52 Bücher – Nr. 16: The End of Average

Ob wir es nun wollen oder nicht, wir haben uns daran gewöhnt, dass wir uns mit dem Durchschnitt messen. Und durchschnittlich wollen wir meistens nicht sein, sondern besser als der Durchschnitt.

the_end_of_averageDr. Todd Rose erläutert in The End of Average – How to Succeed in a World that Values Sameness, dass der Durchschnitt keine zielführende Betrachtungsweise mehr darstellt, da wir Menschen sehr individuell und vor allem multi-dimensional sind. Da rennt Rose bei mir offene Türen ein, denn intuitiv fand ich die Betrachtungen eines Durchschnitts schon immer zu kurz gesprungen. Die Durchschnittsnoten sagen eben doch sehr wenig aus über die tatsächliche Eignung einer Bewerberin, sondern die individuellen Stärken und Schwächen halte ich für viel relevanter. Es hat mich auch schon immer genervt, wenn Mütter darüber diskutieren, ob ihre Babies sich richtig entwickeln, oder zu früh krabbeln, zu spät stehen oder was auch immer – alles basierend auf Durchschnittswerten mit zweifelhafter Bedeutung für das einzelne Kind. Und auch die Laufleistung eines Fußballers sagt wenig aus, wenn er immer goldrichtig steht und ein Tor nach dem anderen macht.

Rose zeigt auf, wie die Idee, Menschen anhand eines Durchschnitts zu klassifizieren, während der Industrialisierung entwickelt wurde und bis heute unser Bildungssystem, aber auch unsere Arbeitswelt dominiert. Was damals zielführend war, um Vereinheitlichungen zu etablieren, ist mittlerweile überkommen, insbesondere weil wir mittlerweile viel mehr Daten zur Verfügung haben, die uns erlauben, mehr als nur den Durchschnitt zu betrachten.

Das Buch macht deutlich, wie sehr Taylorismus die Gegenwart immer noch prägt, obwohl wir eigentlich alle wissen, dass diese Prinzipien längst überholt sind. Aber es ist eben schwer, mal eben die Fundamente von Gesellschaften auszutauschen, auch wenn dies dem einzelnen Menschen gerechter werden würde.

The End of Average

52 Bücher – Nr. 15: Bulletprooof Diet

bulletproof_dietNachdem ich mit der Umstellung auf Slow-Carb Ernährung gute Erfahrungen gemacht habe und zügig 15 kg verloren habe, ist irgendwann die Bulletproof Diet von Dave Asprey in den Fokus gerückt. Asprey verspricht vollmundig: Lose up to a Pound a Day, Reclaim Energy and Focus, Upgrade Your Life – na, das klingt doch mal nach einem Ansatz.

Dave Asprey ist ähnlich wie Tim Ferriss ein Bio-Hacker, der über viele Jahre an sich selber immer wieder bestimmte Ernährungsweisen, Nahrungsergänzungsmittel oder sportliche Übungen ausprobiert hat. Ich finde das gut, dann muss ich das nämlich nicht machen, sondern kann mir das Kondensat all dieser Bemühungen kurz durchlesen und dann entscheiden, was ich davon übernehme.

Die Bulletproof Diet basiert auf dem LCHF-Prinzip, also Low-Carb, High-Fat – und damit ähnelt es der Slow-Carb Diät durchaus, ist aber anders. Asprey hat diese Diät entwickelt, weil er selber Erfahrungen gesammelt hatte mit seinem eigenen Körper, der durch falsche Ernährung zu hohe Entzündungswerte im Blut aufwies. Asprey versucht, diese Entzündungswerte zu minimieren und teilt dadurch die Lebensmittel auf einer Skala von Bulletproof bis Kryptonite ein. Letztere sollte man unbedingt vermeiden. Einen Überblick über die Bulletproof-Diät gibt es auf dieser Bulletproof Infografik (PDF).

Aspreys Claim to fame ist allerdings der Bulletproof Coffee, den man morgens trinkt und der dafür sorgt, dass man bis zum Mittag nichts essen muss. Letztendlich nimmt man in der Abnehmphase so nur 2 Mahlzeiten zu sich und hat eine ziemlich lange Fastenperiode jeden Tag, in der idealerweise der Körper in den Zustand der Ketose rutscht und Fett abbaut. Der Bulletproof Coffee ist leicht zuzubereiten und schmeckt erstaunlich lecker: Kaffee, zwei Esslöffel Butter (natürlich von Kühen, die auf der Weide stehen) und zwei Esslöffel MCT-Öl. MCT-Öl ist quasi das Wundermittel der Bulletproof Diät – die mittelkettigen Triglyceride sollen direkt Energie liefern und uns leistungsfähiger machen.

Was mich bei der Lektüre des Buches immer wieder erstaunt hat: wie schwierig es für amerikanische Konsumenten sein muss, qualitativ hochwertige Lebensmittel zu bekommen – oder wie sehr ich mich an den Bioladen um die Ecke und den Bio-Wochenmarkt gewöhnt habe.

Kritiker halten die Bulletproof Diät für Quatsch und vor allem für gutes Marketing, damit Asprey seine Bulletproof Produkte verkauft. Ich finde das Ernährungskonzept interessant, da es weniger rigoros auf mich wirkt als die Slow-Carb Diät von Tim Ferriss. Ich werde das jetzt mal testen und sehen, wie mein Körper das so findet.

Bulletproof Diet – Lose up to a Pound a Day, Reclaim Energy and Focus, Upgrade Your Life

52 Bücher – Nr. 14: Talking Points

Auf dieses Buch bin ich durch Twitter gestoßen. Dushan Wegner ist mir dort aufgefallen, weil er des Öfteren Links zu interessanten Artikeln gepostet oder aktuelle politische Themen kritisch kommentiert hat. Nun kaufe ich nicht gleich jedes Buch, das irgendjemand auf Twitter geschrieben hat, aber natürlich sorgt es bei mir für eine gewisse Neugier, wenn jemand ein Buch geschrieben hat und sich auf Twitter auch nicht ganz blöd anstellt.

talking_pointsPolitische Kommunikation ist ein Thema, das mich seit meinem Studium fasziniert, damals waren die Seminare zu Wahlen und Wahlkämpfen immer die Highlights für mich. Talking Points oder die Sprache der Macht: Mit welchen Tricks Politiker die öffentliche Meinung steuern von Dushan Wegner wirft einen Blick auf die Sprache der Politik und wie sie uns Wähler beeinflussen soll. Dabei benennt Wegner Effekte wie “Güte”, “Weisheit”, “Echtheit”, “Vereinfachung”, “Angst” oder “Mit der Herde sprechen” und erläutert, wie diese von Politikern und ihren Kommunikatoren eingesetzt werden und welches jeweilige Ziel damit verfolgt wird. Zusätzlich bringt Wegner immer wieder Exkurse, um speziellere Themen wie “Essen in der Politik”, “Spindoctors” oder “Nimby” zu beleuchten.

Wegner seziert die politische Sprache und erläutert dem geneigten Leser, was sich hinter Formulierungen versteckt und wie Reden funktionieren sollen. Allerdings fehlt mir der Lesefluss bei diesem Buch. Die Effekte werden erläutert und von Exkursen, die durchaus interessant sind, immer wieder unterbrochen. Vermutlich liegt es an der Linearität eines Buches, aber bei der Lektüre fehlte mir nach einigen Kapiteln der rote Faden. Es hätte dem Buch gut getan, wenn am Ende des Buches noch zwei, drei Reden anhand der vorher diskutierten Effekte erläutert worden wären, damit man einen besseren Überblick bekommt.

Von allen Effekten fand ich am einprägsamsten, dass man zuerst eine Forderung aufstellen sollte, um sie dann zu begründen und nicht erst die Begründung formuliert, um dann eine Forderung davon abzuleiten. Das ist für mich für meine politische Arbeit ganz praktisch zu wissen, genauso wie die das Umhängen des Deutungsrahmens.

Was mir ziemlich sauer aufgestossen ist: Wegner formuliert immer wieder von Oben herab und es wirkt so, als ob er von den handelnden Personen seines Buches, nämlich den Politikerinnen und Politikern, nicht viel hält. Das tut dem Buch nicht gut. Insgesamt bietet Wegner einen guten Überblick über das, was hinter der Sprache der Politik steckt.

Talking Points oder die Sprache der Macht: Mit welchen Tricks Politiker die öffentliche Meinung steuern