52 Bücher – Nr. 11: Schaffen wir das? Ein Plädoyer für mehr Offenheit in der Flüchtlingspolitik

schaffenwirdasArmin Fuhrer und Christian Nawrocki haben mehr als 20 Autoren gebeten, sich mit der aktuellen Herausforderung der Bewältigung der Flüchtlingskrise auseinanderzusetzen. Zwischen den Autoren findet man einige, die man kennt, wie z.B. Gregor Gysi, Ole von Beust oder Monty Arnold, aber auch viele, die mir bislang unbekannt waren. Aber das macht ja nix, sondern hilft idealerweise, den eigenen Horizont zu erweitern.

Schaffen wir das? Ein Plädoyer für mehr Offenheit in der Flüchtlingspolitik greift den beherzt trotzigen Satz “Wir schaffen das!” der Bundeskanzlerin auf und diskutiert, was dies eigentlich bedeutet und wie es geschafft werden kann. Während die Kanzlerin Zustimmung für ihre Haltung erntet, so bekommt sie vor allem Kritik, weil ein Plan für die konkrete Umsetzung nur schemenhaft zu erkennen ist.

Was mir an dem Buch außerordentlich gefällt, sind die vielen Perspektiven, die unterschiedlichste Facetten der Debatte um die Flüchtlingspolitik aufzeigen – von dem Not und Elend in Flüchtlingsunterkünften im Libanon, über die Herausforderungen bei der Erstaufnahme der Flüchtlinge in deutschen Städten bis hin zur Frage der Integration in eine offene Gesellschaft wird eine breite Palette von Themen diskutiert.

Mir liegt das Thema sehr am Herzen und ich bin immer noch begeistert, wie viel Unterstützung wir für unsere Aktion Blogger für Flüchtlinge im letzten Herbst erfahren haben. Aber es zeigt leider auch, wie überfordert unsere Behörden sind und wie umständlich die Verfahren überall sind. Vor allem aber zeigt es, dass die Politik viel zu langsam handelt und dass durch eine Straffung der Abläufe viel weniger Probleme entstanden wären. Für die Menschen muss es fürchterlich sein, so lange im Ungewissen leben zu müssen, daher ist es nun super wichtig, dass die Integrationsbemühungen verstärkt werden, damit wir Potentiale aus der Zuwanderung nutzen und nicht einfach nur das Elend der Menschen etwas mildern.

Um die Frage des Buchtitels zu beantworten: ja,klar.

Schaffen wir das? Ein Plädoyer für mehr Offenheit in der Flüchtlingspolitik

Wo bleibt der Mensch im Internet der Dinge?

o2 hat mich gefragt, was ich denn für die wichtigste Entwicklung bei der Digitalisierung halte. Ich glaube, es geht dabei vor allem um die Rolle des Menschen.

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Bis 2020 sollen mehr als 50 Milliarden Geräte am Netz sein und sich untereinander unterhalten, also Daten miteinander austauschen. Die Möglichkeiten sind faszinierend und atemberaubend, vor allem, weil das schon in 4 Jahren sein soll, aber bei aller Euphorie müssen wir immer auch einen durchaus wichtigen Aspekt mitdenken: was passiert mit uns? Wie verändert das Internet der Dinge unsere Gesellschaft?

Ich will jetzt keine technophobe Technologiefolgekostenabschätzungsdebatte heraufbeschwören, sondern einfach nur anmerken, dass das Internet der Dinge vor allem Auswirkungen auf uns Menschen haben wird. Denn es geht nicht nur um die Automatisierung von Fabriken und Veränderungen von Berufen, sondern eben auch um das ubiquitäre Netz in unserem privaten Umfeld. Beides zusammen wird fulminante Veränderungen nach sich ziehen.

Das Berufsleben vieler Menschen wird sich radikal verändern. Und zwar schneller, als viele vermuten. Ein kurzes Beispiel: es wird nur noch wenige Jahre dauern, bis selbstfahrende LKW Realität sind. Das wird eine zentrale Veränderung im Logistikgewerbe nach sich ziehen, denn der Fernfahrer wird kaum noch als Fahrer gebraucht werden, sondern nur noch die Abläufe überwachen. Diese selbstfahrenden LKW werden zu automatisierten Fabriken oder automatisierten Lagern fahren und auch dort werden die Menschen nur noch die Arbeit der Maschinen überwachen. Und auch für die Verwaltungen wird deutlich werden: Sachbearbeiter sind nicht mehr notwendig, denn die Prozesse werden automatisiert.

Wir werden also mehr Zeit haben. Wir werden aus unser Phase der niedringen Arbeitslosenquoten nahtlos übergehen in eine nie gekannte Massenarbeitslosigkeit, die bis tief in die Mittelschicht hereinreichen wird. Wir werden daher darüber nachdenken müssen, ob unsere bisherigen Sozialversicherungssysteme überhaupt noch funktionieren, wenn die klassische sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit immer mehr unter Druck gerät.

Aber auch zuhause wird das Internet der Dinge für Veränderungen sorgen und zwar nicht nur durch den smarten Kühlschrank, der automatisch Produkte bestellt, sondern vor allem durch viele neue Interaktionsmöglichkeiten. Ein aktuelles Beispiel ist Amazon Echo – ein einfaches Gerät, das auf Sprachbefehle lauscht und dann Dinge bestellt, Musik abspielt oder einfach nur die Nachrichten aufsagt. Das ist aber erst der Anfang, viele Geräte werden intelligenter werden und Dinge für uns erledigen.

Wir werden also mehr Zeit haben und diese mit der Interaktion mit Geräten verbringen.

Dabei wird eine der großen Herausforderungen der Zukunft sein, herauszufinden, was das für uns als Menschen bedeutet. Wie funktionieren die Algorithmen, die unser Umfeld bestimmen werden? Welche Auswirkungen hat die sog. Machine-to-Machine Communication auf mich und meine Familie? Wenn alles durchoptimiert wird, was verpasse ich? Wie nutze ich die Freiräume, die entstehen werden, oder sind diese Freiräume eher trügerisch, weil sie durch die Kommunikation mit Maschinen gestaltet wird?

Die Diskussion um eine Ethik für Algorithmen ist noch ganz am Anfang, aber wenn wir wollen, dass der Mensch im Internet der Dinge nicht untergeht, dann müssen wir diese Diskussion dringend führen und auch für mehr Transparenz sorgen. Vor allem aber müssen wir die Datensouveränität des Einzelnen stärken und jeden Bürger in die Lage versetzen, selber zu entscheiden, wie sehr die Digitalisierung das eigene Leben beeinflussen soll.

Wir müssen bei aller Euphorie über die Potentiale des Internet der Dinge den Mensch wieder in den Fokus rücken. Sonst wird unsere Gesellschaft noch mehr als bisher auseinanderdriften. Was es bedeutet, wenn viele Menschen unzufrieden sind und um ihre Rolle in der Gesellschaft fürchten, haben wir gerade erst bei den Landtagswahlen sehen müssen. Es wird also Zeit für eine Debatte und daraus resultierende neue Spielregeln.

52 Bücher – Nr. 10: Originals – How Non-Conformists Move the World

adam_grant_originalsIch bin neulich über ein Zitat von Adam Grant gestolpert, bei dem es um
Erziehung ging, das Zitat habe ich vergessen, aber seinen Artikel How To Raise a Child. Step One: Back off in der New York Times gelesen und danach das Buch gekauft. Um es kurz zu machen: das Buch sollte man lesen, wenn man irgendetwas mit Führungsverantwortung oder der Entwicklung von Ideen zu tun hat. Denn in Originals – How Non-Conformists Move the World bietet Adam Grant viele Beispiele und die dazu passenden wissenschaftlichen Erläuterungen, warum die üblichen Herangehensweisen oftmals nicht zu den erwarteten Ergebnissen führen. Wenn man so will, dann ist das Buch von Grant ein willkommenes Gegengift zu der zunehmend von Controllern und MBA-Inhabern geprägten Businesswelt, die immer mehr Regeln für Abläufe in Unternehmen erlassen und damit die Verhaltensweisen prägen, die letztendlich zu Konformität und kreativer Ödnis führen. Grant fokussiert darauf, wie man Originalität fördern kann und wie dann die Ideen auch zur Umsetzung gebracht werden können.

Am Ende des Buches listet Adam Grant netterweise noch einmal die Haupterkenntnisse des Buches auf, damit man auch nach der Lektüre noch leicht den Überblick behalten kann. Dabei geht es um die Perspektive eines Kreativen, aber auch einer Führungskraft oder eben auch um Eltern. Ich fühlte mich quasi dreimal angesprochen.

Tipp Nr. 1 ist: Question the default. Ein Klassiker, aber immer noch die Ausgangslage für die kreativen Momente, insbesondere wenn man politisch etwas verändern will oder sich ein neues Startup ausdenkt.

Emphasize values over rules finde ich eine gute Einstellung bei der Erziehung und ich glaube, das war das Zitat, über das ich mal gestolpert war. An der Umsetzung arbeiten wir noch.

Das Buch ist super, das muss man selber gelesen haben, vor allem wenn man Dinge verändern will.

Adam Grant: Originals – How Non-Conformists Move the World