Innovation aus Deutschland: das Rückkanalverbot

Nico —  17.01.2013 — 17 Comments

Man muß Facebook nicht mögen oder toll finden. Man muß auch das Internet nicht mögen oder toll finden. Aber man sollte realisieren, dass die Grundlage von allem, was wir im Internet nun mal tun, Daten sind. Wir hinterlassen überall Datenspuren, einige mehr, andere weniger. Unternehmen nutzen diese Daten, einige mehr, andere weniger. Ohne Daten wäre das Internet ziemlich sinnlos. Ohne Daten wären auch viele andere Dinge ziemlich sinnlos. Und man kann sich gerne die Frage stellen, welche Daten Dritte von einer Person erheben sollten und wofür sie diese Daten benötigen und wie lange. Das sind alles valide Fragen, ohne Zweifel.

Wir haben mittlerweile auch mitbekommen, dass das Internet immense Vorzüge hat, weil es eine andere Art der Kommunikation ermöglicht, weil es Schranken einreißt und in vielen Fällen viel direkter Interaktion ermöglicht als es über Radio, Fernsehen, Brief, Fax oder Telefon der Fall sein kann.

Head in HandsNa gut, nicht alle haben dies mitbekommen. Edgar Wagner zum Beispiel hält wohl nicht viel davon, dass Bürger mit einer Landesregierung in Kontakt treten und direktes Feedback bekommen können. Edgar Wagner ist Datenschutzbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz und ist gegen die Nutzung von Facebook durch die Landesregierung:

Rheinland-Pfalz – Malu Dreyer ist da – und mit ihr erstmals ein Facebook-Auftritt der Landesregierung. Der Datenschutzbeauftragte Edgar Wagner hat seine bisherige strikte Ablehnung nach einem Kompromiss aufgegeben. Auf Kommunikation ist das Behörden-Facebook nicht ausgelegt: Es gibt ein „Rückkanalverbot“. 

Daten. Böse. Facebook. Ami. Böse. So einfach ist die Gleichung der deutschen Datenschützer.

Mit Menschen wie Edgar Wagner bleiben wir weiterhin in der kommunikativen Steinzeit. In was für einer Welt lebt dieser Mensch eigentlich, dass er meint, die Bürger eines Bundeslandes derart gängeln zu können? Wenn die Bürger auf einer Facebook-Seite eine Frage haben, dann sollte auch dort auf die Frage geantwortet werden! Allein schon, weil es durchaus mal sein kann, dass mehr als nur eine Person eine bestimmte Sache erfahren will.

Die Menschen sind freiwillig auf Facebook, da kann auch ein Datenschützer aus Rheinland-Pfalz nichts mehr dran ändern. Wir können aber weiterhin dafür sorgen, dass wir den Bürgern vermitteln, dass neue Technologien igitt pfui und böse sind, dann wird das sicherlich was mit der Zukunftsfähigkeit unseres Landes.

17 responses to Innovation aus Deutschland: das Rückkanalverbot

  1. Manche Politiker wollen halt nur unsere Stimme, aber nicht unsere Meinung.

  2. Sprich mir aus der Seele.

  3. Schade nur, dass Herr Wagner diesen Post aufgrund der Gefahren, die sich aus den eingebetteten Facebook Buttons ergeben, vermutlich niemals lesen wird…

  4. Als erstes, ich hasse diese jetpack, jedenfalls den Teil, der das Kommentieren so nervig macht.

    Zum Thema: Datenschützer leben eh in einer Parallelwelt. Daseinzige, was Daten wirklich schützt, ist Aufklärung. Das Internet gehört in die Schule, es muss ein Schulfach geben, in welchem man den Umgang mit seinen Daten lernt. Die Bevormundung muss aber aufhören. Es dürfen nicht immer wieder neue Möglichkeiten gefunden werden, um Webseitenbetreiber zu Straftätern zu machen. Sind wir ehrlich, welche Seite würde einen wirklichen Datenschutz-Test bestehen?

  5. Rückkanalverbot, Socialmedia für Trockenduscher.

  6. Jede Institution erhält das Problem, zu dessen Lösung sie geschaffen wurde, am Leben. (hier fehlt der Wikipedia-Link zum genauen Prinzip; bitte ergänzen, wenn’s jemand kennt).
    These: solange es in Deutschland Datenschützer gibt, wird kein aufgeklärter Umgang mit Social Networks stattfinden.

  7. Mark Bernet 18.01.2013 at 19:33

    Also gut, das Rückkanalverbot auf der Facebookseite ist satireverdächtig – erinnert mich irgendwie an die Kolben-Rückhol-Feder. Andererseits: Haben nicht gerade in jüngster Zeit viele Blogger ihre Kommentarspalten wieder zugemacht? http://juergenvielmeier.de/wp/2012/11/dieser-hass/.

    Und weiter: Brauchen wir keinen Datenschutz? Und auch keine entsprechenden Ge- setze? Nur zur Erinnerung: Deutschland hat seit 1977 ein Bundesdatenschutzgesetz (mittlerweile mit 48 Paragraphen) und dafür “zuständig” sind staatlicherseits die Daten-schutzbeauftragten (einer im Bund und 16 landesweit). Hessen hat 1970 das erste Datenschutzgesetz weltweit beschlossen. Alles Quatsch? Wohl kaum:
    http://www.projekt-datenschutz.de/

    Daher kann ich Herrn Wagner und seine Bedenken prinzipiell verstehen. Facebook ist ja ein wunderbares Spielzeugland, wo ich gaaaanz viele Freunde finden kann, die immer für mich da sind und die sind auch alle sooooo doll lieb. Leider ist die Face- bookleitung nun nicht gerade für ihre Transparenz, Datensparsamkeit und ähnlichen Schnickschnack bekannt. Soll heißen: Die Firmenpolitik von Mark Zuckerberg macht jedem Geheimdienst Ehre, denn die Schlapphüte geben bekanntlich auch nix freiwillig raus.

    Und zu guter letzt: Ich habe gerade einen Datenschützer während einer Fortbildung
    kennen gelernt. Er arbeitet seit Jahren als externer Berater/Sachverständiger und kann eine ganze Arie über facebookwütige Belegschaften, fehlende Paßwort-Policy und an- dere ach so überflüssige Sicherheitsstandards singen. Gegen Facebook hat er übrigens gar nichts. Wenn die Leute da aktiv sein wollen, bitte schön. Der Mann würde sogar gerne mit Social Media-Experten zusammen arbeiten und gemeinsam Vorträge über den Datenschutz halten. Das dumme ist nur, die Social Media-Freunde wollen alle nicht. Woran das wohl liegt?

  8. Na ich finde den Artikel genauso einseitig wie vielleicht die Gegenposition eines Herrn Wagner – Wenig differenziert. Ich finde schon, dass man Facebook und den heutigen Umgang mit Daten durchaus auch kritisch hinterfragen kann und muss – Als mündiger Bürger. Und die Politik hat die Aufgabe und die Pflicht, die Grenzen zu definieren. Fakt ist, auch wenn es hier niemand wohl gerne hören will: Facebook und andere Social-Media-Unternehmen sind nicht die Caritas, sondern gewinnorientierte Unternehmen. Und diese haben in erster Lini enicht MEIN Wohl im Auge, sondern Ihr eigenes oder das des Sharholders.

    Ich bin noch heute davon überzeugt, wenn die Grünen in den 80ern die Unternehmen nicht gezwungen hätten, starke Umweltschutzauflagen einzuhalten, hätte Deutschland jetzt nicht die Nase vorn in Sachen Umwelttechnologie. Fakt ist auch, dass die alermeisten Menschen, die Social Media-Netzwerke nutzen leider keinerlei Ahnung haben, wie und in welchem Umfang sie getrackt, analysiert und durch die technischen Möglichkeiten gläsern werden.

    Ich jedenfalls gehöre zu den Leuten, die das Internet auch nutzen wollen, ohne auf jeden Schritt und Klick im Web analysiert und getrackt zu werden. Und da kann eben nur die Politik den Rahmen stecken, da die Firmen es von alleine nicht machen werden.

    • Das sehe ich genauso. Die Datenschützer durch den Kakao zu ziehen ist zwar einfach, aber doch sehr kurzsichtig. Das erinnert mich immer an die ersten Diskussionen über die Grünen oder die Bio-Heinis, Waldorfschüler usw. Immerhin geht es hier um Grundrechte, die wir uns damals bei der Volkszählung erstritten haben. Kommunikation muss auch ohne Eingriff in die Persönlichkeitsrechte der Menschen funktionieren. Wir Datenschützer kämpfen genau für diese Rechte und nicht gegen freie Kommunikation.

  9. Es gibt aus meiner Sicht 3 Arten von Politikern.
    1. Die die sich überhaupt nicht für Social Media interessieren
    2. Die die present sind auf Social Media, jedoch nur schreiben und nicht zuhören/kommunizieren Beispielz.
    3. Die die sich interaktiv auf den verschiedenen Kanälen bewegen.

    Ich bin aktuell eben eine Partei und deren Kandidaten im Wahlkampf am unterstützen. Es ist erstaunlich wieviel aufwand man betreibt für die klassischen Aktionen (z.B. Standaktionen) und wie wenig für Aktionen auf Social Media.

    Anbei ein paar Social Media Beispiele. Zugegeben ziemlich rudimentär und noch ad-hoc mässig. Hat aber auch nicht viel Aufwand gekostet, bringt aber doch mehr als die ein oder andere Offline Aktion

    http://www.youtube.com/watch?v=MNbRIx2rsrk&list=PLyaGN8h69iC3XlF17LpwdSMaIt0cW06Et&index=5

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