Die Sache mit der 32-Stunden-Woche

Nico —  10.01.2014

Manuela Schwesig, Mutter und Ministerin, hat einen interessanten Vorstoß gemacht. Sie hat gefordert, dass Eltern mit kleinen Kindern Vollzeit mit 32 Wochenstunden arbeiten können sollten.

Die Reaktion aus der Wirtschaft und von der Union war wie erwartet.
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Das bedeutet also, dass Manuela Schwesig auf dem richtigen Weg ist, wenn die üblichen Verdächtigen getroffen aufheulen.

Lasst uns mal ganz kurz innehalten mit all den Herausforderungen, die man so sieht, wenn man an 32 Stunden Arbeit denkt, die dann auch noch Vollzeit bezahlt werden sollen. Sondern lasst uns mal ganz kurz überlegen, wie das Leben mit kleinen Kindern so ist. Ich habe da auch ein klein wenig Erfahrung. Für Eltern mit kleinen Kindern gilt es, die Woche möglichst gut organisiert zu bekommen und darauf zu hoffen, dass nichts unerwartetes passiert, was alles über den Haufen wirft. Flexibilität wird groß geschrieben, sorgt aber für einen ziemlichen Husarenritt durch die Woche. Aber es gibt doch die Kinderbetreuung, werden jetzt viele denken, was soll denn das mit den 32 Stunden noch? Es gibt die Kinderbetreuung, aber es gibt eben auch Zeit, die man mit den Kindern verbringen will, es gibt die Zeit, die man benötigt, um mit den Kindern zu Nachmittagsterminen zu fahren, es gibt auch Zeit, die man für Besorgungen benötigt. Es gibt die berühmten Aufführungen, Elterngespräche und Verabredungen mit anderen Kindern, all das müssen die Eltern irgendwie organisieren, das schafft keine Betreuungseinrichtung und dafür ist diese auch nicht da.

Nun kann man entweder mit dem Arbeitgeber verhandeln und darauf hinweisen, dass flexible Arbeitszeiten nicht nur bedeuten, dass man mal länger macht, wenn es darauf ankommt, sondern auch, dass man den Start in den Arbeitstag und auch die Beendigung flexibel gestaltet und auch mal früher geht, um dann an einem anderen Tag länger zu bleiben. Wer das aber nicht kann, der hat kaum eine Möglichkeit, aus dem Hamsterrad Familie & Beruf kurz zu entfliehen, als sich krank zu melden oder Urlaubstage zu nehmen. Das halte ich für nicht so förderlich für die tägliche Motivation, ganz zu schweigen von der Produktivität.

Dann ist es doch besser, mal darüber nachzudenken, wie eine gesetzliche Regelung aussehen kann, die Eltern mit kleinen Kindern entlastet, die ihnen die Sorge nimmt, dass die eigene Karriereplanung durch Kinder komplett über den Haufen geworfen wird, die es ihnen erleichtert, durch die Woche zu kommen. Dabei muss man natürlich bedenken, dass insbesondere kleinere Unternehmen vor besonderen Herausforderungen stehen, wenn Mitarbeiter weniger arbeiten wollen, es aber nicht möglich ist, diese wegfallende Arbeit durch die Schaffung neuer Stellen zu kompensieren. Auch bei der Elternzeit gab es erst viel Gemotze, dass das die Wirtschaft schädigt, aber nun stellen wir fest, dass es immer normaler wird und die Wirtschaft auch trotz Elternzeit weiterhin wächst. Das Tolle am kapitalistischen System ist ja übrigens, dass es einen vorgegebenen Rahmen nutzen kann und wird, es muss nur klar sein, wie der Rahmen aussieht. Dieser Rahmen wird sich natürlich verändern und darauf müssen sich Unternehmen einstellen können, das ist eine unternehmerische Herausforderung wie viele andere auch.

Ich habe als Vollzeit arbeitender Vater immer das Gefühl gehabt, nicht genug für die Familie da sein zu können und wenn ich mir die Zeit organisiert habe, hatte ich immer das schlechte Gewissen, nicht genug für die Firma da sein zu können. Wenn man dieses Dilemma mit einer 32-Stunden Woche ändern kann, dann wird vielen Familien geholfen sein, und das wird nicht zu Lasten der Produktivität gehen in diesem Land, ganz im Gegenteil.

Ach und noch was. Ja, früher ging es ja irgendwie auch und wir sind auch alle ganz prächtig geraten. Ja, früher hatten wir auch einen Kaiser, das interessiert mich überhaupt nicht. Wir haben in Deutschland eine beschissene Geburtenrate und sollten alles dafür tun, dass dieses Land Familienfreundlicher wird.

6 responses to Die Sache mit der 32-Stunden-Woche

  1. Ich habe mir mal erlaubt etwas zu zitieren, wenn dies auch nicht in die gleiche Kerbe haut, wie die 32-Stunden-Woche. Oder vielleicht doch?
    Familie und Beruf müssen vereinbar sein, für Frauen und für Männer. Aber ich glaube, dass da etwas in Bewegung kommt und sich ganz langsam – Schritt für Schritt – seinen Weg bahnt.

    Also, das Zitat
    „Die schwedische Familienpolitik zielt darauf ab, Geschlechtergerechtigkeit zu fördern, indem sie Frauen und Männer dabei unterstützt, sich aus überkommenen Rollenmustern zu lösen. Vor allem soll verhindert werden, dass Frauen durch die Geburt eines Kindes vom Berufsleben ausgeschlossen und durch die daraus erwachsende Fürsorgearbeit benachteiligt werden. Gleichzeitig soll es Vätern erleichtert werden, sich für mehr Zeit mit der Familie zu entscheiden.“
    (http://www.berlin-institut.org/newsletter/Ausgabe_26_01_2011.html.html)

    Ich finde das ein tolles Modell, eine tolle Idee und auch durchsetzbar.

  2. André Kaudel 13.01.2014 at 9:13

    Hallo Nico,
    ich finde den Vorstoß von Manuela zwar gewagt, aber im Hinblick auf die derzeitigen Familiensituationen gut und wichtig. Wir müssen unbedingt mehr für Familien tun, insbesondere Familien mit kleinen Kindern. Ich spreche aus Erfahrung, da ich selbst eine kleine Tochter habe, die ich kaum sehe und kaum Zeit mit Ihr verbringen kann. Nun ist es zwar so, dass ich einer der Glücklichen mit Gleitzeit bin, dennoch bei meinem Arbeitspensum kaum was abspecken kann, da besagte Stunden sonst nicht nachzuholen sind… Ich verdeutliche das mal. Ich bin leitender Angestellter und arbeite 44 Std. die Woche, da trotz meiner leitenden Funktion ich keinen Akademiker-Titel habe, also dementsprechend nur die Hälfte dessen bekomme, was derjenige bekommt der studiert hat, ich neben meinem Beruf noch zwei Nebenjobs ausführe. Da bleibt auch kein Samstag ohne Arbeit, das bedeutet ich habe lediglich den Sonntag, den ich familiär verbringen kann und das ist schlicht zum kotzen! Weiterbildung ist auch nicht drin, da meine Minusstunden mich auffressen, da ich viele Kind-Termine habe (Arztbesuche etc). Nebenbei studiert meine Frau und hat ebenfalls zwei Nebenjobs und da fällt der Sonntag meist dem lernen zum opfer, sodass wir eigentlich gar nicht wissen, wann wir überhaupt noch Zeit mit unserem Kind haben. Klar, Großltern, KiTa und Verwandte sind da eine große Hilfe, doch wenn man das eigene Kind weniger sieht als die Großeltern es sehen, da reibt das einen auf… Das Manuela dafür fast gesteinigt wurde geht mir gegen den Strich, denn sie ist die einzige, die das Problem anpacken will! Es zählt hier einfach nur das, das man mit seinem Kind Zeit verbringen kann. Um nicht mehr und nicht weniger und dennoch ist es für die Kinder und die Eltern so sehr wichtig…

    poor Germany

  3. Ich finde den vorstoß durchaus gut. selbst hab ich derzeit auf 32 Stunden reduziert, ummehr Zeit für die Familie zu haben und bei der Betreuung besser mitzuhelfen. Allerdings war die Betreuung bei uns in der Kitazeit mit den entspannten Zeiten zum Bringen und Abholen weniger schwierig als mit dem Beginn der Schule und den damit einhergehenden Verabredungen und Sportkursen, die die Kleinen noch nicht allein realisieren können.

  4. Die ganze Diskussion um die 32 Stunden Woche ist aus meiner Sicht nur der Anfang. Letztlich geht es, um die Diskussion, in welcher Gesellschaft wir in Zukunft leben wollen.

    Erst einmal führt eine 32 Stunden Woche bei vollem Lohnausgleich zu höherem Einkommen pro Stunde für Familien – das ist absolut richtig.

    Zusätzlich ermöglich es Eltern sich noch besser um ihren Nachwuchs zu kümmern – was noch viel wichtiger für die Gesellschaft ist.

    Jetzt müssen nur noch die Löhne insgesamt steigen und mit der Gesellschaft geht es weiter aufwärts.

  5. Merida Mamoru 26.01.2014 at 15:28

    Hallo Nico
    habe eben nach „geburtenrate deutschland“ gegoogelt, und staunte nicht schlecht, dass mir Google gleich eine Chart präsentierte. Der Stand von 2011 liegt bei 1,36 Geburten pro Frau. Damit hat Deutschland die niedrigste Geburtenrate in der gesamten EU. Habe mal etwas davon gelesen, dass auf 1000 Einwohner in der BRD nur 8,4 Geburten kommen. (zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt liegt bei 10,4 Geburten). Daher empfinde ich den Vorschlag von Manuela Schwesig ebenfalls als nützlich.

    LG, Merida

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