Der Meteoriteneinschlag erreicht SimCity beim Launch

Nico —  11.03.2013 — 8 Comments

Meteor
Derzeit kann man sich angucken, wie Electronic Arts, ein Unternehmen mit 3 Milliarden Dollar Jahresumsatz den Launch eines der lang und heißest ersehnten Spieletitel völlig in den Sand setzt. Die EA Tochter Maxis hat am 7. März nach einer längeren Ankündigungsphase und sogar einer Periode, in der Beta-Tester das Spiel testen konnten, endlich SimCity veröffentlicht. Die Vorfreude war riesig, auch bei mir, aber ich musste schon bald erfahren, dass die Mac-Version zwar noch im Frühjahr erscheinen soll, aber eben nicht jetzt. Das ist schade, aber verständlich. Bei anderen Spielern war die Vorfreude ebenfalls riesig, aber dann passierte der Mega-Gau, quasi der Meteroriteneinschlag bei der gerade wundervoll wachsenden Stadt: die Server waren überlastet und die Spieler konnten SimCity nicht spielen. SimCity war bislang bekannt als Spiel für einen Spieler, das ohne Online-Verbindung gespielt werden konnte, weil sich der einzelne Spieler nur auf die Geschicke seiner Stadt konzentrierte.

SimCity Limited EditionSimCity wurde nämlich in der neuen Version mit etwas versehen, was aus Sicht des Spiele-Publishers sehr sinnvoll erscheint: Online-DRM. Die Kunden werden gezwungen, online zu spielen und sich an Servern anzumelden, damit verhindert wird, dass das Spiel millionenfach kopiert und kostenlos im Internet verteilt wird. Aus Sicht der Spieler bedeutet dies eine ziemliche Einschränkung, denn man kann nur spielen, wenn eine Online-Verbindung besteht. Was natürlich vor allem deshalb eher absurd ist aus Sicht der Nutzer, weil SimCity eigentlich keine permanente Online-Verbindung vorraussetzen müsste, da Spieler ja alleine ihre Stadt aufbauen. EA und Maxis haben daher einen kleinen Trick angewendet und die Städte zu Regionen zusammengefasst, so daß nun auch andere Städte Auswirkungen auf die eigene Stadt haben können. Früher wurde dafür einfach die KI genutzt und einfach simuliert, wie die Nachbarstädte sich verhalten würden, heute will der Spiele-Publisher dies als Begründung für das Online-Gameplay anführen. Der eigentliche Grund ist allerdings das Digital Rights Management, das ein Online-Gameplay zwingend vorraussetzt.

Auch wenn ich diese strategische Entscheidung nicht gut finde, so kann ich die Sicht des Publishers nachvollziehen. Was ich nicht nachvollziehen kann, ist die Tatsache, dass EA/Maxis nicht in der Lage waren, den Ansturm auf Sim City auch nur ansatzweise zu antizipieren. Sim City war für die meisten Spieler in den letzten Tagen nicht spielbar, weil zu wenig Server verfügbar waren und ohne das Anmelden an einen Server das Spiel wegen Online-DRM nicht funktionierte. Erstaunlich ist in Zeiten der Cloud, dass EA etliche Tage benötigte, um endlich genügend Server-Kapazitäten bereitzustellen und immer noch nicht alles funktioniert. Eine der Verantwortlichen bei Maxis bloggte dazu gestern:

I had hoped to issue an “All-Clear” tonight, but there are still some elements coming together. Tonight and tomorrow we’ll be monitoring each server and gameplay metrics to ensure that the service remains strong and game is playing great. We need a few more days of data before we can assure you that the problem is completely solved and the game is running at 100 percent.

Dieser komplett mißratene Start von SimCity sorgte zwischenzeitlich nicht nur für schlechte Reviews eines Spiels, das in der Beta-Phase noch von vielen Spielern gefeiert wurde, sondern führte auch dazu, dass beispielsweise Amazon die Download-Version von SimCity nicht mehr zur Verfügung stellte. Sicherlich ist das Entwickeln und Veröffentlichen eines Spiels wie SimCity eine große Herausforderung für einen Spiele-Entwickler, aber EA bzw. Maxis sind jetzt auch keine Hinterhofklitschen mehr, die nicht wissen, was sie da eigentlich tun.

Ein Mitarbeiter von EA, der bislang anonym blieb, hat einen sehr zornigen öffentlichen Brief an seinen Arbeitgeber geschrieben, der zeigt, wie frustrierend die Launch-Phase auch für die Angestellten bei EA ist:

I am deeply embarrassed by the troubled launch of Sim City and I hope you are too. When I walk around our campus and look at the kind of talent we’ve collected, the amenities we have access to and the opportunities working at such a big company affords us, I can’t imagine how for release after release, EA continues to make the same embarrassing, anti-consumer mistakes. We should be better than this. You should not be failing us so badly.

Online-DRM mag eine gute Idee sein aus Sicht des Spiele-Publishers, aber wenn die Spieler nicht online gehen können, weil nicht genügend Server-Kapazitäten bereitstehen, dann sind die Fans frustriert und die positive Presse wendet sich schnell. Ich jedenfalls hatte mich bereits auf Bahnfahrten eingestellt, bei denen ich städtebaulich aktiv werden könnte, daraus wird nun wohl nichts werden, es sei denn, EA/Maxis besinnen sich noch mal und bieten auch eine Offline-Spielvariante an. EA/Maxis haben zum Start von SimCity Millionen von Kunden enttäuscht, die sehnlichst auf die neue Version von SimCity gewartet haben, weil sie es nicht geschafft haben, aus Perspektive der Kunden an die Konzeption dieses Spiels heranzugehen. Nach dem Buzz der vergangenen Monate ist es umso frustrierender, wenn dann SimCity für viele Kunden unspielbar bleibt in den ersten Tagen.

Es bleibt abzuwarten, wie schnell EA/Maxis bei SimCity den Meteoriteneinschlag bewältigt bekommen und ihre Kunden wieder zu Fans werden lassen.

8 responses to Der Meteoriteneinschlag erreicht SimCity beim Launch

  1. Ist das nicht immer so gewesen bei Online-DRM-Spielen der letzten Jahre? Ich erinner mich dunkel an ein Siedler, bei dem am Anfang auch die Server ständig zusammengebrochen sind.
    Das alles wird sich legen … in 1 Woche haben wir ein anderes Thema und mittelfristig wird sich SimCity denke ich ganz gut verkaufen.

    Die Vergangenheit lehrt: Ein impulsiver Shitstorm für ein paar Tage macht noch lange keinen Untergang oder führt zu Veränderungen ;)

    • ich würde allerdings davon ausgehen, dass ein toller Start mit Super-Reviews zu noch mehr zahlenden Kunden führen würde.

  2. Hmm… ich gehe davon aus, dass das noch nicht einmal der letzte Fehler bei EA sein wird. Ich erwarte, dass es wenn das Spiel erst einmal läuft, auch Spielelemente geben wird, die der Spieler nur erreichen kann, wenn er zusätzlich zahlt. Ganz so wie in den Free-To-Play-Games…. Wenn ersteinmal genug Spieler da sind und fleißig gedaddelt wird, dann legt EA damit sicher nach, um die Kunden noch ein wenig mehr zur Kasse zu bitten…

  3. Ist das nicht bei den meisten EA Spielen so? Ich spiele idR Fifa201x. Da gibt es bei jeder neuen Version auch zunächst Probleme mit dem sogenannten “Onlinepass” und den “Onlinfeatures”, wie dem matchmaking. Bei Fifa2013 hat sich das über 4 – 5 Wochen hingezogen. Fifa2014 werde ich mir vermutlich dennoch kaufen – wie auch Millionen anderer Spieler, da es einfach an Alternativen mangelt. EA hat imho viele echte “Brands”, die nur schwer austauschbar sind. Von daher stimme ich Nico zwar zu, befürchte aber das sich hier nicht viel ändern wird.

  4. Ja, sehr schade. Ich hatte mich eigentlich auch auf die neue Version gefreut, hab mich aber aufgrund der Pressemeldungen von überfüllten Servern erstmal gegen einen Kauf entschieden. Jetzt werde ich wohl abwarten bis der Titel in ein paar Monaten etwas billiger wird und dann noch mal schauen.

  5. Inzwischen habe ich fast den Eindruck, der Zusammenbruch der Server in den ersten Tagen ist gewollt … denn was sagt das denn aus “Wow, obwohl die ein Online-DRM haben, wollen das so viele spielen, dass deren Server kollabieren … das muss ich auch mal probieren, wenn die Server wieder gehen … was? sie gehen? na dann kauf ich mir das jetzt auch”.

  6. Das kostenlose Spiel, dass sie jetzt rausgehauen haben hilft ein bisschen. Dennoch bringt es mir meine hart erspielte Stadt nicht zurück, die durch einen “Datenfehler” ins Jenseits befördert wurde :(

Los, kommentier das mal!