Natürlich brauchen wir eine Internetministerin!

Nico —  10.11.2013

Wir brauchen keinen Internetminister fordert Jürgen Kaube in der FAZ und liegt damit grundfalsch. Seine Argumentation gründet darauf, dass das Internet als Querschnittsthema alle Ressorts tangiert und es daher nicht sinnvoll sei, die Experten aus den Ressorts abzuziehen und in einem neu geschaffenen Ressort zu konzentrieren. Kaube sieht weiterhin die Gefahr, dass ein Ministerium den geballten Begehrlichkeiten der Lobbyisten ausgesetzt wäre und sich dieser Macht schwer widersetzen könne.

wherewizardsstayuplateDas sehe ich grundsätzlich anders. Wir haben mit D64 unlängst die Forderung Digitalpolitik ist Zukunftspolitik! aufgestellt und selbstverständlich ein Bundesministerium für Bundesministerium für Digitales, Kreativwirtschaft und Technologie gefordert. Für mich stellt so ein Ministerium quasi eine Brückentechnologie da und ich möchte es vergleichen mit den Digitalchefs in Firmen, insbesondere Agenturen und Medienhäusern. Selbstverständlich ist in diesen Organisationen die Erkenntnis vorhanden, dass das Digitale wichtig ist und konsequent mitgedacht werden sollte, in der tagtäglichen Arbeit sorgen allerdings die unterschiedlichen fachlichen Hintergründe der handelnden Personen immer wieder dafür, dass digitale Themen wenig Beachtung finden. Ein Digitalchef sorgt dann dafür, dass das Digitale entsprechend priorisiert wird. Das ist überhaupt nicht ideal, denn besser wäre es, wenn für alle handelnden Personen das Digitale nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, sondern beim Handeln eine wichitge Rolle spielt. So ähnlich sehe ich es auch bei der Fragestellung, ob wir ein Internetministerium brauchen, wie auch immer das dann heissen mag. Die Politik hat das Thema kollektiv die letzten 10 Jahre verpennt, die Parteichefs ignorieren es noch nicht einmal. Wenn jetzt lediglich auf Ebene der Abteilungsleiter in Ministerien die Kompetenz vorhanden ist, wird dies kaum Auswirkungen auf die Politik haben und kaum eine längst überfällige gesellschaftliche Debatte befruchten.

Daher braucht Deutschland jetzt ganz dringend ein dezidiertes Ministerium, dass sich mit den Belangen der Digitalisierung auseinandersetzt. Dabei spielen neue Arbeitsformen genau so eine Rolle, wie die Frage nach Zugängen oder dem Umgang mit Technologie und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Auswirkungen. Wir müssen dringend einen Aufbruch ins Digitale hinbekommen und daher bietet es sich an, das Thema prominent am Kabinettstisch zu platzieren.

Das Digitale ist in etwa so wie das Thema Europa in den 80ern. Vielen sind die Vorteile klar, aber erst eine gesellschatliche Debatte kann dafür sorgen, dass dieses Thema wirklich in diesem Land verankert wird. Das Thema muss greifbarer gemacht werden, damit es quasi Infostand-kompatibel wird. Vor meinem inneren Auge sehe ich eine Kombination aus dem SPD Wahlwerbespot „Wir sind Europa“ und dem Claim von IKEA „Entdecke die Möglichkeiten“. Ausdruck dieser Entwicklung muss dann ein neu geschaffenes Ministerium für das Digitale sein, das offene Standards schützt und fördert und die Vielfalt das Digitalen bewahrt vor den Winnder-Takes-All Bestrebungen in einigen Wirtschaftszweigen, dabei vor allem aus Sicht des Bürgers als Nutzer und seiner Interessen agiert. Idealerweise schafft sich dieses Ministerium nach 10 Jahren wieder selber ab, wenn das Digitale nicht nur in allen Politikfeldern verankert ist, sondern die handelnden Personen auch in der Lage sind, das Thema wirklich mitzudenken.

27 responses to Natürlich brauchen wir eine Internetministerin!

  1. Sehe ich eher wie Gunter Dueck.

    Siehe hier: http://www.youtube.com/watch?v=8psTKM-5QWg

    Ab so 14:00 Min., er fängt bei Platon an.

    Fazit: Leider brauchen wir nicht ein solches Ministerium.

  2. Ich glaube, die Forderung, es bedürfe für das Digitale eines eigenen Ministeriums, ist eine Behauptung ohne Beweis des Nutzens. Wir hatten auch kein Ministerium für Papier, Kreativwirtschaft und Technologie (sollte dann etwa der Wandel von Kohlekraftwerken der Kohlerunde Hannelore Kraft und Peter Altamier zu Wind und Sonne (die von deren GroKo-Verhandlern gerade vernichtet werden) auch da mit hinein?

    Nehmen wir ein Beispiel aus der Praxis: Anfang der 2000er Jahre war die Nutzung des Internets für die Bundesregierung bei der Staatssekretärin im BMI, Brigitte Zypries, SPD, gebündelt. Und mit dieser Konzentration haben wir uns dann verbastelt. Die Verwaltung wurde von Bürgern und Wirtschaft abgeschottet. Durch Spezialgesetze, qualifizierten Signaturen und vielem Unsinn. Zwei Beispiele: 1.) in England sind Mails mit eingescannten Unterschriften rechtskräftig. Wir haben das verhindert durch nicht angenommen Technologien wie qualSignatur und eID im neuen Personalausweis. 2.) Zypries hat dafür gesorgt, dass elektronische Dokumente keine Urkunden sind. Folge: technologische, unsinnige Aufblähung und Straffreiheit für Urkundenfälscher. In der Schweiz geht man ins Gefängnis, wenn man eine E-Mail fälscht. In Deutschland darf man das straffrei, weil keine Urkunde. Das kommt messbar dabei raus, wenn man da Thema in einem Staatssekretariat bündelt.

    Vorgestern hieß es im Behördenspiegel dazu von dem CIO des Landes Hessen Westerfeld:
    „Die umfassende Nutzung der IT in allen Lebens- und Wirtschaftslagen steht im Widerspruch zum bürokratischen Aufwand, den die staatlichen Institutionen ihren Bürgern und der Wirtschaft in der Kommunikation derzeit abverlangen. Elektronische Kommunikation zwischen Verwaltung und Bürgern sowie Wirtschaft wird nur in geringem Maße mit IT unterstützt. Vorhandene Systeme werden in vielen Fällen mit zu großem (Finanz-)Aufwand realisiert, was sich in der Steuerlast sowie den Gebühren widerspiegelt. Der IT-Gipfel ist seit 2006 eine gute Einrichtung, die allerdings nur teilweise die wichtigen Vertreter der Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammenbringt.“
    „Das E-Government-Gesetz des Bundes, der neue elektronische Personalausweis und das De-Mail-Gesetz erhöhen eher die Bürokratiekosten (ähnlich wie das Signaturgesetz), statt Bürokratie zu reduzieren. Im E-Government-Gesetz sollen beispielsweise konsequent die Schriftformerfordernisse überdacht und gestrichen werden, statt sie vollständig durch technisch komplizierte „Gesetzes-Produkte“ zu ersetzen und damit zu manifestieren.“
    http://www.behoerden-spiegel.de/icc/Internet/sub/ab7/ab7496d9-a8b3-2413-597d-6147b988f2ee,,,aaaaaaaa-aaaa-aaaa-bbbb-000000000003&uMen=1f75009d-e07d-f011-4e64-494f59a5fb42.htm

    Aus den Fehlern, die wir mit der Konzentration ohne breiten Diskurs gemacht haben, schließe ich, dass die Einrichtung eines Internetministeriums falsch wäre. Wir sind dafür nicht nicht reif. Wir haben dafür nicht das richtige Personal. Es wäre auch Unsinn, an der Open Government Partnership teilzunehmen, wenn wir den Unterbau nicht mit wechselten, der bisher nur durch Lizengequake und Underperformance uns behindert hat.

    Ich vermute, wir brauchen da noch Zeit, offen über die Themen zu diskutieren, bevor wir dann die richtigen Maßnahmen beschließen. Ein Heldenkult und Fokussierung auf eine Person wäre sicherlich sehr riskant. Hat England zum Beispiel auch nicht, aber die performen viel besser als wir (eben den Österreichern, die Westerfeld erwähnt).

    Ich befürchte, da werden falsche Vorstellungen gepflegt, was ein Ministerium bewirken kann und wofür man es braucht. Ich mit Schrecken daran, wie Jost Stollmann 1998 von Oskar Lafontaine, damals SPD, aus dem Wirtschaftsministerium aus purer Machtgeilheit weggebissen wurde.

    Ich sehe da in der SPD keine Besserung. Die haben Lars Klingbeil auf dem Parteitag mit dem festen Willen zur Vorratsdatenspeicherung überstimmt und die Kohlerunde schmeisst gerade unsere Energiewende über den Haufen, mit Tötung der Solarindustrie, Drosselung des Windenergieausbaus, Krafts Reise nach Brüssel, um Großverbraucher auf Kosten der Verbraucher zu subventionieren und Förderung der Kohlepolitik. Wir hätten mit Steinbrück ein Chance zur Modernisierung gehabt. Das Stück jetzt „Siggi-such-Job“ ist für große Sprünge nicht geeignet.

    Wir brauchen sicherlich viele Maßnahmen, um den Anschluss an die digitale Entwicklung wieder zu finden, den wir längst verloren haben. Ein Ministerium ist dafür aber weniger geeignet, als eine breite, demokratische Bewegung.

  3. ok, generisches femininum also. vielfalt? fehlanzeige. auf wiedersehen.
    ich muss die spd nicht wählen.

  4. Ich halte diese Forderung für falsch und vor allem für das, was du willst, für schädlich. Viel besser wäre ein Infrastrukturministerium, das Verkehrstrassen, den radikalen Umbau des Stromnetzes und das Thema „Internet“ als Infrastruktur abdeckt. Aber vielleicht liegt unser Dissens auch daran, dass wir schon in der Analyse nicht sehr nah beieinander liegen, was die faktische Rolle der Digitalisierung in unserem Land angeht (siehe e-Commerce etc).

  5. Abschließend habe ich mir noch keine Meinung gebildet….

    Mein Gefühl sagt mir, dass ein Internetministerium eine ganz nette Sache wäre, schließlich haben wir auch ein Umweltministerium, dass sicherlich auch ganz viele andere Ministerien tangiert.

    Das Umweltministerium ist aber sicherlich nicht so der Gefahr von Lobbyarbeit ausgesetzt. Oder vielleicht doch?

    Das nur als Denkanstoß

    • „Das Umweltministerium ist aber sicherlich nicht so der Gefahr von Lobbyarbeit ausgesetzt. Oder vielleicht doch? “
      Vielleicht sollten wir ein Satire-Ministerium noch ergänzen.
      Zum Umweltministerium:

      – die kümmern sich z.B. um die Erderwärmung durch CO2 (oder je nach Bezahlung auch nicht), also z.B. um die CO2-Emission großer BMW-Fahrzeuge, weiviel Braunkohle von RWE und Vattenfall und Steinkohle verbrannt werden darf oder gebraucht wird, um Hamburg auch garantiert im Schmelzwasser der Pole versinken zu lassen, oder ob Vattenfall das Großraumexperiment machen darf, massenhaft Gas in den Untergrund ewnzupressen (250 Mio € Zuschuss von EU, CCS), wo wir dann schauen, wie viele Menschen daran dann verrecken werden.

      – die kümmern sich um den Schlampenhaufen von der Grube Konrad, wie die Atomindustrie ihren Scheiss einfach hingekippt hat, unsachgemäß, und der Steuerzahler jetzt die Dreckarbeiten der schmierigen Atomindustrie aufarbeiten darf.

      – die kümmern sich darum, dass die gesamte deutsche Solarindustrie in die Insolvenz geschickt wird, damit Chinesen hier abräumen können,

      – die kümmern sich darum, dass die Windenergie jetzt genauso liquidiert wird wie die Solarindustrie: weniger Wind aus der Nordsee, weniger Förderung für Wind im Norden, keine Förderung mehr für Wind im Süden, damit endlich jemand Leitungen bauen muss quer durch ganz Deutschland, um Atom- und Kohlestrom durch die Gegend zu fahren.

      – die kümmern sich darum, dass keine Biogasanlagen mehr verkauft werden, damit die Maisflächen wieder mit EU-Prämien stillgelegt werden, statt landwirtschaftlich betrieben zu werden

      Die neue Kohlerunde mit Hannelore Kraft, SPD, und Peter Altmaier. CDU, sind das Dreamteam für das Revival des Jahrhundertvertrages zur Verstromung deutscher Kohle: Kohlestrom bis da Gehrin spritzt: Buschhaus, Ibbenbüren: aus vollen Rohren. Arbeitsplätze im Dreck, statt im Wind und in Sonne. Gestern statt Zukunft. Die werden Rheinbraun/RWE zwingen, Garzweiler II aufzumachen, obwohl die lieber auf Borkum Riff Windstrom gemacht hätten. Aber das wollen Kraft und Altamier denen jetzt verbieten.

      Es geht das Gerücht, dass Altmaier die Kohlegruben an der Saar wieder aufmachen will, und Kraft den Kohlebergbau bis 2115 weiter hoch fördern will, wie schon Johannes Rau. Aber das sind bestimmt böswillige Gerüchte, denn die bekommen ja keine Hauer mehr für den Pütt.

      Aber sicher: bei den Tätigkeiten der Kohlerunde vom „Umweltministerium“ sind die natürlich vor Lobbyinteressen gefeit. Ist doch aber auch egal: Abgeordnetenbestechung ist bei uns nicht strafbar.

      Und noch eins: Morgen um 11:11 fängt der Karneval an. Auch in der Kohlerunde vom „Umweltministerium“. Helau!

  6. Ein „Brückenministerium“, das sich selbst abschafft? Das wäre nicht schlecht, widerspricht aber der Erfahrung aus mehr als 200 Jahren Ministerialbürokratie – welcher Beamte hat sich schon jemals selbst abgeschafft?

    Aber ich finde den Vergleich mit den Digitalchefs aus der Wirtschaft allerdings gut. In den USA heißen diese Leute „Zar“ („Internet-Zar“ oder so); in Deutschland wäre das etwa ein Staatsminister im Kanzleramt.

    Das gute daran: er hat kaum einen Apparat hinter sich, sondern ist eher koordinierend tätig, kann also – wenn kein Bedarf mehr besteht – auch problemlos wieder abgeschafft werden. So ein Staatssekretär wirkt vor allen Dingen über seine Persönlichkeit – genau wie ein Digitalchef in der freien Wirtschaft.

    Eine Alternative zum Vollministerium, die glaube ich durchaus bedenkenswert wäre!

  7. Wer Kaubes Argumentation folgt, müsste im nächsten Schritt sämtliche Ministerien abschaffen. Denn sie alle bieten ein Einfallstor für Lobbyisten. Eine wirklich bestechend einfältige Analyse ….

  8. Bei flüchtigem Überfliegen der Kommentare habe ich den Eindruck, dass eher eine gegenteilige Meinung zur Forderung des Artikels besteht (bei Annes Einwand bin ich mir nicht ganz sicher: kommt mir zu pikiert hinsichtlich der Wortwahl der Überschrift vor, um nicht an diesem Vornamen zu zweifeln und mich zu fragen, was denn die Geschlechterwahl der Formulierung mit der Fragestellung zu tun hatte)

    nun – dann will ich einmal für diese Hypothese sprechen, dass wir in ein politisches Schwergewicht für dieses Thema brauchen:

    ich finde die Art und Weise, wie uns Geheimdienste (vor allem ausländische) zum Narren halten, ein prächtiges Beispiel dafür, wie sehr wir uns der Frage der digitalen Technologie bisher verweigert und wie viel Zukunft und Selbstbestimmung wir dabei so achtlos verschenkt haben. Wir sind doch nur Nutzvieh für die anderen, die sich der Herausforderung gestellt haben, lächerliche Kasper, die wie Schafe noch freiwillig zur Schlachtbank trotten, unsere Jugend ist von einer erschreckenden Naivität bezüglich der Tastatur und des Touchscreens geprägt: Das liegt doch alles so hübsch kontrollierbar in meiner Hand, da guckt mir keiner über die Schulter?

    wir nennen uns das Volk der Ingenieure, aber was wir beherrschen, ist die Technologie des letzten Jahrtausends. Die neuen verschlafen wir in satter Selbstzufriedenheit, weil die Trägheitskraft der alten Technologien uns noch reich macht. Das wird sich aber schnell ändern, die Dampfmaschinen-Ingenieure waren auch lange gut bezahlt

    der Stand der Informationsbeherrschung ist der Schrittmacher der biologischen Evolution – und er ist der Schrittmacher der kulturellen. Politik ist das Management der Kultur und wenn sich eine Politik diesem zentralen Thema Information verweigert, wird deren Kultur genauso von der Evolution überrollt wie es in der Biologie passiert. Und das heißt für uns, dass wir dann eben nicht mehr so begütert sind, nicht mehr so schön konsumieren können, keine Luxusprobleme mehr haben, dass wir Massenmenschen ganz im Gegenteil wie die Südeuropäer heute wieder „lernen“ werden, was ein einzelner Mensch wert ist, der nicht mehr genug Geld hat, um sich Menschenwürde kaufen zu können

  9. Dieter Borchers 11.11.2013 at 9:55

    Was wollen uns diese Worte sagen???
    Ein neues Ministerium mit Beamten, Pensionsansprüchen,Dienstwagen und Chauffeuren als teurer Debattierclub von Ahnungslosen?
    Ein Ministerium hat die Aufgabe ein Sachgebiet politisch zu regeln. Das globale Internet lässt sich nicht durch eine Handvoll ahnungsloser deutscher Politiker reglementieren.

    • Zitat Dieter Borchers: „Das globale Internet lässt sich nicht durch eine Handvoll ahnungsloser deutscher Politiker reglementieren.“

      stimmt genau – aber zur politischen Sachregelung für Informationstechnologie gehört definitiv, wie eine Kultur sich auf die durch das Internet sehr weitreichend geänderten Verhältnisse im Gesamtbereich des menschlichen Lebens einstellen will, welche Konsequenzen sie ziehen sollte, welche Prioritäten sie setzt, wieviel Geld sie in Aufklärung, Forschung, Schulen steckt – und vielleicht sogar am wichtigsten: wie sie ihre Ingenieure, ihre Industrie und Wirtschaft zukunftsfähig machen könnte

  10. Sebastian Jurk 11.11.2013 at 15:07

    Grundsätzlich ist das Internet heutzutage ein enormer Teil des Lebens in dem sich Leben abspielt, in das Zeit und Geld gesteckt wird. Es wäre von Vorteil wenn ein Ministerium diesen Raum verteidigt genauso wie man sicherstellen muss dass die Energieversorgung sichergestellt sein muss und die Umwelt geschützt wird trifft das auch fürs Internet zu.

    Aber wieso muss das eine Frau machen? Diese Wortpupserei geht mir auf den Keks. Ständig versucht man zu trennen damit man auch ja nie vergißt dass es Männer und Frauen gibt. Postgender war für viele wohl mal.

  11. Zitat Sebastian Jurk: „Aber wieso muss das eine Frau machen? Diese Wortpupserei geht mir auf den Keks.“

    abgesehen davon, dass die Wortwahl nichts mit der Fragestellung zu tun hat –

    hat sie ja wohl ihren Zweck perfekt erfüllt

    denn hier kommt bereits die zweite pikierte Meldung über etwas, das Frauen tagtäglich zugemutet wird: Frauen wird täglich zugemutet zu glauben, dass „der Kunde“, „der Bürger“, „der Wähler“ sie auch ansprechen soll. Dabei ist in der deutschen Sprache die Menge menschlicher Personen komplementär nach Geschlecht getrennt ohne jegliche Schnittmenge (auch wenn das in der Realität aus biologischen Gründen nicht so wirklich der Fall ist)

    sicher, aus vorauseilendem Gehorsam nicken das die meisten Frauen natürlich brav ab und benutzen sogar selbst das generische Maskulinum, selbst dann, wenn es sich auf ihre eigene Situation bezieht, doch es gibt genügend Hinweise darauf, dass sie in Wahrheit eben doch genau spüren, dass sie nicht gemeint sind, wenn „er“, „der Wähler“ etwas tut oder lässt, denn „er“ ist nun mal per definitionem keine „sie“

    Zitat Sebastian Jurk: „Postgender war für viele wohl mal.“

    deshalb darf man wieder überall nur von „ihm“ sprechen? Informationsverarbeitung arbeitet immer mit Schlüsseln, mit Symbolen, hinter denen eine Standardmenge an Attributen und Verhalten subsumiert sind, die bei Anwendung dieses Schlüssels dann herangezogen werden. Soll heißen: Wer den Maskulin benutzt, benutzt immer auch maskuline Attribute als Standard, das betrifft per definitionem eben gerade nicht die Frauen – schönes Beispiel also für die in der Gesellschaft tatsächlich erreichte Gleichberechtigung in den Köpfen

    und ja, hier ist das Internet die erste schöne Plattform der Emanzipation und deshalb finde ich diese so herrlich „anstößige“ Wahl der Geschlechterform eigentlich sehr passend. Denn dass ich eine Frau bin, kannst du nur deshalb schließen, weil mir das generische Femininum gefällt

    oder amüsiert mich bloß die Reaktion darauf? Nico ist ja auch ein Mann

    und Anne? Ist vermutlich eher keine Frau und wenn, dann ist sie jung, steht voll im Saft und hat vermutlich einen Freund, der sehr stolz auf sein Rollenbild ist

    und Herr Jurk ist vermutlich auch ein Mann, da ist zuviel verletzte Eitelkeit in den Worten

    alles nur aus ein paar Worten hergeleitet, die unverschlüsselt auf dem Internet herumgeistern

    so kann man aus Formulierungen tatsächlich sehr viel herausholen, jüngstes Beispiel: „Here’s How IBM Will Use Your Twitter Feed To Figure Out How Neurotic You Are“
    http://www.businessinsider.com/ibm-testing-twitter-analytics-emotional-the-brief-2013-11

    aber solche Schlussfolgerungen sind natürlich immer mit einem Schuss Vagheit versehen und genau deshalb hat Facebook et al. den Klarnamenzwang und wirft jeden heraus, der sich ein paarmal über Tor einwählt:

    alles nur eine Frage der Datenintegrität, die an die wirklich wichtigen Leute verkauft werden soll und deren Wert natürlich mit der Sicherheit steigt, hier reale Personen mit realen Interessen und realen Geldbeuteln zu betreffen. Warum sollte das jemand dieser wichtigen Leute interessieren, was diese realen Personen davon halten? Seit wann wird der Wurm gefragt, ob geangelt werden darf? Inzwischen dürfte ja jedem klar sein, dass wir alle nur die Würmer sind

    und genau deshalb ist der obige Artikel so wichtig und genau deshalb brauchen wir ein Internetministerium

    sozusagen als der Aufstand der Würmer

    • Sebastian Jurk 12.11.2013 at 17:20

      Das ist doch gerade das paradoxe. Kein Mensch außer ein paar Radikalen käme auf die Idee zu denken dass Kunde nur männlich ist. Oder ein Internetminister ein Mann ist. Ich frag mich was in den Köpfen solcher Leute vorgeht. Nein, stattdessen müssen sie noch mal kräftig draufhauen und den Finger erheben und darauf hinweisen dass Männer und Frauen was unterschiedliches sind. Für dieses ständige Getrenne hab ich kein Verständnis. Gleichstellung ist was anderes.
      Also wenn man von der Wähler spricht fühlen sich manche Frauen ausgeschlossen. Ganz ehrlich… da muss aber erstmal jemand wie du kommen um das zu behaupten. Sonst wäre es ganz natürlich dass man sich in die Gruppe der Wähler einreiht. Das Wort hat für mich zB überhaupt keine geschlechtliche Note. Es ist einfach die Bezeichnung für Personen die etwas tun. Aber nein… der erhobene Zeigefinger… bitte macht doch klar dass Frauen keine Wähler sind. Oh Warte… ist der Mensch nicht auch männlich? Macht doch Menschin draus. Damit auch ja jede Bezeichnung nach Geschlechtern getrennt ist.
      Postgender ist wohl ein Konzept das manche Leute einfach nicht verstehen. Trennen ist doch so viel schöner. Da hat man was gegen das man kämpfen kann. Geht halt nur mit Trennen.

      Wie von „ihm“ sprechen? Nimm mal den Plattwurm. Männlich oder? Dumm nur dass er geschlechtslos ist. Und da haben wir das Problem. Der Plattwurm sagt einfach nichts über das Geschlecht einer Spezies aus genausowenig wie der MEnsch bedeutet dass alle MEnschen Männer sind. Es ist einfach nur die Bezeichnung für eine Sache damit man weiß was es ist. Aber nein… da muss Trennung rein. Da muss eine geschlechtliche Definition dazu… klar…

      Ich kann mir schon vorstellen dass man sich da gut reinsteigern kann. In eine Männerweltverschwörung die allen Dingen männliche Namen gegeben hat. Obwohl das was es bezeichnet erstmal gar keine Geschlechtlichkeit hat. Wieso man dann von einem Extrem ins nächste springen sollte mag aus irgendeiner Sicht auch witzig sein. Dummerweise ist es auch albern und von diesen dümmlichen Spielchen bei den Piraten hab ich echt genug. Es ist kein Wunder wenn man die Piratenpartei nicht ernst nimmt wenn solche Sachen zu Forderungen werden.

      Ja… ich schreibe das weil ich mich als Mann in meiner Ehre verletzt fühle… *seufz* kann wohl nicht anders sein in einem Weltbild in dem Frauen gegen Männer kämpfen und andersrum, oder?
      Mich stört an dem Ganzen nur wie albern es ist. Wer ist heute denn noch so komisch drauf bei „der wähler“ nur männer im Kopf zu haben? Gibts so jemand in Deutschland überhaupt? Es ist ganz klar eine homogene Masse aller Geschlechter.
      Ich bin der letzte der irgendein Geschlecht weniger Wert erachtet, genauso wie andere Attribute wie Rasse, Hautfarbe usw. Es sind Menschen. Vielleicht kannst du, wenn du es schaffst dich in dieses Denken reinzudenken, bemerken was mich stört. Das Trennende. Es geht nicht mehr um MEnschen. Es geht um Frauen und Männer. Ja, lasst uns gegeneinander kämpfen weil der eine ja dem anderen nichts gönnt.
      Sorry, das ist dumm. Und genau deswegen finde ich postgender toll. Es sind Menschen und das wars. Keine dümmlichen Grabenkämpfe. Keine Bevorteilung aufgrund von Dingen für die man nichts kann.

      Mag sein du bist mit einem Würmeraufstand glücklich. Ich will dass das Geschlecht keine Rolle spielt. Und ich finds echt traurig wie trennend und teilend manche unterwegs sind.

  12. zum Titel des Postings: mich hat schon irritiert, dass der FAZ-Artikel sich explizit gegen einen Internetminister gewandt hat. In der Replik habe ich daher direkt die Internetministerin gefordert, natürlich auch weil Gesche Joost für dieses Thema im Kompetenzteam von Peer Steinbrück war, aber vor allem, um darauf hinzuweisen, dass das Internet kein Männerthema ist.

    • Sebastian Jurk 12.11.2013 at 16:57

      Und wieso wird es dann ein Frauenthema? Männliche Form mit weiblicher Form vertauschen?
      Das dämliche an diesem Gehabe ist doch dass man damit ständig trennend umhergeht und klarmacht dass Männer und Frauen getrennt sind. Obwohl niemand auf die Idee kommen würde in einem Internetminister nur einen Mann zu sehen.
      Ich finde mit diesem trennenden Zeug macht sich die Piratenpartei nur lächerlich. Bin übrigens selbst Mitglied, ist also keine Piratenparteischelte an sich.

      • Marco Müller 13.11.2013 at 11:35

        Sehr geehrter Herr Jurk,

        da Sie die Piraten erwähnt haben, fühle ich mich genötigt, hier als Korrektiv aufzutreten. Um Ihnen nicht zu nahe zu treten, wähle ich deshalb die formale Anrede, nicht das übliche vertrauliche „Du“, ich schätze, das wäre Ihnen nicht recht.

        Sie argumentieren bei Ihrer Dauerattacke gegen die Verwendung des generischen Femininum mit Postgender und damit, dass Männer und Frauen nicht getrennt werden sollten, das klingt sehr gut und sehr piratisch. Wenn aber Männer und Frauen (auch als Rollen) so „unzertrennlich“ sind, ist doch die Ansprache erst recht austauschbar, also ist es doch erst recht egal, ob es „Internetminister“ oder „Internetministerin“ heißt.

        Das passt auch sehr gut zu den piratischen Grundsätzen von Basisdemokratie, die als grundsätzlichste Selbstverständlichkeit den Respekt vor jedem oder jeder Einzelnen verlangt und die deshalb das Umkehrbarkeitsprinzip für die Bewertung zwischenmenschlicher und politischer Beziehungen unabdingbar macht. Das Umkehrbarkeitsprinzip besagt schließlich einfach, dass ich nur das von anderen fordern darf, was ich selbst zu liefern bereit bin und nur das als Recht beanspruchen kann, was ich auch bereit bin, anderen als Recht zuzugestehen. Ganz wichtig dabei: „andere“ sind alle anderen, nicht nur „meinesgleichen“

        Soweit denke ich, stimmen wir im Grundsatz überein.

        Dass wir jetzt in diesem Einzelfall „Internetminister“ oder „Internetministerin“ bei der Umkehrbarkeit jedoch auseinanderdriften, liegt an Ihrer rationalisierenden Argumentation:

        „Obwohl niemand auf die Idee kommen würde in einem Internetminister nur einen Mann zu sehen.“

        Das stimmt dann, wenn die Menschen wissen, dass der Internetminister in einem speziellen Fall „Frau Xyz“ heißt, ansonsten ist es pures Wunschdenken, wie ich aus Erfahrung weiß und es deutet darauf hin, dass Sie sehr wohl intuitiv wissen, wie es nach außen wirkt, dass Sie so unbeirrbar darauf beharren, dass Ihre Ehre als Mann zutiefst gekränkt ist, wenn die weibliche Form verwendet wird. Interessanterweise geben Sie damit Ihrer Vorrednerin absolut Recht und nicht nur das: Sie zeigen auch sehr deutlich, wie kränkend es ist, verbal ignoriert zu werden. Damit Sie das vor Ihrem Gewissen dann Frauen unbekümmert antun dürfen, behaupten Sie deshalb einfach: Das generische Maskulinum ist eben gerade nicht mit dem generischen Femininum vergleichbar, weil beim Maskulinum „niemand auf die Idee kommen würde“, einen Mann darin zu sehen. Doch was denn sonst? Einen Androgyn?

        Diese Schutzbehauptung ist vielmehr schlicht falsch und ich weiß das deshalb, weil ich selbst Pirat bin und gerade vor den Wahlen lange und viel über Basisdemokratie, Gleichberechtigung, freie Meinungsäußerung und besonders seit dem Fall Brüderle auch über Postgender diskutiert habe. Dabei lernte ich eine gute Freundin von einer völlig anderen Seite kennen. Sicher, sie war mir vorher nicht als besonders mannstoll aufgefallen, doch wenn es Frauenwitze regnete (auch seitens Frauen natürlich) hat sie nie Einspruch erhoben, nie widersprochen, wenn Männer sich über Frauen und ihre Ansprüche lustig machten, so wie Sie oben, der den Wunsch der Frauen, auch verbal „der Rede wert“ zu sein und nicht ständig im wichtigsten Bereich des menschlichen Lebens (im Kopf, der über Sprache kommuniziert) völlig ignoriert zu werden: „Diese Wortpupserei geht mir auf den Keks“ oder „dämliches Gehabe“, so nannten Sie das wohl.

        Nach Brüderle wusste ich es besser. Ich war geradezu erschrocken von dem Ausmaß der Demütigung, die meine Freundin täglich empfindet. Warum ich das erwähne? Weil es erklärt, warum sie ihr Kochbuch nicht als Frau schreiben wollte, denn schließlich sind die besten Köche doch „selbstverständlich“ auch Männer. Deshalb bat sie ihren Redakteur, den Klappentext „geschlechtsneutral“ zu halten.

        Und der Redakteur hat das generische Maskulinum gewählt. Trotz der allgemeinen Behauptung, dieses generische Maskulinum wäre in der Lage, auch Frauen zu enthalten, hat sie freilich bisher noch keinen einzigen Brief erhalten mit der Anrede „Sehr geehrter Herr (oder sehr geehrte Frau) Sowieso“. Sie ist seitdem nur „Herr Sowieso“ und es gefällt ihr sogar, weil es schlicht mehr Anerkennung, mehr Respekt und mehr Sachbezogenheit bezüglich ihres Buchs bedeutet, etwas, das sie auch auf dem Internet in Anspruch genommen hat, wohl ähnlich wie Ihre Vorrednerin.

        Das besondere Problem, das ich jetzt mit Ihrem ausgiebigen Beharren auf Formalien habe, ist dass es den Eindruck bestätigt, den ich mir vor den Wahlen so oft vorwerfen lassen musste: Wir Piraten reden von Basisdemokratie, doch das Einzige, was wir wollen, ist persönlich die Rechte wie Teilnahme an politischen Entscheidungen und die Gewähr von Gehör zu erhalten. Sobald jemand anderes dasselbe verlangt, doch anderer Meinung ist, fallen wir in wilden Horden mit Shitstorms über ihn (oder sie) her und beharken den „Abweichler“ so lange mit Flamewars, bis er mundtot ist und aufgibt. Nicht nur deshalb spricht Herr Knaub von der FAZ so ganz nebenbei und wie selbstverständlich vom „politischen Piratendilettantismus“. Ich schätze, es wird noch viel Zeit und Mühe kosten, diesen Eindruck aus tatsächlichen Ereignissen und Verhaltensweisen wieder zu korrigieren.

        Und was mich auch noch an Ihrem nicht sachbezogenen Beharren stört, ist das Abdriften vom Originalthema, was wiederum den Eindruck erweckt, dass es das Internet, seine Auswirkungen auf unser Leben und die Konsequenzen, die wir als Einzelne und als Gruppe ziehen müssen, doch längst nicht so wichtig ist wie die Kränkung männlicher Ehre.

        Mit freundlichen Grüßen

        Marco Müller

        • Sebastian Jurk 18.11.2013 at 23:22

          Ich hab kein Problem mit dem Du…

          Warum rhetorische Spielchen? „Dauerattacke“? Ich habe mich dagegen ausgesprochen allem was nicht geschlechtlich gemeint war ein Geschlecht anhängen zu müssen und dabei gleich zu vergessen dass gerade das die Trennung hervorruft die man ja eigentlich vorgeblich verhindern will. Warum man das als Dauerattacke diskreditieren muss sehe ich nicht wirklich. Wenn ich etwas als falsch ansehe dann sage ich dazu was. Das sollten mehr Menschen tun. Stattdessen gehen die meisten Leute lieber den einfachen Weg. Entsprechend sieht die Welt aus wenn man einfach die anderen machen läßt.

          Es ist nicht egal ob Internetminister oder Internetministerin. Internetminister ist keine Geschlechtsbezeichnung. Genausowenig wie der Plattwurm sagt dass der Plattwurm ein Mann ist. Oder der Regen. Das ist einfach nur eine Bezeichnung die kein Geschlecht benennt. Und da liegt das Problem. Es wird ein Geschlecht hineingezwungen. Man muss bitteschön alles trennen und eine männliche und eine weibliche Form haben. Damit auch ja niemand vergißt dass Männer und Frauen unterschiedlich sind. Also genau das Gegenteil von dem was Gleichstellung bzw Postgender eigentlich bewirken sollte.

          Ihr nächster Absatz zeigt leider aus welcher Richtung Sie argumentieren. Der Abschlusssatz: „Ganz wichtig dabei: “andere” sind alle anderen, nicht nur “meinesgleichen”“
          Ich weiß nicht warum das nicht erkennbar sein sollte aber ich rede nicht aus einer geschlechtlichen Ecke heraus. Es ist mir vollkommen egal ob Mann oder Frau. Ich will und bin immer für gleiche Rechte. Da stören mich Attribute nicht für die kein Mensch etwas kann. Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung, was auch immer. Es sind Menschen. Und es ist genauso dämlich darauf stolz zu sein Deutscher zu sein wie es sein würde ein Mann oder eine Frau zu sein. Denn man selbst hat null dafür getan eben da dazuzugehören. Diese Kämpfe Mann gegen Frau sind einfach total Banane. Mag sein ich habe das Glück relativ jung zu sein aber ich denke das ist es nicht nur da auch ich das klassische Rollebild vorgelebt bekommen habe und trotzdem gleichberechtigt zusammenlebe. In Geschlechterrollen zwängen wäre ausnutzen und solche Machtspielchen nerven mich.

          Ich hoffe langsam kommt rüber wo ich stehe… :)

          *seufz* Meine Ehre als Mann zutiefst gekränkt…

          Ich sag mal so… Internetminister ist ein Wort das leider wirklich tendenziell eher einen Mann in der Vorstellung aufkommen läßt. Das liegt meiner Meinung nach einfach daran dass die Politik immer noch praktisch aus Männern besteht. Ich bin aber sehr sicher dass künftige Generationen auch ohne Internetminister(in) oder ähnliche Wortspiele da eine andere Vorstellung haben da ich davon ausgehe dass die Gleichstellung auch in der Politik weiter vorangehen wird. Es wird dann genauso wie mit „der Wähler“ sein. Da stellt man sich auch heute schon eine Masse aus Frauen und Männern vor. Und auch das war mal anders als Frauen noch nicht wählen durften. Jetzt ist es anders und die Vorstellung von dem Wähler ist eine andere geworden.

          Wenn man Internetminister schreibt dann meint man damit ein Amt. Warum muss man da noch ein Geschlecht anfügen? Müssen in Zukunft alle Worte die Menschen beschreiben auch noch in Geschlechter getrennt werden?

          Wenn es von Anfang an Ministerin gehießen hätte und hauptsächlich Männer Ministerin gewesen wären dann würde diese „Wortpupserei“ eben genau auch nichts daran ändern dass man dabei an Männer denken würde. Es wäre und bliebe aber die Bezeichnung für eine Sache ohne ein Geschlecht. Also was will man erreichen? Echte Gleichstellung oder Wortpupserei? Also ich will ersteres weil ich zweiteres für trennend und kontraproduktiv ansehe.

          Frauen „der Rede wert“. Das ist ein tolles Schlagwort. Und so oberflächlich. Es ist also etwas gewonnen wenn man eine eigentlich neutrale Bezeichnung trennt in Geschlechter? Das ist Gleichberechtigung? Dann haben wir andere Vorstellungen davon. Das ist, wie schon mal gesagt, trennend. Damit ja niemand vergißt dass es Männer und Frauen gibt.

          Dann spinnen wir diese Idiotie doch mal weiter. Begriffe müssen in Männer und Frauen getrennt werden weil es Männer und Frauen gibt. Was ist mit Behinderten? Wenn ich an Minister denke dann denke ich nicht automatisch an Behinderte. Sollte sich Schäuble nicht benachteiligt fühlen weil er wie alle gesunden auch einfach nur Minister ist? Sollte man nicht auch dafür sorgen dass die Behinderung ihren Widerklang in der Begriffsbezeichnung findet? Oder ist es „nicht der Rede“ wert? Wo wir dabei sind. Was ist mit sexueller Ausrichtung? Ein Minister ist doch klassisch heterosexuell. Da muss man doch was tun oder?

          Ich seh schon die Antwort… ich mache mich angeblich darüber lustig. Ich meine aber dass hier normale Bezeichnungen für Posten sexualisiert werden. Völlig unnötig und offensichlich verlieren sich vorgebliche Kämpfer der Gleichberechtigung in solchen Scheinkämpfen.

          Ich weiß nicht wie viele Formen von „Minister“ es irgendwann mal geben wird aber ich finds traurig was hier unter dem Label der Gleichberechtigung gemacht wird.

          Also Ihre Freundin hat den Verleger dazu aufgefordert… was soll ich dazu sagen? Dass sie Ungleichheit begünstigt indem sie dabei mitspielt? Oder soll mir das sagen dass sie dazu gezwungen war?
          Ich weiß nicht wie es auf dem Kochmarkt aussieht und ob man das als Frau machen muss. Auf jeden Fall ändert man nichts damit wenn man sich dem beugt.
          Wir werden vermutlich nicht wissen was passiert wäre wenn sie zu ihrem Geschlecht gestanden wäre.
          Ich kenne den Text des Klappentextes nicht und kann daher nicht beurteilen wie es rüberkam. Wenn da aber Koch stand und heutzutage sich schon eingebürgert hat auch Köchin zu sagen wäre es nicht verwunderlich wenn man das dann eben auch so getrennt wahrnimmt. Es geht halt nur entweder-oder. Entweder man trennt eine Bezeichnung in mögliche Geschlechter oder man benutzt ein Wort ohne auf Geschlecht anzuspielen. Oder sehen Sie unter „Der Wähler“ eine Gruppe von Männern? Ich sehe da eine ganz gemischte Gruppe. Und das generische Maskulinum hat keinen Einfluss darauf welches Geschlecht der Wähler hat.

          Politisches Gehör… wir wollen etwas ändern. Wenn die Bundesregierung plötzlich doch wieder Atommeiler bauen will dann werden wir dagegen rufen. Ganz natürlich. Wer still zuschaut darf sich nicht wundern wenn es dann so kommt wie andere wollen. Nur wer seine abweichende Meinung kundtut hat eine Chance gehört zu werden. Also warum muss ich ruhig sein wenn ich etwas sehe was ich als falsch empfinde?

          Das mit dem Macht wollen und andere niederschreien… das ist ein so beliebiges Argument. Im Grunde muss man doch für das einstehen was man richtig findet. Und wenn das bedeutet dass man als Partei dafür kämpfen muss und gegen Dinge die man nicht haben will sich aussprechen muss dann ist da nichts falsches dran. Niemand kann erwarten dass die Piraten ruhig bleiben wenn zB ein Schlömer Dinge verlangt die gegen die Grundlagen der Partei verstoßen. Wie sollte man das jemand vorwerfen können?

          Unter der Gürtellinie hat sowas natürlich nicht stattzufinden. Trotzdem kann niemand erwarten dass man als falsch empfundene Dinge einfach ruhig durchlaufen läßt. Klar wird sich jemand der diese falschen Dinge haben will dann aufregen. Das hat aber nichts damit zu tun dass die Piraten dann falsch wären oder etwas in der Richtung.

          Männliche Ehre schon wieder… ich kann nur hoffen Sie verstehen mittlerweile was ich meine. Wenn Sie immer noch glauben mir geht es um „männliche Ehre“ dann weiß ich auch nicht mehr weiter.

          Und ja… so wichtig ist mir der Internetminister jetzt auch nicht. Denn ich erwarte kaum dass die CDU einen fähigen Mann hat. Am Ende wird es so ein „Umweltminister“ wie wir ihn zuletzt hatten. Der Wirtschaftsinteressen voranstellt.

          Mag sein dass ich mich über ein Wort etwas sehr aufgeregt habe. Es erinnert mich nur an die unselige These von Quoten die Gleichberechtigung bringen sollen. Wodurch aber praktisch nur eine Ungerechtigkeit mit einer neuen ausgetauscht werden kann. Aufgrund eines Faktors, für den man nichts kann oder getan hat, zu bestimmen wer einen Job bekommt ist von vorn herein darauf ausgelegt Ungerechtigkeit, diesmal in die anderen Richtung, zu kreieren.

          Ich sollte solche Kleinigkeiten echt nicht so ernst nehmen zumal die meisten Piraten die Probleme dabei ja sehr wohl auch sehen. Nur bei diesen geschlechtertrennenden Begrifflichkeiten scheint mir noch kein wirkliches Bewußtsein dafür zu herrschen dass hier nicht um Gleichheit sondern um Trennung gekämpft wird damit ja auch jede Bezeichnung eines Amtes auch noch eine geschlechtliche Trennung erfährt. Und natürlich ohne dass das irgendwas an echten Gleichberechtigungsproblemen ändert. Deshalb sag ich halt dass das rhetorische Wortpupserei ist. Gedankenspiele in denen man sich verlieren kann ohne einen echten Beitrag zur Gleichberechtigung für Frauen zu leisten. Ich schätze manche Männer mit Interesse am Frauen unterdrücken finden es ganz witzig an welchen Fronten hier gekämpft wird. Solange die Frauen damit glücklich sind dass Worte geändert werden…

          Wie auch immer. Ich schätze ich änder eh nichts daran.

          Mit freundlichen Grüßen!
          Sebastian Jurk

  13. Ein eigenes Ministerium? Nein. – Internet-kompetente Politiker? Ja.

    Man muss wahrlich nicht jedes politische Thema einem eigenen Ministerium zuordnen. Viel wichtiger wäre es, die Kompetenz, gerade solch fachübergreifender Themen, bei allen Politikern zu verbessern, bzw. zu schaffen. Wenn dann auch noch das Verantwortungsbewusstsein für den Umgang mit Steuergeldern und Bürgern geschärft würde, dürfte sich manches Streitthema und manche Gesetzeslücke (fast) von selbst erledigen.

    • Marco Müller 13.11.2013 at 11:50

      Natürlich wäre es wünschenswert, „die Kompetenz, gerade solch fachübergreifender Themen, bei allen Politikern zu verbessern, bzw. zu schaffen“. Doch wie soll das gehen? Jeder Politiker wird verpflichtet zur Fortbildung in Internetfragen? Und wo fangen wir an: Bei Kommunalpolitikern, bei hauptberuflichen Politikern, auf Bundestags- oder Landtagsebene? Freiwillig hat es ja wohl bisher gar nicht gut geklappt, warum sollte sich das so plötzlich ändern? Nur weil wir denken, es wäre erforderlich? Der letzte Kanzler machte sich sogar noch lächerlich mit seiner Vorstellung von der „Datenautobahn“, die heutige Kanzlerin gilt schon als technikaffin, weil sie ständig auf ihrem Handy herumdaddelt….

      und sich dabei wie in einer Slapstickkomödie von ihren „amerikanischen Freunden“ vorführen lässt wie ein unbedarftes Kleinkind. Das wirft auf unser ganzes Volk ein sehr erbärmliches Bild.

      Nein, um diesen Politikern und vielen Menschen in unserem Land, die so selbstverständlich auf Facebook ihren Urlaub veröffentlichen, damit nur ja jeder kleine Dieb weiß, wann er in Ruhe arbeiten kann, klarzumachen, dass wir es hier mit einem Kulturschock in vielen Lebensbereichen zu tun haben, müssen wir bezahlen. Nur was Geld kostet, ist auch etwas wert und wird Politiker und sonstige Leute bewegen, sich näher damit zu befassen.

      Ministerien in unserer Politik werden schließlich immer für Themenbereiche eingerichtet, die für Staat und Gesellschaft von überragender Bedeutung sind, weil eben Arbeitsteilung ein grundlegender Bestandteil unserer Kultur seit Erfindung der Landwirtschaft ist. Wir machen unseren Job und die Ministerien kümmen sich darum, dass die Belange der für uns so wichtigen Themen nicht unter die Räder kommen, auch wenn die Effizienz und Effektivität politischer Hauptberufler zugegebenermaßen häufig sehr zu wünschen übrig lässt.

      Aber auch hier kann durch das Internet tatsächlich „auch noch das Verantwortungsbewusstsein für den Umgang mit Steuergeldern und Bürgern geschärft“ werden, durch eine Verbesserung der Transparenz, die durch die verbesserten Kommunikationsformen des Internet möglich werden und eben auch eine verbesserte Kontrolle durch den Souverän, also uns, ermöglichen.

      Wenn, ja wenn die Behörden die Auflagen und das Geld bekommen, bürgerfreundlichere Kommunikationsmethoden anzubieten, was wiederum von einer möglichst bundesweit koordinierenden Stelle aus vorgegeben und geleitet werden muss, damit nicht jedes kleine Amt macht, was es sich so vorstellt, weil sonst die Bürger über tausend unterschiedliche Schnittstellen in Kontakt treten müssen. Nichts behindert so sehr die Kommunikation wie nicht standardisierte Schnittstellen. Und was hat bundesweit mehr politisches Gewicht als ein Ministerium? Man sieht doch, was die vielen tausend Bundesämter für diverse Teilaufgaben wie Strahlensicherheit oder Pharmakontrolle sonst bewirken.

      Das Internet darf man nicht dem Zufall oder gar der Freiwilligkeit selbsternannter Eliten überlassen, Wirtschaft und Politik zeigen doch deutlich, wie erfolgreich solche freiwilligen Selbstverpflichtungen sind. Und genau das war es, was der obige Artikel ausgesagt hat, zumindest habe ich das so verstanden.

  14. Sprache ist nicht dein Ding, wie? Da ist’s drum gegangen das wir uns endlich wehren müssen

    das ist verdammt nötig:
    http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-ueber-den-weg-in-den-kontrollstaat-a-933092.html
    http://www.heise.de/newsticker/meldung/BKA-will-Cybercrime-mit-Cyberlab-und-eigener-Software-bekaempfen-2044261.html?wt_mc=sm.feed.tw.ho

    jaja ich weiß, sieht erst mal nicht nach mehr Staat aus, aber etwas ist mir bei allen Kommentaren noch nicht gesagt worden, was mir bei dem BKA-Artikel aufgefallen ist. Ein Ministerium ist öffentlicher als alle Staatssekretäre und sonstige Ämter, Schweinereien lassen sich da nicht ganz so leicht unter den Teppich kehren

    • ooops – das mit der Sprache, das hat auf den „Würmeraufstand“ gezielt, das war ja nix mit Geschlechtern

  15. du meinst bestimmt ein dediziertes InternetMS, oder?

    eine Art ZukunftsMS für Infrastruktur wie bereits erwähnt halte ich auch für notwendig, wenn auch in der momentanen Lage für wenig wahrscheinlich.

    Gruß,
    Toto

  16. Sorry, ich muß dem Ausgansposting und auch den (zum Glück wenigen) Antworten pro Ministerium widersprechen: Ich hoffe nicht das es zu einem entsprechendes Ministerium kommt. Ich möchte das auch begründen:Alle Kompetenzproblem welche die Politik mit dem Internet gehabt hat haben glücklicherweise dazu geführt das die Knebelungen und Horrorszenarien mit denen die Politik das Internet gefügig machen wollte zum Glück weitgehend ohne Ergebnis für die Funktion des Internets geblieben ist.

    Es glaubt doch Keiner ernsthaft das ein entsprechendes Ministerium ein Segen für die Innovation, Freiheit der einzelnen User gegründet werden soll?

    Es geht um Kontrolle, Meinungshoheit und die dazu notwendige Abschottung des Internets (Der für seine technische Innovationsfeindlichkeit bekannte Gilb-Nachfolger Telekom schlägt das ja vor). Jetzt soll via Internet-Ministerium koordiniert gegen “Neuland” vorgegangen werden. Das wirklich bisher einzige wirkungsvolle Mittel, welches das Internet (und damit meine ich mehr als nur das WWW) in Deutschland vor der Politik geschützt hat ist die fehlende Kompetenz und Koordination der einzelnen und zerstreuten Fach- und Stabsabteilungen im politischen Machtapparat. Wenn diese jetzt in einem Ministerium gebündelt und aufgebaut werden soll droht das von der Telekom besetzte Schlandnetz, mit Stoppschildern wie der Aufweichung von Verschlüsselung, DE-Mail Zwang, TOR-Meldepflicht als auch Verdrängung von Hostern und Inhalteanbietern und den beliebigen, feuchten Verbotsfantasien der Politik.

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  1. WordPress, Internetministerium, Designpreis, Weihnachtsclip und Kreativität im Blogsheet Blog Blick | Bloggen - 11.11.2013

    […] Nico Lumma hat auf seinem Blog namens Lummaland einen Artikel der FAZ zum Anlass genommen, die Frage zu erörtern, ob wir ein Internetministerium benötigen oder nicht. Angesichts der anhaltenden rechtlichen Unsicherheiten seitens der Internetuser und uns Bloggern, finde ich diese Frage recht interessant. Hier gehts zum Blogartikel: Natürlich brauchen wir eine Internetministerin! […]

  2. Netzökonomie: Über den blinden Fleck der “Netzgemeinde” | Ich sag mal - 11.11.2013

    […] Brauchen wir für die digitale Transformation ein Internet-Ministerium? […]