Die Sache mit der Fußballweltmeisterschaft

Der Ausnahmezustand ist vorbei. Deutschland hat eine souveräne Weltmeisterschaft gespielt und ist verdient Weltmeister geworden. Das sage ich völlig unvereingenommen. Ich bin immer noch ganz angetan von dieser Mannschaftsleistung, in der es wirklich das Team der Star war, eine vielbemühte Floskel, die dieses Mal durchaus wirklich zutraf.

Aber es ist schon merkwürdig, so ohne Fußball am Abend. Sicher, die öffentlich-rechtliche Vor- und Nachbereitung hatte oftmals geringeren Nachrichtenwert als die Zeitansage und Katrin Müller-Hohenstein hat sich schon mal Boulevard-Sendungen bei Privatsendern empfohlen, aber es ist schon gewöhnungsbedürftig, dass jetzt wirklich erst einmal kein Fußball im Fernsehen mehr kommt. Ich habe gestern Abend auch widerstandslos die Glotze wieder in die Hände meiner Familie gelegt, sinnbildlich jedenfalls. Für die Zeitdauer der Weltmeisterschaft galt ein gewisser Anachronismus auf Zeit, der Mann, das kurzzeitig geduldete Familienoberhaupt, durfte widerspruchslos bestimmen, was es abends im Fernsehen gab. 18 Uhr, 21 Uhr, 24 Uhr, völlig egal, es wurde Fußball geguckt, die Paarungen waren nebensächlich. Sogar Bier und Chips durfte ich zu mir nehmen, ohne dass zu sehr die körperlichen Begleiterscheinungen zu sehr thematisiert wurden. Damit ist es jetzt vorbei und ich muss mich wieder unterordnen, was bedeutet, dass ich maximal eine Nachrichtensendung am Tag sehen darf, ansonsten gibt es nur das Promi Shopping Dinner, Rosamunde Pilcher Krimis oder Heile Welt Dokus mit den immergleichen Off-Sprechern.

Aber ich werde mich rächen. Und Fragen stellen. Genauso, wie es meine Familie in den letzten Wochen mit mir gemacht hat. Da beklagen sich alle, dass Kommentatoren zu viel erzählen, aber wer einmal Fußball mit meiner Frau und meinen drei Kindern geguckt hat, der weiss, dass die öffentlich-rechtlichen Kommentatoren in ihrem kommunikativen Verhalten eigentlich einem Schweigegelübde nahe kommen. Das allabendliche Potpourri der Fragen reichte bei uns vom omnipräsenten “Wer hat jetzt den Ball?”, das sofort vom Kommentator beantwortet wurde, ein Umstand, auf den ich hinzuweisen nicht müde wurde, über “die Trikots sehen aber nicht so schön aus” und “der bin ich immer bei FIFA 14!” bis zum Klassiker “jetzt können die anderen aber auch mal ein paar Tore schiessen, sonst ist das unfair!” – vielleicht lese ich aber auch einfach ein Buch, dann muss ich das sommerliche Fernsehprogramm nicht ertragen.

Wir sind Weltmeister. Es ist einfach ein tolles Gefühl. Unser Sohn pfeift nicht mehr einfach so vor sich hin, sondern er summt jetzt die Nationalhymne. Unsere Tochter hat sich zu jedem Spiel schwarz-rot-gold geschminkt. Unsere Mannschaft hat tollen Fußball gespielt und begeistert. Es gab immer Chips und Bier. Ich freue mich schon auf die Europameisterschaft.

6 Antworten auf „Die Sache mit der Fußballweltmeisterschaft“

  1. Das heist: “Promishoppingqueen” !! Und das ist besser als wenn 22 freaks einem hässlichen Ball hinterherrennen okay?! Von K1 😇

  2. Alle Achtung für das Team, aber bei uns ist immer der Vater der, der bestimmt was angeschaut wird, und dass nicht nur während der WM :(

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