52 Bücher – Nr. 31: Nach dem Krieg – Wie wir Amerikaner wurden

karasek_nach_dem_kriegEigentlich wollten wir nur ein paar Kinderbücher kaufen, aber dann bin ich zufällig bei Buchhandlung Heymann über Nach dem Krieg – Wie wir Amerikaner wurden gestolpert. Hellmuth Karasek fand ich immer beeindruckend, denn er konnte einfach schön erzählen und wirkte auf mich immer unheimlich belesen und freundlich.

Nach dem Krieg ist Karaseks persönliche Erzählung der Jahre nach dem Krieg, dem Wiederaufbau und der konservativen Restauration der 50er Jahre. Große historische Züge werden mit kleinen persönlichen Episoden unterfüttert und angereichert. Das hat natürlich Züge von Opa erzählt vom Krieg, aber es ist auch unheimlich toll zu lesen und beeindruckend, wie Karasek als Junge die Wirren des Krieges und der Nachkriegszeit überstanden hat. Ähnliche Geschichten kenne ich von Erzählungen meiner Eltern, die allerdings zu klein bzw. noch nicht geboren waren und insofern eher die Geschichten ihrer Eltern und Verwandten erzählt haben.

Das Buch ist aber keine Ansammlung von Anekdoten, sondern zeichnet ziemlich gut ein Bild der damaligen Zeit, vor allem der gesellschaftlichen Konventionen und der wirtschaftlichen Entwicklungen. Der Schwarzmarkt wird ebenso behandelt, wie die Nitribit, das Verhältnis zu Amerika, der Umgang mit Nazis, die Veränderungen in den Familien oder auch der Umgang mit Schwulen.

Ich habe das Buch quasi in einem Rutsch inhaliert und obwohl das Buch erst nach Karaseks Tod fertiggestellt wurde, wirkt es wie aus einem Guss, auch wenn Karasek gerne mal ein wenig rumspringt in der Erzählung, so wie das eben ist, wenn Opa vom Krieg erzählt. Geärgert habe ich mich erst ziemlich zum Schluss, als das Tragen von Baseballkappen kritisch gewürdigt wurde und dem Lektorat nicht aufgefallen ist, dass das populäre NY auf einer Baseballkappe nicht Affinität zu den New York Giants, sondern zum Baseballteam New York Yankees ausdrücken sollte. Das mag banal sein, aber sowas darf nicht durchrutschen.

Das Buch habe ich auf dem Weg nach Amerika gelesen, das fand ich irgendwie passend.

Nach dem Krieg – Wie wir Amerikaner wurden