52 Bücher – Nr. 9: Die schwarze Republik

schwarze_republikDas Sujet des Buches ist leider mittlerweile ein Klassiker: der Niedergang der deutschen Sozialdemokratie. Bereits zu Beginn meines Studiums war das ein Thema und die damalige Pflichtlektüre von Lösche/Walter Die SPD : Klassenpartei – Volkspartei – Quotenpartei – zur Entwicklung der Sozialdemokratie von Weimar bis zur deutschen Vereinigung wies schon vor über 20 Jahren auf die Problemlagen hin. Albrecht von Lucke nimmt quasi den Ball auf und analysiert in Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken die Entwicklung der SPD sowie der PDS/Linkspartei/Die Linke seit der Wiedervereinigung.

Es geht von Lucke vor allem darum, zu zeigen, dass es eigentlich eine strukturelle linke Mehrheit in diesem Land gäbe, aber die Spaltung des linken Lagers dazu führe, dass andere Koalitionen auf Bundesebene regieren. Dabei macht er deutlich, dass Schröder und Lafontaine beide große Anteile an dieser Spaltung haben, die jetzt nur schwer überwunden werden kann. Auslöser wären die Arbeitsmarktreformen der Agenda 2010, weswegen Lafontaine Die Linke als Anti-SPD Partei formiert habe, aber besonders deutlich seien die Diskrepanzen in der Außen- und Sicherheitspolitik zu sehen.

Zum Ende hin empfiehlt von Lucke beiden Parteien, doch einfach die Spaltung zu überwinden, die er ein Buch lang beschreibt. Das wirkt auf mich wenig realistisch, was auch daran liegen mag, dass programmatische Übereinstimmungen des linken Lagers, zu dem man auch die Grünen noch zählen kann, kaum herausgearbeitet wurden. Wenn Gestaltungsanspruch und Fundamentalopposition aufeinander treffen, dann lässt sich dieser Gegensatz eben nicht einfach so mal überwinden. Aber es ist schon interessant zu sehen, dass die SPD als Feindbild innerhalb des linken Lagers taugt und eben weniger CDU/CSU dafür herhalten muss. Diese Lust daran, dass sich die Linke lieber selber zerfleischt, zeigt mir deutlich, dass nicht alle Menschen aus der Geschichte lernen wollen oder können.

Wenn man wissen will, warum die Linke derzeit dem Mantra der Alternativlosigkeit der Kanzlerin Merkel nichts entgegenzusetzen hat, der kann gerne zu diesem Buch greifen. Erwartet man, nach der Lektüre neue Chancen für ein Wiedererstarken des gemeinsamen linken Lagers zu sehen, so wird man leider enttäuscht. Vernünftig wäre es sicherlich, wenn die Linke Alternativen aufzeigen könnte, aber sowohl in der SPD als auch in Die Linke scheinen Egos, Kränkungen und Anspruchshaltung einer vernünftigen Arbeitsebene im Weg zu stehen.

Die schwarze Republik und das Versagen der deutschen Linken