Ponader ist nicht das Problem der Piraten

Nico —  1.11.2012

Malte Welding hat einen lesenswerten Text über Johannes Ponader geschrieben, in dem er sich mit der allgegenwärtigen Diskussion über den politischen Geschäftsführer der Piraten auseinandersetzt:

Johannes Ponader, Problem-Pirat: In Blogs, die ich gerne lese, in Newsportalen, die ich weniger gerne lese, auf Facebook, das ich mal so mal so gerne lese, überall wird Johannes Ponader, Sanftling und Sandalenträger, als Verantwortlicher für die Demoskopiekrise der Piraten gesehen.
Auf Twitter wird er von Piratenvorständen beschimpft, Menschen, die ich mag, machen Würgegeräusche, wenn es um Ponader geht.

piratenparteiverschwommenKlar, diese Sündenbockrolle hat Ponader inne, seit seinem Auftritt bei Jauch und er hat auch stets dazu beigetragen, diese Rolle noch weiter auszufüllen. Der Fachbegriff dafür ist „Beratungsresistenz“ und geht meist einher mit zu vielen tollen Ratschlägen von vielen Seiten und keinen wirklichen Beratern, die etwas vom Thema und der Person verstehen.

Zum Ende des Artikels stellt Malte die Frage nach dem Warum, und das ist die wirklich relevante Frage zu den Piraten, nicht nur zur Personalie Ponader:

Eine Partei muss sich keinen Sprecher leisten, der nicht für sie spricht. Es wäre eine Zumutung für die Piraten, von jemandem vertreten zu sein, dessen Lebensstil sie ablehnen. Aber ihn durch Mobbing wegzubekommen, das kann nicht der Weg sein. Warum kann eine Partei, die sich der Basisdemokratie verschrieben hat, kein Meinungsbild über Personalfragen bekommen?

Ich glaube, dass sich hier das Grundproblem der Piraten manifestiert, entstanden aus der weltfremden, aber auch stellenweisen naiv sympathischen Herangehensweise, dass die Piraten die Regeln des Politikbetriebs ändern wollen, indem sie sich anders verhalten. Das führt unweigerlich zu massiven Problemen, denn wenn die Piraten im Politikbetrieb der Republik mitspielen wollen, müssen sie sich zwangsläufig auch an ein paar Modalitäten halten. Dazu gehört zum Beispiel, dass Öffentlichkeit nicht so sehr in Wikis und auf Twitter stattfindet, sondern in Talkshows oder Statements in der Tagesschau. Damit ist dann natürlich eine Person verbunden, die im Vordergrund landet und die inhaltlichen Positionen werden, wenn überhaupt, mit der Person verknüpft oder ganz in den Hintergrund gedrängt. Die Person bekommt dann das Label „wichtig in Partei X“ umgehängt und tingelt damit durch die Republik. So machen das alle Parteien mit ihren Spitzenpolitikern, bzw. Spitzenfunktionären. Nur kollidiert dies mit dem Selbstverständnis der Piraten, was die Älteren unter den Lesern vielleicht noch an die Diskussionen um das Rotationsprinzip bei den Grünen erinnert, das auch nach einer gewissen Erfolglosigkeit abgeschafft wurde. Gewissermassen kann man sich Ponader auf dem „Kill your Idols!“ T-Shirt ganz gut vorstellen, genauso wie andere exponierte Piraten allerdings auch. Wer in die Öffentlichkeit rutscht per Amt, bekommt mit dem Selbstverständnis der Partei Probleme.

Wenn die Piraten sich dauerhaft im Politikbetrieb etablieren wollen, dann müssen sie ertragen, dass es Protagonisten geben wird, die der Partei Profil geben werden durch die Präsenz ihrer Person. Daher sollten die Piraten lernen, vor Vorstandswahlen sich genau zu überlegen, welche Personen sie wählen wollen. Unerfahren mit politischen Ämtern sind die meisten Piraten, was sicherlich auch einen Reiz dieser Partei für viele Wähler immer noch ausmacht, aber die Piraten sollten schon sehen, ob Qualifikationen für bestimmte Ämter vorhanden sind.

Ich glaube, dass aktuell die Person Ponader nicht das Problem ist, sondern die Struktur der Piraten. In dem Amt würde jede andere Piratin oder jeder andere Pirat ebenso schnell angezählt werden, eben weil der politische Geschäftsführer mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht, als es die Piraten derzeit gewillt sind zu ertragen. Ein Jahr vor der Bundestagswahl wirkt die Piratenpartei eher so, als ob ihr verbindenes Element ist, dass alle immer Recht haben wollen und dabei lieber Führungpersonen beschädigen, als sich zum Wohle der Partei selber mal zurückzunehmen. Dies ist auf Dauer zu wenig für eine Partei, für die Wähler erst recht.