Über das Opelfahren

Opel Zafira Tourer

Es ist schon erstaunlich. Da fährt man ein neues Auto, wenn auch nur testweise für einen Sommer, und bekommt auch viele Fragen gestellt, aber das Auto ist eher von geringer Bedeutung. Ich werde immer gefragt: “wie ist es denn so, einen Opel zu fahren?” – das klingt dann eher mitleidig und man wird das Gefühl nicht los, das die Frage irgendwo zwischen “wie kommst Du so als Gehirnamputierter zurecht?” und “wie lebt es sich so als Aussätziger” angesiedelt ist. Bei den vorherigen von mir gefahrenen Fabrikaten war nie die Marke das Thema, sondern das Modell. Niemand wollte je von mir wissen, wie es ist, einen Fiat zu fahen, oder einen VW, oder einen Audi oder einen BMW, irgendwie haben diese Marken alle nicht die gewisse Faszination ausgelöst, die der Marke Opel innewohnt.

Die Frage “wie ist es denn so, einen Opel zu fahren?” zeigt allerdings sehr deutlich den Zustand der Marke Opel. Das Vertrauen in die Marke wurde über Jahre nachhaltig erschüttert und die ständigen Horrormeldungen aus Detroit über die Zukunft deutscher Standorte und die damit verbundene Androhung von Massenentlassungen sorgen auch nicht für nachhaltige Freude bei den möglichen Konsumenten. Das hat sich festgesetzt bei den Käufern. Die Marke Opel hatte sich eh schon ein Image zugelegt, das zwischen Manta-Proll und Opa mit Hut rangierte und hatte es deshalb schwer beim Konsumenten. Hinzu kamen Modelle, die den Markt nicht interessierten und nach all den Jahren fällt es schwer, die potentiellen Käufer davon zu überzeugen, dass sich die Marke verändert hat. Ich finde die aktuelle Opel-Werbung bereits um Längen besser als früher, aber a) kommt die auch von meinem ehemaligen Arbeitgeber, da würde ich nie etwas anderes denken oder sagen und b) kann noch so viel gute professionelle Kommunikation erfolgen, sie wird derzeit doch wieder durch GM torpediert werden.

Opel Zafira TourerInteressanterweise gehen alle Fragenden davon aus, dass das Modell, in diesem Fall ein Opel Zafira Tourer, keinerlei Grund zur Beanstandung bietet. Oftmals wird der Frage “wie ist es denn so, einen Opel zu fahren?” nämlich auch ein “in den letzten Jahren bauen die ja echt gute Autos” hinterhergeschoben. Die veränderte Modellpolitik hat sich also schon rumgesprochen, aber die Marke ist weiter angeschlagen.

Zurück zur Frage “wie ist es denn so, einen Opel zu fahren?” – sagen wir mal so: im Unterschied zum Audi Q5 blinke ich immer beim Spurwechsel und gehe auch nicht davon aus, dass das Äußere des Fahrzeugs dazu führt, dass mich jemand sofort reinlässt oder Platz macht (der Q5 wurde immmer Bolide genannt bei uns, und so fährt man dann auch, manchmal…). Ansonsten fährt sich so ein Opel wie ein gutes Auto. Gut, man sieht jetzt nicht Frauen, die am Straßenrand stehen und spontan blank ziehen, oder Kinder die sich vor Aufregung einpinkeln, oder gestandene Mannsbilder, die sich die Nase an der Seitenscheibe plattdrücken, um einen besseren Eindruck vom Auto zu bekommen, aber ansonsten ist das Opelfahren an sich ganz ok.

Ich könnte auch sagen, dass ich das Opelfahren an sich ganz vernünftig finde. Ob das der Beginn einer Midlife Crisis ist, oder einfach nur der veränderte Blickwinkel eines Familienvaters, ich weiss es nicht. Jetzt ernte ich gerade wahrscheinlich wieder diese Blicke wie bei der Frage “wie ist es denn so, einen Opel zu fahren?”.

Spiele, die wir so spielen im Alltag

gamesweplay

Vieles davon kommt mir irgendwie bekannt vor. Bei unseren Kindern ist Lava ein grosses Thema, ich kann mich noch gut an das Stoppen mit der Stoppuhr erinnern.

Omnipräsent und das als Parteivorsitzender? Verrückte Idee!

Siggi Tweet

Gestern gab es bei The European einen sowas von hirnlosen Beitrag von Christian Böhme, der irgendwie mit dem Konzept Babypause für Parteivorsitzende nicht zurechtkommt, wie er im Artikel Sigmar Gabriel in der Babypause eindrucksvoll schildert:

Eigentlich ist der SPD-Chef in der Babypause. Die wirkt aber immer mehr wie eine plumpe PR-Veranstaltung. An ihm kommt derzeit keiner vorbei. Fernsehen, Radio, Zeitung, Twitter oder Facebook – Sigmar Gabriel ist allgegenwärtig. Da wird geredet und gesendet, was die Medien hergeben. Das Thema? Egal! Hauptsache, er kann aller Welt seine Sicht der politischen Dinge kundtun. Und das möglichst lautstark. Peng, Puff, Knall.

Siggi TweetMeine Fresse. Was ist denn wohl die Aufgabe eines Parteivorsitzenden ein Jahr vor der Bundestagswahl? Ein Parteivorsitzender muss präsent sein, muss sich einmischen und muss vor allem auch den Mitgliedern signalisieren, dass er da ist und weiss, wo es lang geht. Pfiffigerweise nutzt Sigmar Gabriel die Sommerpause (und gleichzeitig die Babypause), um vom heimischen Wohnzimmer aus immer wieder Impulse zu geben. Das ist doch smart, vor allem wenn einem klassische Herangehensweisen wie Sommertour oder ähnliches gerade verbaut sind.

Bei UdL digital wird die Twitter-Aktivität von Sigmar Gabriel wie folgt bewertet:

Direkte Kommunikation ist Sigmar Gabriel wichtig. Er geht auf die Kommentare und Fragen seiner Follower ein, auch wenn er einige seiner Berater mit seiner impulsiven Art unruhig macht.

Ich finde das generelle Vorgehen von Sigmar Gabriel ziemlich plietsch. Er setzt Akzente und ist präsent, obwohl er eigentlich nicht in Berlin ist und eigentlich Sommerpause ist. Man könnte auch sagen, dass Vorgehen ist ein Beispiel für effiziente politische Kommunikation. Natürlich kann Sigmar Gabriel es sich nicht erlauben, ein Jahr vor der Bundestagswahl das Sommerloch nicht zur Profilierung zu nutzen, denn er ist der Parteivorsitzende der grössten Oppositionspartei.

Ganz davon ab, ob ich Mitglied in der SPD bin oder nicht, finde ich es smart, wenn man eine Omnipräsenz herstellt und Themen definiert als Parteivorsitzender. Das ist doch genau die Aufgabe, die mit dem Amt zusammenfällt. Was passiert, wenn ein Parteivorsitzender keine Themen setzen kann, sieht man an der FDP.

Das Sofa wird zum Einkaufsparadies

Couch Commerce wächst gerade ordentlich. Laut einer Zusammenstellung von Monetate steigert sich der Traffic von Tablets derzeit um lumpige 348% und natürlich sind es überwiegend iPads, die derzeit auf dem Sofa eingesetzt werden. Noch sehe ich zwar immer noch viele eCommerce Sites, gerade im Fashion-Segment, die nicht für Tablets optimiert sind, aber da wird es ordentlich Bewegung geben in den nächsten Monaten.

Couch Commerce: How Tablet Shoppers are Changing Online Sales

Natürlich ist es viel entspannter, abends auf dem Sofa mal durch ein paar Angebote zu stöbern, als dies im Büro zu erledigen. Nicht anders wurde ja damals auch der Katalog benutzt.

Fehlende Mobile Strategie: Smartphone-Boom bietet Chancen für Facebooks Geschäft

Facebook: Try These Games

Gestern erschien bei SPON ein Artikel von Stefan Schultz mit dem Titel Fehlende Mobil-Strategie: Smartphone-Boom bedroht Facebooks Geschäft und während Schultz erläutert, wie mies derzeit der Aktienkurs ist und wie generell anders die mobile Nutzung sein könnte, kommt er nicht umhin, einfach mal nur die eine Seite der Medaille zu sehen:

Facebooks Aktienkurs schwächelt seit dem Börsengang. Wenn in dieser Woche Mitarbeiter des Netzwerks Papiere verkaufen, droht das nächste Tief. Der Sinkflug zeigt ein grundlegendes Strategieproblem: Die Smartphone-Revolution bedroht Facebooks Werbegeschäft – die Lösung fällt dem Unternehmen schwer.

Ich glaube, dass andersrum ein Schuh daraus wird. Die Smartphone-Revolution bietet völlig andere Möglichkeiten, von denen die meisten allerdings erst entwickelt werden müssen. Da steht Facebook wie viele andere Firmen auch vor der Herausforderung, rechtzeitig die richtigen Dinge zu tun. Das ist aber per se erst einmal keine Bedrohung, sondern bietet eine ordentliche Chance.

Gestern hat Facebook auf der GDC Europe mal ein paar Zahlen zum neuen App Center verkündet und da kann man schon deutlich einen Strategie-Ansatz erkennen:

And the App Center, Facebook’s newly revamped app marketplace launched in May, is now seeing 150 million monthly users, with 2.4 times more installs of apps compared to Facebook’s old directory/dashboard and a next-day return rate of 35% to those apps after the first install (17% likely to return within a week).
[…]
Another stat points to some of Facebook’s mobile strategy: In July, Facebook says it referred people to Apple’s App Store and Google Play more than 170 million times, through links that appear in people’s timelines when their friends are playing Facebook-connected games. This is a development on a theme: Facebook is already known as a major traffic referral generator, often coming in second only to Google search in terms of driving traffic to websites via links in people’s timelines, fan pages and other features. And in those instances where people are not playing directly on Facebook itself, Facebook wants to have the same role with mobile apps.

Facebook: Try These GamesWenn man nur halbwegs davon ausgeht, dass die App Economy massiven Umsatz bringt, dann kann man erkennen, wie Facebook in den nächsten Jahren den mobilen Traffic nutzen wird, um ordentlich Geld zu verdienen. Wenn allein im Juli 170 Millionen Mal Nutzer in die App Stores von Apple und Google geschoben wurden, dann kann man davon ausgehen, dass Facebook diesen Traffic auch monetarisieren können wird. Der App Center ist allerdings nur ein Teil einer erkennbaren Strategie, Facebook wird es sich weiterhin zu Nutze machen, dass auf die Smartphone die Aufmerksamkeit des Nutzers anders ist als im Web. Prominent eingeblendete Verbraucherinformationen werden ganz anders wahrgenommen und können durchaus Impulse setzen.

Ich gehe davon aus, dass die Kombination von Mobile und Social dafür sorgen wird, dass Facebook ein immens großer Treiber für App-Downloads werden wird – und das ist ein Markt, der aktuell noch in den Kinderschuhen steckt und wo es zwar viele Anbieter gibt, aber kein einziger den Traffic so liefern kann wie Facebook. Selbst wenn das alles nicht funktionieren sollte, kann Facebook aufgrund der Nutzungsstruktur seiner mobilen Nutzer immer noch oft genug großflächige Werbung beim Starten der App einbinden, ohne die Nutzer nachhaltig zu nerven.

Wenn man mal anfängt, über Mobile nach zudenken, dann sieht man, dass das alles keine Gefahr für Facebook ist, sondern ein logischer weiterer Schritt in der Entwicklung der Firma. Als ersten Schritt wird Facebook Werbetreibenden App Downloads liefern und damit mal eben einen Markt erschliessen, der seit 3 Jahren von unzähligen Akteure beackert wird, wo aber alles immer noch Kraut & Rüben ist. Diese Entwicklung wird sich auch im Aktienkurs niederschlagen, da bin ich mir sicher. Und dann geht es munter weiter. Man darf nicht vergessen, dass Facebook derzeit immer noch der massive Treiber einer Entwicklung ist und selber definiert, wann was wie gemacht wird und nicht wie andere Akteure mühevoll hinterherhumpeln. Facebook hat noch keine vollständig umgesetzte mobile Strategie, aber die ersten Bausteine sind bereits jetzt sichtbar.