Mobile First, aber wie und was genau?

Nico —  6.12.2012 — 7 Comments

Auf dem stets lesenswerten Blog von Fred Wilson wird gerade eine Diskussion geführt, wie man sie in vielen Startups gerade führt, nämlich die Frage nach der geeigneten Mobile Strategie.

First, I think you can’t abandon mobile. It is the future like it or not. And second, I think it is critical to design for mobile first and then build a web companion. If you design for the web and then port to mobile, you will find that it is really hard to fit your UI onto the small screen. Better to design for mobile first and then build a web companion. Mobile first, web second. But as Vibhu points out, the web can’t and should not be ignored. It is valuable in many many ways.

Wir haben diese Frage bei Stuffle natürlich exzessiv diskutiert, denn die Frage ist durchaus, wie leicht man den Nutzern den Einstieg bereitet. Das Herunterladen einer mobilen App ist immer eine Hürde, das tägliche Nutzen der App ist die nächste Herausforderung, die man meistern muss. Allerdings hilft es durchaus, wenn man das Produkt direkt von der mobilen Seite her denkt und danach die Variante für das Web baut. Die mobile Nutzung wächst weiterhin ordentlich und sollte daher nicht vernachlässigt werden, das dürfte mittlerweile jedem klar sein.

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Ich glaube allerdings auch, dass Mobile First immer mehr von Tablet First überlagert werden wird, denn das werden die allgegenwärtigen Geräte der Konsumenten werden. Künftig könnte also eine Fragestellung sein, wie man ein Produkt entwickelt, dass auf dem Tablet toll aussieht und zum Browsen einlädt, während die mobile Version es erleichtert, Inhalte selber zu generieren und die Web-Version sorgt für gute SEO-Resultate. Das macht die Produktentwicklung etwas komplexer als nur Mobile First, jedenfalls wenn man Mobile und Tablet als ähnlich, aber doch signifikant anders begreifen will.

Egal wie man es dreht und wendet, die Fokussierung auf UX/UI wird künftig die erfolgreichen Produkte noch mehr den anderen unterscheiden. Dabei sollte man konsequent von Tablet über Mobile hin zum Web denken. Ohne Mobile Strategie oder mit Apps designed by Developers wird man künftig nicht mehr weit kommen im Kampf um die Eyeballs in der Attention Economy. Boah, der letzte Satz bringt mir bei jedem Bullshit Bingo sicherlich noch Zusatzpunkte ein.

Spannend ist allerdings auch die Tatsache, dass zwar einerseits gerade die Produktentwicklung immer schneller wird und das sog. Minimum Viable Product (MVP) nach der Lean Startup Lehre schon sehr früh an den Markt gebracht wird, das Testing und Ausrollen neuer Iterationen aber durch die App-Stores massiv eingeschränkt werden und man eigentlich anstatt Apps wieder mehr Web auf Mobile oder Tablets machen sollte, dann aber vor den Problemen der möglicherweise eingeschränkten Funktionalität und der Herausforderung der User Retention steht.

Das Thema wird uns noch eine Weile begleiten, glaube ich.

7 responses to Mobile First, aber wie und was genau?

  1. ..auf jeden Fall wird es für Frontend- und Backendentwickler wirklich viel zu tun geben die kommenden Jahre. Ganz abgesehen davon wenn nächstes Jahr die AR Brille auf den Markt kommt*. Dann … und irgendwann die bionische “Retina-Schnittstelle”. Es ist immer das gleiche Spiel und die Gleiche Frage.

    *imao

  2. Stimme Dir in zwei zentralen Aussagen völlig zu:
    1. Die Produktentwicklung wird durch die Vielzahl an Endgeräten immer komplizierter und damit teurer.
    2. Tablet first. Aus unserer Sicht (wir sind ein Online-Buchungsportal für eine handverlesene Auswahl einzigartiger Hotels) kommt danach Web und Mobile am Ende, aber dieses Ranking kann für einen Spieleentwickler oder für Contentsites ganz anders aussehen.

    Unsere Traffic-Statistik (Jan 12 versus Okt 12) verdeutlicht das ganz gut:
    - Visits Mobile (Pads + Phones): Von 12% auf 18% gestiegen
    - Visits nur Pad: Von 8% auf 11% gestiegen
    - Visits nur Phones von 4% auf 7% gestiegen

    Auch die Conversion zeigt, dass Tablet vor Phone kommt:
    - Web als Basis = 100%
    - Pad im Vergleich: – 25%
    - Phones im Vergleich: – 75%

    In dem Zusammenhang sehe ich noch ein weiteres größeres Problem: Durch den zunehmenden Switch der Geräte bei den Usern (den Newsletter lese ich auf dem iPhone, die Recherche am Wochenende erfolgt auf dem iPad, die Buchung am Montag auf dem PC im Büro) werden die Conversion-Zahlen verfälscht. Aus meiner Sicht haben Pads bereits heute einen signifikanten Einfluss auf die Kaufentscheidung. Denn wenn eine Seite nicht für Pad optimiert ist, verwendet der User den Shop nicht zur Vorrecherche. Einzige Chance: Zentraler, einfacher Login z.B. über Facebook, um den User auf allen Endgeräten zu erkennen.

  3. Mobile und Tablet sind zwei verschiedene Kanäle und müssen unterschiedlich (technisch) bedient werden. Wenn wir von einem Tablet 10” ausgehen, dann reden wir m.E. nicht von einem mobilen Gerät.
    Das sieht man auch schon daran, dass viele Tablets, auch das Nexus 10, gar nicht erst mit 3G ausgestattet werden.

    Ausserdem glaube ich nicht an: ‘Mobile First immer mehr von Tablet First überlagert …’
    Beide werden kontext-abhängig parallel existieren und Mobile wird immer die Nase im Konsum vorne haben…in den nächsten 3-5 Jahren.

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