Keine feine Gesellschaft, aber feiner Krimi

Nico —  28.08.2012

Keine feine GesellschaftEine der wiederkehrenden Diskussionen, die ich mit meiner Frau habe, ist meine Auswahl meiner Lektüre. Ich lese derzeit einfach lieber Fachbücher als irgendwelche Krimis oder Belletristik. Keine Ahnung, warum, aber irgendwie lese ich sowieso zu wenig und dann will ich mich eher schlauer machen, als mich zu unterhalten. Naja, eigentlich lese ich sowieso fast nur noch Rezensionsexemplare, man kommt ja zu nix. Also jedenfalls komme ich selten zum Lesen, mein Kindle wird vom Tochterkind in Beschlag genommen und es ist nicht sehr oft, dass ich abends mal zum Buch greife. Meine letzte große Buchleseoffensive habe ich zum Urlaub gestartet, aber habe ehrlich gesagt nicht eine Seite gelesen.

Pünktlich zum Urlaubsantritt hat mir Olaf Kolbrück sein Krimi-Debüt Keine feine Gesellschaft zukommen lassen, mit der Bitte, eine Lobhudelei zu schreiben und eventuell das Buch sogar zu lesen. Keine zwei Monate später habe ich das Buch durchgearbeitet und war vor allem von einer Sache beeindruckt:

Ich weiss gar nicht, wie man ein Krimi so rezensiert, man darf nicht den Mörder verraten, oder? Es gab zwar keinen Gärtner, aber einen Kleingartenverein. Überhaupt, eine Sache hat Olaf Kolbrück sehr gut hinbekommen: ich habe die Befürchtung, dass ich nun ziemlich genaue Vorstellungen habe, wie Eschborn so aussehen könnte. Auch wenn der Titel des Krimis mich immer an irgendein Blog erinnern lies, so war das Milieu der Ermittlungen doch sehr passend zur Zeit gewählt, schließlich sind die Banken und ihre Protagonisten derzeit eh nicht so gut gelitten. Der eigentliche Mordfall ist eher unspektakulär und die Ermittlungen plätschern eher etwas dahin, aber die handelnden Personen sind ziemlich präzise beschrieben und die Dialoge sind richtig ordentlich und laden zum Weiterlesen ein. Stellenweise wurde etwas stark aufgetragen, was aber für die eigentliche Handlung relativ egal war. Die Erkrankung der Ex-Kommissarin und das Leben der Tochter fand ich etwas zu viel des Guten. Alles andere sollte man selber lesen, sonst greife ich hier noch den Ermittlungen vor. Ach so, die große Bank heisst im Krimi Eurobest, da merkt man durchaus, daß Olaf Kolbrück sonst für Horizont schreibt.

Keine feine Gesellschaft war der erste Krimi, den ich seit langer Zeit wieder gelesen habe und ich freue mich schon auf den nächsten Krimi von Olaf Kolbrück.