Das Cord-Cutters Manifest

Oh ja, dem kann ich mich durchaus anschließen. Mich nervt Broadcast-TV ohne Ende, die Distribution von Inhalten kann man mittlerweile auch intelligenter anstellen. Aber dabei geraten einige Geschäftsmodelle ins Wanken und daher werden lieber die Konsumenten gegängelt.

Mark Glaser hat daher ein paar Forderungen in The Cord-Cutters Manifesto aufgenommen, die ich alle unterschreiben kann:

1. We would like to watch the TV shows we want when we want on the device or screen we want. Sounds simple, doesn’t it? We all know as cord-cutters that nothing is ever that simple. You often have to wait a day, a week, a month or a year to see a show that aired last night. Give us the shows we want when we want them and we’ll be willing to pay a fair price. Without a cable subscription.

2. We will pay for the shows and sports we want most. This is a business model you understand well: pay-per-view. Some people will pay $4.99 for a movie that just left the theaters and others will pay $50 for a top-flight boxing match. Just move that model over to TV, so that some people pay 99 cents for a regular season show, $1.99 for a season-ending show and $9.99 for a season’s pass. iTunes already offers this up, but this needs to be broken out of Apple’s closed system for everyone. Without a cable subscription.

3. End the blackouts for sports-on-demand. Ah, the most difficult one for you to pull off because of multibillion-dollar contracts between sports leagues and the TV networks. But consider the new revenues that would come in if everyone in the nation (or maybe the world, if you do it right online) could pay $1.99 to watch each New York Knicks game with Jeremy Lin playing. Or if you’re a fan of a hometown team, you could buy a season’s package to watch the games at home. We repeat: Without a cable subscription.

4. Yes, we mean one service that plays on all devices. If we rent or buy a show with one service, we expect to watch it on our big-screen TV, our smartphone, our tablet, our computer monitor, and on whatever invention comes next that has a screen. You’ve already been building such a system, called “TV Everywhere” or Xfinity (at Comcast). It’s great, but it assumes only people paying for cable can watch. All you have to do is come up with a fair fee for non-cable subscribers, and we’ll be hooked.

5. Good shows swim; bad shows sink. The argument from cable providers is that the only way to support quality programming is to have everyone pay for every channel. If they switched to a la carte programming, everyone would choose a few channels and we’d lose the diversity. And who would pay the “Mad Men” their escalating salaries? Guess what: The good programming would rise to the top, and the bad programming would go away. If the current crop of actors can only survive on $1 million per episode, we can probably find a new crop of actors who can survive on $10,000 per episode. More likely, the less middlemen who are involved in TV production and distribution, the more money that actors will get directly from fans.

Die Disruption der Inhalte-Distribution ist in vollem Gange und die Reaktanzen werden weiterhin hoch sein, denn für die meisten derzeitigen Marktteilnehmer steht die Existenz auf dem Spiel.

Niemand wird jemals im Internet einkaufen wollen!

Wet Seal

In den letzten Tagen hat eine Meldung von Bloomberg die Runde gemacht, die suggeriert, daß Facebook Commerce nicht funktionieren würde: Gamestop to J.C. Penney Shut Facebook Stores und diese Meldung wurde gerne von allen aufgegriffen, die entweder Facebook irgendwie schon immer doof fanden oder einfach nicht verstehen, wie eCommerce auf Facebook funktionieren könnte.

In dem Artikel wird ein Social Media Berater wie folgt zitiert:

“It was basically just another place to shop for all the stuff already available on the retailer websites,” Gerten said. “I give so-called F-commerce an ‘F.’”

Na klar, wenn man einfach lieblos den Shop irgendwie bei Facebook reinstopft, dann fragen sich die Kunden natürlich was das soll und wo der Mehrwert bleibt.

Wet SealEs geht aber auch anders, wie das Beispiel Wet Seal zeigt. Wet Seal ist eine Modemarke aus den USA, die nicht nur eine Facebook Fanpage hat, sondern auch über 470 Läden quer über die USA verteilt. Wet Seal bekommt mittlerweile 20% des Web-Traffics über Facebook und sieht Facebook als massiven Umsatztreiber an. Allerdings findet man auf Facebook nicht einfach nur einen Abklatsch des Shops, sondern tägliche Inspirationen und Tipps, die von der jungen Zielgruppe gerne aufgenommen werden. Hinzu kommen smarte Verknüpfungen für die Nutzer, die das Angebot attraktiv machen:

Shoppers using the outfit tool are 40% more likely to buy something, and buyers spend 20% more.
“Shop with friends” users become buyers at 2.5 times Wet Seal’s average conversion rate online.
The iPhone app generates about 5% of Wet Seal’s overall Web traffic, and the app has been downloaded more than 65,000 times.
Girls look at about 500,000 outfits a week with their iPhones — traffic that spiked to about 750,000 a week the two weeks before back-to-school.
Facebook has become one of the largest marketing bases for store traffic, thanks to coupons and campaigns, and one of the biggest drivers of traffic to WetSeal.com

Das Wet Seal Beispiel ist von 2010/2011, aber ich gehe davon aus, daß man noch weitere Beispiele für Erfolgsgeschichten auf Facebook finden wird, wenn man nur etwas danach sucht und nicht einfach nur den Rückzug einiger Anbieter zum Anlaß für eine negative Geschichte nimmt.

Meine Vermutung für die Mißerfolge bei Gamestop, JC Penney und anderen: geringe konzeptionelle Flughöhe gepaart mit Abstimmungsproblemen innerhalb des Unternehmens und noch dazu kleine Budgets, so daß am Ende nichts Halbes und nichts Ganzes dabei rauskam und sich alle wunderten, warum die wundersamen Erfolge des Facebook Commerce nicht auch sofort bei Ihnen auftraten. Wenn man das Thema aber etwas pfiffiger und längerfristiger angeht und noch dazu mit dem Point-of-Sale und dem Web-Shop kombiniert, dann kann Facebook für ordentlichen Umsatz sorgen.

Wenn man mal 15 Jahre zurückblickt, dann fällt auf, daß man die Diskussion um Facebook Commerce und daß das ja gar nicht funktionieren könne, schon einmal hatte. Damals kamen Leute auf die Idee, das Web auch zum Verkaufen von Waren nutzen zu wollen. Völlig absurd, es gibt doch Kataloge! Erstaunlicherweise ist das Einkaufen im Web heutzutage Normalität und so wird es bei Facebook auch bald selbstverständlich zum Angebot vieler Unternehmen dazu gehören. Aber sicherlich anders, als JC Penney und Gamestop sich es vor einem halben Jahr mit dem Facebook Commerce vorgestellt hatten.

Das letzte Zucken der Sonstigen

Zugegeben, ich bin froh, daß Christian Wulff abgedankt hat und ich finde es gut, daß Joachim Gauck jetzt Bundespräsident werden soll. Es stellt sich allerdings die Frage nach der Bewertung des Vorgehens zur erneuten Kandidatenfindung. Ich war, wie so viele Kommentatoren, nicht dabei, aber ich habe natürlich eine pointierte Meinung dazu.

Ich glaube, bei der Kandidatenfindung haben wir ein letztes Zucken der FDP gesehen. Ein staatsmännisches zwar, aber dennoch keinen Neustart.

Es gibt drei Punkte, die deutlich machen, was am Wochenende passiert ist:

1. Die rot-grüne Opposition hat durch die frühe Festlegung auf Joachim Gauck der Koalition die Optionen genommen

2. Angela Merkel und die CDU haben künftig noch eine Rechnung offen mit der FDP, Mutti war not amused. Mutti hat sogar geschrien.

3. Das war keine Machtdemonstration von Philipp Rösler, sondern reiner Pragmatismus von Wolfgang Kubicki, der seine letzte Chance auf den erneuten Wiedereinzug ins Landesparlament von Schleswig-Holstein damit hat wahren wollen. Rösler wurde gedrängt, er hat nicht selber gehandelt.

Rösler hat sich zwar gefreut wie ein Scheekönig, aber zu welchem Preis? Die FDP wird zu spüren bekommen, wie die Kräfteverhältnisse in der Regierung wirklich sind. Der Gauck-Bonus wird direkt nach der Wahl verflogen sein für die FDP, denn Gauck wurde bereits vor zwei Jahren von der Opposition vorgeschlagen. Als Bundespräsident ist Gauck sowieso der Überparteilichkeit verpflichtet, daher wird die FDP von diesem Amtsträger keinerlei Abstrahleffekte mitnehmen können. Angela Merkel hingegen hat jetzt alle Optionen offen für die nächste Wahl und muß sich nicht mehr um den dahinsiechenden Koalitionspartner kümmern. In der schwarz-gelben Koalition werden wir bis zur Wahl schwarz pur erleben und die FDP wird mehr denn je zur Randerscheinung werden.

Es manifestiert sich, dass die FDP mit dem Rücken zur Wand steht und dieser vermeintliche Befreiungsschlag ehervein Selbstmord aus Angst vor dem Tod war. Der große Fußball-Philosoph Lukas Podolski hat mal gesagt: “Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel”, bezogen auf die Politik kann man attestieren: “FDP ist wie Partei, nur ohne Strategie”.

Ligagott – wer kann noch Meister werden?

Ligagott

Ligagott

Ligagott bietet mathematisch fundierte Antworten auf die drängenden Fragen eines jeden Fußballfans:

Kann mein Verein noch Meister werden?

Kann mein Verein noch absteigen?

Die guten Nachrichten gleich vorweg:
Bayern kann noch absteigen und der HSV Meister werden. In 2012. Wäre hätte das gedacht. Ach ja, und der BVB kann nicht mehr absteigen, das ist doch auch was.

Ligagott wird zum Ende der Saison vielen Hoffnungen und Spekulationen ein Ende bereiten.