In deutschen Autos nur Handarbeit

Ist Euch das mal aufgefallen? In deutschen Autos wird immer noch von Hand geschaltet. Wieso eigentlich?

Ich habe meinen Führerschein vor 22 Jahren im Lotto gewonnen in den USA gemacht und das natürlich in einem Wagen mit Automatik-Getriebe, denn das ist Normalität in den USA. Autos mit Schaltgetriebe sind dort Exoten, die man extra bestellen muss. Hier in Deutschland wird ein Automatik-Getriebe immer noch als etwas angesehen, was bestenfalls Senioren im Auto haben wollen, es schwingt der Nimbus des Weicheierigen mit, wenn man Automatik fährt. Der Deutsche an sich schaltet selber. Aktuell fahre ich einen Opel Zafira Tourer und das ist als Pool-Fahrzeug natürlich ein Wagen mit Schaltgetriebe, davor hatte ich einen Audi Q5 und es gab bei der Konfiguration durchaus Diskussionen, warum ich denn unbedingt ein Automatik-Getriebe haben möchte. Mietwagen gibt es in Deutschland nahezu immer mit Schaltgetriebe, selten mit Automatik, egal welche Kategorie man bucht.

Ist das eine gesunde Ablehnung gegenüber Technologie, weil der Autofahrer an sich besser weiss, wann geschaltet werden sollte? Liegt dies an den 3-Gang Automatik-Schaltungen der 70er Jahre, die alles andere als perfekt waren? Wollen alle ihren inneren Schumi rauslassen, wenn sie noch mal kurz runterschalten, um mit ordentlich Karacho überholen zu können? Ist Automatik zu sehr Auto-Scooter?

Ich verstehe das echt nicht. Gerade im Stadtverkehr ist es total nervig, immer auf der Kupplung rumzustehen und die Gänge rein- und rauszupuhlen, außerdem schaltet ein Automatikgetriebe viel geschmeidiger und ist mittlerweile auch effizienter als das manuelle Schalten. Hinzu kommt, dass man eine Hand frei hat zum Kaffee trinken, twittern, Nase popeln oder einfach nur wild gestikulieren. Mittlerweile gibt es manuelle 6-Gang-Getriebe und 7-Gang-Automatik-Getriebe, warum? Wir haben doch auch Klima-Automatik und elektrische Fensterheber, aber von dem Schaltgetriebe kommen wir nicht weg? Liegt es nur an dem Aufpreis, den Hersteller in Deutschland für Automatik-Getriebe verlangen? Dieselmotoren sind auch teuerer, werden aber trotzdem gekauft.

Hat jemand Erklärungen parat? Eine Allensbach-Studie aus dem Jahr 2010 gibt immerhin an, dass für 18,9% der Befragten das Automatikgetriebe zu den wichtigsten Ausstattungsmerkmalen eines Autos gehört, aber warum nur so wenig und warum sind Breitreifen mit 15,7% fast genau so wichtig? Getränkehalter, nach dem Automatik-Getriebe und dem Radio mein drittwichtigstes Auto-Feature, tauchen in dieser Aufstellung gar nicht auf, dafür aber Einparkhilfen mit 35,9% – da wird auf die Handarbeit plötzlich gerne verzichtet.

Was meint ihr? Warum fährt man in Deutschland nicht Automatik?

16 Antworten auf „In deutschen Autos nur Handarbeit“

  1. Verstehe ich auch nicht. Fahre seit Jahren Automatik und kann auch nicht nachvollziehen, warum die meisten nicht verstehen, wie viel angenehmer und einfacher das ist. Zudem hat man die Hand frei für’s Knie der Beifahrerin!

  2. Hmmm, ich persönlich empfinde das anders. Gerade im Kollegenkreis wird immer mehr auf Automatik umgestiegen. Und das sind alles Herrschaften zwischen 30 und 50. Ich fahre seit einigen Jahren Automatik (sogar noch eine 3-Gang) und ich will nichts anderes mehr fahren. Wie Du bereits schriebst, im Stadtverkehr einfach bequem. Aber auch im Stau auf der Autobahn. Und mittlerweile gibt es ja auch Automatik, bei der man während der Fahrt eingreifen kann (Bsp. Easy Tronic).Ich vermute, mittelfristig wird sich das auch in Deutschland ändern.

  3. Ich kenne sehr viele, die bewusst einen Schaltwagen fahren. In der Tat kann ich das auch nicht nachvollziehen, warum ich mir im Stadtverkehr die zusätzliche Arbeit mache und ständig die Kupplung und die Schaltung bedienen muss. Interessant ist der Unterschied zu den USA, das war mir nicht bekannt. Meistens bekomme ich als Erklärung, dass ein Schaltwagen eben sportlicher sei. Ich habe bei meinen Fahrzeugen immer ein Automatikgetriebe gehabt und ärgere mich auch jedes Mal, wenn ich einen Mietwagen nehme, dass hier Schaltgetriebe der von dir genannte Standard ist. 

  4. Schaltgetriebe abseits der Luxusklasse sind in Sachen Effizienz eben noch auf dem Stand der 3-Gang Automatiken aus den 70ern. Handschalten ist da immer noch besser. (Zum Beleg mal die Verbrauchswerte typischer Klein- und Mittelklassewagen vergleichen.)Abgesehen davon; ich habe meinen Führerschein ebenfalls in den USA gemacht und mir persönlich ist ein Automatikgetriebe einfach zu langweilig. Ich betrachte Autofahren aber auch als etwas spaßiges, nicht als bloße Fortbewegung. Ich kann aber jeden verstehen, der gerade in der Stadt lieber zur Automatik greift.

  5. Verstehe ich ehrlich gesagt auch nicht. Ich habe meinen Führerschein seit 15 Jahren und fahre bisher (bis auf wenige Ausnahmen) fast ausschließlich Schaltgetriebe. Für mich steht aber bereits seit geraumer Zeit fest das, wenn unsere aktuelle Familienkutsche den Geist aufgibt, die neue ein Automatikgetriebe haben muss.

  6. Kontrolle. Das wäre jetzt meine Antwort, als jemand der Schaltgetriebe bevorzugt. Ich habe einfach eine bessere Kontrolle über das Auto, mit einem Schaltgetriebe, ich muss mir nicht vorschreiben lassen, wann ich welchen Gang benutze, kann auch mal auskuppeln und das Auto lange rollen lassen, kann in der Stadt in der Tat deutlich flexibler agieren und wie du sagst:Wollen alle ihren inneren Schumi rauslassen, wenn sie noch mal kurz runterschalten, um mit ordentlich Karacho überholen zu können?Das wiederum hat aber nichts mit Schumi zu tun, sondern mit der Erfahrung, dass man eben in Städten, in denen Schnarchnasen gerne mal richtig Zeit kosten, mit einem beherzten manuellen Kickdown, wirklich Zeit sparen kann.Das größte Problem bei der ganzen Betrachtung dürfte aber die praktische Erfahrung mit Automatikautos sein. Vermutlich will der, der mal eine ordentliche Automatik gefahren hat, nie wieder was anderes. Mein letztes getestetes Automatik-Fahrzeug war ein Mondeo und ich kann dir sagen, das geht gar nicht. Wenn man die direkte Kontrolle über die Beschleunigung gewöhnt ist, lehnt man sowas kategorisch ab. Ich vermute, ich müsste nur mal eine brauchbare Automatik fahren, um meine Meinung diesbezüglich zu ändern.

  7. Mahlzeit. iX hat mich hierher geführt.Ehrlich gesagt finde ich den Beitrag etwas schwer nachvollziehbar und irgendwo gezwungen nicht zu Ende gedacht. Hast Du überhaupt mal mit jemandem gesprochen, der Handschaltung fährt? Einen Grund hast Du ja genannt – wer Automatik fährt, wird für ein Weichei gehalten. Aber die beiden anderen Gründe, die MIR, einem überzeugten Automatik-Fahrer der viel im Stadtverkehr unterwegs immer genannt werden, sind- wenn ich nicht selbst schalten kann, kann ich die Schaltpunkte nicht selbst festlegen. Sprich: Kontrolle. Und zwar darüber, wie sehr ich über einen Kickdown den Motor aufheulen lasse und darüber kontrolliere, wie schnell ich von einer Ampel wegkomme, einen LKW überhole und so weiter. Mein Gegenargument dafür ist die bei einem Automatikwagen immer vorhandene Einstellung “S“. Darüber hinaus hat mein A3 noch die möglichkeit, von “D“ aus nach rechts zu gehen und da kann ich dann nach oben zu “+“ und nach unten zu “-“, sprich manuell die Schaltpunkte festlegen. Dies ist eindeutig eine Folge des Willens nach Kontrolle- Weichei. Faule Sau. Zu faul zum schalten. Ähnliche Argumente gab es gegen Power-Steering in den 80ern und 90ern. Das hat sich aber mittlerweile komplett etabliert.- Fahrschulwagen sind generell Schaltwagen. Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.- Wer Automatikführerschein gemacht hat, darf auch nur Automatik fahren. Siehe vorhergehender Punkt- Verbrauch. Ich bin vor vor meinem jetzigen Wagen das gleiche Fahrzeug mit Schaltgetriebe gefahren. Mein derzeitiger Verbrauch beim A3 1.9 Sportback Baujahr 2008 liegt bei 5,3 Litern. Als ich den anderen bekommen hatte hab ich immer 5,7 Liter verbraucht, bis ich mir die ADAC-Ratschläge zum frühen Hochschalten zu Herzen genommen habe. Damit bin ich auf 4,8 Liter runter gekommen, immerhin ein ganzer Liter. Wenn mich heute jemand vollabert, dass ich ja mehr verbrauche mit Automatik, führe ich diese Zahlen an und frage dann “Bist Du überhaupt sicher, dass Du weniger verbrauchst?“ – der Wagen hat übrigens manuell einen angegebenen Verbrauch von 4,3 Litern, mit Schaltgetriebe 4,4. Beides ist effektiv vollkommener Schwachsinn und kann höchstens von einem Computer erreicht werden. Darüber hinaus war nach zwei Jahren meine Kupplung im Schaltwagen dahin, Tausch hätte 1500 Euro gekostet. Demnach war ich also auch noch zu doof, wirklich ordentlich zu schalten und habe mir den Wagen kaputt gerührt. Wo wir wieder beim Thema Weichei und Unfähigkeit wären- Automatik ist Aufpreispflichtig im Gegensatz zu den USA, wo Klima, Automatik und Einparkhilfen im Grundpreis enthalten sind- überhaupt Einparkhilfen: wie Du auf das schmale Brett kommst, dass damit selbst einparkende Autos gemeint sind, ist mir ein Rätsel. Was damit gemeint ist: Abstandssensoren für die Stoßstange- die Entwicklung hat Du vollkommen unter den Tisch fallen lassen, wie viele schon angesprochen haben. Woher weißt Du eigentlich, dass die Automatikgetriebe nicht seit Jahren in immer mehr Autos eingebaut werden oder nicht? Du zitierst eine Statistik die lediglich die “Wichtigkeit“ anführt. Das ist doch vollkommen Zweitranging. In der Liste taucht sicherlich auch nicht ESP auf, oder übersehe ich da was? Eine Google-Suche nach “Automatikgetriebe Neuwagen“ führt mich z.B. hier hin:http://www.handelsblatt.com/auto/nachrichten/schaltfrei-gut-jeder-vierte-neuwagen-mit-automatik/4672278.htmlZum Vergleich mit den USA:- in Deutschland werden nicht ansatzweise so viele Klimaanlagen verkauft wie dort. Das scheint Dir entgangen zu sein- jeder Bewohner der USA verbraucht im Schnitt vier Mal so viel Frischwasser und drei Mal so viel Energie wie ein Deutscher. Das hab ich in der 8. Klasse gelernt. Der Amerikaner als solcher pfeifft vor allen Dingen auf Eines: Umweltschutz bei Komfortgewinn. Deutsche sind sparsamer und umweltbewusster. Die Automatik ist im Verruf, mehr zu verbrauchen.–Abschließend muss ich sagen, dass ich mich irgendwie irritiert sehe, was den Beitrag angeht. Wäre es ein “bit“ in einem Comedy-Club, müsste ich mich jetzt schämen dafür, dass ich es so auseinander genommen habe. Dass Du einfach nur einen Witz machen wolltest danach sieht es mir aber nicht aus. Dann zitiert man keine Umfragen.Schlußendlich kommt mir das hier alles wie ein “brainfart“ vor. Irgendwas schießt mir durch den Kopf und anstatt zu recherchieren oder etwas länger drüber nachzudenken, schreib ich’s einfach in mein Blog.Das ist Zeitverschwendung für den Leser. Nun gut, jedenfalls für den kritisch denkenden Leser. Aber vielleicht bin ich da einfach in der Minderheit und eine langweilige Spaßbremse :-)

  8. vor allem durch die gesteigerte verbreitung der DSG-getriebe wird ein umdenken fördern und in einigen jahren werden automatik-fahrzeuge auch hier ähnlich verbreitet sein wie in den USA.das K.O.-argument hat skywalka auf den punkt gebracht: wir haben alle auf schaltern gelernt, weil sich niemand aufgrund der gesetzgebung auf  automatik festlegen wollte.zudem sind erst sein einigen jahren automatikfahrzeug in bezug auf dynamik und effizienz auf vergleichbaren niveau.erst die aktuelle generation der fahranfänger lernt die automatik als komfort-plus bei gleicher sportlichkeit und effizizenz kennen. sorry, aber dieser artikel ist einfach nur unfundiert und belanglos… und noch nicht mal wirklich unterhaltsam geschrieben. Enttäuschend!

  9. Das ändert sich gerade. Viele Hersteller haben mittlerweile Doppelkupplungsgetriebe (DSG, PDK usw.) im Angebot und setzen diese auch serienmäßig in ihre Fahrzeuge. Den neuen Q5 gibt es tatsächlich fast nur noch mit DSG. Das wird sich nach und nach durchsetzen, Handschaltung dürfte in ein paar Jahren eher die Ausnahme sein.

  10. Seit Jahren bereits Automatik!Schade, dass es hier Menschen gibt die nicht verstehen was Gedanken zusammenfassen, oder auch pauschalisieren (Schubladen-Denken) bedeutet und wie es funktioniert.Da brauch man nicht immer eine wissenschaftliche Studie.Außerdem, Schalten nervt.Wer dann sagt, dass er ja gar nicht zu den Weichei-Sagern gehöre, dann aber Automatik keine Kontrolle bedeutet und somit den Automatik-Fahrer als weniger kontrollierten Autofahrer hinstellt (jetzt pauschalisiere ich mal), der stellt sich ja doch „besser“ hin. So ein Quatsch.

  11. @Nico Nie mehr ohne Automatik. DAS nenne ich echtes Cruisen! Wer noch schaltet, ist selbst blöd.

  12. Bei einem Punkt muss ich widersprechen! Ich habe lange bei einer
    Autovermietung gearbeitet und ab einer gewissen klasse (A6 uä aufwärts)
    wird fast ausschließlich Automatik geliefert (zumindest bei der
    Vermietung, bei der ich gearbeitet hab. Die ist so Orange und hat 4
    Buchstaben ;) )Mir ist es relativ Wurst, was ich
    fahre, aber ich habe das gefühl aufmerksamer zu fahren, wenn ich mit
    Schlatung fahre (siehe: Hinzu kommt, dass man eine Hand frei hat zum
    Kaffee trinken, twittern, Nase popeln oder einfach nur wild
    gestikulieren.;) ) und das gibt mir irgendwo Sicherheit.

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