Omnipräsent und das als Parteivorsitzender? Verrückte Idee!

Nico —  17.08.2012 — 5 Comments

Gestern gab es bei The European einen sowas von hirnlosen Beitrag von Christian Böhme, der irgendwie mit dem Konzept Babypause für Parteivorsitzende nicht zurechtkommt, wie er im Artikel Sigmar Gabriel in der Babypause eindrucksvoll schildert:

Eigentlich ist der SPD-Chef in der Babypause. Die wirkt aber immer mehr wie eine plumpe PR-Veranstaltung. An ihm kommt derzeit keiner vorbei. Fernsehen, Radio, Zeitung, Twitter oder Facebook – Sigmar Gabriel ist allgegenwärtig. Da wird geredet und gesendet, was die Medien hergeben. Das Thema? Egal! Hauptsache, er kann aller Welt seine Sicht der politischen Dinge kundtun. Und das möglichst lautstark. Peng, Puff, Knall.

Siggi TweetMeine Fresse. Was ist denn wohl die Aufgabe eines Parteivorsitzenden ein Jahr vor der Bundestagswahl? Ein Parteivorsitzender muss präsent sein, muss sich einmischen und muss vor allem auch den Mitgliedern signalisieren, dass er da ist und weiss, wo es lang geht. Pfiffigerweise nutzt Sigmar Gabriel die Sommerpause (und gleichzeitig die Babypause), um vom heimischen Wohnzimmer aus immer wieder Impulse zu geben. Das ist doch smart, vor allem wenn einem klassische Herangehensweisen wie Sommertour oder ähnliches gerade verbaut sind.

Bei UdL digital wird die Twitter-Aktivität von Sigmar Gabriel wie folgt bewertet:

Direkte Kommunikation ist Sigmar Gabriel wichtig. Er geht auf die Kommentare und Fragen seiner Follower ein, auch wenn er einige seiner Berater mit seiner impulsiven Art unruhig macht.

Ich finde das generelle Vorgehen von Sigmar Gabriel ziemlich plietsch. Er setzt Akzente und ist präsent, obwohl er eigentlich nicht in Berlin ist und eigentlich Sommerpause ist. Man könnte auch sagen, dass Vorgehen ist ein Beispiel für effiziente politische Kommunikation. Natürlich kann Sigmar Gabriel es sich nicht erlauben, ein Jahr vor der Bundestagswahl das Sommerloch nicht zur Profilierung zu nutzen, denn er ist der Parteivorsitzende der grössten Oppositionspartei.

Ganz davon ab, ob ich Mitglied in der SPD bin oder nicht, finde ich es smart, wenn man eine Omnipräsenz herstellt und Themen definiert als Parteivorsitzender. Das ist doch genau die Aufgabe, die mit dem Amt zusammenfällt. Was passiert, wenn ein Parteivorsitzender keine Themen setzen kann, sieht man an der FDP.

5 responses to Omnipräsent und das als Parteivorsitzender? Verrückte Idee!

  1. Martin Bludau 17.08.2012 at 13:48

    D’accord, auch wenn das ein langweiliges Statement ist. Etwas dazu aus meinen persönlichen Erfahrungen. Herr Gabriel hält auch Kritik aus, ohne SOFORT ausfallend zu werden und/oder zu blocken, was manch anderes “Twitter-Idol” aus einer transparenten liquiden Partei nicht ansatzweise schafft. Wer berät Herrn Gabriel eigentlich so? ;)

  2. Annette M. 17.08.2012 at 15:16

    Hi Nico, was Agenda Setting angeht, gebe ich Dir recht. Das hat Gabriel wohl drauf. Fatal finde ich Gabriels so genannte Babypause aber aus feministischer Sicht. Es ist wieder mal der Mann, der definiert, wie Familie zu laufen hat und wie stark er sich einbringt. Im Umkehrschluss wird man sich bald fragen, warum es all die pausierenden Mütter nicht schaffen, sich in ihrem Fachgebiet auf dem laufenden zu halten, mit den Kollegen via Social Media zu fachsimpeln usw. Pause für den Vater und Pause für die Mutter sind wohl doch zwei Paar Schuhe…

    • naja, ich habe eine tochter im alter von gabriels tochter und ich kann gut nachvollziehen, dass es ab und zu mal momente gibt, die man nutzen möchte für mehr als wickeln oder durch die wohnung tragen. aber das sollte natürlich nicht nur dem mann vorbehalten sein.

  3. Egal wie man’s macht, man macht es falsch. Zumindest wird es immer negativ ausgelegt. Wie du schon sagtest, Nico, ist es sein Job und deshalb auch klug die neuartigen Kommunikationswege zu nutzen. Zudem finde ich es sehr sympathisch.

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