Die Sache mit den erschreckenden persönlichen Daten

Der derzeit mandatslose Grünen-Politiker Malte Spitz hat ein Buch geschrieben: Was macht ihr mit meinen Daten? – das Buch habe ich noch nicht gelesen, ist aber ziemlich weit oben auf meiner Leseliste.

Malte macht nun das einzig Richtige – er promoted sein Buch.

Aber wenn ich diesen Artikel bei SpOn vom geschätzten Ole Reißmann lese, dann frage ich mich doch, ob Hysterie als Abverkaufsmotor nicht zu viel “der Zweck heiligt die Mittel” ist: Mein Datenschatten als Grafik: So durchschaubar sind wir

Diese Infografik hat es in sich: Der Politiker Malte Spitz hat bei Firmen und Behörden nach seinen Daten gefragt. Das Ergebnis ist erschreckend.

Datenschutz__Der_Datenschatten_von_Malte_Spitz_-_SPIEGEL_ONLINE

Dazu gibt es eine interaktive Grafik, die aufzeigt, wann Malte in den vergangenen Jahren irgendwelches TV-Zubehör bei Amazon gekauft hat, in die USA eingereist ist oder sich ein Bahnticket bestellt hat.

Ja. Erschreckend. Malte kauft TV-Zubehör bei Amazon. Aber ganz ehrlich: ansonsten ist ist an der Grafik nichts, aber auch gar nichts erschreckend.

Natürlich werden Daten erhoben, wenn man im Web etwas bestellt. Das war übrigens auch schon zu Zeiten der Katalogversender so, ist also nichts Neues, auch wenn die Qualität und auch die Quantität der Daten sicherlich zugenommen hat. Natürlich werden Grenzübertritte festgehalten, Malte fährt ja nicht auf ein paar Hot Dogs nach Dänemark, sondern verlässt den Schengenraum. Natürlich speichert die Bahn Daten, wenn man ein Ticket online oder telefonisch kauft. Wenn man das nicht will, dann muss man eben bar bezahlen. Oder sich eine Bahncard 100 zulegen, dann gibt es keine Dokumentation der einzelnen Fahrten.

Aber worauf ich eigentlich hinaus will: die Infografik mit Maltes Daten suggeriert, dass alle diese Daten auch genau so zusammengeführt werden, um ein Profil zu erstellen. Damit künftig jeder Werbetreibende Malte mit seiner Vorliebe für TV-Zubehör und USA-Reisen direkt ansprechen kann. Allerdings gibt es eben keine zentrale Daten-Instanz, die NSA mal ausgenommen.

Abgesehen davon, dass diese Art der Granularität kaum Sinn macht und Werbetreibende daher versuchen, die Nutzer zu clustern, wird eben auch nicht Malte direkt angesprochen, sondern nur ein Nutzer mit den Merkmalen, die Malte bietet. Das ist ein ordentlicher Unterschied. Wenn also Profildaten angereichert werden, dann basiert es auf dieser Basis und nicht anhand der Stammdaten von Malte Spitz mit Wohnsitz und Information über den aktuellen Kontostand.

Es ist eben auch nicht so, dass Werbetreibende mit Koffern voller Geld bei Google, Twitter oder Facebook reingehen und mit einem Koffer voller persönlicher Daten der Nutzer wieder herausgehen. Die Werbetreibenden erhalten lediglich die Möglichkeit, Nutzer mehr oder weniger zielgerichtet anszusprechen, basierend auf der Clusterung deren Profile. Aber sie erhalten eben nicht den Datensatz von Malte Spitz.

Nun kann man natürlich sagen, dass das amerikanische Datenschutzrecht auf einer anderen Grundlage besteht als die europäischen Datenschutzbestimmungen und dass Irland eher locker mit Datenschutz umgeht und daher alle amerikanischen Internetfirmen per se böse sind. Das ist ja auch gerade en vogue. Allerdings bedeutet ein laxer Umgang mit persönlichen Daten der Nutzer eine Bedrohung des Geschäftsmodells, weswegen die Firmen eine intrinsische Motivation haben, die Daten der Nutzer zusammenzuhalten.

Ich gebe Malte Spitz allerdings in einem entscheidenden Punkt Recht (und fordere es ebenfalls schon länger): die Nutzer sollten jederzeit in der Lage sein, die über sie erhobenen Daten einzusehen. Transparenz schafft Vertrauen. Die Daten der Nutzer müssen verständlich und mit Erklärungen versehen aufbereitet sein. Natürlich sollten Nutzer in der Lage sein, einzelne Daten zu bearbeiten oder zu löschen.

Die in Deutschland gern geschürte Hysterie “die machen was mit Daten!” ist allerdings überhaupt nicht zielführend. Wir sollten stattdessen darüber diskutieren, wie wir die Datennutzung verbraucherfreundlicher gestalten können.

Die Sache mit dem Erreichen vieler Menschen

Ich habe jetzt eine Kolumne auf bild.de – beschmeisst mich mit Max Goldt Zitaten!

Hier ist es, damit ihr nicht so lange danach suchen müsst:

“Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.”

Ich blogge seit mittlerweile über 11 Jahren. In dieser Zeit wurde ich mal als Blog-Guru und auch mal als Blog-Papst bezeichnet. Aber wirklich massenkompatibel wurde mein eigenes Blog nie, dafür ist die Frequenz der Artikel zu gering und die Themen sind irgendwie auch eigenartig. Noch dazu schreibe ich hier nur, wenn ich Zeit und Lust habe, was auch nicht unbedingt zu vielen Lesern führt. Dennoch nutze ich dieses Blog gerne, um meine Gedanken zu mir wichtigen Themen mit den Leserinnen und Lesern zu erreichen. Damit es hier eher textlastig wird, habe ich Anfang des Jahres ein eigenes Blog rund um Produkte gestartet, das sich Neueszeugs.de nennt.

Nachdem ich hin und wieder einmal Meinungsbeiträge in Zeitungen bzw. auf deren Websites (FAZ, Handelsblatt) veröffentlichen durfte, wurde ich Anfang Juni gefragt, ob ich nicht eine Kolumne auf Handelsblatt.com schreiben möchte. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ein Beratungsmandat beim Handelsblatt, daher fiel der Einstieg leicht. Also schreibe ich seitdem über Themen der digitalen Transformation: Der Transformer – und habe damit die Filterblase meines Blogs und meiner Follower auf Twitter und Facebook ein klein wenig verlassen können.

cc-by-sa-2.0-de Magnus MertensIch schreibe auf Bild.de über die Herausforderungen bei der Digitalisierung der Gesellschaft. Ich schreibe darüber, weil ich es wichtig finde, möglichst eine breite Masse der Bevölkerung zu erreichen und dieses Thema massenkompatibel aufzubereiten. Wir haben dieses wichtige Thema viel zu lange nur in unserer Blase diskutiert, es aber nicht verstanden, den Rest der Gesellschaft mitzunehmen. Wir haben vor allem eine Sprache verwendet, die vor Anglizismen nur so strotzt und die es anderen Leuten schwer macht, das Thema zu durchdringen. Ich merke das immer wieder, wenn ich beispielsweise in SPD-Gliederungen zum Thema Digitalisierung rede und bei jedem Fremdwort laut gemurmelt wird.

Nur, wenn wir anderen Leuten klar machen wollen, wie wichtig das Thema ist, wenn wir nicht wollen, dass Leute das Thema ablehnen oder die falschen Rückschlüsse aus der Entwicklung ziehen, dann müssen wir das Digitale verständlicher kommunizieren. Und wir müssen mehr Leute als nur die eigene Filterblase erreichen.

Bislang betreiben wir hier viel “Preaching to the Choir”, predigen also den Bekehrten das, was sie schon wissen. Das ist toll, das fördert aber auch ungewollt eine gewisse Wagenburg-Mentalität. Man neigt dazu, sich gegenseitig zu bestätigen und dann die eigene Meinung als die reine Lehre zu begreifen. Nicht erst seit ich bei D64 als Co-Vorsitzender viele Gespräche mit unterschiedlichsten Interessengruppen führe, weiss ich, dass die Digitalisierung der Gesellschaft viele unterschiedliche Facetten hat. Wir müssen eben auch mal dahingehen, wo es weh tut. Deswegen engagiere ich mich im Programmbeirat von #digitalleben bei der SPD, halte Vorträge und schreibe Artikel zu den mir wichtigen Themen. Ich habe ein gewisses Sendungsbewusstsein entwickelt, weil ich es nicht ertrage, wie wenig wir in Deutschland gerade die digitale Zukunft gestalten.

Um noch mal auf Bild.de zurückzukommen. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich mal als Kolumnist auf Bild.de schreiben würde. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich mal mit BILD-Chef Kai Diekmann zu Mittagessen würde, um mit ihm über Entwicklungen in der Medienbranche zu diskutieren. Aber, wie sagte John Lennon mal so schön: “Life is what happens to you while you’re busy making other plans.” Und ich hätte übrigens auch nie gedacht, dass ich mal Diekmann und Lennon in einem Absatz nenne. Ich weiss auch, dass nicht alle nachvollziehen können oder verstehen wollen, warum ich auf bild.de eine Kolumne schreibe. Aber so ist das nun mal.