52 Bücher – Nr. 42: Der Jargon der Betroffenheit: Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt

Erik Flügge hat ein Buch geschrieben über eine alte Institution mit ihren Ritualen, die aus der Zeit gefallen sind. Das Thema des Buches ist nicht die SPD, sondern die katholische Kirche: Der Jargon der Betroffenheit: Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt. Aber vieles von dem, was Erik anprangert, trifft auf die SPD und viele andere Großorganisationen auch zu. Nur sind die Bräuche der Kirche zugegebenermaßen noch etwas älter als die der SPD oder der Gewerkschaften.

Das Buch ist sehr persönlich geschrieben, quasi ein langer Blogpost und Erik ist ziemlich schonungslos mit seiner Analyse, dass die katholische Kirche mit ihrer Sprache die Menschen nicht mehr erreicht. Was mir an dem Buch fehlt: es fehlen die Handlungsanweisungen, wie es denn besser ginge. Wie kann man die Predigt moderner gestalten? Wie kann man als Kirche weiterhin etwas zu sagen haben?

Mir ist offengesagt die Institution Kirche herzlich egal, ich habe das Buch nur gelesen, weil ich Erik sehr schätze. Erik legt den Finger tief in die Wunde und führt aus, wo die Schwachstellen bei der Sprache der Kirche liegen. Das ist vermutlich auch keine neue Erkenntnis, sondern das bekommen viele Menschen mit, die zur Kirche gehen. Oder eben nicht mehr, wenn man sich anguckt, wie leer die Kirchen mittlerweile sind. Ich habe kurz nach der Lektüre des Buches einen Gottesdienst in einer Episkopalkirche in Iowa besucht und war von dem Gegensatz zu dem, was Erik in seinem Buch beschrieben hat, fasziniert. Denn in die Liturgie war viel Persönliches eingebettet, so dass die Gemeinde viele Anknüpfungspunkte an das Gesagte hatte.

Was nun fehlt: Band 2 mit den Handlungsanweisungen, wie die Kirche zeitgemäß kommunizieren kann.

Der Jargon der Betroffenheit: Wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt von Erik Flügge