Steinbrück ist der neue Realismus der SPD

Nico —  28.09.2012 — 4 Comments

Peer SteinbrückHeute, wie auch letzten Freitag, wird vermeldet, dass Peer Steinbrück wohl Kanzlerkandidat der SPD werden soll. Das hat sich meines Erachtens auch bereits abgezeichnet. Peer Steinbrück macht ganz viel Sinn als Kanzlerkandidat, er ist die richtige Wahl. Denn er wird die Phase der wieder-erstarkten SPD einläuten, die die Kanzlerschaft von Merkel beenden wird. Wohl leider nur nicht 2013.

Wir werden 2013 keine “Anything but Merkel”-Wahl haben und die SPD wird es daher sehr schwer haben, den Kanzler zu stellen. Das ist Peer Steinbrück bekannt, aber auch Sigmar Gabriel und Frank-Walter Steinmeier. Das ist der neue Realismus in der SPD, man hat sich von irgendwelchen Phantasien a la Johannes Rau, der 1987 noch von der absoluten Mehrheit reden durfte, längst verabschiedet und schätzt die Chancen auf den erneuten Einzug in das Kanzleramt realistisch ein. Peer Steinbrück ist mittlerweile 65 Jahre alt. Er wird diesen Wahlkampf nutzen, um an seiner Legacy zu bauen. Er wird der Politiker der ausgesprochenen Wahrheiten sein, der dem Wahlvolk reinen Wein einschenkt, seine Partei etwas vor sich hin treiben und von den politischen Kommentatoren gefeiert werden. Flankiert von Sigmar Gabriel, der die Partei immer wieder mit markigen Sprüchen bei Laune hält und von Frank-Walter Steinmeier, der aus der Bundestagsfraktion wieder eine Bastion macht und inhaltlich die entscheidenen Positionen vorbereitet.

Am Wahlabend wird Steinbrück daran erinnern, daß er nicht als Juniorpartner von Frau Merkel zur Verfügung stehen wird und in bester Voscherau-Manier betrübt von dannen ziehen, jedes Jahr ein Buch schreiben und versuchen, die Elder-Statesman-Rolle zu usurpieren, die Helmut Schmidt gerade innehat.

Bis es soweit ist, werden wir hoffentlich einen markigen Wahlkampf erleben, der die vorherrschende Alternativlosigkeit der schwarz-gelben Koalition zu durchbrechen versucht. Ich bin nicht so der Schachspieler und würde auch nicht vom Bauernopfer reden, aber es klingt doch sehr danach, als ob hier der Turm der Dame geopfert wird. Die Perspektive für den Machtwechsel sieht die SPD bei 2017 und nicht bei 2013, das wird durch die Kanzlerkandidatur von Peer Steinbrück deutlich gemacht. Es wird nur interessant sein, wie das in den nächsten 11 Monaten den Wählern verkauft wird.

4 responses to Steinbrück ist der neue Realismus der SPD

  1. Gibt die SPD mit dem Anspruch, den Kanzler zu stellen, eigentlich auch den Anspruch auf, in die Regierung zu kommen?

  2. Auch hier noch mal der Hinweis auf Peer Steinbrücks Einstellungen zu Social Media. Die Äußerungen sind brandaktuell, sie stammen vom Mittwoch:
    http://www.udldigital.de/steinbruck-ich-twittere-nicht/

  3. was macht die SPD im Bundestag, wenn sie nicht plant, schwarz-gelb zum nächstmöglichen Zeitpunkt abzulösen? OK, Du bist nicht das Sprachrohr der SPD, aber wenn Deine steile These stimmen sollte, frage ich mich, wie es um das Selbstverständnis der SPD-“Führung steht…

  4. Ich hab mal gelernt, dass die SPD nichts schafft und immer im falschen Moment in ihrer bisherigen Geschichte weggesehen hat.
    Daran hat sich noch nicht viel geändert.

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