52 Bücher – Nr. 20: The Thunderbolt Kid

“I come from Des Moines, somebody had to.” – mit diesem wunderbaren Satz beginnt The Lost Continent von Bill Bryson, in dem er schildert, wie er Small-Town America bereist hat. Ich habe das Buch Anfang der 90er Jahre in einem Buchladen in London in die Hand genommen und war von dem Satz direkt begeistert, denn ich war 89/90 als Austauschschüler in Des Moines, Iowa. Bill Bryson ist nur wenige hundert Meter von dem Haus aufgewachsen, in dem ich damals gelebt habe. Das sorgte für eine ziemliche emotionale Verbindung und ich habe daraufhin viele weitere Bücher von Bryson gelesen.

thunderbolt_kidThe Life And Times Of The Thunderbolt Kid: Travels Through my Childhood habe ich allerdings nicht gelesen, weil ich Neuerscheinungen von Bill Bryson sofort mitbekomme – das Buch ist 2010 erschienen – sondern weil neben mir in der Ubahn eine junge Frau saß, die ein Buch las und als ich herausfinden wollte, was sie liest, ist mir irgendwas mit “Des Moines” aufgefallen und musste ich sie einfach ansprechen und wie sich herausstellte, hatte sie auch nahezu alles von Bryson gelesen und noch bevor ich aussteigen musste, hatte ich wieder einen weiteren Kindle-Impulskauf getätigt.

Das Buch ist prima, wenn man den stellenweise etwas albernen Erzählstil mag und Interesse an den 50er Jahren in den USA hat. Des Moines muss damals eine ziemlich schöne, provinzielle Stadt gewesen sein mit tollen, freundlichen Menschen. Vieles von dem, was Bryson schildert, kannte ich auch noch aus meinem Austauschjahr oder durch spätere Besuche. Im altehrwürdigen Younkers Tearoom habe ich beispielsweise eine Hochzeit gefeiert und auch in den 90ern lies der Raum noch erahnen, wie Downtown damals mal gewesen sein muss, als Kaufhäuser noch neu waren. Viele Orte, an denen Bryson seine Kindheit verbracht hat, habe ich auch sehr geschätzt, sei es die lokale Supermarktkette Dahl’s, die wunderbaren Anwesen “South of Grand”, deren Straßen ich als Fahranfänger unsicher gemacht habe oder natürlich meine Schule, die Theodore Roosevelt High School. Der Iowa State Fair ist immer noch die Attraktion des Sommers und die Freundlichkeit der Menschen in Iowa ist legendär.

Ich habe das Buch sehr gerne gelesen, selber viel in Erinnerungen geschwelgt und hatte immer wieder den alten Claim der Tourismuszentrale Iowa im Kopf, der mal lautete “A good place to grow.” – denn auch wenn natürlich Vieles nicht mehr ist, wie es zu Brysons Kindheit mal war, so ist Des Moines, Iowa immer noch ein wunderbares Fleckchen erde, an dem zwar nichts passiert, aber man eben ganz wunderbar aufwachsen kann. Ich muss dringend mal wieder nach Des Moines reisen.

The Life And Times Of The Thunderbolt Kid: Travels Through my Childhood

52 Bücher – Nr. 19: How to read a Book

how_to_read_a_bookAn diesem Buch habe ich eine Weile geknabbert, ich weiss allerdings auch nicht mehr, was mich geritten hatte, ein Buch mit 449 Seiten über das Lesen anzufassen. Ich war wohl neugierig und wollte herausfinden, ob ich das mit dem Lesen irgendwie besser hinbekommen würde, wenn ich mir noch einmal durchlese, wie das mit dem Lesen richtig geht. Oft habe ich nämlich nach einem Buch das Gefühl, nur noch Erinnerungen an einen Bruchteil des Buches zu haben.

Also habe ich How to read a Book gelesen, einen Klassiker aus dem Jahr 1940, in der überarbeiteten Auflage von 1972. Und ja, da wirken etliche Abschnitte schon merkwürdig anachronistisch, aber dann auch irgendwie aktuell:

There is some feeling nowadays that reading is not as necessary as it once was. Radio and especially television have taken over many of the functions once served by print, just as photography has taken over functions once served by painting and other graphic arts.

Ich sag das mal der Youtube-Generation.

Auf den 449 Seiten geht der Autor Mortimer Adler, der die überarbeitete Version zusammen mit Charles Van Doren geschrieben hat, ziemlich tiefschürfend an das Thema Lesen heran:

Thus we can roughly define what we mean by the art of reading as follows: the process whereby a mind, with nothing to operate on but the symbols of the readable matter, and with no help from outside,I elevates itself by the power of its own operations. The mind passes from understanding less to understanding more. The skilled operations that cause this to happen are the various acts that constitute the art of reading.

Und falls man sich dann fragt, warum man gerade etwas liest, liefern die Autoren auch gleich noch eine Erklärung mit:

The art of reading, in short, includes all of the same skills that are involved in the art of unaided discovery: keenness of observation, readily available memory, range of imagination, and, of course, an intellect trained in analysis and reflection.

Da fühlt man sich doch gleich besser und freut sich auf das nächste Buch.

Das Buch gliedert sich in vier Teile. Zuerst werden The Dimensions of Reading aufgedröselt, dann wird The Third Level of Reading: Analytical Reading erläutert, dann wird erklärt, wie man unterschiedliche Textformen idealtypisch lesen sollte im Abschnitt Approaches to Different Kinds of Reading Matter, um dann im letzten Teil die The Ultimate Goals of Reading zu erörtern.

Rückblickend kann ich sagen, dass ich das mit dem Lesen schon immer ganz gut gelöst habe, jedenfalls war meine Praxis nie weit weg von dem theoretischen Fundament, das hier gelegt wurde und zur Umsetzung in die Praxis empfohlen wurde. Ein Page-Turner im klassischen Sinne ist How to read a Book allerdings auch wieder nicht und ein Überfliegen des Buches hätte locker ausgereicht. Wer mehr Interesse an dem Thema und dem Buch hat: auf der Wikipedia-Seite zu How to read a Book gibt es einen Überblick und auch die von den Autoren vorgeschlagene Leseliste mit Werken, die man unbedingt gelesen haben sollte.