OK, Glass!

Über Google Glass wurde schon viel geschrieben und diskutiert, natürlich in der gesamten Bandbreite von Zukunft der Interaktion bis Untergang des Abendlandes. Gestern hatte ich die Gelegenheit, eine der wenigen in Deutschland verfügbaren Google Glass zu testen. Nein, ich war nicht bei BILD-Chefredakteur Kai Diekmann, sondern bei Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland.

Nico Lumma mit Mütze und Google GlassIch hatte die Brille leider nur kurz auf der Nase und hätte gerne länger mit Google Glass rumgespielt, aber der erste Eindruck war schon mal ganz gut. Google Glass funktioniert in Verbindung mit einem Android Smartphone und ist letztendlich „nichts weiter“ als eine Art neumodische interaktive Fernbedienung mit innovativem Display für das Android Smartphone. Die Bedienung ist intuitiv, sorgt aber eher erst einmal für merkwürdige Momente, wenn man irgendwo steht und Selbstgespräche führt. Auf das Kommando „OK, Glass!“ geht das Device in Befehlsempfangsmodus und wartet dann auf weitere Instruktionen, wie z.B. „Take Picture!“ oder „Google!“, gefolgt von einem Suchstring. Die Frage nach dem Wetter wird dann netterweise grafisch dargestellt und auch vorgelesen. Die Übertragung der Töne erfolgt ohne Headset, direkt über irgendso ein neumodisches Schädelknochentongenerierungsdingens. Ja, die Slapstick-Comedy Industrie freut sich sicherlich schon auf die Skripte, in denen die Protagonisten Google Glass nutzen und für Verwirrung sorgen, indem Selbstgespräche geführt werden, Devices vertauscht werden und so weiter. Vorher allerdings macht Heineken noch einen Werbespot, der viral durchs Netz geht, bei dem es um Google Glass, schöne Frauen und eiskaltes Bier gehen wird. Da man anstatt „OK, Glass“ auch alternativ sein Kopf nach hinten kippen kann, ist die Verknüpfung mit einem zu kippenden Bier irgendwie naheliegend. Denkt bei der Preisverleihung nächstes Jahr in Cannes an mich.

Nach meinen 5 Minuten mit Google Glass kann ich zwar nichts über die Nutzung von Google Glass im Alltag berichten, aber ich sehe Google Glass als einen ersten Entwicklungsschritt eines Produktes an, das in wenigen Jahren auf der Netzhaut oder der Brille landen wird. Bis dahin haben wir als Gesellschaft noch einige ungelöste Fragen im Umgang mit dieser Art von Devices. Einige tendieren zur brutalstmöglichen Ablehnung, während andere sich eher wenig Gedanken darum machen, wie Google Glass vom Umfeld wahrgenommen wird. Erstaunlicherweise gibt es bislang Debatten um Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch Fotos und Videos, aber Ton-Aufzeichnungen werden bislang kaum thematisiert, obwohl diese bereits jetzt sehr versteckt erfolgen können. Durch Google Glass wird die Aufmerksamkeit bei diesen Themen sicherlich wieder größer werden, auch wenn letztendlich „nur“ ein Android Smartphone bedient wird durch einen Brillen-Ersatz.

Für mich stellt Google Glass eine der aktuell spannendsten UX/UI-Experimente dar, aus dem vielfältigste Innovationen hervorgehen werden. Aktuell mag das noch überteuerter Spielkram mit geringer Akkuleistung sein, aber die Entwicklung, die hinter Google Glass steckt, ist beachtlich. Noch beachtlicher wird allerdings sein, was in den nächsten 5 Jahren rund um Google Glass und ähnliche Produkte enstehen wird.

3 Antworten auf „OK, Glass!“

  1. I’m so sorry, aber mit 100%iger Sehkraft sehe ich nicht ein, mir was vor die Nase setzen zu lassen, das dann noch Werbung direkt in meine Kortex spült.

  2. Ich seh das genauso wie der Udo! Langsam aber sicher geht es zu weit… Wenn man es auf der Nase hat, kann man dem Medium überhaupt nicht mehr entfliehen.
    und somit kann man der Werbung auch nicht entfliehen!
    Zumal ich es nicht in Ordnung finde, das das GoogleGlass auch noch eine Kamera etc hat. Die Privatsphäre eines jeden könnte massiv verletzt werden, ohne das dieser das weiß!

  3. Google Glass ist ein Fortschritt! Und dieser wird nicht aufzuhalten sein, da bin ich mir sicher. Ein Datenschutz manko ist es zwar (noch!) dass wenn man ein Bild oder Video aufnimmt keinerlei Indikator an der Brille zu sehen ist der sagt „Schau ich leuchte rot also nehme ich etwas auf“. Solche Kinderkrankheiten werden noch ausgemerzt.
    Und wie Nico schon andeutete, dies ist der Beginn eines neuen Mediums welches vorerst (aus technischen Gründen) mit einem Gestell auskommen muss, welches aber auch meiner Meinung nach in Zukunft gänzlich verschwinden wird.

    Star Trek lässt grüßen, was vor einigen Jahren nur Fiktion war bei den BORG wird nun Realität – wiedereinmal ein Beweis für die unbegrenzten Möglichkeiten das undenkbare Wirklichkeit werden zu lassen.

    Ich freue mich schon darauf dieses Teil endlich mein nennen zu dürfen.

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