Kommunikation der Zukunft: Fünf Faktoren und drei Schlussfolgerungen

Nico —  1.12.2012 — 23 Comments

Diesen Vortrag habe ich am 30.11.2012 beim Vorwärts Medienkongress Kommunikation der Zukunft in Frankfurt gehalten.

Vortrag beim Vorwärts Medienkongress Kommunikation der ZukunftSehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde der Kommunikation der Zukunft, und, auch das muss an dieser Stelle erlaubt sein, liebe Freunde der Zukunft der Kommunikation,

als ich gefragt wurde, ob ich auf dieser Konferenz mit dem gefälligen Allerweltstitel “Kommunikation der Zukunft” eine Keynote halten möchte, da habe ich kurz gezuckt und mir überlegt, ob ich, und wenn ja was, etwas zu diesem Thema beisteuern kann, das für Sie von Belang ist.

Normalerweise findet man bei derartigen Veranstaltungen seit Jahren vor allem alte Männer im Publikum vor, die sich ebenfalls seit Jahren wundern, warum die Welt sich gerade so rasend verändert und sich fragen, wie man die Veränderung so lange blockieren kann, bis die Rente erreicht wird. Natürlich bin ich mir sehr sicher, dass dies heute nicht der Fall sein wird und daher war dann die Verlockung dann doch zu groß und ich freue mich sehr, heute zu Ihnen sprechen zu können.

Interessanter Weise rede ich bei einer Veranstaltung zum Thema Kommunikation der Zukunft ganz ohne irgendwelche technischen Hilfsmittel und lese mehr oder weniger stumpf meine Rede vom iPad ab. Es gibt keine visuellen Hinweise für Sie, es gilt das gesprochene Wort, wie es immer so schön heisst. Von mir aus können wir daran festmachen wollen, dass es auch wieder Raum für Entschleunigung und auch für Reduktion oder die Konzentration auf das Wesentliche geben muss, der Veranstalter macht quasi unbewusst einen stark inhaltlichen Punkt.

Nach dieser Vorbemerkung möchte ich gleich noch weiter ausholen und die Zeit nutzen, darauf hinzuweisen, dass die Kommunikation der Zukunft ja schon längst stattfindet und wir mitten drin sind.

Ja, ich weiss, das ist eine brutale Erkenntnis, aber es gibt keinen Schalter, der für die Zukunft erst umgelegt werden muss. Wir sitzen nicht gespannt da und warten darauf, dass es jetzt losgeht, so wie es am 25. August 1967 gewesen sein muss, als der damalige Vizekanzler Willy Brandt auf die Attrappe eines roten Knopfes drückte und damit der noch jungen Bundesrepublik den Start ins Farbfernsehen bescherte.

2012 sind wir da natürlich schon weiter. Erstaunlicherweise ist das Internet nicht erst seit gestern da, sondern seit mindestens 15 Jahren in unserem Alltag zunehmend präsenter. Das bedeutet aber auch, dass die Veränderungen in dem Kommunikationsverhalten der Menschen bereits seit Jahren bekannt sind und auch die Trends schon etliche Male beschrieben wurden.

Man kann auch immer wieder sehen, dass einige Länder weiter sind als andere und daraus Rückschlüsse auf mögliche Entwicklungen in Deutschland ziehen. Oder einfach warten, dass alles irgendwie vorbei geht und sich dann beschweren, wenn die Auswirkungen massivst sind.

Das Wunderbare an der Situation ist allerdings auch, dass die Frage des Timings völlig egal ist. Egal ob und wann Sie sich der Herausforderung des digitalen Zeitalters stellen wollen, Sie sind eh zu spät, haben zu wenig Ressourcen und zu wenig Zeit. Aber das geht gerade allen so und das seit Jahren. Es wird allerdings auch nicht besser werden.

Der Autor William Gibson hat einmal gesagt:

“The Future is already there, it is just unevenly distributed.”

Meine Damen und Herren, das ist doch genau das Thema. Wir alle sind Teil dieser massiven Versuchsanordnung die sich Kommunikation der Zukunft nennt, wir alle sorgen mit einem veränderten Kommunikationsverhalten dafür, daß sich Aufmerksamkeiten verschieben, dass Informationen gefunden und geteilt werden, dass Geschäftsmodelle funktionieren, oder dass tradierte Konstellationen immer weniger funktionieren. Jeder einzelne von uns nimmt die Veränderungen unterschiedlich wahr und jeder einzelne von uns zieht andere Schlüsse daraus, was in der Natur der Sache liegt.

Machen wir doch mal eine kleine Mitmach-Übung, weil wir ja alle so schön interaktiv geworden sind heutzutage. Nein, sie müssen jetzt nicht twittern, keine Sorge. Aber heben Sie doch bitte mal ordnungsgemäß die Hand, ich sage es auch nicht weiter.

Wer von Ihnen hat ein Smartphone? iPhone? Android? Blackberry?
Wer von Ihnen liest Blogs? Schreibt ein Blog?
Wer von Ihnen twittert? Liest Twitter?
Wer von Ihnen ist auf Facebook?
Wer von Ihnen ist auf Xing? Wer ist auf LinkedIn?

Das habe ich mir gedacht.

Und ich kann Ihnen versichern, dass diese kleine Umfrage vor 5 Jahren komplett anders ausgesehen hätte. Damals hätten Sie einen Blackberry oder ein Nokia Handy gehabt, Facebook war noch ein Phänomen unter amerikanischen Studenten, einzig Blogs und XING gab es bereits.

Ich war vor mittlerweile 5 Jahren in Stockholm bei einer Konferenz, der SIME (Scandinavian Interactive Media Event), und dort gab es eine Diskussionsrunde, die ich einzigartig fand und die eigentlich zu einer Veranstaltung wie dieser unbedingt dazu gehören sollte. Auf der Bühne stellte eine Moderatorin den Diskutanten Fragen, die sich um das Mediennutzungsverhalten von Teenagern drehten. Der Clou daran war: auf der Bühne waren Jugendliche aus Schweden, die zwischen 12 und 16 Jahre alt waren. Und diese Jugendlichen redeten ganz klar und geradeaus über das, was sie so tagtäglich machen. Aufstehen, chatten, Schule, chatten, Film runterladen, dabei chatten, etwas spielen online, den Film gucken, dabei chatten, Abendessen, Musik hören, chatten, Bett.

Natürlich ist meine Darstellung jetzt etwas verkürzt wiedergegeben, aber bei den Jugendlichen war klar, dass sie stets mit anderen kommunizieren während sie Dinge tun.

Interessant war die Frage zum Schluss an die Runde: “Nutzt ihr auch Email?” Woraufhin die Antwort unisono kam: “ja, aber nur wenn wir mit alten Leuten reden müssen, also unseren Eltern oder den Lehrern”. Email war den Jugendlichen einfach zu langsam und zu wenig direkt.

In 5 Jahren wird dieses Bild wieder komplett anders aussehen, jedenfalls was die zur Verfügung stehenden Tools angeht, aber sich in einer Sache doch ähneln: es wird pausenlos kommuniziert.

Unsere persönliche Annäherung an die Veränderung der Kommunikation hat der Autor Douglas Adams einmal so kommentiert:

“Anything that is in the world when you’re born is normal and ordinary and is just a natural part of the way the world works.

Anything that’s invented between when you’re fifteen and thirty-five is new and exciting and revolutionary and you can probably get a career in it.

Anything invented after you’re thirty-five is against the natural order of things.”

Ich bin jetzt 40 Jahre alt und versuche weiterhin zu verstehen, was da eigentlich um mich herum passiert. Pfiffigerweise habe ich zuhause ein eigenes kleines Testlabor eingerichtet und kann am Beispiel meiner Kinder quasi in Echtzeit verfolgen, wie diese die Herausforderungen der digitalen Welt wahrnehmen und meistern.

Mit kindlicher Unbefangenheit liest unsere älteste Tochter mehr auf dem Kindle als in Büchern, weil der Kindle praktischer ist und man Papa noch abends dazu breitquatschen kann, das man noch ein neues Buch bekommt. Jegliches Gerede von wegen der Haptik ist der Tochter egal, es kommt auf die Inhalte an und die sind auf dem Kindle leichter verfügbar. So einfach ist das und natürlich hat sie nicht die Probleme der Verlagsbranche bei der Transformation der Geschäftsmodelle im Blick, sondern will einfach nur ein Buch lesen.

Bei unserem Sohn hingegen sehen wir, dass die kindliche Neugierde dazu führt, dass auf unseren Tablets unendlich viele Apps und Spiele zu finden sind, die er sich selber aussucht und dann von den Eltern installieren lässt. Völlig überrascht hat er mich allerdigs im Alter von 5 Jahren, als er auf dem iPad ganz alleine Anleitungsfilmchen gefunden hat, die ihm gezeigt haben, wie er spezielle Level bei Super Mario Galaxy auf der Wii gelöst bekommt. Er konnte damals weder Lesen noch Schreiben.

Selbstverständlich verstehen unsere Kinder nicht, dass im Fernsehen Sendung nur zu einem bestimmten Zeitpunkt und nicht generell on demand kommen. Warum sollte jemand ein Programm-Ablauf entwickeln, wo doch die Inhalte generell alle verfügbar sind?

Eigene Kinder helfen, den Wandel in der Kommunikation zu verstehen, aber auch ohne eigenen Nachwuchs kann man sich dem Thema annähern, da bin ich mir ganz sicher.

Wenn man sich die letzten 15 Jahre ansieht, dann stellt man einige Mega- und Meta-Trends fest, die alle auf einem Zusammenspiel von fünf Faktoren basieren:

Erstens: Disruption
Zweitens: Speed
Drittens: Social
Viertens: Local
Fünftens: Tablets

Diese fünf Faktoren haben einen massiven Einfluss auf die Art und Weise, wie wir in Zukunft kommunizieren, wie die Geschäftsmodelle der Zukunft aussehen und wie wir unsere Aufmerksamkeit verteilen werden.

Erstens: Disruption.

Das Digitale hat eine enorme disruptive Kraft und es gibt immer weniger Branchen, die davon nicht betroffen sind. Wir haben die Disruption und das damit verbundene Kollabieren tradierter Geschäftsmodelle und das gleichzeitige Entstehen von neuen, teilweise sogar funktionierenden Geschäftsmodellen an vielen Ecken gesehen.

Die Musikbranche hat ordentlich Federn lassen müssen, bis endlich mit iTunes, Spotify und anderen sich Firmen etablieren konnten, die den Download oder besser gesagt den Zugriff auf Musik im Internet für den Nutzer erschwinglich und attraktiv gestalten konnten.

Youtube sorgt dafür, dass Bewegtbild geguckt wird, nur eben nicht im herkömmlichen Fernsehen. Amazon macht es lokalen Buchhändlern, Elektronikhändlern, aber auch Verlagen immer schwerer, im Wettbewerb mit dem nahezu alles anbietenden Amazon zu bestehen.

Best Buy in den USA, ein Elektronikmarkt wie Media Markt oder Saturn, ist aktuell schwer angeschlagen, die Videothekenkette Blockbuster hat jüngst Insolvenz angemeldet und wenn Sie mal darüber nachdenken: die Videothek an der Ecke gibt es auch schon länger nicht mehr, das liegt nicht nur an BitTorrent, sondern auch an Apple, Amazon und anderen Anbietern.

Sie kennen alle die Beispiele, aber seien Sie versichert: nun geht es den Disruptoren von einst an den Kragen, das neue Motto heisst “Disrupt the Disruptors” und jetzt gieren viele hungrige Startups danach, den Startups von einst Marktanteile streitig zu machen, indem innovativere Lösungen an den Markt gebracht werden, denn die Disruptoren von einst sind mittlerweile große Unternehmen mit schwindender Innovationskraft geworden und daher zum Ziel der Disruption geworden.

Spotify ist dort zu nennen, denn die machen Apple Marktanteile bei den Musikdownloads streitig, aber auch Shopping-Clubs wie Brands4Friends oder Fab.com, die etablierten eCommerce-Anbietern zunehmend das Leben schwer machen.

Oder auch unser eigenes Startup Stuffle, das über das Entstehen einer Vielzahl von hyperlokalen Marktplätzen das Kaufen und Verkaufen von gebrauchten Gegenständen in der Nachbarschaft ermöglicht und damit einen Markt etabliert, den eBay und die Kleinanzeigenportale mit ihren Strukturen nicht besetzt bekommen.

Zweitens: Speed.

Man lernt früh, dass im Wirtschaftsleben “time to market” essentiell sei. Das waren früher Jahre. Mittlerweile sind wir bei Wochen angelangt, die benötigt werden, um aus den richtigen Strukturen heraus ein neues Produkt an den Markt zu bringen. Ein Grundbestandteil dabei ist eine Agilität, die von allen Beteiligten an den Tag gelegt wird.

Anstatt das Produkt in all seinen Facetten von Anfang bis Ende durchzuplanen, alles zu analysieren und alle Probleme und Herausforderungen und möglichen Fehler, aber wirklich auch alle Risiken, zu vermeiden, werden Produkte mittlerweile in agilen Prozessen kontinuierlich beim Entstehen weiter entwickelt, so daß mögliche Sackgassen direkt vermieden werden können.

Das agile, schnelle Entwickeln von Produkten bedeutet aber auch, dass man eher merkt, ob das Produkt überhaupt Sinn macht oder gar machbar ist. Natürlich senkt das auch die Projektkosten, und zwar ganz erheblich. Mittlerweile hat sich zudem etabliert, erst einmal das sogenannte Minimum Viable Product (MVP) zu launchen, um dann direkt zu sehen, was die Nutzer dazu sagen. Erst wenn die Nutzer sich interessiert zeigen, wird dann aus dem Produktrohbau ein richtiges Produkt entstehen. Speed sorgt dafür, dass man bereits nach 50.000€ weiss, ob das Produkt eine Zukunft hat oder nicht. Wer kein Speed hat, läuft Gefahr, Produkte mit zu viel Aufwand am Markt vorbei zu entwickeln.

Aber Speed bedeutet nicht nur eine erhöhte Geschwindigkeit bei der Einführung neuer Produkte sondern auch eine neue Qualität in der Kommunikation.

Echtzeit ist normal geworden und kann von jedem Nutzer genutzt werden. Eine eigene Live-Übertragung mit gleichzeitig zugeschalteten Diskutanten von überall auf der Welt? Kein Problem mehr mit Google Hangouts. Kostenlos. Den Tatort mit vielen anderen Menschen per Twitter miterleben? Kein Problem mehr, denn Sonntags ab 20:15 sitzen viele Leute vor dem Fernseher, gucken Tatort und kommentieren das Gesehene sofort auf Twitter mit dem Hashtag #tatort. So findet man Gleichgesinnte, amüsiert sich über die Vermutungen der Tatverdächtigen und kommentiert das Geschehen.

Dieses Speed macht die Nutzer unruhig und hungrig nach mehr. Speed führt dazu, dass man sofort kommunizieren kann, egal wo die andere oder die anderen Personen sind. Speed führt aber auch dazu, dass man hibbelig wird oder mit zu vielen Personen gleichzeitig reden will und sich selber kognitiv überfordert. Hohe Geschwindigkeiten haben eben ihren Reiz, aber auch ein gewisses Risiko.

Drittens: Social

Das Aufkommen von Social Media vor knapp 5 Jahren in den unterschiedlichsten Ausprägungen hat letztendlich dafür gesorgt, dass eines der ältesten Versprechen des Internets und insbesondere des World Wide Webs endlich eingelöst wurde.

Menschen können ohne großen Aufwand, ohne große Barrieren und vor allem ohne große Kosten miteinander kommunizieren. Einfach so. Weil sie es wollen. Per Text, per Video, per Foto, per Voice, sie können eigene Artikel schreiben, Musik mit anderen teilen, Videos aufnehmen, in Echzteit übertragen – egal in welchem Format, die Nutzer können ihre Freunde oder den Rest der Welt daran teilhaben lassen.

Bereits 1995 hiess es: “Das Web ist so einfach, jeder kann publizieren.” Das stimmte auch. Man musste nur HTML lernen und Zugang zu einem Webserver haben – schon konnte es losgehen. Na gut, und die meisten Formate außer Text funktionierten nur eingeschränkt oder gar nicht.

Mittlerweile ist das alles gelöst und es ist so gelöst, dass man die eigenen Inhalte im Kontext seiner Freundeskreise veröffentlicht. Das ist ein wichtiger Unterschied. Der Tratsch über den Zaun mit den Nachbarn ist jetzt dank Social Media ohne Probleme möglich, denn in vielen Aspekten ist Facebook nichts anderes, oder man macht einen Dia-Tag in Echtzeit, indem man Freunde über Instagram daran teilhaben lässt, was gerade im eigenen Leben so passiert. Die Möglichkeiten sind endlos und Social ist der Motor der gesamten digitalen Welt geworden.

Es geht nicht mehr darum, dass man im Internet anonym ist. “On the internet, nobody knows that you’re a dog” – diese berühmt gewordene Karikatur aus der New York Times hat bereits vor 15 Jahren zusammengefasst, woran das Netz lange krankte. Man wusste oft nicht genau, mit wem man es zu tun hatte. Natürlich gibt es immer noch Anonymität im Netz und das ist auch gut so, aber Facebook, Google+ und Twitter haben doch stark dafür gesorgt, dass sich das eigene soziale Umfeld auch gut online abbilden bzw. ergänzen lässt.

Social Media ist mittlerweile ein immens wichtiger Distributionskanal für Inhalte jeder Art geworden, denn man bekommt über sein soziales Umfeld tatgäglich viele Impulse und Inspirationen. Heutzutage ist das ein geteilter Link auf Facebook, der dafür sorgt, dass man clickt und guckt, was der Freundeskreis empfiehlt. Früher waren es Schnippsel aus der Hörzu, die Oma aufbewahrt hatte genau so wie die Kino- oder Musiktipps der Kumpels. All das ist nichts Neues an sich, verlagert sich aber zunehmend Dank Social Media und sorgt für massive Aufmerksamkeiten.

Viertens: Local

Wir reden seit Ewigkeiten vom Global Village, aber auch davon, dass das Netz uns im Lokalen wieder näher zusammenbringt. Das war lange Zeit eine schöne Theorie, hatte aber wenig Praxisrelevanz.

Mittlerweile haben wir nicht nur Plattformen, die relevante Inhalte mit einem lokalen Bezug anbieten, wie z.B. Qype oder DocInsider, sondern wir haben auch Nutzer, die ortsbezogene Dienste nutzen und ortsbezogene Inhalte generieren. GPS im Smartphone ist normalst geworden und ermöglicht jetzt eine völlig neue Nutzung von Inhalten, aber auch von Kommunikation untereinander.

Zusätzlich zum sozialen Kontext gibt es jetzt noch die ortsbezogene Verknüpfung und das hat Auswirkungen auf die Art und Weise, wie wir mit einander agieren. Lange Zeit gab es einen lokalen oder regionalen Informationsmarkt, der eher durch Strukturen gekennzeichnet war, die man eher als Oligolpol oder gar Monopol bezeichnen kann. Nun tummeln sich in diesem lokalen Segment viele neue Anbieter von Inhalten, und ohne es zu wissen spielen die einzelnen Nutzer dabei die wichtigste Rolle, denn sie ersetzen in vieler Hinsicht den Redakteur, der bislang Inhalte aufbereitet und zugänglich gemacht hat.

Fünftens: Tablets

Kennt noch jemand WAP? Das war herrlich. Konnte nichts, war sauteuer und niemand wusste, was das sollte, aber alle redeten darüber und damit startete die “das Mobile Internet ist das nächste große Ding”-Phase, die in den letzten 10 Jahren Jahr für Jahr immer wieder neu verkündet wurde.

Wir alle wissen, wie sehr die Smartphones und die Apps dafür gesorgt haben, dass Mobile dann wirklich endlich stattgefunden hat und wie sehr die Smartphones Eyeballs an sich binden. Aber ich glaube, das war noch nichts verglichen mit dem, was Tablets bewirken werden. Tablets werden wirklich der Computer für jedermann werden, bald sind erschwingliche Geräte für 50€ zu kaufen, die ganz normal neben der Fernbedienung auf dem Sofa liegen und unser Kommunikationsverhalten noch einmal total verändern werden.

Nach einer langen Phase des Lean Backs, also des berieseln la, haben wir mit dem Aufkommen von Social Media vermehrt Lean Forward feststellen können, denn Nutzer hatten zumindest auf ein Mal die Möglichkeit, mitzumachen, ob sie dies nutzen, ist eine andere Frage, aber nun passiert mit dem Tablet etwas völlig Neues. Die Tablet-Nutzung ist irgendwie anders. Es ist groß genug, dass wir nicht den Begriff Mäusekino verwenden wollen, es ist trotzdem kompakt genug, gerade in der aktuell aufkommenden 7 Zoll Generation, dass man das Tablet dabei haben kann, und es ermöglicht verschiedenste Nutzungsformen unterschiedlichster Intensität.

Das Spannende ist aber, dass der Nutzer nicht mehr im Lean Back oder Lean Forward Modus ist, sondern, wie Jason Calacanis einmal betonte, im Curled-In Modus. Und das macht auch Sinn, wenn man mal darüber nachdenkt. Man ist sehr nahe am Tablet dran und egal, wie man es nutzt, man verschmilzt bei der Nutzung ein Stück weit mit dem Gerät, da man es nah am Körper hat und mit den Fingern bedient.

Tablets werden als Geräte den Massenmarkt dominieren und so günstig sein, dass man sie auch mal aus Versehen im Zug liegen lassen kann. Tablets werden unsere primären Geräte für den Hausgebrauch sein, quer durch alle Schichten hinweg.

Was fangen wir jetzt an mit dem Hinweis, dass es die 5 Faktoren Disruption, Speed, Social, Local und Tablets gibt und welche Auswirkungen haben diese für die Kommunikation der Zukunft?

Karl Hans Arnold, der Co-Verleger der Rheinischen Post hat jüngst eine “Kultur des Ausprobierens” gefordert. Ich glaube, diese 5 Faktoren schreien gerade danach, dass ausprobiert wird, dass in kleineren Paketen gedacht wird und das einfach mal gemacht wird.

Was sehen wir stattdessen in Deutschland, dem Land der nicht enden wollenden Großprojekte? Wir sehen, dass viele Medienhäuser nicht nur immer noch keine Antworten auf die Herausforderungen der digitalen Zeit haben, sie wissen noch nicht einmal, welche Fragen sie stellen sollten.

In ihrer Not machen die Verleger, die oftmals eher wie Verwalter daherkommen, gerne seltsame Sachen. Die einen investieren Milliardenbeträge in Firmen, die Werbung im Internet ermöglichen, Tierfutter verkaufen oder Reisen anbieten. Die anderen starten Websites, die niemand haben will und wundern sich. Wieder andere investieren in soziale Netzwerke und ärgern sich.

Burda und Springer stehen gut da mit ihrer Digitalisierungsstrategie, Gruner und Jahr sucht sie noch, die FTD wird allerdings kein Teil davon sein, die Frankfurter Rundschau hat trotz iPad App nicht überlebt und Spiegel Online wächst und gedeiht bei ganz normaler Online-Vermarktung, was ja eigentlich “lousy Pennies” sein sollen.

Eine der seltsamsten Sachen, die sich die Verleger in den letzten Jahren haben einfallen lassen, ist das Leistungsschutzrecht. Die Verlage wollen Geld dafür haben, dass sie über Links und kleine Inhaltshäppchen Besucher von anderen Websites rübergeschoben bekommen, mit denen die Verlage dann Geld verdienen können.

Wie man es dreht und wendet, es macht keinen Sinn und die treffendste Analogie zum Leistungsschutzrecht lautet wie folgt: “Der Taxifahrer, der einen Freier zum Puff fährt, bezahlt auch nicht den Bordellbesitzer dafür.”

Das kann Karl Hans Arnold nicht mit der “Kultur des Ausprobierens” gemeint haben – das Leistungsschutzrecht ist pünktlich zum Wahlkampf eine reine Machtfrage ganz unter dem Motto “Wollen wir doch mal sehen, ob ihr dagegen sein wollt, liebe Politiker, denn bald steht ihr zur Wahl und ihr wollt doch nicht die Presse gegen Euch haben, oder?” – die schwarz-gelbe Koalition wird diesen Unsinn also mitmachen zu Lasten der Nutzer, die weniger leicht die Inhalte finden werden, die sie suchen.

Die Unfähigkeit, aus Disruption, Speed, Social, Local und Tablets etwas zu machen manifestiert sich in der mangelnden Innovationsfähigkeit der deutschen Medienhäuser.

Es scheint, als ob das Motto in Deutschland derzeit “Konservation statt Innovation!” ist.

Es gilt hierzulande schon als innovativ, wenn man als erstes Haus darüber nachdenkt, etwas aus den USA zu lizensieren oder nachzubauen.

Die Frage “Wann kommt endliche die deutsche Huffington Post und wer macht es?” kann ich nicht mehr hören! Warum bekommt a) niemand so etwas nachgebaut, die Blaupause liegt doch vor, und warum ist b) niemand in der Lage, ein genuin innovatives Produkt für den deutschen Markt zu entwickeln, das auf den Erfahrungen der Huffington Post aufbaut?

Warum kommt ein 16-jähriger mit einer iPhone App namens Summly daher und aggregiert und arrangiert News in einer völlig neuen Art? Können deutsche Medienhäuser so etwas nicht? Oder nicht mehr? Oder ist es nicht gewollt? Warum gibt es immer noch keine Sonntags-App, die auf dem Tablet den Sonntag morgen einleitet?

Warum kann ein bekannter amerikanischer Software-Entwickler mal einfach eine Publikation namens “The Magazine” als App starten, jede Woche vier Artikel zu einem Abo-Preis von $1,99 im Monat rausgeben, die Autoren angemessen bezahlen, Geld verdienen und auch noch Spaß dabei haben? Weil er schnell ein Produkt raushaut, das elegant und sehr reduziert daherkommt und genau das tut, was es verspricht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Faktoren Disruption, Speed, Social, Local und Tablets sorgen aber auch dafür, dass in immer schneller werdenen Iterationen Neuerungen passieren, die Einfluß auf unser Kommunikationsverhalten haben, aber auch auf die Produkte, die wir zur Kommunikation benutzen.

Wir haben alle gesehen, wie schnell MySpace und StudiVZ den Bach runtergegangen sind, weil sie den Herausforderungen der immer schneller werdenen Innovations-Zyklen nicht gewachsen sind.

Noch profitieren Medienhäuser von ihren Marken und dem damit verbundenen Markenversprechen, die Jugendlichen heutzutage interessiert dies allerdings immer weniger. “Alle nutzen WhatsApp, also nutze ich das auch!” – das ist die Denke – und da sind Sicherheitsprobleme oder gar der Kampfbegriff du jour “Datenschutz” für die Nutzer herzlich egal. Man will mit anderen Leuten reden und nutzt das, was andere nutzen.

Wir sehen gerade, dass die Geschwindigkeit, mit der dieser permanente Wandel auf uns hereinprasselt, die Jugend fasziniert und die Älteren staunend, zweifelnd oder verzweifelnd zurücklässt.

Wir sehen allerdings auch, dass immer noch gerne negiert wird, dass das Internet eine Relevanz für die Kommunikation hat, es wird vor allem eine Wertigkeit der Diskussionen abgesprochen. Interessanterweise führt diese Denke zu einer Überhöhung der analogen Medien, die mittlerweile wenig mit der Kommunikationsrealität zu tun hat.

Der oftmals fehlende Zuspruch für Verlagswebsites mit journalistischen Inhalten liegt nicht an der Nutzung eines digitalen Mediums, sondern daran, dass relativ stumpf aus analog digital gemacht werden soll. Dann landen lange Riemen aus Print auf einer Website, inklusive nicht verlinkter weiterführender Links und Hinweisen a la “Siehe auch Seite 3″, die den Leser bestenfalls irritiert.

Aber, und das möchte ich auch nicht verhehlen, die permamente Kommunikation auf allen Kanälen kann auch überfordern und dafür sorgen, dass man doch nicht richtig dabei ist. Sherry Turkle, eine amerikanische Soziologin, die als Professorin am MIT lehrt und sich seit Mitte der 90er Jahren mit dem Phänomen Internet auseinandersetzt, hat diesen Zustand kürzlich als “Alone together” bezeichnet.

Und natürlich ist da etwas dran, wir müssen lernen, die Kommunikation in Echtzeit als permanenten Stream, also als etwas Fliessendes zu begreifen, aus dem wir uns immer wieder interessante Inhalte herauspicken, oder aus dem uns durch unsere Freunde und Bekanntschaften immer wieder die interessantesten Sachen herausgefiltert werden. Man kann einfach nicht immer überall dabei sein, das schaffen wir trotz aller Technologie nicht.

Die Kommunikation der Zukunft wird von den 5 Faktoren Disruption, Speed, Social, Local und Tablets in den nächsten Jahren maßgeblich beeinflusst werden, was Implikationen für uns alle hat und einige Themen in den Vordergrund rücken lässt, die bislang eher vernachlässigt wurden und bestenfalls nur als Lippenbekenntnisse bei den üblichen Reden zum Besten gegeben wurden.

Erstens: Breitband

Wenn wir es gewohnt sind, dass wir immer und überall kommunizieren können, dann benötigen wir auch entsprechende Datennetze. Dabei reicht es nicht aus, dass wir über DSL reden, sondern wir müssen als größte Volkswirtschaft Europas das Ziel haben, dass wir über die beste Netz-Infrastruktur des Kontinents verfügen.

Das bedeutet massive Investitionen in den Netzausbau und sicherlich auch stärkere regulatorische Eingriffe in die Netze. Meine Damen und Herren, es war ein Fehler, die Netz-Infrastruktur den Providern zu überlassen, hier muss dringend nachgesteuert werden, damit nicht nur LTE als Versprechen für den ländlichen Raum umgesetzt wird, sondern auch in den Großstädten flächendeckend Fiber to the Home (FTTH) verfügbar gemacht wird mit Bandbreiten, die sich an 1 Gbit/s orientieren und nicht an 16 mbit/s.

16 mbit/s sind bereits seit Anfang des Jahrtausends verfügbar, das kann ja wohl nicht der Maßstab sein. Aktuell liegt Deutschland beim Breitband-Ausbau hinter Rumänien, auch das sollte uns zu denken geben.

Zweitens: Programmiersprache als zweite Fremdsprache

Ja, das klingt merkwürdig, aber lassen Sie die Forderung nach einer Programmiersprache als zweite Fremdsprache einmal sacken. Ich habe in der Schule Latein gehabt und das hat mir trotz aller Probleme beim deklinieren und bei der Grammatik insgesamt wenigstens für mein Studium der Politikwissenschaft und Geschichte ein gewisses Rüstzeug mitgegeben.

Aber, für den Alltag hat es abgesehen vom Lesen der Asterix-Hefte meiner Kinder für mich kaum noch einen praktischen Nutzwert. Lediglich der Vokabelschatz hilft ab und zu mal, kurze Sätze auf Französisch, Italienisch oder Spanisch zu verstehen. Nichts, was Google Translate und andere nicht viel besser könnten – bei Facebook, dem Ort an dem wir mit Freunden und Bekannten kommunizieren, ist bei Postings in anderen Sprachen schon jetzt die Möglichkeit vorhanden, sich den Text übersetzen zu lassen.

Für Kinder und Jugendliche allerdings wird künftig immer weniger eine Rolle spielen, die Klassiker der Vergangenheit im Original lesen zu können, sondern sie sollen den Code der Zukunft besser verstehen. Vor einigen Jahren hiess es: “Lern spanisch, das ist das neue Englisch!” – Mittlerweile entwickeln Kinder Apps für das iPhone.

Marc Andreesen, der uns als Student mit der Entwicklung des ersten massentauglichen Browsers namens Mosaic die bunte Welt des World Wide Web erst zugänglich gemacht hatte und investiert aktuell als Venture Capital Geber in Internet-basierende Geschäftsmodelle, schrieb kürzlich in einem viel beachteten Essay im Wallstreet Journal: “Software is eating the world.”

Software ist das geworden, was die Welt zusammenhält, aber auch immer das Potential hat, sie auseinander zu reissen, meine Damen und Herren.

Daher ist es für Kinder und Jugendliche essentiell, zu lernen, wie Software funktioniert, also wie man programmiert. Ich erwarte jetzt nicht ein Volk von Programmierern, aber ebenso wie uns das Erlernen einer Sprache den Zugang zu anderen Kulturen eröffnet und damit unseren eigenen persönlichen Horizont erweitern kann, ermöglicht das Erlernen einer modernen Programmiersprache ein besseres Verständnis für die komplexen Abläufe der Zukunft, die allesamt ohne Software nicht mehr möglich sind.

Der Autor Douglas Rushkoff hat in seinem Buch “Program or be programmed” darauf hingewiesen, dass wir als Gesellschaft darauf achten müssen, nicht bloß zum Objekt zu werden, sondern dass wir selber in der Lage sein müssen, zu verstehen, was um uns herum passiert.

Javascript ist das neue Latein, meine Damen und Herren, wir sollten uns zügig daher überlegen, wie wir die Wissensvermittlung bei Kindern und Jugendlichen dahingehend verändern, dass wir das Erlernen einer modernen Programmiersprache mit in die Lehrpläne aufnehmen – denn wir wollen doch alle, dass die nachwachsenden Generationen das Rüstzeug für die Zukunft erhalten.

Jetzt denken etliche von Ihnen im Saal “Was für ein Quatsch, wie soll das denn gehen?” – aber werfen Sie bitte einen Blick nach Estland, das jetzt bereits jedem Schüler anbietet, in der Schule eine Programmiersprache zu erlernen. Es ist machbar, man muss es nur wollen.

Ich fordere daher auch die Einführung eines Freiwilligen digitalen Jahres, und ja, die Abkürzung mag historisch schon anders besetzt gewesen sein, aber dennoch finde ich, dass wir mehr dafür tun sollten, insbesondere Schulabgänger für das Digitale zu begeistern. Wir haben einen Bundesfreiwilligendienst, nur die Ausrichtung auf die digitale Zukunft fehlt.

Warum sollten wir als Staat nicht dafür sorgen, dass junge Menschen nach der Schule vermehrt auf die Idee kommen, sich mit digitalen Themen auseinanderzusetzen und dieses Wissen mit anderen zu teilen? Natürlich macht es Sinn, seine Zeit für soziale Projekte zur Verfügung zu stellen, aber macht es nicht auch Sinn, bei diesen Projekten einen digitalen Fokus zu haben? Wer bringt Senioren bei, wie sie mit Skype besser mit der Familie in Kontakt bleiben können, wer zeigt Erzieherinnen, wie Kinder mit Tablets musizieren können, wer unterstützt Lehrer beim gemeinsamen Programmieren mit ihren Schülern? Ein Freiwilliges digitales Jahr würde junge Menschen in die Lage versetzen, über die Beschäftigung mit digitalen Themen besser gerüstet in ihre berufliche Zukunft schreiten zu können.

Drittens: mehr Experimente!

Wenn wir uns den digitalen Alltag einmal angucken, dann ist dieser geprägt von amerikanischen Firmen wie Google, Facebook, Apple, Amazon, Microsoft oder anderen. Deutsche Firmen, kleine wie große, spielen international keine Rolle.

Wir können uns zwar alle kollektiv auf die Schulter klopfen, dass das Dateiformat MP3, das die Musikbranche nachhaltig disruptiv durcheinander gebracht, am Frauenhofer Institut entwickelt wurde, aber ansonsten sieht es mau aus mit Errungenschaften aus Deutschland.

Die Kommunikation der Zukunft wird anderswo gestaltet, meine Damen und Herren!

Tief verwurzelt in der amerikanische Psyche und stets bemüht, wenn erklärt werden soll, warum in Amerika trotz aller Defizite des Landes gerade im digitalen Bereich immer wieder neue Innovationen auf den Markt kommen, ist der Frontier-Glaube.

Buzz Lightyear hat die damit verbundene Vorstellung der Amerikaner, die von Aufbruch, aber auch vom Überwinden von Grenzen zeugt, im Film Toy Story in dem Ausspruch “To Infinity and Beyond!” manifestiert.

Erst einmal ist nichts unmöglich, sondern die Vorstellungskraft ist der limitierende Faktor. In Deutschland hingegen haben wir Angst vorm Scheitern und fangen daher oftmals gar nicht erst an, darüber nachzudenken, wie es wohin weitergehen könnte und warum.

Wir brauchen in diesem Land nicht nur eine “Kultur des Ausprobierens”, wir brauchen viele, viele Experimente, große und kleine, erfolgreiche und auch welche, die ordentlich scheitern.

In meiner Kindheit, als wir nix hatten, damals, da wollte ich immer unbedingt einen Chemiebaukasten haben. Oder einen Elektronikbaukasten und natürlich war die Phantasie vorhanden, dass man sich einen Roboter mal selber bauen könnte.

Mittlerweile haben wir nicht nur LEGO Mindstorms, sondern auch Kleinstcomputer und günstig verfügbare Platinen zum Basteln. Arduino ist das Stichwort und Arduino ermöglicht uns auf Basis von Open Source Software kleine Werkzeuge selber zu bauen, so wie wir als Kinder aus Zweigen Pfeil und Bogen selber gebaut haben, nur eben etwas anders.

Die Entwickler in meiner Firma haben jüngst die interne Haustechnik dahingehend mit einer Arduino-Platine erweitert, dass man bequem vom Rechner aus über ein Button die Tüschliess-Anlage betätigen kann.

Vielleicht sollte man nicht gleich zuhause versuchen, über das Internet das Garagentor basierend auf den GPS-Koordinaten des eigenen Smartphones zu öffnen, aber über das Basteln, neudeutsch Tinkering, nähern wir uns spielerisch den von mir geforderten Experimenten.

Experimente sollten aber nicht nur zuhause stattfinden, sondern auch im beruflichen Alltag. Es ist so günstig geworden und es geht so schnell – es spricht nichts dagegen, getreu dem guten alten Motto “if there’s an itch, scratch it” die eigenen Problemlagen durch Experimente auf Software-Basis lösen zu wollen.

Man muss nur akzeptieren, dass Experimente auch scheitern können. Scheiternde Experimente sind an sich nichts schlimmes, fragen sie mal einen Chemiker, der erlebt das jeden Tag. Scheitern gehört dazu, wir lernen daraus. Wenn wir nicht mehr experimentieren, dann reduzieren wir zwar die Gefahr des Scheiterns, aber ehrlich gesagt wird das Leben dann doch auch langweilig. Von fehlenden Lerneffekten ganz zu schweigen.

Breitband, Programmieren und Experimente – das sind die Bestandteile für die Kommunikation der Zukunft. Wenn wir sie selber aktiv mitgestalten wollen. Wenn wir lieber unbeteiligt am Rand stehen wollen und es uns reicht, mitanzusehen, wie andere die Zukunft gestalten, dann können wir auch einfach so weiter machen wie bisher.

Oder, um es mit Angela Merkel auszudrücken:
“Ich halte die Printmedien für sehr wichtig. Lesen können ist noch einmal etwas anderes, als im Internet zu sein.” So jedenfalls ihre Botschaft in der letzten Video-Ansprache der Kanzlerin.

Meine Damen und Herren, die Frage ist doch nicht, ob wir eine gedruckte Zeitung besser finden als die Präsentation von Inhalten in einer digitalen Form.

Die Welt verändert sich schneller als wir denken und doch ist der Wandel das einzig beständige dabei. Print wird weiterhin existieren, aber den Zenit hat es lange hinter sich gelassen.

Das kann man beklagen, man kann es auch betrauern, aber man wird es nicht mehr ändern können. Die Zukunft der Kommunikation liegt im Digitalen und wir sollten ganz dringend dafür sorgen, dass wir nicht nur verstehen, was aktuell passiert, sondern dass wir auch mitgestalten können. Die Herausforderungen sind immens und das Leistungsschutzrecht für Presseverlage bietet nicht einmal ansatzweise eine Antwort darauf.

Lassen Sie uns gemeinsam die Grundlagen legen, indem wir die Vorrausetzungen verbessern und konsequent in den Ausbau von Breitband investieren, indem wir die Kinder und Jugendlichen wirklich fit machen, nicht im Sinne von Medienkompetenzvermittlung, sondern im Sinne der Vermittlung von digital literacy – das macht das Erlernen einer Programmiersprache als zweite Fremdsprache unerlässlich – und lassen Sie uns wieder mehr experimentieren, mehr ausprobieren und mehr lernen, damit wir nicht immer nur hinterherhecheln, sondern eine Vorreiterrolle einnehmen und die Zukunft aktiv gestalten können.

Vielen Dank.

23 responses to Kommunikation der Zukunft: Fünf Faktoren und drei Schlussfolgerungen

  1. Nico,
    danke dir für den Text, klasse Vortrag und finde ich schön konkret zusammengefasst! Vieles davon können wir als
    Grundsatzprogramm für die deutschen etablierten Parteien nehmen…

    Während des Lesens habe ich mich die ganze Zeit gefragt: Wie war denn die Reaktion deines Publikums?

    Grüße
    Matthias

  2. Carsten Führmann 1.12.2012 at 10:36

    Der Vortrag hat mich sowohl inhaltlich als auch sprachlich begeistert! Zur Generationen-Thematik (Douglas-Adams-Zitat) möchte ich anmerken: Wir können zwar nicht ändern, dass unsere Neuroplastizität mit dem Alter abnimmt. Aber wir können es uns bewusst machen! So wie man von einem gebildeten Menschen eine Überwindung von Provinzdenken erwartet, sollte man auch eine Überwindung von *zeitlicher* Provinzialität erwarten. (“Die Zukunft ist ein anderer Ort”…) Das ist für mich ein Bildungsthema!

    Dann wollte ich Ihnen noch folgende Keynote-Speech von Wolfgang Blau (Zeit Online) nahelegen – das dürfte ganz Ihre Kragenweite sein: http://www.youtube.com/watch?v=LSeIoxz9Me0a

  3. Ich kann diesen ewigen Pessimismus nicht mehr hören. So schlecht ist Deutschland digital wahrlich nicht aufgestellt.
    z.B. Ist der größte nicht amerikanische Softwarekonzern ein Deutscher (SAP), außerdem ist die deutsche Wikipedia die Zweit-Umfangreichste. Die de-Domain hat die meisten registrieren Domains aller Länderdomains. Im B2B Bereich ist Deutschland gut aufgestellt! Und Warum? Weil wir eben eher solide Sachen bauen und nicht immer nur Dinge die nach 1-2 Jahren wieder vom Markt verschwinden. Und ich finde das wirklich super.
    Ja die meisten deutschen Entwickler sind nicht so dreist und nehmen sich alles was sie vom Nutzer bekommen können und expandieren deswegen nicht so schnell, aber zum einen beginnt diese Vorgehensweise zunehmend (nicht nur in Deutschland) auf Kritik zu stoßen und zum anderen finde ich es Klasse das in unserer Gesellschaft (noch) nicht großflächig das Motto gilt: “Der starke nimmt sich was wer will”

    Wenn man mal ein paar Schritte zurücktritt gab es in den letzten 10-15 Jahren ehrlich gesagt gar nicht so viele neue Entwicklungen bei der Kommunikation. Das was sich wirklich geändert hat sind zum einen das die Computer jetzt in die Hosentasche passen und das das Installieren von Programmen viel einfacher geworden ist (Appstore) und das 15 Jahre Zeit waren das Leute “nachwachsen” die mit Computern aufgewachsen sind und die Älteren dem Umgang lernen konnten.
    Im Grunde ist Whatsapp nur ein “aufgehübschtes” ICQ. In Napster waren schon alle Komponenten enthalten die wir heute aus den Sozialen Netzwerken kennen. (Musik) Teilen, Chatten, als Freunde markieren,Profil und Pinwand (damals noch Gästebuch genannt). Blogs haben die Webseiten ersetzt. Im Grunde alles nur einfache Weiterentwicklungen und nichts wirklich disrutives.
    Die Email – häufig totgesagt und abschätzig benannt ist noch immer die absolute Grundlage der Kommunikation. Und solange es keinen Firmenunabhängigen halbwegs verbreiteten besseren Standard gibt wird das auch noch lange so bleiben.
    Wirklich neu in den letzten 15 Jahren ist “nur” die Nutzung von Videos in all seinen arten und das Follower-Prinzip.

  4. Das haben sich Menschen angehört? Das Problem ist nicht das Internet. Das Problem ist dieser Wahnsinnsmarktvan Banalitäten.

  5. TL;DR
    Gibt es den Vortrag auch als Videoaufzeichnung?

  6. Wie andere hier bereits schrieben, so würde auch mich die Reaktion(en) des “Vorwärts”-Publikums interessieren. Unter welchem Hashtag finde ich diese bei Twitter oder wo findet die Diskussion auf Facebook statt. Gibt es eine SPD- oder “Vorwärts”-Seite, wo diese diskutiert wird oder wird der Vortrag im Originalwortlaut in der nächsten “Vorwärts” abgedruckt mit der Bitte um Zusendung von Antworten in Form von Postkarten (möglichst freigemacht). Lumma statt Koidl wäre doch mal etwas, was man weiterdenken sollte. Des Weiteren glaube ich, dass Begriffe und Begrifflichkeiten allen Konsument(inn)en erläutert werden sollten. Wenn der Autor Latein an der Lauenburgischen Gelehrtenschule lernen durfte, genauso wie Englisch an genau jenem Ort wie auch in Iowa, so vermag er sicherlich auch, Begriffe zu übersetzen.
    Englischsprachige Zitate und Begriffe: toll! Gibt’s die auch in deutsch?
    Disruption? Also bitte!Erinnert mich an sehr an den Disruptor aus irgendeiner SciFi-Serie. Social? Local? Speed? Come in and find out?
    Ich bin kein Fan von Guido Westerwelle, aber so wie die Engländer und gerade die Amerikaner mit einer absoluten Selbstverständlichkeit davon ausgehen, dass ihr Gegenüber sie versteht und ihre Sprache spricht möchte ich in der Buckeligen Demut der Deutschen untertänigst darum bitten, dass man sich der deutschen Sprache bedient!
    Und wenn es keinen deutschen Begriff gibt, dann erkläre man doch bitte den englischen.
    Wenn man jeden Tag in der englischsprachigen Blase sitzt und dieses Kauderwelsch auch noch von sich geben muss, in der Annahme, dass man nur dann ernst genommen wird von Nerds, Geeks, inverstors, business angels, usw. usf., dann kann ich mir schon vorstellen, dass so etwas dabei herauskommt, aber dann muss man sich auch nicht wundern, wenn mindestens 50% (und zwar genau die 50%, auf die es eigentlich ankäme) den Inhalt, die Witze, die Zusammenhänge nicht verstehen.
    Es gab auf 3sat die Sendung “Neues…”, die neue Technologien und Entwicklungen im Bereich der Technik und Computer vorstellte.
    Diese wurde eingestellt zugunsten von “Pixelmacher”, die Interviews auf Englisch zeigt, ohne Untertitel oder Übersetzung aus dem Off.
    Die Schüler, die so gerne ständig in Kommunikation sind, sollte man eben nicht nur quantitativ, sondern auch mal qualitativ betrachten.
    Die sollen eine Programmiersprache als Zweitsprache lernen? Wunderbar, vielleicht lernen sie dann, sich an die Syntax einer Sprache zu halten, weil ihre Programme sonst nicht funktionieren!
    Ich wünsche mir häufig, dass ein Schreibprogramm nicht nur die Möglichkeit einer Kontrolle, wie aus den SMS-Anfängen T9, gibt, sondern eine Nachricht nicht versandt wird, bevor sie einen Check (hahaha, ich meinte natürlich Kontrolle) durchlaufen hat, bezogen auf Rechtschreibung und Grammatik.
    Der unbedachte Umgang mit unserer Sprache sollte der erste Ansatzpunkt sein, wenn über eine Zukunft der Kommunikation oder eine Kommunikation MIT Zukunft diskutiert wird. Ich erwarte nicht, dass sich Schüler/innen mit Freuden Goethe, Schiller, Mann, Wallraff oder wem auch immer zuwenden, aber Kommunikation beginnt in der menschlichen Entwicklung über Bilder, Eindrücke und das gesprochene Wort, lange vor dem Lesen und Schreiben.
    Also wünsche ich mir in der Kommunikation der Zukunft mit Zukunft ein wenig mehr Sinn und weniger Blabla, etwas mehr Inhalt und weniger Worthülsen und da die “Vorwärts” nun mal ein Parteiorgan ist, die Zuwendung zu den Menschen. Ein freiwilliges digitales Jahr? Eine tolle Idee, die ich sofort als Ergänzung zum Freiwilligen (sozialen) Jahr unterstütze. Erster wunschkandidat? Peer Steinbrück. Gute Güte, was haben wir von Politikern aus allen Parteien schon gelesen und gehört? “Ich twittere nicht, Facebook machen meine Mitarbeiter. Der Stahlkocher von Krupp in Duisburg ist eben nicht in der Lage, sich an Liquid Democracy zu beteiligen”. Doch! Ist er! Macht er auch! Kriegst du aber nciht mit, weil du eben nicht liest, was der Stahlkocher von Krupp in Duisburg dir auf seiner Facebookseite oder auch auf deiner mitteilt, oder per Twitter oder per E-Mail, oder, oder, oder…
    Kommunikation ist nichts Einseitiges, sondern vor allem Dialog, weil sich nur daraus etwas wirklich neues entwickelt. Dieser Dialog kann in Echtzeit oder auch zeitversetzt stattfinden unter der Zuhilfenahme aller technischen Möglichkeiten oder auch im persönlichen Gespräch unter vier Augen.
    Wichtig erscheint mir dabei, wie im Vortrag genannt, das Ausprobieren.
    Wenn ich als Politiker keine Ahnung von dem habe, was ich aber als Volksvertreter (mit) entscheiden soll, dann muss ich mir als solcher auch die die Kritik dazu anhören.
    Und wenn ich als ein solcher Politiker keine Ahnung von dem habe, dann sollte ich das auch nicht nur sagen, sondern auch so handeln:”Wenn keine Ahnung, dann nicht nur Fresse halten, sondern auch Meinung über Experten oder wie hier durch Ausprobieren bilden!”
    Das Thema ist schier endlos, aber ich hoffe sehr, dass Politiker, die es darauf anlegen, gewählt zu werden, mehr mit anstatt über die Menschen zu reden, die sie vertreten (sollen).

    • Hui, nun geht’s hier aber ab! – Habe die Kommentare via mobil verfolgt das Wochenende und muss nun doch auch noch mal meinen Senf dazugeben.

      Ja, ich hätte es auch wirklich spannend gefunden, mitzuerleben, wie denn das Publikum den Vortrag von Nico aufgenommen hat. Vielleicht sollte man bei Keynotes immer zwei Kameras laufen haben: EIne Sprecherkamer und eine Publikumskamera ;-) zumindest bei dem anschließenden Frage- oder Diskussionsteil ;-)

      Zu Arne Kriedemann (und Prit?): Es sind bestimmt immer ein paar dabei, für die die Anglizismen eher irritierend oder störend wirken.
      Dazu findet sich gerade ein passender Artikel auf Spiegel Online: Warum das Internet Experten alt aussehen lässt -> http://is.gd/Dx0Ygw
      Und da liegt ein dicker Hund begraben – der Innovatons-Hund sozusagen.

      Die Frage an Nico Lumma, wie auch jeden Sprecher, der vor einem Publikum spricht, das quasi generations-gemischt ist, gilt natürlich: Sollte man weniger Anglizismen nehmen, damit einen alle verstehen?

      Ich finde aber, hier macht sich vielleicht eine gewisse “deutsche Bockigkeit” bemerkbar:

      Wir können davon ausgehen, dass auch in Zukunft Kommunikation über das globale Kommunikationsnetz stattfindet. Damit ist zum einen zu berücksichtigen, dass dazu auch grenzenübergreifende Kommunikation gehört, ob man sich nun informiert oder direkt austauscht. Und die ist überwiegend englisch. Weil man sich etwa bei so mancher Nachricht auch nach dem Bericht aus dem Ursprungsland erkundigen möchte, oder weil viele Musik-Clips und -Texte, PC-Spiele und Kinofilme auf englisch sind. Daher ist es kein Wunder, wenn da auch die dementsprechenden Fachbegriffe der Kommunikatrionskultur auf englisch sind.

      Die mit dem Internet aufwachsenden jüngeren Generationen können dies scheint’s sehr gut miteinander verbinden: deutsch sprechen aber auch englisch kommunizieren oder zumindest rezipieren.

      Klar, die Gegenbewegung war zu erwarten: Zurück zu den klassischen Werten, also auch zur lokalen Sprache – das gilt nicht nur in DE sondern auch in FR
      (und zudem ist Sprache ein lebendiges Element unserer Entwicklung, ob es nun etwa die Franzosen waren, die Römer, die Araber oder die Italiener, mit allen haben wir auch Worte getauscht und Sprache bereichert). Aber es ist zum Beispiel erschreckend, wenn man sich die deutlich sichtbar nach Nationen unterschiedlichen Englischkenntnisse der Bürger der EU-Mitgliederstaaten ansieht. Gibt es da etwa Parallelen zum derzeitigen Boom oder Doom…?

      Es ist klar: Regionale Trends und Bedürfnisse haben durchaus ihre Berechtigung und sind wichtig für Identität und Werte der Menschen. Viele Wirtschaftsfaktoren funktionieren viel stärker über regionale Faktoren, ob es Konsum ist oder dezentraler und lokaler EInsatz von Technologien (etc….).

      Wer jedoch in der globalen Entwicklung zu einer friedlicheren Weltgemeinschaft den Anschluss halten will, der sollte sich für die Sprachen der Kommunikationswege öffnen, und globale Sprache ist eben nicht Esperanto sondern eher Englisch.
      Und ich finde, das Anschluss halten bedeutet auch: Ein bisschen mehr Lockerheit und Offenheit bei Herangehensweise, Akzeptanz und Integration von Innovationen und neuen Werten.

      Das fängt auch bei der Sprache an – denn die ist lebendig.

      PS: Leider zeigt sich: Gerade bei Akzeptanz und Integration von Innovationen und neuen Werten laufen die Deutschen einigen globalen Innovationen etwas hinterher. Und das ist nicht gut, weder für unsere Wirtschaft noch im weiteren Sinne für unsere innere Stabilität.

    • Arne, bei einem Fachkongress spreche ich im Fachjargon. Punkt.

  7. Im grossen und ganzen genau meine Einstellung , obwohl ich 59 bin , bin ich durch Schulung im Jahre 1990 18 Monate Softwareentwickler in die Sache früh reingekommen IBM APPLE und habe stets alle Entwicklungen um ca. 2 Jahre verzögert mitgemacht ( als geiziger geborener Schwabe) trotzdem mache ich mit Begeisterung meine Internetseite blog NOK21.de um für den so lange vernachlässigten Ausbau des Nord-Ostseekanales zu kämpfen und habe Unterstützung von BT MdB SPD was ohne neue Medien nicht möglich gewesen wäre.

  8. Bei der Einführung von Programmiersprachen fällt mir ein, daß in NRW-Grundschulen Englisch ab dem 2. Halbjahr der ersten Klasse Unterrichtsfach ist. Dieses modern klingende Unterfangen könnte in meinen Augen sofort gestoppt werden. Es bringt nichts. Weniger schlaue/benachteiligte Kinder brauchen andere Unterstützung als eine frühe Fremdsprache, und schlaue Kinder lernen nicht genug, um befriedigt aus diesem Unterricht herauszugehen. Außerdem lernen alle Kinder bei gutem Unterricht sehr schnell Englisch (Untersuchung eines bayerischen Professors dazu kann ich googeln). Ich habe auch erst ab der 7. Klasse Englisch gehabt. Das wurde nachher durchaus vorzeigbar.

    Bei der Schilderung Deiner häuslichen Situation vergißt Du vielleicht, daß es nicht überall so perfekt läuft. Zum einen können Deine Kinder wohl aus einem Füllhorn schöpfen, was Spielzeug und technischen Geräte angeht. Das führt dann vielleicht zu einem sehr entspannten und lockeren Umgang damit. Das ist hier nicht so. Seitdem mein Sohn einen iPod von seinem Kommuniongeld kaufen durfte, hängt hier der Haussegen immer wieder mal schief, weil alle anderen Angebote außer dem iPod nicht so attraktiv sind. Vielleicht habe ich da etwas falsch gemacht, aber es ist so. Materiell und zeitlich kann ich ihm leider nicht ermöglichen, allzuviele andere Angebote wahrzunehmen. Ich will damit nur sagen, daß der produktive Umgang mit Medien kein Selbstläufer ist.

    Das Lesen per Ebook oder Papier ist wohl vergleichbar, aber ich bin der Meinung, daß bewegte/interaktive elektronische Medien anstrengungslos ermöglichen, Zeit totzuschlagen. Wer hat schon einmal ein langweiliges Buch zu Ende gelesen und dann direkt wieder von vorne angefangen, weil er sich vor anderen Dingen drücken wollte? Bei Solitär ist kein unbekanntes Phänomen. Die Geringschätzung der sinnlichen Wahrnehmung paßt mir auch nicht ganz. Wir haben keinen Körper, wir sind ein Körper. Und dieser Körper braucht Reize. Pat Metheny sagte antwortete auf die Kritik an der Künstlichkeit seines Synthesizers, den er per Gitarre ansteuerte, daß eine Geige auch nicht auf dem Baum wächst, also künstlich ist. Ich denke aber, daß eine Geige enger in Verbindung mit unserer Körperlichkeit ist als ein digitaler Syntheziser (das Wort habe ich schon seit Ewigkeiten nicht mehr geschrieben) oder auch die besten animierten Spiele.

    Nur weil schwedische Teenager keine Email benutzen heißt das nicht, daß sie überflüssig ist. Ich mußte früher auch keine Briefe an Versicherungen schreiben.

    Drei Kritikpunkte, die ich auf die Schnelle zusammenbekomme. Andererseits, wenn ich mir anschaue, wie schnell Google zu einem Milliarden-Konzern geworden ist, wie billig und klein z.B. Sensoren geworden sind, die früher mechanisch funktionierten, dann kommt eine Veränderungswelle auf uns zu, die viele einfach nicht sehen wollen.

    Es kommt also darauf an herauszufinden, welche Kenntnisse/Fähigkeiten und Inhalte auch in Zukunft gebraucht werden. Wenn ich mir die Leute anschaue, die in meinen Augen die interessantesten Beiträge zum Internet bringen, dann sind das die nicht mehr ganz jungen Menschen wie Kathrin Passig, die an der Uni auch noch einen Zettelkasten kennengelernt haben und nicht nur die Recherche per Google. Zugegebenermaßen kenne ich von den jüngeren nicht so viele.

  9. Bewegt man sich im Internet kommt immer schnell an Grenzen, wenn man die Englische Sprache nicht beherrscht. Ob man wirklich eine Programmiersprache erlernen muß ist für mich fraglich. Wird Stenografie heute noch gebraucht…? Seit einiger Zeit nutze ich den Googleübersetzer Tagalog – Englisch – Deutsch. Für mich eine große Hilfe um den Sinn eines Textes schnell zu erfassen…. Gemeinsam an Projekten über Ländergrenzen hinaus zu arbeiten halte ich für sinnvoll. In Schulen könnte man anfangen!

  10. Glaubst Du an das Fortbestehen der Technologie E-Mail? Wenn sie nur noch dafür existiert, das Login bei sozialen Netzwerken zu bestätigen, ist sie ja eigentlich jetzt schon überflüssig. Oder?

    • Dietmar Anzer 25.12.2013 at 7:55

      Ich glaube nicht,Email wird auch noch benötigt beim Online-Kauf und bei
      Kommunikation bei Behörden,sowohl auch bei schnellen Nachfragen
      bei den AOK`s, Versicherungen usw.
      Die Email wird nicht aussterben weil es das Fax des kleinen Mannes ist.

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