Die Sache mit Silicon Valley und Europa

Nico —  14.03.2014

Helft mir mal beim Denken, bitte. Ich formuliere mal drauf los und hoffe, dass aus meinen noch nicht ansatzweise zu Ende gedachten Gedankengängen vielleicht etwas entsteht, auf dem man aufbauen kann.

Die Bilder der letzten Woche könnten unterschiedlicher nicht sein. Ziemlich zeitgleich fand in Austin die SXSW statt, während in Hannover die CeBIT die Besucher anlockte. Ich war bei keiner der Veranstaltungen, aber natürlich wäre ich lieber in Austin gewesen, als mir in Hannover unzählige Hallen vollgestopft mit Vertrieblern in schlecht sitzenden Anzügen mit fiesen Krawatten anzugucken. Ja, ich weiss, die CeBIT bemüht sich gerade wirklich und will den Anschluß wieder herstellen, das ist mir alles klar. Aber dennoch war sehr deutlich, wo die Musik spielt und wo vor allem die relevanten Internet-Unternehmen präsent sind: in Austin.

Die Bilder haben bei mir dazu geführt, dass ich noch mehr als sonst über das Verhältnis USA und Europa nachgedacht habe im Kontext der wirtschaftlichen Komponente der Digitalisierung. Wir wissen alle, dass im Silicon Valley die Musik spielt. Dort sind die relevanten Internetfirmen nicht nur zu Hause, sondern dort ist auch das Geld vorhanden, um neue Startups schnell groß zu machen. Natürlich ist dort auch ein Überangebot an Talent versammelt, vielleicht so wie es für die Filmschaffenden Hollywood ist oder für die Musikbranche New York City oder LA. Musik ist ein gutes Stichwort, nicht nur wegen „if you can make it here, you can make it everywhere“, was natürlich auf New York City bezogen war, sondern auch, weil es das Dilemma widerspiegelt, in dem sich die europäischen Internet-Startups befinden. Wenn ich mal deutlich vereinfache, dann sehe ich starke Parallelen zwischen den Internet-Startups und der Musikbranche in den 50er/60er-Jahren. Die wesentlichen Impulse, wenn man mal von der British Invasion mit den Beatles, den Rolling Stones und ein paar anderen absieht, kamen aus den USA. Elvis Presley, die Beach Boys, The Doors, Jimi Hendrix und viele andere, brachten das Establishment durcheinander und fanden genügend Konsumenten, die ihre Musik hören wollten. Gleichzeitig gab es in Deutschland seit den 50er Jahren immer wieder Nr. 1 Hits, die lediglich eine deutschsprachige Variante eines amerikanischen Hits darstellten. Sicher, auch Freddy Quinn hatte mal einen Auftritt in der Late Night Show von Johnny Carson und Jahre später hatte Nena mal einen Nr. 1 Hit in den USA und Kraftwerk oder Rammstein sind quasi das Pendant zu SAP, aber worauf ich hinaus will ist folgendes: die Popkultur ist dominiert von den USA, egal ob wir jetzt von Musik oder Internetfirmen reden. Wenn man so will, hat das Nachahmen eine gewisse Tradition und ist von der Musik zur Internetbranche rübergeschwappt.

Das hat natürlich Auswirkungen und macht es bei globalen Märkten schwierig, direkt zu konkurrieren, weil die Größe des amerikanischen Heimatmarktes ganz andere Entwicklungen ermöglicht, als der vergleichsweise kleine deutsche Markt. Dennoch blickt die deutsche Internetbranche stets in Richtung Silicon Valley, als sei es das gelobte Land, in dem Milch und Honig fliessen. Es werden Reisen für Gründer organisiert, damit sie mal die Luft im Silicon Valley schnuppern können, als sei es die moderne Adaption von Disneyland und es gibt den German Silicon Valley Accelerator (GSVA), damit deutsche Startups mal für ein paar Monate im Silicon Valley arbeiten können. Der damit verbundene Erkenntnisgewinn ist immer derselbe: im Silicon Valley ist mehr Geld, die enge Vernetzung für unzählige Kooperationen, der Konkurrenzdruck ist riesig, Deutschland ist weit weg und spielt keine Rolle, die Kosten sind enorm und die Risikobereitschaft aller Beteiligten um ein Vielfaches höher.

Was ist bislang die Reaktion auf diese Marktsituation? Die Branche fällt hintenüber vor Freude, sobald ein amerikanischer Investor in Deutschland investiert. Ansonsten fokussieren sich alle auf eCommerce und Advertising, weil die dahinterliegenden Monetarisierungsmodelle bekannt sind und der Markt verstehbar ist. Ein Proof-of-Concept in den USA ist für deutsche Risikokapitalgeber immer noch die beste Versicherung, dass das Geld gut angelegt ist. So entstehen unzählige Firmen, die irgendwas in eine Box packen und dies verschicken, oder die rechtzeitig vor dem Markteintritt einer amerikanischen Firma versuchen, sich in Deutschland so weit auszubreiten, dass der Markteintritt wenigstens teuer für die amerikanische Firma wird, weil er nur durch eine Übernahme gelingen kann. Technologisch Innovative Firmen, die neue Geschäftsideen umsetzen, haben es vergleichsweise schwer in Deutschland und sind natürlich einer globalen Konkurrenz ausgesetzt, wobei sie allein schon durch die unterschiedliche Investitionshöhe leicht ins Hintertreffen geraten. Mir geht es jetzt überhaupt nicht darum, den eCommerce zu diskreditieren, in keinster Weise und ich finde es auch interessant, wie Rocket Internet und andere diese Modelle wiederum exportieren in andere Märkte, aber ich sehe eben auch, dass seit der Etablierung der MP3 kaum technische Innovation aus Deutschland den Weg in den Massenmarkt gefunden hat.

Gleichzeitig haben wir diese wundervolle Errungenschaft, die sich Europäische Union nennt und einen riesigen Binnenmarkt mitbringt. Nur leider nutzen wir diesen Markt kaum, was sicherlich auch an der Zerklüftung des Marktes und den unterschiedlichsten Herausforderungen in den einzelnen Ländern liegt. Im Vergleich mit den USA stehen wir allerdings in der Größe des Marktes gut da und müssten daher daran arbeiten, die Vorteile dieses Binnenmarktes stärker zu nutzen, um eine eigenständigere Entwicklung der Internetbranche zu ermöglichen. Dabei geht es mir nicht um Protektionismus oder ein europäisches Internet, sondern primär darum, dass wir in Europa uns beim Zukunftsmarkt der digitalen Wirtschaft mehr als bislang auf die eigenen Stärken konzentrieren. Also beispielsweise anstatt junge Unternehmer ins Silicon Valley zu schicken, würde ich eher Verbindungsbüros in den wichtigsten europäischen Märkten etablieren, um das pan-europäische Business Development zu erleichtern. Parallel dazu würde ich die bereits vorhandenen EU-Fördergelder nicht mehr einsetzen, um ein Internet-Firmen in einer Region zu fördern, sondern um deren pan-europäische Entwicklung zu beschleunigen.

Aber zu allererst müssen wir wohl daran arbeiten, dass sich das Mindset verändert und wir mehr über die Vorteile von Europa reden und weniger über die Verheissungen des Silicon Valley.

11 responses to Die Sache mit Silicon Valley und Europa

  1. Finde ich gut, vor allem Deinen Verweis auf die Popkultur. Welche Ansätze ließen sich daraus entwickeln?
    1. Die Vielfalt der europäischen Kultur schätzen lernen und Menschen ermöglichen, sie zu erleben (as opposed to Einwanderungsdebatte), und ich gehe soweit, dazu auch den gesamten Mittelmeerraum zu zählen, selbst wenn das aktuell eher Anlass zur Depression gibt.

    Generell aber haben wir in Europa durch unsere sprachliche Vielfalt und die Verbindungen in die nicht-englischsprachigen Länder eine gute Basis.

    2. Die Möglichkeiten des Webs popularisieren, durchaus kritisch, aber auch zuversichtlich. re:publica halt.

    3. Das Populäre digitalisieren, was im Falle von Deutschland vor allem die Industrie ist. Nicht zufällig gehen die US start-ups derzeit auch in Richtung Hardware (Tesla, Nest)

  2. Abgesehen von einigen – zugegebenermaßen überschaubaren – Lichtblicken bei der CeBIT 2014 (hier ist vor allem die Code_N zu nennen), hat Hannover in den letzten Jahren ganz offensichtlich an Strahlkraft eingebüßt. Dennoch bleibt festzuhalten, dass sie als Fachmesse (und nicht Festival), die sie nun mal ist, immer noch sehr, sehr viele Menschen an einen Ort bringt, die mit digitalen Technologien ihr Geld verdienen. Dieser Punkt kommt mir beim allgemeinen CeBIT-Bashing immer mal zu kurz. Klar, die SXSW ist cooler. Silicon Valley klingt auch irgendwie sexy – trotz der vielen Jahre, die dort schon Ideen gehypt und anschließend wahlweise die Welt erobert haben oder zu Grabe getragen wurden. Mit dem Alter hat das also offenbar wenig zu tun, sondern – und da bin ich völlig bei dir – mit der Struktur und dem Ökosystem. Ich bin auch der Meinung, dass wir eine bessere europäische Vernetzung haben, denn die Ideen hier sind nicht schlechter als in Übersee. Ich habe auch hier viele StartUps kommen und gehen sehen. Das Traurige daran: Es fehlte lediglich an Geld, um eine wirklich gute Idee groß und bekannt zu machen. Dieses Problem hält sich hartnäckig und jeder Gründer, der was auf sich hält, schielt irgendwann Richtung Sunny California, um an die Fleischtöpfe zu gelangen. Dabei ist in Europa doch auch genug Geld unterwegs…

    Solange sich deutsche Verbände, Organisationen und Zusammenschlüsse immer wieder zunächst mit den Gesetzgebern und Rahmenbedingungen im eigenen Land herumplagen müssen und anders kann man das wohl wirklich nicht bezeichnen, wird diese europäische Perspektive fehlen. Zugleich schaffen es die großen Konferenzen wie LeWeb, The Next Web, Dublin/London Web Summit oder auch die Next nicht, einen europäischen Fokus zu etablieren. Startups, Ideen und Köpfe aus Europa stehen auch hier hinter Sprechern und Unternehmen aus den USA (aka Silicon Valley) zurück. Warum? (Und jetzt wird es echt bescheuert…:) Meine These: Weil sie dem Publikum etwas bieten wollen, was sie wegen der CeBIT in Austin verpasst haben könnten… Niemand scheint auf die Idee zu kommen, dass Coolness auch europäisch sein könnte. Schade eigentlich!

  3. Mich beschäftigt diesbezüglich noch ein anderer Aspekt, den Florian Heinemann (ex Rocket/Zalando, jetzt Projekt A) kürzlich auf einer Konferenz ins Spiel gebracht hat: Wir unterstellen immer so selbstverständlich, dass wir als deutscher/europäischer Markt den USA notwendigerweise hinterherlaufen müssen, weil die ja so sensationell bessere Bedingungen haben, einheitlicher grosser Markt, Kapital, Innovationsbereitschaft usw. – du machst das ja oben auch. Doch warum schaffen wir es dann z.B. im Maschinenbau oder in zahlreichen anderen Gebieten des deutschen Mittelstandes reihenweise Weltmarktführer hervorzubringen, die die Amis alt aussehen lassen? Sind da bessere Kapitalbedingungen? Oder ist es vielleicht so, dass wir als digitale Industrie es einfach nicht raffen so wie unsere Mittelstandskollegen nachhaltig gute Geschäftsmodelle aufzubauen, die nicht auf schnellen Verkauf und irgendwas US-artiges aus sind? Jedenfalls scheint mir die These der ’natürlichen Überlegenheit‘ der Innovationen aus dem US-Markt – gerade was Technologie anbelangt – eigentlich nicht haltbar, das Problem muss anderswo liegen.

  4. Das European Valley wird’s nur geben , wenn sich Europa als ein Land begreift und Identitäten nicht mehr national dominiert sind. Also, Strukturen und Mentalitäten verändern, nur noch ein Paß, eine supranationale Regierung, einen supranationalen Etat. Erst dann könnten solche Ideen greifen.

  5. Ich glaube auch, dass wir in Europa durchaus die Chancen haben und weitaus unabhängier vom Silicon Valley oder anderen USA dominerten Dingen zu machen. Dafür müssen aus meiner Sicht jedoch mehrere Dinge zusammen kommen:

    1. Eine wirkliche einheitliche EU, mit eventuellen Ausnahmen je Land für gewisse Bereiche.
    2. Eine wirkliche Förderkultur für neue Ideen/Start-Ups etc. Wer sich die Vergabe der heutigen Fördergelder anschaut stellt schnell fest, dass allein um solche zu bekommen soviel Zeit aufgwendet werden muss, dass in Amerika schon fast jemand mit dem Projekt fertig ist.
    3. Eine supranationale Regierung? Das halte ich für den vollkommen falschen Weg. Das Silicon Valley in den USA ist nicht so herausragend weil die amerikanische Regierung so einen guten Job macht, sondern weil die „Landesregierung“ in Kalifornien alle Grundlagen dafür geschaffen hat. Größer ist nicht immer besser. Da selbst die „Landesregierung“ in Kalifornien den Unternehmern im Silicon Valley nicht mehr gerecht wird, zeigt sich auch daran, dass es ja die Bestrebungen gibt, Kalifornien in 6 Bundesstaaten aufzuteilen und das Silicon Valley mit einer eigenen Regierung, welche hauptsächlich die Rahmenbedingungen für die Unternehmen in diesem Bereich schaffen soll, zu gründen.
    4. Was wir in jedem Fall brauchen ist einen Datenschutz der mehr auf die Menschen achtet. Ich halte unsere Vorstösse beim Datenschutz für sinnvoll, jedoch sind diese immer von oben herab. So legt der Datenschutz fest, was er glaubt, was ich möchte. Wir brauchen einen stärker an den Menschen ausgerichteten Datenschutz, der nicht verbietet, sondern Lösungen schafft, die tragfähig sind.
    5. Wir müssen uns ähnlich wie im Silicon Valley überlegen, wie wir das Risiko für neue Ideen und Unternehmensgründungen senken. Das klingt vielleicht blöd, „potentielle“ Risiken einer Firmenpleite gehen zu Lasten der Allgemeinheit, aber so läuft es nun mal auch im Silicon Valley. Dort kann ich als Unternehmer mehr riskieren, weil ich dann eben nicht für 7 Jahre im Rad der Insolvenz gefangen bin.

  6. Manchmal zweifle ich daran, dass es in Europa überhaupt nennenswerte Vorteile im Bezug auf die Gründung im Internetbereich gibt.

    Ich fand diesen Artikel recht einleuchtend: http://berlinstartupacademy.com/blog/civilizatio Die „Zivilisiertheit“ Europas und starke Staaten, die als Problemlöser auftreten, reduzieren bei uns schlicht das Potenzial und auch den Bedarf disruptiver Startups und schwächen dadurch das Ökosystem.
    http://berlinstartupacademy.com/blog/civilizatio

    Die Fragmentierung und Nationalstaaterei mit tausend Sprachen verkompliziert die Lage noch. Ich sehe das wie mituerkmtuerk.

    Was nicht heißt, dass nicht einzelne lokale Hubs der Branche ordentlich einheizen werden. Aber der Traum von „einem Europa“, das als gemeinsamer Internetwirtschaftsraum auftritt und unter diesem Label mächtige Innovationen hervorbringt, wird meines Erachtens nach erst einmal nur ein Traum bleiben. So sehr ich es mir anders wünsche.

  7. Mitgedacht bei: “Die Sache mit Silicon Valley und Europa”. Werde mal dem Aufruf von Nico folgen und einige Punkte ergänzen: http://www.andreasgebhard.net/?p=679

  8. „Oder ist es vielleicht so, dass wir als digitale Industrie es einfach nicht raffen so wie unsere Mittelstandskollegen nachhaltig gute Geschäftsmodelle aufzubauen, die nicht auf schnellen Verkauf und irgendwas US-artiges aus sind?“ (Stephan Noller)

    Da ist einiges dran. Es wurde schon viel über den ständigen Blick „über den Teich“ und die scheinbar natürliche Überlegenheit der USA im digitalen Bereich geschrieben. Dieser, oft neidvolle, Blick gilt dabei nicht nur der Technologie, sondern verstärkt der Finanzierungslandschaft. Ich bekomme einiges mit von der Start-Up Szene in Köln, und dabei beschleicht mich oft das Gefühl, dass alle auf der angestrengten Suche nach dem „Next Big Thing“ sind. Schon die verbreitete Definition des Begriffs „Start-Up“ lässt im Grunde keine andere Strategie zu – innovativ müssen sie sein, und „skalierbar“, am besten schnell. Da wird dann fleissig an scheinbar neuen Modellen entwickelt, und seien es nur Kopie bereits vorhandener Angebote und es wird dauernd auf VC Geld geschielt.

    Die „Kollegen aus dem Mittelstand“ machen das anders. Dort wird eben nicht der schnelle Erfolg gesucht, sondern der nachhaltige. Ziel dieser Unternehmer ist es (meistens), den Erhalt des Unternehmens langfristig zu sichern, und nicht, nach fünf Jahren mit einem dicken Scheck in eine Art Zwischenrente zu gehen und nach sechs Monaten als Business Angel wieder aufzuerstehen, um anderen „jungen wilden“ finanziell unter die Arme zu greifen und da nächste Ding mit zu nehmen. Und ein guter Mittelständler baut auch mehr auf Eigen- als auf Fremdfinanzierung. Und wenn schon Fremd, dann über die Hausbank (schwierig genug), oder über strategische Partner, die nicht den Exit nach ein paar Jahren planen.

    Solange die Mentalität der Start-Up Gründer sich nichts ändert, wird sich an dem Dilemma nichts ändern. Vielleicht können ja aus dieser Diskussion neue Geschäftsmodelle für mittelständische Unternehmen entstehen – Nachhaltigkeitsseminare und -workshops für die digitale Wirtschaft ;-). (wobei ich den Begriff „Nachhaltigkeit“ eigentlich gar nicht so sehr mag, mir fiel aber kein passender Ersatz ein)

    Ich kann mich auch den Ausführungen von mituerkmtuerk anschließen. Ein politisch vereintes Europa wäre sicher ein stärkerer Wettbewerber. Aber das wird wohl noch lange eine Illusion bleiben und somit werden wir auch noch lange mit dem fragmentierten Standort „Europa“ umgehen müssen.

  9. Wichtig ist wahrscheinlich auch die Zugangsbedingungen zum europäischen Markt gerade für digitale Produkte zu vereinfachen bzw. zu harmonisieren.
    Man brächte gemeinsame Datenschutzrechte, Urheberrechte usw. in ganz Europa, zentrale Anlaufstellen, Rechtssicherheit, usw.
    Wenn man ein Produkt in zig Staate wieder ganz neu auf den Markt bringen muss und zig Rechtssysteme im beachten muss, ist der Markt plötzlich wieder ganz klein.

  10. Den europäischen Binnenmarkt halte ich gerade im Internet für zu schwach ausgeprägt und Nico, du sagst es selbst: So interessant die Idee ist, aber wenn es „Verbindungsbüros in den wichtigsten europäischen Märkten“ braucht, kann es mit dem Binnenmarkt nicht weit her sein. (Zumal Binnenmarkt USA eben auch heißt, Multiplikatoren wie die „Oprah Winfrey Show“ mit 10+ Mio.-Publikum und eine Reihe kaufkräftiger, direkt konkurrierender Akquisiteure wie Yahoo, Google, eBay, Facebook zu haben.)

    Ebenfalls für einen Mythos halte ich das Potential des „digitalen Mittelstands“, den es doch seit Jahrzehnten, und gerade in Deutschland, gibt. Das ist schon ein Ergebnis von viel ehrlicher Arbeit, aber nützt wenig, wenn die Regeln woanders gemacht werden – Stichwort: „und da dann kam einer, der wusste das nicht und hat es trotzdem gemacht.“
    Vor 10, erst recht vor 15 Jahren, waren amerikanische Unternehmen im Mobilfunkbereich nicht einmal auf der Ersatzbank. Die Lösung? Man hat die Spielregeln neu definiert und sich auf Software statt Devices eingeschossen und nun steht im Jahr 2014 selbst Microsoft mobil besser da als Siemens, Ericsson oder Nokia. Oder MP3: so schön das als Beispiel für Innovation ist, aber in der Anwendung ist 99 von 100 Leuten mit einem iPod mehr geholfen, und den hat Fraunhofer nicht entwickelt, sondern Apple in den USA, wo dann auch geschätzt 99 von 100 mit MP3 umgesetzten Euros bleiben. Und solange die Amerikaner derart in ihrer eigenen Liga spielen, bietet ein Engagement auf europäischen Märkten wenig langfristige Perspektiven. (Ausgenommen ausgerechnet der E-Commerce, go figure…)

    Den Musikvergleich finde ich sehr anschaulich. Aus meiner Sicht mit der Konsequenz: Es braucht in Deutschland mehr Rammstein (= handwerklich gut gemacht, mit Sinn für Show auf internationalem Niveau, und einem unverwechselbarem Profil) und weniger DSDS unter den Startups.

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  1. Suffar - 15.03.2014

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