Das Leistungsschutzrecht kann nur der Anfang sein!

Nico —  28.11.2012 — 11 Comments

Ich habe mich noch einmal mit dem Leistungsschutzrecht für Presseverlage auseinandergesetzt und die Argumente der Verleger etwas länger reflektiert.

Ich glaube, dass Christoph Keese und die Verlagsverbände zu kurz springen, wenn sie nur ein Leistungsschutzrecht für Presseverlage fordern und dabei das Internet im Blick haben. Das Thema muss man weiter denken und nicht nur Geld dafür verlangen, dass jemand über ein Snippet auf eine Verlagsseite verlinkt und somit dem Verlag Nutzer zuführt, die dieser monetarisieren kann. Die Verlage entwickeln sich zu Medienhäusern, die mehr sind als nur Schreibstuben mit angeschlossenen Druckereien und neuerdings auch Internet.

Daher ist meine ganz klare Empfehlung, beim Leistungsschutzrecht für Presseverlage nicht beim Internet aufzuhören, sondern ruhig mal etwas über den Tellerrand hinauszudenken.

Hier einige Vorschläge für Christoph Keese, um noch konsequenter den Verlagen Geld zuzuführen, das ihnen nach ihrem Selbstverständnis sicherlich zustünde:

- Eine konsequente Zweitverwendung der Inhalte setzt natürlich voraus, das gezahlt wird. Hier gilt es, die Kostenloskultur bei Printprodukten einzudämmen. Fischverkäufer sollten daher eine Presse-Umlage zahlen, wenn sie nachhaltig handeln und Printprodukte ihren Kunden aushändigen.

tumblr_lvs59cRg9v1qe24sg- Städte und Kommunen profitieren nicht unerheblich von einem bislang kostenpflichtigen Informationsangebot, das die Bürger wie selbstverständlich kostenlos wahrnehmen. Für jeden gut sichtbaren BILD-Aufsteller auf dem Bürgersteig sollte künftig eine Abgabe gezahlt werden basierend auf einem Schlüssel, der sich aus der Anzahl der Einwohner in Korrelation zu den Abonnenten errechnet, da man so ausgleichen kann, dass viele zukünftige Konsumenten bislang nur gucken, aber nicht kaufen. Der Bürgersteig darf kein rechtsfreier Raum bleiben!

- Es ist in Deutschland selbstverständlich, dass Unternehmen GEZ bezahlen, aber die Mehrfachnutzung der BILD-Zeitung in der Frühstückspause kommt zwar direkt dem Unternehmen und der Volksbildung der Mitarbeiter zu Gute, ohne aber dass hier die Verlage für die Bereitstellung der journalistischen Inhalte angemessen entlohnt werden. Hier sehe ich noch jede Menge Potential. Gutes Geld für gute Inhalte!

- Seit dem Cluetrain Manifesto wissen wir alle, dass Märkte Gespräche sind. Daher kann es nicht angehen, dass sich Leute über Zeitungsinhalte unterhalten. Dadurch entgehen den Verlegern Einnahmen, die für die Wahrung der Meinungspluralität unerlässlich sind. Jedes Gespräch führt dazu, dass weniger Zeitungen gekauft wurden, weil die Inhalte bereits bekannt sind. Hier gilt es, die Abwärtsspierale zu durchbrechen und neben der Kirchensteuer eine Meinungspluralitätssteuer zu erheben, die ausschliesslich Presseverlage zu Gute kommt.

Ich bin mir sehr sicher, dass Christoph Keese und die Verlagsbranche erst am Anfang ihrer Überlegungen sind, wie man neuartige Monetarisierungskonzepte für Presseverlage umsetzen kann, ohne dass sich für die Verlage irgendetwas ändern muss. Wie sonst sollte es auch vorangehen in Deutschland, wenn nicht so?

11 responses to Das Leistungsschutzrecht kann nur der Anfang sein!

  1. Cyrus McDugan 28.11.2012 at 14:07

    Nicht zu vergessen die öffentlichen Verkehrsmittel. Da lesen Fahrgäste ohne Bezahlung einfach mit, oder die Käufer des Printproduktes lassen es einfach liegen. In Hamburg gibt es auch sogenanntes Fahrgastfernsehen, über das u.a. Nachrichten gebracht werden, die so auch von Verlagen zur Verfügung gestellt werden.

    Und was ist mit den städtischen Mülleimern? Leser schmeißen die Zeitung rein, ohne dafür zu sorgen, dass kein Anderer mehr daran herankommt. Häufig habe ich mit Kopfschütteln beobachten müssen, wie (Verzeihung) Parasitleser sich einfach ganze Zeitungen wieder aus dem Abfalleimer herausgeholt hatten und dann taxfrei lesen konnten. Hier müssen Länder und Kommunen ganz eindeutig eine Leistungsabgabe an die Verlage zahlen.

    Für die bessere Aufschlüsselung müssen öffentliche Verkehrsmittel und Mülleimer mit Kameras ausgestattet werden, die per Videoanalyse feststellen, wie viele Printprodukte von wie vielen Personen gelesen werden. Die Kosten kann man natürlich nicht der gebeutelten Presse aufbürden, denn das ist eine Verpflichtung der Gesellschaft.

  2. Tobias Frömrich 28.11.2012 at 15:03

    Nach diesem Artikel habe ich mit Erschrecken festgestellt, dass teilweise Zeitungen beim Bäcker oder z. B. im Supermarkt sichtbar ausliegen oder gar in Zeitungsständern augenscheinlich zum Kauf angeboten werden… Ich bin fassungslos… Natürlich sollten diese Anbieter nachträglich schnellstens zur Kasse gebeten werden und ein Sichtschutz mit Druckknopf je Zeitung eine schwarze Tüte mit dem Medieninhalt auswerfen… Weiterhin sollte es im digitalen Zeitungskiosk verboten werden das Cover zu zeigen… Ganz oder gar nicht…

  3. Sie haben ja so recht! Übrigens sollten auch Kioske Geld an Springer zahlen, dafür dass die Titelseiten in der Auslage für die Öffentlichkeit erkennbar sind!

  4. stinkeKeese 29.11.2012 at 12:17

    Kioske müssten an sich schon eine Grundgebühr bezahlen: Immerhin werden sie es sein, die IRL hauptsächlich den Verlagen Leser/Käufer zuführen.
    Du willst die BILD verkaufen? 10€ pro Monat, + 13Cent für jeden Kunden im Laden (können Schlagzeilen lesen) + 9,9 Cent für jeden tatsächlichen Käufer.

    Erstaunlich, dass die Verleger noch nicht auf die Idee gekommen sind, Ihre SEO-Fuzzis von google bezahlen zu lassen. Immerhin werden die nur angestellt, damit man in google gut sichtbar ist. Warum sollte der Verlag diesen Lohn zahlen, wird doch die Notwendigkeit solcher Angestellten durch google forciert wird.

  5. Stimme Tobias und Carsten vollkommen zu. Wieviele Menschen in Zeitungskiosken die Headlines und sogar ganze Storys lesen – Unfassbar, dass der Kioskbetreiber etc. künftig nicht unter das LSR fallen soll… ;-) Und was ist mit Ärzten, Friseuren oder Cafes usw., wo die Zeitungen ausliegen?

  6. Und immer noch zu kurz gesprungen, die einzige, wahrhaftige Lösung ist: Ein Gesetz für die Festlegung einer Personenabgabe entsprechend der Höhe von mindestestens zwei durchschnittlichen Jahresabos.

    Eine Zeitungsproduktionsabgabe

    *duckundweg*

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