Kandidierst Du noch, oder twitterst Du schon?

Nico —  1.10.2012 — 3 Comments

Vor ein paar Tagen war Peer Steinbrück, damals noch nicht offiziell ausgerufener Kanzlerkandidat der SPD beim UdL Digital Talk und sagte den folgenschweren Satz: “Ich twittere nicht.”

Aus diesem kurzen Satz wurde heute nun die Meedia Topstory “Steinbrück: Ich werde nicht twittern”:

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück wirbt seit dem Wochenende in der ganzen Republik um Wähler. In der ganzen Republik? Nein, ein kleines Dorf namens “Internet” meidet der Politiker. In einer Podiumsdiskussion mit dem Titel “Social Media & Politik: Mehr Kommunikationskanäle- weniger Dialog?” äußert sich Steinbrück zum Web 2.0 und schwärmt von der “guten, alten Zeit des Postwegs”. Auf Twitter wolle er keinen Wahlkampf machen- und das obwohl er hier Nachholbedarf seiner Partei sieht.

Big fucking deal. Echt jetzt. Es ist auf gut deutsch gesagt Lattenhagen ob Steinbrück selber twittert oder nicht. Ja, es wäre sicherlich nett, wenn er es täte, aber damit steht und fällt der SPD Wahlkampf nicht. Ich finde es toll, dass Sigmar Gabriel sowohl auf Twitter als auch auf Facebook präsent ist, aber ich finde es vor allem wichtig, dass die Social Media Nutzung zur Person passt. Auch ein Politiker sollte Social Media nutzen wollen und nicht Social Media nutzen müssen.

Wahlkampf-im-Web-Politiker-entdecken-TwitterDie SPD wird sicherlich eine Wahlkampfstrategie entwickeln, bei der Twitter, Facebook und Google+ eine Rolle spielen werden. Aber der Kanzlerkandidat der SPD muss nicht twittern, warum auch? Er muss auf Twitter präsent sein, aber das kann auch erreicht werden, ohne dass er selber twittert. Ich finde es authentisch, wenn ein Politiker sich der Tragweite von Twitter und Facebook bewusst ist, es aber selbst nicht nutzen will. Auch Barack Obama, dessen 2008er Wahlkampf eine Meisterleistung beim Einsatz von Social Media darstellte, hat selber nie getwittert, sondern ein gutes Team und eine noch viel bessere Strategie für den Einsatz von Social Media im Wahlkampf gehabt.

140 Zeichen eignen sich für das Verbreiten von Kampagnen-Inhalten, zum Vermitteln von Nähe und Präsenz, von mir aus auch zum gegenseitigen Anfrotzeln der politischen Gegner, für eine politische Diskussion eignen sich 140 Zeichen und das Follower-Prinzip nur sehr eingeschränkt. Diskussionen sehe ich eher auf Facebook, da dort mehr Platz ist und die Kommentare strukturierter abgebildet werden als der Twitter-Stream. Aber, und da müssen wir uns nix vormachen, nur in den allerallerseltesten Fällen twittern hochrangige Politiker selber. Gerade in Wahlkampfzeiten muß ein Politiker überall präsent sein, aber das kann er oder sie unmöglich alles selber bewerkstelligen, ebenso wenig, wie ein Politiker alle seine Reden selber schreibt oder alle Konzepte selber entwickelt. Auch die richtigen 140 Zeichen twittert man nicht mal eben so, schliesslich muss im Wahlkampf jeder Satz sitzen.

Peer Steinbrück muss nicht selber twittern, aber er muß es schaffen, Social Media effizient zu nutzen und präsent zu sein. Das sind allerdings zwei verschiedene Paar Schuhe und haben sehr viel mit der Kampagnen-Strategie und der daraus resultierenden Umsetzung zu tun.

3 responses to Kandidierst Du noch, oder twitterst Du schon?

  1. Das Zitat finde ich folgenschwerer: “Der Stahlkocher von Krupp in Duisburg ist eben nicht in der Lage, sich an Liquid Democracy zu beteiligen.”

    Es geht nicht darum ob Peer Steinbrück selbst twittert oder auf Facebook den dicken Max markiert oder ob er jetzt ein Tool wie Liquid Feedback in seiner Partei einführt. Es geht darum, wie er sich in Bezug auf die digitale Wirtschaft und Netzkultur positioniert. Welche Haltung er einnimmt. Aussagen wie oben signalisieren mir, dass ihm die neuen Technologien nicht nur fremd, sondern auch ziemlich gleichgültig sind. Angesichts dessen, dass wir nicht mehr als Land der Thyssens und Krupps glänzen werden, eher ein wenig beunruhigend. Aber das entscheidet letzlich ja sowieso der Stahlkocher in seiner Wahlkabine.

  2. ich mag den steinbrück ja vor allem, weil er ein kurzweiliger, schlagfertiger, pointenstarker typ ist, der einen kurzweiligen, von schlagfertigkeit und pointen geprägten wahlkampf machen wird. deshalb finde ich es sehr schade, dass er dieses für seine skills ideale “medium” twitter (et all) links bzw. vielleicht sogar rechts liegen lässt …

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