Die Sache mit der Huffington Post

Nico —  16.10.2013

Ich habe letzte Woche einen Gastbeitrag bei der Huffington Post zum Thema Sondierungen ohne Zukunft geschrieben. Und sobald mein Montag geschriebener Artikel endlich freigeschaltet wird, erscheint schon wieder ein Artikel von mir bei der Huffington Post.

Dieser simple Vorgang löst bei einigen Menschen derzeit Schnappatmung aus, denn die Huffington Post bezahlt nicht für diese Gastbeiträge.

Dazu möchte ich folgendes festhalten:
1. Ich bin vernünftiger Sozialdemokrat und habe viele linke Ansichten, würde mich aber nicht als linker SPD-Mann bezeichnen und auch nicht als rechter. Wenn, dann bin ich eher sozial-liberal. Aber Schubladen beengen so.
2. Die Huffington Post hat eine Redaktion und diese Menschen werden bezahlt. Ich weiss nicht, wie gut oder schlecht, aber ich gehe mal von Branchen-üblich aus. Es wäre in der Tat fatal, wenn Journalisten für ihre Arbeit kein Geld mehr bekämen und Verlage einseitig von dieser Kostenloskultur profitieren würden.
3. Die Kritik des DJV kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe mal vor 10 Jahren eine Blogplattform gestartet und in den AGB wurde ähnlich formuliert, damit die Plattform abgesichert ist und Inhalte auch geteilt werden können. Ich schreibe daher die Texte originär für die Huffington Post und sehe davon ab, sie im großen Nico Lumma Jahrbuch zweitzuverwerten.
4. Die Huffington Post stellt für mich den Versuch da, in Deutschland eine Meinungsplattform zu etablieren. Ähnlich wie The European, aber etwas anders von der Ausrichtung her. Daher finden in diesem Umfeld die unterschiedlichsten Autoren statt, die eine Fülle von Meinungen vertreten.
5. Die Huffington Post stellt mir Aufmerksamkeit für meine Gedanken zur Verfügung, sie verschafft mir Leser, die es, aus welchen Gründen auch immer, nicht auf dieses Blog hier geschafft haben. Aufmerksamkeit ist ein rares Gut und ich freue mich sehr darüber, dass ich jetzt andere Menschen erreichen und mit meinen Gedanken erreichen, erfreuen oder provozieren kann.
6. Ich habe vor ein paar Monaten einen Gastbeitrag bei der FAZ online veröffentlicht bekommen (Das ist keine Lösung) und es gab ebenfalls kein Geld, aber dafür eben die Gelegenheit, meinen Standpunkt einer größeren Öffentlichkeit mitzuteilen. Dafür investiere ich gerne mal eine Stunde für einen Artikel.
7. Ich schreibe seit 10 Jahren in dieses Blog rein und mache das aus Spaß an der Freude und weil ich gerne meine Gedanken mit anderen teile. Ich freue mich immer wieder darüber, wenn über dieses Blog Aufträge zustande kommen, aber ich würde auch bloggen, wenn ich einfach nur Leser erreichen würde.
8. Ich will Huffington Post bewusst nutzen, um für D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e.V. Positionen zu vertreten und Themen zu diskutieren, die ansonsten vielleicht nicht diskutiert werden, oder über die uns sonst zugänglichen Kanäle nicht weit genug verbreitet werden.
9. Die Huffington Post bietet mir die Gelegenheit, Menschen zu erreichen, die man klassischerweise Mainstream nennen würde. Das finde ich prima, denn gerade in Deutschland bleiben zu viele Blogger mit ihren Blogs eher unter sich.
10. Allein schon, weil viele meinen, sich aufregen zu müssen, schreibe ich gerne für die Huffington Post. Die Welt wird davon auch nicht untergehen, der Journalismus erst recht nicht und vielleicht trage ich ja mit meinen Texten ein klein wenig zur politischen Willensbildung bei, oder wenigsten dazu, dass bei der Huffington Post mehr Arbeitsplätze entstehen, weil die Leser das Format annehmen.

Die Kritiker an der Huffington Post und anderen neuen Formen des Journalismus wie Buzzfeed, Upworthy & Co. sprechen natürlich völlig zu Recht davon, dass Journalisten angemessen bezahlt werden sollten. Aber man sollte nicht davon ausgehen, dass auch in Zukunft journalistische Angebote mit dem klassischen Modell einer Redaktion funktionieren. Da wird es verschiedenste Arten der journalistischen Arbeit geben und auch unterschiedlichste Formen der Bezahlung, genau so wie es vielfältige Geschäftsmodelle geben wird.

Ich bin kein Journalist, schreibe aber gern und habe zu vielen Themen eine Meinung, zu einigen sogar eine fundierte. Meine Motivation ist sicherlich anders als die eines Redakteurs, aber auch ich freue mich über Aufmerksamkeit für meine Texte.

20 responses to Die Sache mit der Huffington Post

  1. D’accord. Bis auf Punkt 3. Die Exklusivität ist doch albern. Vermutlich derzeit sogar schädlich.

  2. Warum wird hier eigentlich immer von Exlusivität gesprochen – das ist doch gar nicht der Fall. Es ist ausdrücklich erlaubt, den Content, den man bei der HuffPo veröffentlicht, auch anderswo zu veröffentlichen – das gleiche wurde auch von meinen HuffPo-Ansprechpartnern kommuniziert.

    In den Guidelines der HuffPo steht:
    You own your submissions, but we can still use them. You own the copyright to your submitted content and you can post it anywhere else you wish. However, by submitting any content to Huffington Post (including text, videos, photographs or audio materials), you grant Huffington Post a non-exclusive, worldwide, royalty-free, irrevocable, perpetual license to exercise all rights under copyright law with respect to such content, which Huffington Post may use, publish and distribute (along with your name and identifying features) on their websites and other properties and those of their affiliates and business partners, as well as for marketing and promotional purposes, online or offline, in any medium and mode of delivery.

  3. Hallo Nico,

    trifft in ungefähr auch meine Meinung. Ich fand in diesem Zusammenhang auch die Reaktion einiger „Journalisten“ sehr interessant (Sehr schönes Beispiel: http://www.br.de/puls/themen/netz/huffington-post-interview-thomas-schmidt-100.html ). Der DJV beisst um sich, wie die Apothekenumschau zum Thema DocMorris: Ungefähr den gleichen Absatz habe ich im Autorenvertrag auch stehen, in einem klassischen Verlag.

    lG
    Stephan

  4. Ich kann dir nur zustimmen, denn es hat nichts mit der Redaktion zu tun, wenn Personen die außerhalb der Redaktion angesiedelt sind auch mal etwas schreiben. Wenn ein Gastautor auf Dauer Beiträge liefert, dann sollte auch eine gewisse Form der Entlohnung stattfinden. Der Standpunkt eine Plattform mit höherer Reichweite für seine eigene Meinung nutzen zu können ist doch auch nicht wirklich neu. Früher haben die Verlage jeden Tag eine Seite mit Leserbriefen gefüllt, weil diese Form des redaktionellen Inhalts sehr beliebt gewesen ist. Heute können die Leserbirfschreiber der Nation auf ihrem eigenen Blog aktiv werden und gleichzeitig auch noch andere Onlinemedien nutzen. Das ist wunderbar und ist in keiner Weise eine bedrohung für den Journalismus. Die Bedrohung liegt eher darin, dass viele Verlage und auch Journalisten nicht bereit sind die Veränderungen in der Medienlandschaft zu akzeptieren und mit vernünftigen Konzepten darauf zu reagieren.

  5. Udo Schewietzek 16.10.2013 at 23:47

    Der Vergleich DocMorris und Apothekenumschau hinkt. Sorry, falsche Pille geschluckt.
    In der sachlichen Reaktion des DJV auf die AGB der HP-De wird klar beschrieben, das im Streitfall der Autor akzeptier die Anwaltskosten der HP (Focus) zu übernehmen zu müssen.
    Das halte ich für sehr fragwürdig.
    Herausgeberschaft sieht anders aus (in meinen Augen).
    einen schönen Abend.

    • Steht bei Wiley in ungefähr genaus im Autorenvertrag…. Dann doch bitte alle Verlage in einem Topf und nicht etwas, was man seit Jahren nicht ändern konnte, exemplarisch an der Huffington ausmachen. Wenn Du das sachlich findest, haben wir eine andere Wahrnehmung, die Dir gelassen sei…

  6. Naja, dass man kostenlos bloggt (ob für andere oder auf dem eigenen Blog) ist ja nun wirklich nichts Neues. Das machen auch große, journalistische Magazine so (http://www.contentman.de/content-marketing/scheis-auf-unabhangigkeit-uber-die-grose-koalition-aus-google-piraten-und-den-marketing-abteilungen/) Das Problem ist meiner Ansicht nach, dass die Leser in solchen Fällen nicht wissen, wer die Inhalte geschrieben hat und die Unabhängigkeit in Gefahr ist. Du verbaust ja deine Botschaft in die Beiträge und machst das nicht für Geld.
    Aber ich denke, das ist halt so, da muss auch der Leser etwas geübter werden. Ebenso, wie er gerade lernt, dass Bewertungen auf Bewertungsplattformen nicht unbedingt unabhängig sind. Wenn man das aber weiß, ist das ja sogar ganz spannend (zumindest bei Meinungsbeiträgen in Blogs).
    Dass die Diskussion nun die HuffPo trifft, ist allerdings in Ordnung. Finde ich. Da stimmt meiner Meinung nach die Gesamt-Situation nicht: Ein US-Import, hier zusammen mit Burda und, wenn man sich die Veröffentlichungen bisher anschaut, nicht sonderlich dolle. Ich bezweifle auch, Nico, dass du mit Beiträgen dort, die „Masse“ erreichst. Aber das ist eine andere Diskussion und das wird auch die Zeit zeigen.
    Also ich denke, das ist eine Webdiskussion, die wichtig ist – aber auch ein bisschen heiße Luft. Wie so häufig… ;-)

  7. Darf ich auf ein kleines Logikproblem hinweisen? „Ich will Huffington Post bewusst nutzen, um für D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e.V. Positionen zu vertreten“ und „Formen des Journalismus“ widerspricht sich. Denn das hat mit Journalismus nichts zu tun, sondern nennt sich gemeinhin „Public Relations“. Aber das scheint in der HuffPo ohnehin mit Journalismus verwechselt zu werden.

  8. Wie ist denn da überhaupt das Procedere bei der Huffington Post?

    Ich lege mir einen Account zu, schreibe einen Artikel und klicke auf Veröffentlichen? Oder benötigt man dann noch ein OK der HuffPo, die dann entscheidet, ob und wann das veröffentlicht wird?
    Und zweite Frage: Wenn ich da einen Artikel veröffentlicht habe, gibt es da eine Sperrfrist, bevor ich ihn in meinen Blog übernehmen darf?

  9. Nico, ich finde Deine Haltung in Ordnung, jeder soll damit umgehen wie er möchte. Die HP Deutschland ist ein längst überfälliges Projekt gewesen und ich finde es toll, das die Seite jetzt gelandet ist. Ärgerlich ist, die kommen derzeit wohl nicht mit dem Freischalten vorwärts. Ich habe da mehrmals hingeschrieben und bekomme kein Feedback. Das entspricht wohl weniger der Grundidee. Was die Diskussion rund um die Bezahlung und Rechte angeht sehe ich das mit einem freudigen und einem weinenden Auge: Du hast schon recht, es ist eine Plattform die uns Audience bietet, das wirkliche Drama ist, dieses free content für „wir bieten Dir eine Plattform“ Modell wird in den kommenden Jahren noch mehr zunehmen. Davon kann ich bereits heute ein Lied singen. Während hunderte interne Leute und „Sessel-wärmende- Manager“ in der Regel reichlich bezahlt werden, schauen Content Lieferanten die wirkliche Arbeit leisten mit dem Ofenrohr ins Gebirge. Die Frage ist, was könnte ein gutes Modell für alle sein? Die HP ist es sicher noch nicht und dennoch werde ich mitmachen, wenn ich darf :-).

  10. So richtig habe ich auch noch nicht rausgefunden was man tun muss damit man bei HP dabei sein kann / darf – gibts da schon mehr Infos?

Trackbacks and Pingbacks:

  1. Jetzt doch: Kostenlos-Kultur im Netz – die deutsche Huffington Post « Michalis Pantelouris - 16.10.2013

    […] die für die deutsche “HuffPo” schreiben, anfangen sich zu rechtfertigen (z.B. Nico Lumma hier und Karsten Lohmeyer hat gleich seinen bisher einzigen HuffPo-Beitrag zum Thema […]

  2. Medien-Woche 42/2013: Kundenbindung & Schreibblockade | kommunikationsABC.de - 18.10.2013

    […] Die Sache mit der Huffington Post […]

  3. Jetzt doch: Kostenlos-Kultur im Netz – die deutsche Huffington Post | Carta - 18.10.2013

    […] die für die deutsche “HuffPo” schreiben, anfangen, sich zu rechtfertigen (z.B. Nico Lumma hier, und Karsten Lohmeyer hat gleich seinen bisher einzigen HuffPo-Beitrag zum Thema “Rechtfertigung […]

  4. Wochenrückblick KW 42 2013 - Geistreich78 Blog eCommerce, Social Media, Domain Business München Bayern - 19.10.2013

    […] Blogger, wie Romy Mlinzk, Nico Lumma oder Daniel Fürg haben sich positioniert. Aber auch Journalisten, wie Richard Gutjahr. Hier […]

  5. Huffington Post Deutschland – ein weiteres Blog das keiner braucht? | Marketing | Webdesign und Kartographie - 24.10.2013

    […] etwas schmunzeln. Ähnlich, ich möchte nicht sagen Naives (oder doch? Doch!), Naives liest man auf Lummaland. Sorry Leute, ist das echt die schreiberische Zukunft, die ihr euch vorstellt/erträumt? Ja, ich […]

  6. Warum ich nicht mehr für die Huffington Post schreibe | blickgewinkelt test site - 21.10.2014

    […] Nico Lumma auf dem eigenen Blog über seine Beiträge bei der HuffPo […]