52 Bücher – Nr. 2: The End of Absence

Nico —  17.01.2016

Meine Kindheit war anders als die meiner Kinder und es ist für sie total seltsam, dass ich als Kind weder iPhone noch iPad hatte und meine Erzählung, dass unser Fernseher nur drei Programme hatte, finden sie auch höchst merkwürdig. Wenn ich von Pong oder Asteroids schwärme, ernte ich seltsame Blicke. Und wenn ich von der vielen Langeweile berichte, die wir als Kinder ohne konstante Berieselungsmöglichkeiten hatte, dann ernte ich nur Kopfschütteln.

the_end_of_absenceMichael Harris nimmt sich diesem Thema an in seinem Buch The End Of Absence. Reclaiming What We’ve Lost in a World of Constant Connection. Harris sammelt Alltagsbeobachtungen und zeigt auf, wie sich unser Leben durch die Digitalisierung verändert hat. Natürlich geht es dabei um den Begriff, den Linda Stone bereits 1998 geprägt hatte: continous partial attention. Ihr kennt das. Wir sind leichter abgelenkt, versuchen uns in Multitasking und wenigstens beim Abendessen legen endlich alle mal das Smartphone weg.

Das Kernthema des Buches fast Harris ganz wunderbar zusammen: „As we embrace a technology’s gifts, we usually fail to consider what they ask from us in return – the subtle, hardly noticeable payments we make in exchange for their marvelous service.“ – Technologie macht etwas mit uns und wir nehmen es vor lauter Begeisterung kaum wahr.

„Montaigne once wrote: ‚We must reserve a back shop, all our own, entirely free, in which to establish our liberty and our principal retreat and solitude.‘ But will tomorrow’s children set up such a shop, when the world seems to conspire against the absentee soul?“ – diese Fragestellung treibt mich als Vater um, meine Kinder allerdings nicht so, die die konstante Ablenkung nachfragen und einfordern.

Leider driftet Harris spätestens beim Thema Online-Dating ins Anekdotenhafte ab und wirkt dadurch zunehmend laberig, was die initialen Punkte ziemlich verwässert und das Buch zunehmend in die Länge zieht. Insgesamt ist das Buch ein interessanter Denkanstoß für ein Thema, dass an Relevanz noch zunehmen wird, je mehr die Technologie sich in Richtung Virtual Reality bewegt. Wir werden lernen müssen, uns auch in Zukunft Langeweile und Beschäftigung mit nur einem Thema zu ermöglichen.

One response to 52 Bücher – Nr. 2: The End of Absence

  1. Was mich interessieren würde ist, welches die für Dich die drei interessantesten Bücher waren, die Du 2015 gelesen hast.