Die Sache mit Drohnenland

“Lies doch nicht immer irgendwelche Bücher zu diesem Digitalkrams, lies doch mal wieder einen Krimi!” – meine Frau meinte irgendwie, dass ich nur Fachbücher lesen würde und damit etwas zu monothematisch sei. Ich war allerdings noch nie ein wirklicher Krimi-Fan, nur selten bin ich in der Stimmung für so etwas.

DrohnenlandNaja, aber wie es eben so ist, ab und zu höre ich dann doch mal auf den Ratschlag meiner Frau, meistens viel zu spät. Nicht aber in diesem Fall, denn ich habe mir das Buch Drohnenland von Tom Hillenbrand für meinen Kindle gekauft und tatsächlich auch gelesen.

Der Trick war, dass Drohnenland auch von Digitalkrams handelt, nur eben anders als in den Fachbüchern, die ich sonst so lese.

Drohnenland spielt in einem Europa, das von Brüssel aus regiert wird und das gerade ein Problem damit hat, dass die Briten nach Unabhängigkeit streben. In diesem Europa sind allerdings die Niederlande schon längst abgesoffen und auch in der Hafencity in Hamburg bekommt man durchaus nasse Füße. Aber das eigentlich Interessante ist, dass Europa ein dystopischer Überwachungsstaat geworden ist. Drohnen in den unterschiedlichsten Formen sorgen für Video-Aufnahmen in den unterschiedlichsten Detailgraden und sog. Spiegelungen ermöglichen es der Polizei, in den Aufnahmen umherzugehen. Es gibt auch noch eine Live-Variante dieses Verfahrens, mit dem der Geheimdienst unsichtbar an Orten des Geschehens agieren kann. Hinzu kommen ein allwissender Analyse-Rechner der Polizei, aber auch intelligente Brillen, die auch normalen Leuten Infos über ihre Umgebung geben können.

Drohnenland spielt also quasi in einem Setting, das die aktuellen Möglichkeiten, die wir mit Drohnen, Google Glass, der Cloud, Vorratsdatenspeicherung und anderen digitalen Tools so haben, ordentlich extrapoliert und ein düsteres Bild von der Zukunft malt.

Allein deswegen fand ich Drohnenland schon lesenswert.

Die Kriminalstory gab es quasi noch on top, mit dem üblichen Ermittler in den besten Jahren und einer attraktiven Analystin an seiner Seite, mit einigen Verstrickungen und überraschenden Wendungen, wie es sich für einen Krimi eben so gehört. Drohnenland ist wirklich unterhaltsam, aber am Ende wird auch nur bedingt alles gut, was durchaus an dem dystopischen Setting liegt.

5 Antworten auf „Die Sache mit Drohnenland“

  1. Ich musste sehr schmunzeln über den Blogbeitrag. Aber dann hab ich auf den Amazon-Link geklickt und das Buch für mein Kindle auch vorgemerkt, sobald ich das andere eBook zu Ende gelesen habe. Bisher erscheint mir Deine Beschreibung ein wenig an bekannte Hollywood-Blockbuster und Fahrenheit451 zu erinnern.

    Gibt es auch ein Fazit nach Lesen des Buches, ob Du dein Verhalten bezüglich Überwachung änderst oder ändern wirst oder schon geändert hast? Meistens fängt ja die Schere im Kopf schon an zu wirken, bevor der Überwachungsstaat aktiv geworden ist… :)

    1. was war denn an dem Beitrag schmunzelig?

      nee, ich ändere mein verhalten nicht, wo kommen wir denn da hin? :)

  2. Das wird hier schon auch noch kommen. Im Großbritannien sind knapp 4,5 Millionen Kameras in den Straßen, Bahnhöfen und Einkaufszentren montiert. Das ist eine Kamera auf 13 Bürger! Allein in London wird ein Passant, der sich einen Tag in der Stadt aufhält, im Schnitt 300 Mal vom Kamerasystem erfasst. Das Problem ist aber aktuell, dass niemand dieses Bilderflut auswerten kann….

  3. Das Buch klingt interessant! Das wäre ein gutes Weihnachtsgeschenk für mich! Die Drohnen / Digi / Überwachungsgeschichte ist auch interessant, aktuell und wird noch viel krasser in den Vordergrund rücken in den nächsten Jahren.

    Mich würde ja mal interessieren wieviele Leute sich heute vorstellen können in was für einer Welt wir in 30-50 Jahren leben. Da müsste man mal eine Umfrage starten und das dann in der Zukunft analysieren. Ich persönlich denke das wir in ein paar Jahrzehnten unter Totalüberwachung stehen, Drohnen durch die Luft düsen, wir alle immer und überall geortet und abgehört werden können (Auch ohne Smartphones :D) und sich eine nihilistische Elite bildet die solange existiert bis das Volk aufbegehrt und sie stürzt.

    Gruß
    Nillepiez

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