Die Bahn als Social Game

Nico —  9.08.2012

20120809-104217.jpgGestern durfte ich an einem Hintergrundgespräch des Social Media Teams der Bahn teilnehmen und mir Details zu einem Social Media Konzept anhören, das nächste Woche starten soll. Ziel ist es, den Nutzern auf Facebook die Größe und Vielseitigkeit des Bahn-Konzerns näherzubringen, damit die Nutzer wissen, dass es Personenverkehr, Güterverkehr, Infrastruktur und wasweissichnichtnochalles gibt. Das gewählte Konzept finde ich nicht besonders aufregend, aber auch nicht schlimm.

Aber mir ist dann die ultimative Killer-Idee für die Bahn eingefallen, die nicht ganz billig ist, aber zeigt, wie cool der Konzern sein könnte und was die Bahn alles kann.

Kennt noch jemand von Euch Railroad Tycoon? Das war eine tolle Wirtschaftssimulation, damals in den 90ern, und es gab sogar schon einen Multiplayer-Modus. So, und nun stellt Euch mal ein Social Game für Facebook vor, bei dem es darum geht, ein Bahn-Imperium aufzubauen und zu managen. Erst hat man nur eine Strecke, dann zwei, dann kommen andere Spieler mit ihrem Netz hinzu, dann kommen Güterzüge dazu, dann Speditionen mit LKW, dann benötigt man moderne Infrastruktur, SPNV, Buslinien, Bahnhöfe mit Shoppingmalls, ICE, Bimmelbahn, und so weiter. Man sorgt für Handelsrouten, legt Fahrpreise fest, schult Mitarbeiter, sorgt für zufriedene Kunden, für zufriedene Mitarbeiter und auch für zufriedene Aktionäre, plant vorrausschauend und wächst auch mal durch Zukäufe. Die Facebook-Freunde sind die Mitspieler, es gibt die üblichen Gamefication-Elemente wie Ranglisten, Rangstufen, Incentives und virtuelle Güter, die man sich über Bahncard-Meilen kaufen kann. Spieler können kostenlose Tickets erspielen und Aktien aller Mistpieler auf der Plattform handeln.

Neben der Facebook-App im Web im Stil von Zynga & Co. gibt es dann noch Apps für iPhone und Android, damit man auch von unterwegs handeln oder Fahrpläne optimieren, bzw. auf Verzögerungen im Betriebsablauf einwirken kann. Damit wird gewährleistet, dass es viele tägliche Nuer gibt und das Spiel eine hohe Stickyness bekommt. Das Einladen von Freunden sorgt natürlich für mehr Spass beim Spiel und ermöglicht einen schnelleren Aufstieg. Bekannte grafische Elemente der Bahn werden natürlich im Spiel gezeigt, auch wenn das Branding eher dezent bleibt.

Klar, das kostet mehr als eine Facebookmitmachidee, aber gerade durch die Verknüpfung mit den Bahn Comfort Punkten und den mobilen Apps, dürfte das Spiel vielen Spielern Spass bringen und ganz nebenbei spielerisch die Vielfalt und Grösse des Bahn-Konzerns vermitteln.

So, wer besorgt jetzt bei der Bahn das Budget und setzt das um? Ich würde das auch spielen.

16 responses to Die Bahn als Social Game

  1. Viel Spaß beim spielen derweil: http://www.openttd.org

  2. Hallo Nico. Die Bahn in einen Gamification Kontext zu setzen finde ich klasse. Schliesslich ist Bahnfahren ja nun wirklich sozial u das kann viel stärker genutzt werden. Wir von cobra youth communications haben dem SoMe-Team schon Jahren ein wirklich cooles SoMe/Gamification Konzept vorgestellt, das hoch innovativ ist (immer noch)! Leider fehlte es damals den Entscheidern (immer schwer herauszufinden, wer das in diesem hochpolitischen Laden so ist) an Vision u Mut. Da machen andere Mobililty Dienstleister (zB KLM) schon mehr.
    Wenn jemand Interesse an unserem Konzept hat: csc@cobrayouth.de

  3. So richtig realistisch? Mit „Zug fällt heute leider aus“ und so?

    Spaß beiseite, deine Idee hat Charme. Ich würde mich freuen wenn man deinem Vorschlag folgen würde. Womöglich wäre es das erste Game, das ich bei Facebook spielen würde :)

    – Andreas

  4. Idee finde ich grundsätzlich sehr charmant, vor allem mit den Real-Life-Verbindungen zu Tickets, Recruiting & Co. Sollte die Bahn tatsächlich dran denken, so etwas umzusetzen, sollten sie sich aber nicht am Negativbeispiel EA Sports FIFA Superstars auf FB orientieren. Dort wird ständig mit „Kaufe dir XY Coins, damit du XY machen kannst“ herumgewedelt. Ich möchte spielen, und nicht kaufen.

  5. Joa, aber da würde ich es doch glatt lieber direkt in der echten Welt als Game sehen. Da haben die Londoner Mudlarks schon mal eine schöne Tür aufgestoßen: http://www.chromaroma.com/

  6. Ich machs! Du kannst der Bahn meine Nummer geben.

  7. Neulich, in der Facebook-Timeline.

    „Nico Lummas Zug in ‚Bahn, das FB-Spiel‘ hat Verspätung. Klicke hier, um mitzuspielen!“

    Nach dem Klick findet sich der neue Spieler dann als Bahn-Angestellter am virtuellen Service Point des Zielbahnhofs wieder, wo er Nicos Beschwerde abschmettern muss, um Spielpunkte zu bekommen. Mit genügend Punkten steigt er auf und darf im nächsten Level in einem virtuellen Bordbistro Nürnberger Rostbratwürstchen erhitzen.

    • Like it ;-) und zwar die Idee wie auch die weiterführenden Gedanken. Aber ohne die Kopplung an die originären Bahnfunktionalitäten ist der Sinn des Spieles nicht zu verargumentieren.

  8. Moin Moin,

    ich bin davon überzeugt, dass sich diese Idee den Verantwortlichen der DB verkaufen lässt. Aber wen, außer Menschen, welche im tiefsten Herzen Modelleisenbahner sind, wird solch ein Spiel wirklich von der Bahn überzeugen?

    Spiele wie Railroad Tycoon, Sim City etc. pp. sprechen einen ganz bestimmten Typen Spieler an. Und gerade die eher technisch orientierten Games in überwältigender Mehrzahl Männer. Das reicht vorne und hinten nicht.

    Zumal die Akzeptanz, sowohl der so häufig missbrauchten Vokabel „Social“, als auch der Social Games, nicht unbedingt große Steigerungen erfährt (Entschuldigung, ich finde gerade die entsprechenden Zahlen nicht, eigentlich ist das nämlich gar nicht mein Thema).

    Wenn ich mir überlege was die Bahn ausmacht und was der typische Kunde von der Bahn erwartet, dann komme ich zuallererst auf Verlässlichkeit und an zweiter Stelle steht Service. Als Bahnkunde erlebe ich zu beiden Punkten nur zu oft genau das Gegenteil. Beamtenmentalität der Mitarbeiter, sprich mangelhafter Service, vollkommen überlastete Strecken, regelmäßig widerkehrende technische Probleme usw. usf. Hier sehe ich Ansatzpunkte für eines interessanten Umgang mit Social Media. Wie kann die DB Menschen davon überzeugen, ein verantwortungsbewusstes, sich „kümmerndes“ Unternehmen zu sein? Durch ein weiteres Spiel? Da fallen mir spontan doch so einige andere Dinge ein.

    Und wie immer: Nur meine Meinung. ;)

    Viele Grüße
    Marc

  9. Tolle Idee, gefällt mir :-)

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  1. "Die Welt der DB" - Eine Kampagne für... wen genau? | Wollmilchsau - 9.08.2012

    […] Crowdsourcing ist “total social” – nur wenn es keine Crowd gibt, aus der man sourcen kann, dann wird das schnell “socially awkward”. Und Eisenbahn-Enthusiasten sind nun mal – so fürchte ich – nicht die idealen Markenbotschafter. Ich hoffe ehrlich, dass ich mich täusche. Wie André Vatter schreibt, ein sicherer Gewinner der Aktion wird das Luxx sein. Und auch Nico Lumma hat etwas weitergedacht: Viel spannender sind Bahngeschichten doch, wenn man selbst und mit Freunden daran teilhaben kann. Ich habe Railroad Tycoon geliebt und wäre sofort dabei! […]

  2. Nicos Blog - 12.08.2012

    […] Nico Lumma – Die Bahn als Social Game […]