Willy Brandt. 100 Jahre.

Nico —  18.12.2013

willymandolineWilly Brandt kam aus Lübeck, so wie meine Mutter auch, mein Vater ging in Lübeck zur Schule und begann dort seine politische Karriere. Das hat sicherlich dazu beigetragen, dass bei uns Zuhause Willy Brandt zu Lebzeiten ziemlich verehrt wurde, zumal er in meiner Kindheit als Parteivorsitzender der SPD einer der prägendsten Politiker des Landes war. Ich weiss noch, wie es mich als kleinen Jungen immer beeindruckt hatte, auf Plakaten und Autogrammkarten die seltsam anmutende Unterschrift von Willy Brandt zu sehen, die ich rein gar nicht entziffern konnte. Da ich meine Kindheit zu großen Teilen im SPD Kreisbüro in Mölln verbrachte, gehörten die politischen Plakate der Zeit, die Buttons und die Aufkleber zu meiner natürlichen Spiel-Umgebung. Willy Brandt war da sehr präsent. Willy Brandt war unerreicht und stellte eine Projektionsfläche für Genossinnen und Genossen dar, die sich eine bessere und gerechtere Welt wünschten. Natürlich ist in der Rückschau einiges verklärt und idolisiert, genauso wie es für jede politische Lebenslage mindestens ein Willy Brandt Zitat gibt, ähnlich wie in der Beziehung der USA zu JFK übrigens.

Ich verbinde mit Willy Brandt drei Dinge.

Erstens den Kniefall in Warschau, bei dem ich ich jedes Mal wieder Rotz und Wasser heule, wenn ich davon alte Aufnahmen sehe. So stark und wichtig finde ich diese Geste.

Zweitens das Poster mit Willy Brandt im Jeanshemd mit Fluppe im Mund und Mandoline im Arm. Mit diesem Bild verbinde ich immer noch die Hoffnung auf ein lässigeres, unverkrampfteres Deutschland. Das Plakat hing in unser WG-Küche während meines Studiums in Göttingen.

Drittens werde ich nie vergessen, wie stolz meine Mutter nach einem Bundesparteitag in den 80ern nach Hause kam und freudig berichtete, dass sie mit Willy Brandt geredet hatte. Er hatte zu ihr „Na, mien Deern?“ gesagt, schon das reichte aus, um bei meiner Mutter ein Gefühl der Glücksseeligkeit zu verbreiten, ein derartiger Übervater war er damals für viele in der SPD.

Willy Brandt, unerreicht.

3 responses to Willy Brandt. 100 Jahre.

  1. Auch Jürgen Klopp hat gratuliert: „Ein geiler Typ, aber dass er damals in Warschau so leicht gefallen ist, hätte nicht sein müssen. Es fand keinerlei Berührung statt, Scheel und Bahr standen gar nicht direkt am Mann. Ein Geschmäckle bleibt. Trotzdem Käppi ab, der Junge hat abgeliefert ohne Ende!“ (aus Titanic)

  2. Ich habe einmal Willy Brandt als kleiner Junge in Dortmund getroffen – und Ihm die Hand geschüttelt. Mein Vater hat sich mit Brandt unterhalten. Wir waren sehr beeindruckt und sind „Fans“ von ihm geworden, obwohl ich aus einem stockkonservativen Elternhaus bin …

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  1. Muss ich jetzt auch noch was sagen? | …wie wir hier sagen! - 18.12.2013

    […] und alle alle schreiben über den Übervater und seine herausragende Rolle für eigentlich alles, Nico Lumma erinnert sich seiner sozialdemokratischen Herkunft und auch sonst findet da einiges an Verklärung statt. Ich mag ja diese Sozi-Folklore und ich bin […]