Die Netzpolitiker an sich

Die heimlichen Piraten

Die heimlichen Piraten

Die kurze Doku Die heimlichen Piraten ist durchaus sehenswert, weil sie zeigt, wie schwer der Spagat zwischen Netz und Politik sein kann. Lars Klingbeil, Jimmy Schulz und Doro Bär werden gezeigt, mal im Interview, mal im Dialog mit den Parteifreunden.

Ich teile die Auffassung von Lars Klingbeil, daß gute Netzpolitiker sich mittelfristig überflüssig machen sollten, da das Thema Netzpolitik ein massives Querschnittsthema ist, wie Europa auch.

Produkte der Woche – 15

Verrückt, schon wieder Produkte der Woche, zusammengestellt und gesammelt von mir.

Wrecking Ball ist das neue Album von Bruce Springsteen und ich höre jetzt schon mal rein, damit ich beim Konzert in Berlin alles mitgröhlen kann.

Die Pebble Smartwatch wird auf Kickstarter gerade mit Funding überschüttet. Ich trage schon seit Ewigkeiten keine Uhr mehr, aber eine Smartwatch könnte ich mir durchaus einmal vorstellen.

Ob die Projektile einer Marshmallow Shotgut gut verdaubar sind?

Ach irgendwie gehört eine Nerf Gun mittlerweile zum Büro-Inventar.

Mal wieder eine neue Auflage des X-Wing Fighter, aber wenn man LEGO und Star Wars mag, dann nimmt man das billigend in Kauf.

Ich bin jetzt total tiefenentspannt, weil meine Frau mir neulich Nerventee gekauft hat.

Als Popcorn-Enthusiast finde ich Halfpops eine interessante Variante.

Die New Balance Spring 2012 Pro Court low finde ich ganz chic.

Für alternde Skater wie mich: ein Powell Peralta iPhone Case.

Was ist eigentlich mit Path?

Dave Morin joined Path

Dave Morin joined PathAlle Welt redet gerade darüber, daß Facebook Instagram für 1 Milliarde Dollar gekauft hat und der Mitgründer Mike Krieger erläutert in einer Präsentation wie Scaling Instagram funktioniert hat. So eine Akquisition sorgt für reichlich Diskussionsstoff über die Bewertung, den Kaufpreis, den möglichen Nutzen für das Produkt, die Brillianz der Gründer und den plötzlichen Reichtum des Teams. Aber wenn man mal ehrlich ist, hat eigentlich niemand diese Übernahme kommen sehen, sondern hatte eher Path im Blick als möglichen Übernahmekandidaten.

Path ist eine iPhone-App, die nach Meinung vieler Nutzer und Tech-Auguren die mobile Timeline so macht, wie sie sein sollte. Es gibt eine Beschränkung auf 150 Freunde, auch wenn das eigentlich viel zu viele Freunde sind, wie Marcel Weiß richtig anmerkt, und die User-Experience steht klar im Fokus der Anwendung. Man kann leicht Bilder in die Timeline posten (und sogar mit Filtern versehen, wie bei Instagram auch), man kann seine Gedanken äußern, seinen Ort angeben und auch sagen, welche Musik man hört, man kann sogar mitteilen, daß man Schlafen geht und auch, daß man wieder wach ist. Dies sind alles Informationen, die für die engeren Freunde relevant sein könnten, aber wahrscheinlich nicht für “irgendwelche Facebook-Freunde”. Natürlich gibt es optionales Sharing mit Facebook, Twitter, Tumblr oder Foursquare, aber primär geht es erst einmal darum, über die mobile Nutzung einen engeren Austausch mit den Freunden hinzubekommen.

Jetzt, wo Facebook Instagram gekauft hat, stellt sich unweigerlich die Frage, was denn aus Path werden wird. Der Gründer Dave Morin war einer der frühen Mitarbeiter von Facebook und irgendwie hatten “alle” bislang vermutet, daß Path irgendwann genügend Nutzer haben würde, um dann von Facebook gekauft zu werden, um als Story für die Börse “wir können jetzt auch mobile Timeline in chic” erzählen zu können.

Kauft Google jetzt Path, um Google+ noch mehr Leben einzuhauchen? Die mobile App ist bislang nicht so der Kracher, da könnte Path sicherlich das Circle-Thema neu und besser interpretieren. Oder nutzt AoL, ja, die gibt es immer noch, Path, um die bislang nicht so prickelnd verlaufene Hyperlocal-Thematik Patch mit einer neuen Komponente zu versehen? Oder kann Path die Killerapp für MicrosoftNokia werden, damit doch deren mobile Strategie noch greifen kann?

Man könnte natürlich auch darüber nachdenken, daß Path irgendwann auf die Idee kommt, ein Monetarisierungskonzept zu entwickeln, um den Dienst profitabel zu machen. Wie schwer dies ist für Dienste, bei denen die Kommunikation zwischen den Nutzern im Vordergrund steht, sieht man am langjährigen Eiertanz von Twitter beim Thema Monetarisierung.

Wohin wird sich Path entwickeln?

Die Piraten sind die Partei der Sehnsucht

Die Piraten haben laut der Forsa Sonntagsfrage erstmals bessere Umfragewerte als die Grünen und bringen damit unser Parteiensystem erheblich in Schwung. Während man sich über die 5% für die FDP verwundert die Augen reibt, stellen die Piraten einen ziemlichen Stachel im Hintern der etablierten Parteien dar und es wird viel darüber diskutiert, wie man die Piraten wieder wegbekommt oder wenigstens so weiter machen kann wie bisher, ohne daß die zu sehr nerven. Am Wochenende gab Frank-Walter Steinmeier ein Interview in der WELT und skizzierte seine Position zu den Piraten wie folgt:

Wir dürfen den Piraten nicht angsterfüllt nachlaufen, aber wir müssen reagieren. Die gewachsenen Parteien müssen ihre Diskussionen so transparent führen, dass andere sie als Einladung verstehen. Außerdem müssen wir uns mit den Positionen der Piraten zur Netzpolitik ernsthaft auseinandersetzen. Wir müssen jungen Leuten sagen: Millionen Menschen im Kulturbereich leben davon, dass sie für ihre Kreativität bezahlt werden. Natürlich können wir die Dinge angesichts fortschreitender technischer Entwicklung nicht zurückdrehen. Aber wir müssen nach Modellen suchen, wie Beiträge aus Musik oder Malerei den Künstlern weiter das Überleben sichern. Mit ihrer strikten Haltung zum Urheberrecht gefährden die Piraten die Existenzgrundlage vieler Kreativer.

Allein mit diesem Absatz zeigt Steinmeier ganz ganz deutlich das Problem, das die SPD und andere Parteien mit den Piraten haben. Die Piraten sind weit mehr als nur Netzpolitik. Die Piraten sind attraktiv für ganz viele Wähler, die mit dem althergebrachten Parteiensystem unzufrieden sind, die keine Lust mehr auf Debatten haben, die von Technokraten geführt werden und meilenweit an den Lebensrealitäten der Menschen vorbei gehen. Man darf die Piraten nicht auf Netzpolitik verengen, sondern man sollte sehen, daß der Politikbetrieb immer weniger von den Wählern verstanden wird. Es gibt unzähligste Debatten, bei denen der normal interessierte Bürger einfach nicht mehr versteht, was die Debatte eigentlich soll und wo der Nutzen liegen könnte. Transparente Diskussionen alleine helfen nicht, wenn niemandem klar ist, was bei den Diskussionen eigentlich erreicht werden soll und kann. Die Bundesrepublik war schon von Anfang an auf das Austarieren der Interessen angelegt, daher wird immer versucht, es möglichst vielen Wählerschichten irgendwie Recht zu machen. Dabei verschwinden allerdings zunehmend die Konturen.

Die Piraten bieten derzeit eine immense Projektionsfläche für die Sehnsucht vieler Wähler nach einem anderen, einem neuen Politikstil. Die Rituale des politischen Berlin werden immer weniger verständlich erläutert, die vermeintliche Alternativlosigkeit gekoppelt mit einer staatsräsonierenden Opposition sorgen dafür, daß Optionen im Parteienspektrum immer weniger deutlich zu sehen sind. Da kommen die Piraten gerade richtig und verwirren die etablierten Darsteller aus Politik und Journalismus. Ich glaube, daß es zunehmend ein Aufbäumen im Politikbetrieb geben wird, bei dem eher jüngere Politiker gegen das Weiter so! der Älteren aufbegehren. Das hat es schon immer gegeben, aber die Frustration mit dem Politikbetrieb nimmt nicht nur zu, sondern wird von neuen Möglichkeiten der Zusammenarbeit flankiert, die erst durch das Internet und den Beginn der digitalen Gesellschaft möglich wurden. Es ist natürlich die Frage, ob und wenn ja wie, die Piraten diese Sehnsucht vieler Wähler auch bedienen können. Bislang sieht es eher danach aus, als ob die Fragen der Organisationsformen noch lange nicht geklärt sind und dadurch einer fundierten inhaltlichen Auseinandersetzung mit den aktuellen Themen eher im Weg stehen.

Mal sehen, wie lange die Sehnsucht anhält.

Facebook kauft Instagram in höchster Not

Instagram

InstagramFacebook hat gerade ein Unternehmen mit 13 Mitarbeitern für 1 Milliarde Dollar gekauft. Auf Twitter drehen Leute unrund, finden, daß ihnen zu Unrecht ihre Förmchen weggenommen wurden, erinnern an flickr und Yahoo! und haben generell kein Verständnis für die Übernahme von Instagram durch Facebook – ihnen geht es um ihre Daten und die Nutzung eines unabhängigen Dienstes. Andere wiederum bemängeln, daß Facebook mit der Akquisition kaum neue Nutzer gewinnen würde und daß Instagram als kostenlose App noch kein wirkliches Erlösmodell habe und daß daher die 1 Milliarde Dollar zu viel Geld gewesen sei. Aber werfen wir doch mal einen Blick auf die Erklärungen, die Mark Zuckerberg in seinem Blog liefert. Mark Zuckerberg erklärt den Kauf von Instagram so:

I’m excited to share the news that we’ve agreed to acquire Instagram and that their talented team will be joining Facebook.

For years, we’ve focused on building the best experience for sharing photos with your friends and family. Now, we’ll be able to work even more closely with the Instagram team to also offer the best experiences for sharing beautiful mobile photos with people based on your interests.

Das heißt auf gut Deutsch: “Scheiße, dieses Instagram wächst wie Unkraut, erst auf dem iPhone, jetzt auch noch auf Android, die machen irgendwie alles richtig.” Früher hieß das, was Instagram macht, noch Moblog und niemand konnte sich vorstellen, daß irgendwann einmal ganz viele Nutzer ganz viele Fotos von Unterwegs machen würden, damit andere Nutzer diese Fotos sehen und bewerten können. Instagram hat allerdings genau den Sweetspot getroffen und eine mobile Community geschaffen, die eine enorme Stickyness für ihre Nutzer hat und elegant mit anderen Diensten wie Facebook, Twitter, Foursquare oder Tumblr zu verknüpfen ist. Instagram ist eine mobile Company, während Facebook vielleicht auf dem Weg dahin ist, aber immer noch sehr Web-zentriert ist.

Die Frage war nicht: ist Instagram mit 1 Milliarde Dollar zu teuer? – sondern: was ist, wenn Apple oder Google Instagram kaufen? Instagram hatte das Potential, Facebook gefährlich zu werden, weil es mobile Fotos besser kann als Facebook – und Fotos sind immer noch der Kern von Facebook. Facebook hatte gar keine andere Wahl, als Instagram zu kaufen.

Insofern kann man zwar bemängeln, daß das Netz wieder um einen unabhängigen Ort ärmer wurde, aber man muß einfach sehen, daß aus strategischen Gesichtspunkten Instagram nicht nur der passende Kauf für Facebook war, sondern auch in höchster Not geschehen ist. Ein anderer Käufer hätte Facebook mittelfristig Probleme bereiten können. So freuen sich die 13 Mitarbeiter über einen fetten Geldregen und Mark Zuckerberg kann eine Spur gelassener dem IPO und dem damit für ihn verbundenen noch fetteren Geldregen entgegensehen.