Europa ist nicht immer leicht

Nico —  27.02.2012

Ich habe wenig Ahnung von Finanzen. Und noch viel weniger Ahnung habe ich von Volkswirtschaft. Ich weiß nicht, ob der Griechenland-Rettungsfond ausreicht, ob das alles alternativlos ist oder ob die Europäische Gemeinschaft sich daran verheben wird. Ich habe davon keine Ahnung. Und ich bin genauso wie viele andere Bürger auch irritiert über diese Milliardensummen, die jetzt mal eben aus irgendwelchen Ecken zusammengekehrt werden, wo es doch eigentlich immer heißt, daß der Staat kein Geld hat und wir alle sparen müssen.

Aber, uns alle fehlen die Erfahrungswerte, denn eine derartige Staatsverschuldung eines Mitgliedslandes der Europäischen Union haben wir bislang noch nicht gehabt und daher dürfen die handelnden Akteuere jetzt versuchen, Griechenland so zu retten, wie sie es für richtig halten. Hinterher ist man immer schlauer und kann sagen, daß man es immer gewußt habe, aber wer kann das derzeit schon von sich behaupten?

Was man aber lernen sollte aus den Debatten um die Griechenland-Rettung und den Fragen der Zumutbarkeit von Sparmaßnahmen und der Höhe von Rettungsschirmen ist, daß ein gemeinsames Europa nicht nur in guten Zeiten eine Solidargemeinschaft darstellen darf, sondern eben auch in schlechten Zeiten. Die Europäische Union und mit ihr der Euro sind in der schwierigsten Situation ihres Bestehens, daher muß jetzt alles daran gesetzt werden, die Krise zu überwinden und dann zu evaluieren, was zukünftig besser gemacht werden kann.

Mich kotzt es an, wie derzeit die Besserwisser alle so tun, als ob sie wüßten, wie man mal eben Griechenland retten kann, und dann Spanien und Portugal auch gleich mit, und wie einfach es doch wäre, wenn. Wenn die Griechen aus der Euro-Zone aussteigen würden, noch mehr sparen würden, noch mehr dies, noch mehr jenes. Hauptsache für uns ändert sich nichts. Aber so läuft das nicht. We’re in it together. Wenn es bei den Griechen knirscht, dann knirscht es auch bei den Deutschen. Das nennt sich Solidarität und auch wenn das Knirschen hier anders ist als in Griechenland, es wird mitgeknirscht werden müssen. Wer breite Schultern hat, der kann auch mehr tragen. Das ist gelebte Solidarität und das muß auch in einem geeinten Europa funktionieren, sonst können wir es gleich lassen. Manchmal glaube ich, daß bei all den Rettungsschirmen, Eurobonds und Milliardenschulden völlig vergessen wird, was für eine grandiose Idee ein geeintes Europa doch ist und daß wir alles, alles dafür tun sollten, daß die Europäische Union nicht auseinanderbricht.

10 responses to Europa ist nicht immer leicht

  1. Hm … schau mal da rein … http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,817004,00.html 

  2. TeresaBerlin 27.02.2012 at 23:25

    Danke für diesen wunderbaren Text. Er spricht mir mir aus der Seele 

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  5. SurfNews_ 28.02.2012 at 5:56

    Mit der Euro-Mitgliedschaft Griechenlands hat sich die EU selbst einst in eine ökonomische Zwickmühle begeben, die heute zu den Entscheidungsproblemen zwischen Pest und Cholera führt. Die Euro-Grundfrage lautet, wie zugunsten politischer Prioritäten überhaupt jemals die ökonomische Grundvernunft verlassen werden konnte, keine ökonomisch schwachen Staaten wie Griechenland in einen starken Währungsraum mit harter Währung aufzunehmen. Hier ist der europäische Kapitalismus leider von seinen kapitalistischen Tugenden abgekommen. Diesen Fehler angemessen zu korrigieren, setzt voraus, ihn überhaupt erst mal als solchen zu erkennen. Zum Umgang mit Problemen, von denen man keine Ahnung hat, hat sich im übrigen bekanntlich Dieter Nuhr schon richtungweisend geäußert ;-)

  6. Das Problem: Im Volk sieht man den (für Deutschland unglaublichen volkswirtschaftlichen) Vorteil eines geeinten Europas nicht. Man sieht Schengen und den Euro, was es schön man, den Latte Mattschjato in Rimini mit dem in Berlin vergleichen zu können. Darüber hinaus aber fehlt so vielen jedes Bewusstsein für den Wert Europas. 

  7. Wie ich am WE lesen durfte versenkt die Bundesregierung seit 20 Jahren zwischen 70 und 80mrd im „Aufbau Ost“. Eine Studie die seit einem Jahr vorliegt bestätigt dieses sinnlose Treiben. http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-02/aufbau-ost-studie-innenministerium
     
    Nun frage ich mich, weshalb wurden in den letzten 20 Jahren 1,4 Billionen Euro in den Aufbau Ost gesteckt und über Griechenland wird sich aufgeregt. Ich erinnere mich gerne an meinen ersten Urlaub in Griechenland zurück. Als ich dort mit anderen Kindern am Strand gespielt hatte, hieß der Osten Deutschlands noch DDR.
     
    Wenn ich also heute „Solidarität“ mit meinem Ostdeutschen Landsleuten üben soll, so will ich auf jeden fall dieselbe Solidarität mit meinem Griechischen Europleuten üben. Anders ausgedrückt. Einfach mal 2 Jahre den Aufbau Ost aussetzten und dafür den Aufbau Süd voran bringen. Denn die waren schon Europäer als Merkel noch mit dem blauen Halstuch ihrer Pionierorganisation Ernst Thälmann und später der Freien Deutschen Jugend (FDJ) durch die Gegend marschierte  

  8. Das Euro nicht leicht ist sieht man ja hier http://bit.ly/y5IqfL obwohl der Urheber glaube ich aus den USA kommt!

  9. Robbi Molzahn 28.02.2012 at 13:41

    Wer die Ausgaben für den Wiederaufbau Ostdeutschlands nach der Wiedervereinigung mit den Griechenland-Hilfen auf eine Stufe stellt, hat ja von der Wiedervereinigung und von Geschichte und Politik schonmal garnichts begriffen. Einen Deutschen braucht er sich im Prinzip auch nicht nennen, wenn er bei solchen historisch angefallenen Staatsausgaben noch zwischen Ost- und Westdeutschland unterscheidet. Die Bewältigung der Wiedervereinigungslasten sind ein Erbe des von ganz Deutschland geführten und verlorenen 2. Weltkriegs – für das die Ostdeutschen vierzig Jahre lang zuvor die weitaus größeren Lasten zu tragen hatten und solchermaßen ihren Solidaritätszuschlag im Namen Deutschlands längst geleistet haben. Da liegt es auf der Hand, dass auch die Westdeutschen nach Ende dieser weltkriegsbedingten Teilung ihren Anteil zu Bewältigung des Weltkriegserbes im brachliegenden Ostdeutschland leisten müssen – wenn sie es mit der Wiedervereinigung ernst meinen. Diese Lasten nicht angemessen mittragen zu wollen, bedeutet dann nichts weniger, als sich aus der deutschen Geschichte und damit auch aus dem wiedervereinigten Deutschland stehlen zu wollen – was der verbreitet anzutreffende wahre Parasistismus im Rahmen der deutschen Wiedervereinigung ist.  1,4 Billionen Euro insgesamt sind gemessen an diesen historischen Dimensionen der Wiedervereinigung auch nicht unbedingt viel, wenn sie bei einem jährlichen BIP von 3,35 Bill. Dollar gerade mal ca. die Hälfte  einer Jahreswirtschaftsleistung Deutschlands ausmachen und ja als Wiederaufbau der Osthälfte im Lande verbleiben. Gerade weil Deutschland diese besonderen Teilungslasten zu tragen hat und sich wegen ihnen verschuldet hat, kann es nicht auch noch halb Südeuropa mitfinanzieren – insofern stimmt diese Logik hinten und vorne nicht. Die Schuldenmalaise Südeuropas ist schlicht nicht in dem Maße historisch bedingt, wie die für Ostdeutschland  aufgebrachten Lasten. Die Währungsunion verschiedener europäischer Staaten wird auf Dauer kaum funktionieren, wenn ein selbst unter Schulden ächzendes Zentrum Deutschland auch noch die südliche Peripherie dauerhaft mit  durchfüttern soll.

  10. @Robbi Molzahn
    1. Richtig, ich nenne mich Europäer. 
    2. Der Osten geht mir aber sowas vom, am allerwertesten vorbei (Ähnlich wie Ungarn, Rumänien oder Weißrussland)
    3. Die „Teilungslast“ kann man sofort abstellen und die freigewordenen Gelder für den Süden aufbringen. 
     
    Könnte jetzt einen Aufsatz schreiben und dein Politisches Gestümper über die Wupper tragen…aber, bei Beiträgen wie den deinen werde ich immer so müde…