Tumblr the money and run!

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Die Startup-Welt diskutiert gerade fröhlich die Meldungen, dass Yahoo! die Blog-Plattform Tumblr für 1,1 Milliarden US-Dollar übernehmen will. David Karp, der Gründer von Tumblr, ist sich angeblich noch nicht sicher, ob er dem Deal zustimmen will.

Tumblr hat 125 Millionen Nutzer, machte in 2012 13 Millionen Dollar Umsatz und hatte eine Burnrate von 25 Millionen Dollar, die dieses Jahr auf 40 Millionen Dollar ansteigen soll, bei geplanten 100 Millionen Dollar Umsatz. Tumblr gibt es seit 2007 und bislang wurden 125 Millionen Dollar an Venture Capital eingesammelt.

Tumblr ist aktuell bei Jugendlichen und jungen Erwachsen weitaus angesagter als Facebook und daraus resultiert die Phantasie hinter dem Kaufpreis von über einer Milliarde Dollar. Daraus resultiert aber auch die abwartende Haltung vom Gründer David Karp, der sicherlich im Hinterkopf hat, dass Mark Zuckerberg ebenfalls einmal ein Angebot hatte von Yahoo!, dieses allerdings ausschlug und danach den Wert seines Unternehmens noch einmal ordentlich steigern konnte.

Ich glaube allerdings, dass es zwei große Unterschiede zwischen Tumblr und Facebook gibt. Erstens besteht Facebook aus Beziehungen zwischen Menschen, die sich überwiegend kennen und ihre Erlebnisse teilen, aber bei Tumblr steht das Teilen von Inhalten im Vordergrund, die Beziehungen entstehen eher adhoc und sind eher locker. Während Facebook also tagtäglich zeigt, was meine Freunde so umtreibt, zeigt mir Tumblr das, was irgendwelche Leute gerade teilen, nach Tags sortiert. Das kann unerwartet und toll sein, aber auch sehr schräg, oder einfach nur viel Porno. Es ist aber meines Erachtens viel unverbindlicher als bei Facebook. Zweitens funktioniert die Werbung bei Facebook, sie garantiert satte Umsätze, und zwar nicht nur bei der Web-Nutzung, sondern zunehmend auch bei der mobilen Nutzung. Tumblr hat in der Vergangenheit immer wieder Versuche unternommen, den Dienst über Werbung zu monetarisieren, aber nichts hat wirklich funktioniert.

Tumblr ist ein riesiges verteiltes Scrapbook mit jede Menge Inhalten, aber es fällt schwer, damit Geld zu verdienen. Die Investoren sind schon länger nervös, auch wenn die Reichweite weiter steigt, die Nutzer zufrieden sind, es ist einfach keine Profitabilität in Sicht. Daher ist das einzige, was David Karp jetzt tun kann, das Spekulieren auf eine Übernahme durch Yahoo! oder vielleicht auch noch durch Facebook oder AOL, die natürlich Zugriff auf die interessante junge Zielgruppe haben wollen und dann ihre Expertise in der Vermarktung der Plattform nutzen werden, um Tumblr zur Profitablität zu bringen. Aus eigener Kraft wird Karp dies nicht mehr schaffen, dazu waren alle bisherigen Versuche zu zaghaft.

Für Yahoo! macht diese Übernahme Sinn, denn Tumblr bringt eine enorme Reichweite mit und wird bei der Vermarktung von Yahoo! helfen, weil eine attraktive junge Zielgruppe ebenfalls erreicht werden kann. Zusätzlich kann Yahoo! insbesondere die neuen mobilen Dienste über die Tumblr-Nutzer besser vorantreiben und dadurch wieder versuchen, zu Google und Facebook bei den Nutzerzahlen aufzuschliessen. Die Akquisition würde Yahoo! beim Börsenkurs sicherlich spontan helfen, aber auch nachhaltig zu den Vermarktungsumsätzen beitragen.

Mal sehen, wie hoch David Karp pokert, ein eigenständiges Tumblr hat meiner Meinung nach keine große Chance, das werden auch seine Investoren wissen.

13 Antworten auf „Tumblr the money and run!“

  1. Ich weiß zwar nicht wie der Plan von Yahoo beim Erwerb von Tumblr aussehen würde, Stichwort Monetarisierung, aber eins ist klar. Um ggü Google, Facebook und Co langfristig strategisch gerüstet zu sein wäre der Tumblr-Deal ein wichtiges Zeichen. Für mich stellt sich auch nicht die Frage, ob sondern wann verkauft wird. Das gilt übrigens auch für Twitter.

  2. Und wenn Yahoo! dann wie schon bei flickr strikt durchgegriffen hat und jedes Fitzelchen Erotikdarstellung zusammen mit den echten Pornobildern und -texten gnadenlos zensiert und die entsprechenden Accounts gesperrt hat, dann sind auch dort die Nutzer weg und die begehrte Zielgruppe findet den nächsten neuen und besseren Spielplatz ohne Erwachsene und ohne Werbung. Die Werbung wird auch hier vor leeren Rängen spielen und Marissa Meyer wird gefeuert, weil sie eine Milliarde versenkt hat in ein bereits zuvor gesunkenes Schiff.

    Now playing: Will it go round in Circles

    1. Ich hoffe das selbe. Sollten die da willkürlich durchgreifen wird auch dies den Bach runtergehen. Man kann nur Daumen drücken.

  3. Okay.Yahoo! versucht sich Coolness für 1,1 Mrd. zu kaufen. Wenn man die Argumentation in den diversen Texten so liest, klingt das sogar sinnvoll. Aber malzurück gelehnt: 1,1 Mrd. – wofür denn? Die Monetarisierung hat bisher nicht funktioniert, eine Sammlung von wenig interagierenden Blogs? Ist das die nächste Blase oder sind die USA einfach uns immer noch Lichtjahre voraus wenn es um das Financing von Web-Unternehmen geht?

    Ich kann mir jedenfalls keinen Case vorstellen, bei dem man in Deutschland oder Europa für ein ähnliches Unternehmen auch nur ein Zehntel an Bewertung realisieren könnte. Und irgendwie drängt sich mir auch der Gedanke auf, das Yahoo! sein Geld besser investieren würde, wenn es diesen aberwitzigen Betrag in den Aufbau eigener Start-Ups stecken würde.

    So oder so. Die großen US-Web-Konzerne heizen momentan wieder ganz schön die Preisspirale an. Mal schauen, wo das so hinführt.

    1. Ja, in Europa kann man sich so etwas nicht vorstellen, hier wird die Phantasie erst beflügelt, wenn ein Unternehmen profitabel ist – siehe die Springer-Übernahmen.

      1. Ja. Und das ist etwas, was ich selber auch immer total „schade“ finde – so ist es sicherlich schwierig,echte Disruptionen zu finanzieren. Allerdings sollte schon zumindet eine konkrete Phantasie für den „Path to profitability“ da sein – meine Meinung. Bei Facebook war irgendwie klar, das aus der Community was gemacht werden kann. Bei Tumblr sehe ich das nicht und frage mich auch, wer da was drin sehen kann – also bezogen auf die US VC Szene.

        Aber letztlich rülpse ich gerade nur Deinen Beitrag hoch: Du hast ja schon gesagt, das Du Tumblr alleine für nicht ausreichend hältst.

  4. …Und auch wieder mal ein Beispiel fuer das German Founders‘ Syndrome. Ich kenne 2 Jungs, die versucht haben, die Nummer mit einem hundertsten Anteil des Fundings hinzukriegen aus Deutschland heraus hinzukriegen. Und dabei haben sie ihre Plattform immer schoen sauber von Spam und Sex gehalten und die ganzen Sex- und Spamblogs geloescht…

  5. Ich denke dass Yahoo mit Marissa Mayer gut besetzt ist und auf dem richtigen Weg ist. Die Coolness aus den 1990er Jahren muss unbedingt wiederkommen, sonst wird auf lange Sicht vom Markt gedrängt!

  6. Yahoo hat in letzter Zeit ein paar gute Deals an Land gezogen. Wenn es so weiter geht, dann erleben wir bald vielleicht das Yahoo aus alten Tagen :)

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