52 Bücher – Nr. 8: Die Roboter Revolution

roboterrevolutionEs gibt viele Bücher, bei denen ich mir nach spätestens 50 Seiten denke, dass ich die Grundidee jetzt verstanden habe und ich dann eher gelangweilt auf die restlichen 200 Seiten blicke, die nur noch dazu da sind, die Kernthese von links nach rechts zu ziehen und mit unzähligsten Beispielen zu belegen. Derartige Bücher hätten als Essay ihren Zweck voll erfüllt. Bei dem vorliegenden Buch von Karsten Wysk ist es genau andersrum. Die Roboter Revolution – wie Deutschland die zunehmende Automatisierung zur Weiterentwicklung des Kapitalismus nutzen sollte reisst viele Themen an, wird aber wenig konkret und bringt leider auch wenig praktische Beispiele.

Dabei packt Karsten Wysk eines der drängendsten Themen der Zeit an: was machen wir eigentlich, wenn durch die Digitalisierung die Arbeit für die Menschen weniger wird, aber die Produktivität hoch bleibt? Wie kann dann unser Gemeinwesen funktionieren, wo kommen die Steuern her, was machen die Menschen mit der vielen Freizeit?

Karsten (wir kennen uns seit vielen Jahren) schlägt u.a. vor, dass die Steuereinnahmen künftig anders realisiert werden sollen, nämlich über Unternehmensgewinne, die an den Staat abgeführt werden, da dieser durch das Eintreten des Erbfalles stiller Anteilseigner eines Unternehmens wird. Das finde ich einerseits charmant, aber andererseits wirft es sooo viele Fragen auf, denn es gibt ja auch Unternehmen, die noch nicht vererbt sind und riesige Gewinne machen, ohne viel Steuern zu zahlen, und und und. Ansonsten sagt Karsten viel Richtiges über die Verteilung von Vermögen in der Gesellschaft und versucht, die notwendige Umverteilung möglichst behutsam anzugehen, damit sich niemand entzieht. Sein Modell des Grundeinkommens mit einem Fähigkeits- und Reputationsfaktor wirkt mir allerdings viel zu bürokratisch, auch wenn es charmant ist, dass Menschen Geld bekommen sollen, weil sie sich sozial engagieren.

In Summe bin ich nicht so richtig überzeugt, da hätte etwas mehr Substanz dem Buch gut getan und vielleicht auch mehr als nur 78 Seiten. Was mich allerdings total genervt hat, das war der Verzicht auf ein Lektorat, was man leider nicht nur an den fehlenden Kommata gemerkt hat.

Die Roboter Revolution – wie Deutschland die zunehmende Automatisierung zur Weiterentwicklung des Kapitalismus nutzen sollte