52 Bücher – Nr. 27: Silicon Germany

Vor zwei Jahren hatte ich das Buch Silicon Valley von Christoph Keese gelesen und war abgesehen von dem sehr paranoid wirkenden Abschnitt zu Google sehr positiv beeindruckt gewesen. Im Sommer erzählte er mir von seinem nächsten Werk Silicon Germany – Wie wir die digitale Transformation schaffen, das eine Bestandsaufnahme für Deutschland liefern sollte.

silicon_germanyFür mich war das Buch purer Lesegenuss, denn Schreiben kann der gelernte Journalist Keese durchaus. Ich bin mit Keese bei dem von ihm vorangetriebenen Leistungsschutzrecht für Presseverlage nicht einer Meinung, sondern lehne es ab, aber das bedeutet ja noch lange nicht, dass Keese bei vielen anderen Punkten nicht Recht haben könnte mit seinen Einschätzungen.

Ich wollte eigentlich selber ein Buch schreiben, nur man kommt ja zu nix, aber die Grundidee war eine Reise zu den Orten vermeintlicher Stärke der deutschen Wirtschaft. Genau das hat Keese gemacht und mit vielen durchaus engagierten Menschen in deutschen Unternehmen darüber gesprochen, warum das Silicon Valley so eine rasante Taktzahl vorgibt und die deutsche Wirtschaft dagegen eher behäbig und alt wirkt.

Neue Technologien wachsen exponentiell, Plattformen drängen sich zwischen Hersteller und Kunden, disruptive Angreifer zerstören Märkte innerhalb weniger Jahre, und innovative Geschäftsmodelle verdrängen alte Wertschöpfungsmethoden in Windeseile.

Während Deutschland 4.0 – wie die digitale Transformation gelingt eine sehr präzise Handlungsanweisung für Wirtschaft und Politik darstellt, setzt Keese einen Tick früher an und versucht zu erörtern, warum wir in Deutschland so mit der Digitalisierung hadern, zeigt allerdings auch schon viele zarte Pflänzchen, die in die richtige Richtung weisen und gibt viele Empfehlungen für zukünftige Entwicklungen. Natürlich ist Bildung eines der Kernthemen, denn wir müssen jetzt dafür sorgen, dass die Kinder und Jugendlichen mit dem richtigen Rüstzeug für die Zukunft ausgestattet werden.

Keese sieht wie ich sehr viel Potential in den Startups, die die Innovation in Deutschland vorantreiben werden. Aber er warnt auch, und diese Warnung sollten sich die Verantwortlichen in der Wirtschaft ausdrucken und an den Bildschirm kleben:

Zu wenig Geld, zu viele Bedenkenträger, zu wenig Mut, nicht genug Innovationsfreude – diese Faktoren bremsen den Startup-Schwung in Deutschland gefährlich ab.

Das ist genau das Problem. Deutsche Unternehmen sind immer noch von einer Angstkultur geprägt, die dafür sorgt, dass alles zu Tode analysiert wird, anstatt etwas zu riskieren. Nur ganz zögerlich wird diese Kultur verändert.

Schenkt Silicon Germany Euren Chefs zu Weihnachten, das ist gut investiertes Geld – und geht Ihnen ab Januar mit einer inhaltlichen Auseinandersetzung auf die Nerven, bis sie es verstanden haben und die Innovationsbremsen lösen!