän. Eher wie der ertappte Lausbub mit den Fingern in der marktkonformen Keksdose.

  8. Es nun ins Lächerliche zu ziehen wirkt auf mich nicht unbedingt souverän. Eher wie der ertappte Lausbub mit den Fingern in der marktkonformen Keksdose.

  9. @lutzmache Dann stimmt es also? Sonst könnte man es ja ernsthaft klarstellen.

  10. @lutzmache Dann stimmt es also? Sonst könnte man es ja ernsthaft klarstellen.

  11. Hier etwas aufgespießtes:

    Joachim Gauck ist ein konsequenter Vertreter einer bürgerlichen, freiheitlichen, auch ökonomisch freiheitlichen Mitte. Es ist das Land das er sich erträumt hat. Jetzt wird er Bundespräsident in einer Zeit, in der selbst in dieser Mitte wieder verstanden wird, dass die Freiheit der Märkte die Unfreiheit nicht nur vieler Menschen, sondern auch die Unfreiheit der Politik nach sich zieht. In einer Zeit also, da es um Freiheit und um Regulierung, Beschränkung, Einhegung geht. Begriffe, die in Gaucks Weltbild nicht passen.

    http://www.berliner-zeitung.de/politik/leitartikel-zu-gauck-praesident-der-alten-mitte,10808018,11675920.html

  12. Hier etwas aufgespießtes:

    Joachim Gauck ist ein konsequenter Vertreter einer bürgerlichen, freiheitlichen, auch ökonomisch freiheitlichen Mitte. Es ist das Land das er sich erträumt hat. Jetzt wird er Bundespräsident in einer Zeit, in der selbst in dieser Mitte wieder verstanden wird, dass die Freiheit der Märkte die Unfreiheit nicht nur vieler Menschen, sondern auch die Unfreiheit der Politik nach sich zieht. In einer Zeit also, da es um Freiheit und um Regulierung, Beschränkung, Einhegung geht. Begriffe, die in Gaucks Weltbild nicht passen.

    http://www.berliner-zeitung.de/politik/leitartikel-zu-gauck-praesident-der-alten-mitte,10808018,11675920.html

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