Die Sache mit den Konfiguratoren der Autohersteller

Aus irgendwelchen Gründen wollte ich “mal eben” rausfinden, was ein VW Bus mit Panoramadach, ordentlicher Motorisierung, Automatik, Navi, Einparkdingsbums und vernünftigen Getränkehaltern kostet. Aber mit “mal eben” läuft das nicht, weil der Konfigurator von VW zur Aufgabe hat, die Komplexität eines Autos auch in vollem Umfang dem möglichen Kunden darzustellen.

Zum Start des Konfigurators gibt es die Auswahl zwischen folgenden Modellen: Startline, Comfortline, PanAmericana, Highline, BlueMotion, Sondermodelle “CUP”, “Edition 25” und “Special”, Business, Comfortline mit langem Radstand und Sondermodell “CUP” mit langem Radstand. Alles klar? Wenn man mit der Maus über die Links geht, ändert sich die Farbe des VW Bus. Also muss man sich theoretisch jedes Modell angucken, um zu wissen, welche Ausgangsbasis man haben will. Will ich gar nicht. Was ich will, steht oben. Ich scheitere übrigens dann auch gleich im nächsten Schritt. Was bitte bedeutet “2.0 TDI BMT 103 kW 7-Gang-DSG”? Ich habe noch nie jemanden getroffen, der wusste, wieviel kW ein Motor hat, aber alle kennen die PS-Zahl ziemlich genau. Warum schreibt man DSG, anstatt Automatik? Ich habe kein Ingenieur-Studium hinter mir und habe auch nicht im Produktmanagement eines Autobauers gearbeitet. Was soll sowas? Mich als Konsumenten verunsichert das maximal. Ich bin eben auch kein Autonarr, vor allem nicht, wenn es um eine Familienkiste geht. Jedes Mal, wenn ich ein Ausstattungspaket anclicke, soll ich irgendwelche anderen Optionen wieder abwählen aufgrund irgendwelcher Konflikte. Ja, was weiss ich denn, denkt ihr, ich kann mir den ganzen Krempel merken? Toll ist auch bei Mercedes Benz die Auswahl am Beginn des Konfigurators. Da soll ich eine Länge auswählen. Es gibt aber nur eine Option. Aber ich muss sie anclicken. Also wähle ich “lang 5140 mm” aus, weil ich ja niemals sagen würde, dass ein Auto 5,14 m lang ist, sondern immer alles in Milimeter kalkuliere.

Ich weiss, dass Autos komplex sind, aber moderne Nutzeroberflächen sollten doch dafür sorgen, dass die Konsumenten schnell zum Ziel kommen und nicht mit Featureritis erschlagen werden. Nur weil ein Produkt komplex ist, darf es noch lange nicht umständlich für den Konsumenten sein, schnell das gewünschte Produkt zusammenstellen zu können. Man hat das Gefühl, dass die Erkenntnisse, die im Bereich User Experience und User Interface in den letzten 10 Jahren gesammelt wurden, von den Konfiguratorverantwortlichen komplett ignoriert werden. Das gilt übrigens nicht nur für VW und Mercedes, sondern für die gesamte Branche.

Meine Frau sagt dann immer: “lass uns doch mal zum Händler gehen!” – aber genau das will ich nicht. Der erzählt mir auch wieder einen vom Pferd und sabbelt mich mit Spezifikationen voll, die mich nicht die Bohne interessieren. Ich will 3 Kinder mit Kindersitzen und einen Hund mitsamt Kinderwagen und Hundebox plus Gepäck ins Auto bekommen, dazu will ich ordentliche Getränkehalter und nicht irgendwelche wackeligen Alibidinger, bei denen immer alles überwaschappt, dazu brauche ich USB-Anschlüsse zum Laden der Devices und idealerweise einen Navi, deren Nutzeroberfläche nicht mit demselben Verständnis entwickelt wurde wie die der Konfiguratoren. Ach ja, und Automatik brauche ich auch, egal ob das Dingens DSG heisst oder sonstwie, ich bin aus dem Alter raus, in dem ich unbedingt Walter Röhrl spielen muss.

Für Familien mit mehr als einem Kind ist es übrigens sehr interessant zu wissen, ob die gängigen Kinderwagenmodelle ohne große Verrenkungen in den Kofferraum passen. Kinderwagenkonfiguratoren sind übrigens ähnlich komplex wie die der Automobilhersteller, hat vermutlich mit den Rädern zu tun. Wenn man drei Kinder hat, dann ist es übrigens wichtig zu wissen, ob 3 Kindersitze auf die Rückbank passen. Diese Information findet man aber bestenfalls in irgendwelchen Foren heraus, die Hersteller geizen mit den Infos oder verstecken sie gut.

Übrigens, wenn ich dann wieder mal frustriert den Konfigurator abgebrochen habe, und doch wieder komme und noch mal gucke, da kommt natürlich kein Hinweis a la “ah, unbekannter, möglicherweise interessierter, aber irgendwie auch überforderter Nutzer, wie können wir Ihnen helfen?”, sondern ich muss stumpf wieder von Vorne anfangen. Das Konzept Targeting oder gar Retargeting wäre hier extrem hilfreich.

Liebe Automobilhersteller, ihr redet immer so herrlich von Emotionen, die Eure Kisten auslösen sollen. Bei der Nutzung der Konfiguratoren entstehen auch Emotionen, aber die sind nicht gerade abverkaufsförderlich.

Das Panoramadach habe ich übrigens immer noch nicht gefunden. Aber ich laufe jeden Tag an einem VW Bus vorbei, das eines hat. Vielleicht frage ich den Besitzer einfach mal, wie er das hinbekommen hat.

Zuguterletzt möchte ich noch anmerken, dass das Ansiedeln der Familien-Autos unter Nutzfahrzeugen auch nicht für positive Emotionen bei der Auswahl des geeigneten Gefährts sorgt. Reden Autohersteller eigentlich auch mal mit ihren Kunden, oder machen die nur Marktforschung, die bestätigt, was sich das Marketing ausgedacht hat? Ansonsten wäre das ja mal eine innovative Idee.