PC-Kenntnisse sind in diesem Land schwer verfügbar

Ach ja, das Land der Dichter und Denker mal wieder:

Deutschland ist bei Computer-Kenntnissen im internationalen Vergleich zurückgefallen. 2008 lag Deutschland auf Platz vier der EU-Rangliste. Damals verfügten 60 Prozent der Bundesbürger über mittlere bis gute Computer-Kenntnisse. Diese Quote ist nun leicht auf 58 Prozent gefallen. Das reicht derzeit nur noch für Rang zehn in der EU, viele Länder sind vorbeibezogen.

Die Schlagzeile PC-Kenntnisse: Deutschland fällt zurück sollte eigentlich alle alarmieren. Wir leben in einem Land ohne nennenswerte Rohstoffe, das derzeit massiv vom Export abhängig ist. Bereits jetzt und noch viel mehr in der nahen Zukunft wird es immer wichtiger sein, einen Computer bedienen zu können. Deutschland verliert hier den Anschluss und zwar bereits bei den Basics.

Wir müssen uns nicht wundern, wenn “die Wirtschaft” jedes Jahr beklagt, dass es einen Fachkräftemangel gibt, wenn noch nicht einmal PC-Kenntnisse vorhanden sind. Es kann doch niemand ernsthaft glauben, dass bei einer weiterhin anziehenden Globalisierung in Deutschland gering ausgebildete Menschen noch eine Chance haben werden, wenn sie nicht über PC-Kenntnisse verfügen. Ich habe letztens gefordert, dass Programmiersprachen als zweite Fremdsprache an Schulen unterrichtet werden sollten, um den Schülern ein besseres Rüstzeug zu geben. Eine Programmiersprache zu verstehen wird künftig so wichtig sein, wie Latein-Kenntnisse im 19. und 20. Jahrhundert.

Rang 10 bei den PC-Kenntnissen in der EU ist eindeutig zu wenig, zeigt aber auch wieder, dass eine Kultur der Technologie in Deutschland fehlt, die einen unbefangeren Umgang mit Technologien fördert.

Was will ein Land wie Deutschland eigentlich in der Zukunft anstellen mit 42% Computer-Analphabeten? Wir müssen den Menschen eine Perspektive bieten und das geht nur über die Beschäftigung mit Computer, Internet und Programmiersprachen. Marc Andreesen hat kürzlich einen viel beachteten Artikel mit der programmatischen Überschrift Why Software Is Eating The World geschrieben und argumentiert, dass Software die treibende Kraft geworden ist:

Six decades into the computer revolution, four decades since the invention of the microprocessor, and two decades into the rise of the modern Internet, all of the technology required to transform industries through software finally works and can be widely delivered at global scale.

Da ist was dran und es wäre schön, Deutschland würde von dieser Entwicklung partizipieren und nicht nur feststellen, dass andere Länder mit dieser Veränderung besser klar kommen.

Es wird noch viele ACTAs geben müssen

Ich bin hoch erfreut, dass das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) im Europäischen Parlament gescheitert ist. Das ist ein bedeutender Sieg für die Zivilgesellschaft, aber wir sind ehrlich gesagt noch ganz am Anfang der Auseinandersetzung. Die Auseinandersetzung wird künftig mit immer härteren Bandagen geführt werden und es wird im Kern immer wieder um das eine Thema gehen: die Kontrolle des Internts.

Es wird immer wieder Bestrebungen geben, das Internet kontrollieren zu wollen. Dabei geht es um Einschränkungen des Zugangs, Einschränkungen der Meinungsfreiheit, Abhören der Inhalte, Modifizieren der Inhalte und das Durchsetzen von privatwirtschaftlichen aber auch staatlichen Interessen. Es ist das klassische Aufeinanderprallen des “Es darf doch nicht sein, dass…!”-Arguments auf das entgegengesetzte “doch, klar, warum nicht, das wird doch bereits durch Gesetze geregelt!”-Argument. Wir sehen vor allem, dass durch das Internet ein anderer Begriff von Freiheit etabliert wird, wie er im nationalstaatlichen Denken oftmals nicht verankert ist. Hinzu kommt, dass auch 2012 das Internet für ganz viele Menschen und damit auch für Politiker, Unternehmen, Verbände und sonstige Institutionen immer noch etwas Unverstandenes darstellt und damit mehr als nur eine latente Bedrohung beinhaltet.

Der Wunsch nach Kontrolle des Internets wird natürlich immer so begründet, dass es ja für den einzelnen Nutzer keine Auswirkungen haben werde, denn dieser sei ja gar nicht das Ziel, sondern nur die Bösen. Das ist natürlich Unsinn und es ist naheliegend, dass das Internet weitestgehend ohne nationale oder internationale Kontrollmechanismen auskommen muss, wenn wir es im Kern erhalten wollen. Das Internet ist die Lebensader des 21. Jahrhunderts, hier findet Kommunikation genauso statt wie Konsum, Kultur oder Entertainment. Das Internet ist privater und öffentlicher Raum zugleich und bedarf dadurch besonderen Schutz.

Ich kann verstehen, dass man sich nach vermeintlich einfachen Lösungen sucht und dass es nervt, wenn permanent irgendwelche Branchenvertreter rumjammern, wie stark die Bedrohung durch das Internet gerade ist, aber die Einschränkung der Freiheit des Internets ist nicht die Lösung. Die Entwicklung des Internet und der digitalen Welt ist natürlich ein Stück weit wie die Öffnung der Büchse der Pandora, es fällt sehr schwer, alle Implikationen sofort zu durchschauen und es fällt noch viel schwerer, die Entwicklungen wieder zurück zu nehmen. Vor allem wird es nicht funktionieren können, wenn man Werkzeuge aus der prä-digitalen Zeit anwenden will.

Produktpiraterie und Urheberrecht sind wichtige Themen, das will ich gar nicht bestreiten, sie sind aber durch Verfahren wie ACTA nicht zu lösen. Wir werden auch künftig Auseinandersetzungen zu diesen Themen haben und wir werden feststellen, dass die Lösungen der prä-digitalen Welt nicht mehr greifen und das wir andere, neue Modelle entwickeln müssen, um in Zukunft die Wahrung und damit Durchsetzung der Rechte garantieren können. Es wird diese Auseinandersetzungen brauchen, damit immer weitere Teile der Gesellschaft verstehen, dass die Freiheit des Internets zu schützen ist vor Partikular-Interessen einzelner. Natürlich führt die zunehmende Relevanz des Internets und der digitalen Gesellschaft in vielen Lebensbereichen und in der Wirtschaft zu Reaktanzen bei denen, deren Lebensentwürfe oder Geschäftsmodelle künftig nicht mehr funktionieren. Maschinenstürmer gab es bereits im 19. Jahrhundert und sie waren motiviert von der Angst, dass ihre Lebensgrundlage wegfallen würde. Das Internet und die digitale Welt entwickelt sich so rasend, dass mittlerweile “adapt or die!” zur Normalität zu werden droht. Hier müssen wir als Gesellschaft aufpassen, dass nicht zu viele Menschen zurückgelassen werden, die sich mit dem Wandel schwer tun.

Es wird noch viele ACTAs geben müssen, bis auch die breite Masse der Gesellschaft verstanden hat, worum es im Kern geht. Jedes Mal wird der Protest lauter werden und mehr Menschen verstehen, dass die Freiheit auch im Internet zu schützen ist. Das Internet definiert Fortschritt völlig neu und es ist unsere Aufgabe Staat und Gesellschaft die Instrumentarien an die Hand zu geben, damit möglichst viele Menschen davon partizipieren. Es wird aber nicht nur Gewinner geben können, wie immer im Leben und gerade bei den nachhaltigen Umwälzungen, die das Internet und die digitale Gesellschaft mit sich bringen. ACTA, Vorratsdatenspeicherung, Leistungsschutzrecht für Presseverlage, Netzsperren, das alles sind Versuche der Besitzstandswahrer sich über die Zeit zu retten mit Lösungen aus der Vergangenheit, die in der Zukunft nicht mehr funktionieren.

Daddy Cool für einen Sommer

Daddy Cool

Vor einigen Jahren gab es eine Blogger-Aktion mit Opel, an der ich nicht ganz unbeteiligt war, bei der 4 bekannte Blogger je einen Opel Astra GTC mehrere Wochen testen durften. Die Aktion war damals nicht unumstritten, der Sellout der Blogosphäre wurde befürchtet und das Ende des Abendlandes stand kurz bevor, jedenfalls nach Meinung der Kritiker. Mittlerweile hat sich das Bloggen über Autos etabliert (Selbstbewusste Autoblogger: “Wir sind überzeugt, dass wir einen exklusiven Mehrwert liefern) und ich lese ständig von Bloggern, die wieder irgendwelche hochgezüchteten Autos durch die Gegend fahren dürfen nach einem ach so anstrengenden Flug in der Businessklasse irgendwo in die Sonne.

Daddy Cool

Als ich das Plakat gesehen hatte, das meine Ex-Kollegen von Scholz & Friends entwickelt hatten, da ist mir die Idee gekommen, dass ich doch auch mal ein Auto testen könnte. Irgendwie passt das Motiv ja auch zu mir.

Jedenfalls haben wir jetzt für den Sommer einen Opel Zafira Tourer im Test und werden berichten, wie die Karre im Familieneinsatz so funktioniert. Wir haben drei Kinder und damit natürlich eher extreme Anforderungen an ein Auto, vor allem was den Platzbedarf angeht. Ich würde ehrlich gesagt auch lieber in einem schnittigen Cabrio durch die Sonne düsen, aber derzeit ist eben eher eine Familienkutsche mit viel Platz angesagt. Ob der Opel Zafira Tourer dafür geeignet ist, werden wir am Ende des Sommers wissen, aber mein erster Eindruck ist sehr positiv. In der Mittelkonsole ist nicht nur Platz für zwei Kaffeebecher, sondern auch ein USB-Slot, über den ich mein iPhone aufladen kann. Die Essentials sind also schon mal da. Alle weiteren Features werden wir unterwegs herausfinden und darüber berichten.

Bevor irgendwelche Vermutungen aufploppen: Ich habe während meiner Zeit bei Scholz & Friends ein wenig für Opel gearbeitet, hatte bis Ende letzten Jahres einen Audi Q5 als Dienstwagen, den wir liebevoll “der Bolide” genannt haben, fahre derzeit kein Auto, weil ich ehrlich gesagt in der Stadt öffentliche Verkehrsmittel viel praktischer finde, freue mich auf den Sommer im Opel Zafira Tourer, bekomme für den Test lediglich den Wagen, keine Tankkarte, Hotelgutscheine oder sonstige Vergünstigungen, aber auch keinerlei Vorschriften, was ich wann wie oft wo schreiben soll, bin absolut kein Auto-Narr oder gar -Fachmann, sondern einfacher User.

Ach, Twitter

Vor ziemlich genau einem Jahr habe ich darüber geschrieben, dass Twitter konzeptionell am Ende ist und habe dann 5 Vorschläge für Twitter formuliert, wie sie ihr Produkt anders aufstellen können. Einiges davon wurde mittlerweile umgesetzt, aber auch nicht wirklich überzeugend, wenn man sich z.B. die Unternehmens-Profile auf Twitter anguckt. Ich nutze Twitter seit Ewigkeiten und es ist und bleibt mein primäres Tool, um relevante und auch einige nicht so relevante Dinge mit anderen zu teilen. Von Twitter aus landen meine Tweets dann bei Facebook, dort bekomme ich oftmals anderes Feedback als auf Twitter, daher finde ich dies relativ gut gelöst. Nun aber hat sich Twitter überlegt, dass es wieder einmal an der Zeit ist, die Nutzung der API, die genau so etwas ermöglicht, anders zu regeln, Marcel Weiss spricht von Twitters Kampf gegen die eigene Plattform geht in die nächste Runde:

Twitter hat am letzten Freitag neben dem Ende der Kooperation mit LinkedIn bekanntgegeben, dass in den nächsten Wochen striktere API-Regeln eingeführt werden.

Ich verstehe die Strategie bei Twitter ehrlich gesagt nicht. Alles, aber auch wirklich alles, was in den letzten Jahren gemacht wurde, war halbherzig umgesetzt und bestenfalls lieblos. Die Monetarisierungsstrategie basiert auf plumper Werbung im Stream, die Unternehmensprofile existieren, aber fallen nicht auf, die Content-Discovery ist auch wenig inspirierend und noch nicht einmal Direct Messages können über verschiedene Clients hinweg sinnvoll genutzt werden. Es ist ehrlich gesagt ein Trauerspiel. Und nun will Twitter die API-Regeln dahingehend verändern, dass Dritt-Anbieter noch strikteren Regeln unterliegen, damit alle Nutzer immer schön auf Twitter.com gehen, um die Werbung zu sehen.

Oh Mann, das ist echt so 20. Jahrhundert.

Twitter hatte so ein tolles funktionierendes Ökosystem, aber irgendwie verstehen die Verantwortlichen dort nicht, dass die API das Kernstück dieses Ökosystems ist und dass dort auch der Kern für die Monetarisierung liegt. Nova Spivack hat dies in A Solution to the Twitter API Problem eindrücklich erläutert und ich würde noch weiter gehen, denn Twitter hat eigentlich eine massive Messaging-Infrastruktur aufgebaut und könnte eigentlich Modelle entwickeln, die auch komplett ohne Werbung funktionieren oder wenigstens Werbung smarter machen als es derzeit der Fall ist.

Die zunehmende Fokussierung auf die eigenen Tools werden Twitter weniger interessant machen und der Vorteil der Limitierung auf 140 Zeichen wird immer weniger genutzt werden. Twitter wird nur halbherzig weiter entwickelt, es fehlt eine klare Perspektive nach Vorne für die Entwickler, die dann das Ökosystem noch interessanter machen. Twitter ist kein Facebook und sollte einen eigenen Weg bei der Monetarisierung finden, ansonsten schlägt Twitter den Weg der Beliebigkeit ein.