Oh, Twitter, wie das leuchtet!?!

Nico —  20.09.2012 — 4 Comments

Ich habe ja bereits das ein oder andere Mal darüber geschrieben, dass ich die Strategie von Twitter nicht als solche wahrnehme, sondern finde, dass die Plattform konzeptionell am Ende ist und dass sie ihre Vorzüge nicht ausspielt. Twitter weiss nicht, was es ist, und hat auch keine genaue Vorstellung, warum es etwas sein sollte, und wenn ja, was.

Twitter_light_BlueIch möchte das exemplarisch an zweieinhalb Entwicklungen der letzten Zeit festmachen. Twitter hat vor einigen Wochen eine Änderung der API-Nutzungsbedingungen angekündigt und umgesetzt, die dafür sorgt, dass Anbieter von Twitter-Clients gegängelt werden und das Entwickeln eines alternativen Twitter-Clients künftig kommerziell kaum noch Sinn machen wird. Ziel ist es, die Nutzer auf die Twitter-Clients aus dem Hause Twitter zu zwingen, weil dann die Werbung ausgespielt werden kann. Erklärt wird das sicherlich mit dem Hinweis, dass nur so die einzig wahre Twitter-Experience garantiert werden kann. Anstatt dass Drittanbieter ebenfalls Werbung über die API in ihren Twitter-Clients ausspielen, und man diese durch Umsatzbeteiligung incentiviert, werden diese Anbieter einfach mal ausgebootet und dem Nutzer werden die Alternativen genommen. Nicht schön ist ein Euphemismus für die Beschreibung dieses Vorgangs.

Nahezu zeitgleich werden dann die Nutzer von Twitter mit Zuckerbrot und Peitsche erfreut. Neuerdings kann ein Nutzer sein Profil mit einem breiten Header-Bildchen aufhübschen. Gleichzeitig kann er allerdings nicht mehr einfach einen Fotodienst auswählen, bei dem ein hochgeladenes Foto gespeichert wird, sondern muss das Foto bei Twitter speichern. Big Deal? Twitter ist mal als Plattform gestartet, die vor allem dadurch begeisterte, dass sich die Nutzer selber überlegen konnten, welche Drittanbieter sie nutzen wollen. Nun versucht Twitter, genau dies zu unterbinden und noch dazu sollen die Profile der Nutzer in den Fokus rücken, und das obwohl doch bisher die Nutzer eher am Stream der Tweets interessiert sind. Bei Twitter laufen immer mehr Dinge konträr gegeneinander. Das ist auf Dauer nicht gut für das Produkt und damit auch für die zu erwartetenden Umsätze.

Aber natürlich hat Twitter mittlerweile nicht nur genügend Nutzer, sondern ist auch bei vielen Nutzern ein täglich genutztes Kommunikationstool und es fehlt immer schwer, lieb gewonnene Verhaltensweisen zu ändern. Da aber Twitter dabei ist, die Schlankheit des Produktes aufzugeben zugunsten von mehr multimedialen Inhalten, stellt sich immer mehr die Frage, warum man dann nicht die etabliertere Plattform Facebook nutzen sollte, denn die macht dies alles schon längst und sie macht es auch besser. Twitter wirkt für mich mit jedem Produkt-Update verwirrter als zuvor und weniger leuchtend.

4 responses to Oh, Twitter, wie das leuchtet!?!

  1. …ach komm, Verwirrte haben so ein eigentümlich faszinierendes Leuchten!

  2. Sag mal Nico, ist das nicht eher das Problem Werbung vs. Nutzer der Kern? Wenn sie jetzt Updates schieben und die API nach und nach verschärfen für Entwickler, dann doch zugunsten der Finanzierung und nicht unbedingt im Sinne der Nutzer.

  3. Was Twitter immer noch anders macht als Facebook und G+: es gibt Dir den ungefilterten Stream aller Beiträge und überlässt es Dir, zu filtern (oder auch nicht). Wer das mag, wird vermutlich weder zu Facebook noch zu G+ gehen.

    Abgesehen davon gebe ich Dir Recht. Aber will man es Twitter verübeln, dass sie nicht zur zum Wohle der Nutzerbasis eine Infrastruktur betreiben wollen, sondern davon auch leben (reich werden) wollen?

Trackbacks and Pingbacks:

  1. Twitter SEO Landingpages mit Twylah - 21.09.2012

    [...] wirklich interessieren, dafür nutze ich z.B. Twitter. Sicherlich wird es höchste Zeit mal ein klares Ziel zu definieren, aber das versucht man bei Twitter ja schon seit Jahren [...]

Los, kommentier das mal!