Als ich hörte, dass Christoph Keese ein Buch über das Silicon Valley geschrieben hatte, war ich, freundlich ausgedrückt, eher skeptisch. War es doch Keese, der als Quasi-Außenminister von Springer das Leistungsschutzrecht für Presseverlage auf die Agenda der letzten schwarz-gelben Bundesregierung gesetzt hatte. Das Leistungsschutzrecht hat vor allem zu Rechtsunsicherheit geführt, zu sonst aber nichts, wenn man mal von der Debatte über die Länge und damit verbundenen Schöpfungshöhe von Snippets bei Google News absieht.

51qXAyFWQGLDieser Christoph Keese also wurde im Rahmen der Neulandverschickung des Medienhauses Axel Springer für ein halbes Jahr zusammen mit anderen Führungskräften nach Palo Alto ins Herz des Silicon Valley geschickt. Dieses Buch handelt von seinen Eindrücken aus dieser Zeit.

Und ganz ehrlich: das Buch ist verdammt gut geworden und sehr lesenswert. Das schreibe ich nicht, weil ich seit einigen Wochen eine Kolumne bei Bild.de schreibe, sondern weil das Buch wirklich lesenswert geworden ist.

Keese unternimmt den Versuch, das Silicon Valley zu erklären, seine Arbeitsweisen, die Fokussierung auf Technologie, die Schnelligkeit und die mangelnde Rücksicht auf Verluste. Selten habe ich einen so präzisen Text über die digitale Wirtschaft im Silicon Valley gelesen wie in diesem Buch. Die Mischung von Disruption und Hochgeschwindigkeitsökonomie, wie Keese es nennt, sorgt für den explosiven Antrieb vieler kleiner Startups, die sehr schnell wachsen.

Wer die Gesellschaft verändern will, wird Programmierer, sehr im Unterschied zu Deutschland, wo gesellschaftlich engagierte Menschen lieber in die Politik gehen.

Sehr gefreut habe ich über Keeses Ausführungen über Berkeley als Korrektiv zum Silicon Valley: „Schon immer war Berkeley eine ausgewiesene Hochburg der Romantiker und Poeten.“ Das freut mich natürlich sehr, auch wenn ich vor knapp 20 Jahren an der School of Information Management & Systems studiert hatte, deren Dekan damals Hal Varian war. Laut Keese lieferte Varian die Blaupause für die rasante Entwicklung von Google. Mittlerweile ist er folgerichtig auch Chefökonom von Google.

Das Kapitel über die Veränderung der Arbeitswelt klingt so, als ob es eine digitale Variante von Andrea Nahles geschrieben hat. Die Herausforderungen bei der künftigen weitergehenden Flexibilisierung und der damit verbundenen Perversionen zu Lasten der Arbeitnehmer hat Keese vortrefflich herausgearbeitet und sich damit eigentlich einen Platz auf den Gewerkschaftspodien der kommenden Jahre erschrieben.

Mir haben zwei Dinge an diesem Buch nicht gefallen. Erstens die zu starke, fast schon paranoid wirkende Fokussierung auf Google. Denn auch Facebook, Apple und Amazon sorgen mit ihren Plattformen für immense Machtverschiebungen und verändern die Wirtschaft nachhaltig, auch über ihr eigentliches Unternehmen hinaus. Zweitens formuliert Keese zu wenig konkrete Handlungsempfehlungen für Deutschland und Europa, um von den Firmen des Silicon Valley nicht überrollt zu werden. Vielleicht ist das nach seiner Idee mit dem Leistungsschutzrecht aber auch ganz gut so…

Am Ende des Buches sitzt man da und hofft, dass alles nicht so schnell so kommt, wie Keese es skizziert. Auch wenn mir seine Handlungsempfehlungen am Ende des Buches nicht konkret genug sind, so schafft es Keese dennoch, keine dystopische Grundstimmung aufkommen zu lassen, sondern lässt immer wieder ein paar Hoffnungsschimmer aufblitzen.

Das Buch Silicon Valley von Christoph Keese ist ein Kauftipp für Unternehmer und Manager des deutschen Mittelstands, aber auch für Politiker, die den Anspruch haben, die Zukunft gestalten zu wollen.

Am 10. Oktober 2014 habe ich im Saal 1 des Cinemaxx Hamburg Dammtor einen Vortrag gehalten. Dabei ging es vor allem darum, Entwicklern aufzuzeigen, dass es sich lohnt, sich bei den digitalen Transformationsprozessen der Gesellschaft einzubringen.

In der Süddeutschen schreibt Prantl über Gauck fällt aus der Rolle und laut SPON warnt Gauck vor Ramelow in Thüringen. Den ganzen Tag schwirrten Meldungen durchs Netz, die Grünen hyperventilierten beim Moralapostilieren, die sog. LINKE ermahnte Gauck, nicht parteiisch zu sein und die ARD freute sich über den Scoop, dass sie am Sonntag Abend in Berlin direkt ein vielbeachtetes Interview senden würden. Aber wenn man sich dann das Interview mit Gauck anguckt und die strittige Passage nachliest, dann kommt totale Ernüchterung auf:

Deppendorf: Wenn wir jetzt mal Bilanz ziehen und anfangen – nach 25 Jahren: Möglicherweise wird bald ein Linker Ministerpräsident eines Bundeslandes, Herr Ramelow. Die Linke hat in Teilen die Nachfolge angetreten der alten SED. Ist das für Sie dann Normalität oder schwer zu verstehen?

Gauck: Naja, Menschen, die die DDR erlebt haben und in meinem Alter sind, die müssen sich schon ganz schön anstrengen, um dies zu akzeptieren. Aber wir sind in einer Demokratie. Wir respektieren die Wahlentscheidungen der Menschen und fragen uns gleichzeitig: Ist die Partei, die da den Ministerpräsidenten stellen wird, tatsächlich schon so weit weg von den Vorstellungen, die die SED einst hatte bei der Unterdrückung der Menschen hier, dass wir ihr voll vertrauen können? Und es gibt Teile in dieser Partei, wo ich – wie viele andere auch – Probleme habe, dieses Vertrauen zu entwickeln. Und wir erleben gerade in Thüringen einen heftigen Meinungsstreit: Ja, was ist denn diese Partei nun wirklich?

So, was ist jetzt daran bitte so dramatisch? Gauck formuliert Vorbehalte, die er hat und ich finde, das steht im auch zu! Er wurde dazu gefragt und beim 25. Jahrestag des Mauerfalls kann man auch ruhig mal darüber nachdenken, wie weit weg die SED nun wirklich schon ist. Es ist sehr ehrlich von Gauck, zu sagen, dass das für viele Menschen eine gewisse Anstrengung bedeutet. Das glaube ich nämlich auch. Gleichzeitig ist das eben auch eine Bewährungsprobe für alle Beteiligten und wir werden sehen, ob nun wirklich beginnend mit Thüringen das Abendland untergeht oder doch einfach nur ein Landesregierung in Thüringen ihre Arbeit tun wird.

Ein Bundespräsident darf auch ruhig mal fragen, wie das Verhältnis der Bürger zu einer Partei ist und auch wie sich eine Partei in den letzten 25 Jahren entwickelt hat. Übrigens frage ich mich das auch. Ich denke, dass rotrotgrün eine interessante neue Perspektive darstellen kann und dass man das mal in Thüringen ausprobieren sollte. Gleichzeitig halte ich nachwievor nicht viel von der sog. LINKE und es nervt mich auch maßlos, dass sie es immer noch nicht hinbekommen, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen und sich von dem System zu distanzieren. Aber jede Partei braucht so ihre Rituale, das scheint für die sog. LINKE einen gewissen inneren Kitt zu bieten.

Gauck hat nicht gesagt: „seid Ihr irre, lasst das sein!“, sondern er in einer Antwort auf eine Frage auf seine Vorbehalte hingewiesen, Fragen gestellt und gesagt, dass die Wahlentscheidungen der Bürger zu respektieren sind. Wir wollen doch immer Politiker, die ihre Meinung sagen. Als Bundespräsident darf er gerne mal unbequem sein, dafür haben wir ihn schließlich.

Der derzeit mandatslose Grünen-Politiker Malte Spitz hat ein Buch geschrieben: Was macht ihr mit meinen Daten? – das Buch habe ich noch nicht gelesen, ist aber ziemlich weit oben auf meiner Leseliste.

Malte macht nun das einzig Richtige – er promoted sein Buch.

Aber wenn ich diesen Artikel bei SpOn vom geschätzten Ole Reißmann lese, dann frage ich mich doch, ob Hysterie als Abverkaufsmotor nicht zu viel “der Zweck heiligt die Mittel” ist: Mein Datenschatten als Grafik: So durchschaubar sind wir

Diese Infografik hat es in sich: Der Politiker Malte Spitz hat bei Firmen und Behörden nach seinen Daten gefragt. Das Ergebnis ist erschreckend.

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Dazu gibt es eine interaktive Grafik, die aufzeigt, wann Malte in den vergangenen Jahren irgendwelches TV-Zubehör bei Amazon gekauft hat, in die USA eingereist ist oder sich ein Bahnticket bestellt hat.

Ja. Erschreckend. Malte kauft TV-Zubehör bei Amazon. Aber ganz ehrlich: ansonsten ist ist an der Grafik nichts, aber auch gar nichts erschreckend.

Natürlich werden Daten erhoben, wenn man im Web etwas bestellt. Das war übrigens auch schon zu Zeiten der Katalogversender so, ist also nichts Neues, auch wenn die Qualität und auch die Quantität der Daten sicherlich zugenommen hat. Natürlich werden Grenzübertritte festgehalten, Malte fährt ja nicht auf ein paar Hot Dogs nach Dänemark, sondern verlässt den Schengenraum. Natürlich speichert die Bahn Daten, wenn man ein Ticket online oder telefonisch kauft. Wenn man das nicht will, dann muss man eben bar bezahlen. Oder sich eine Bahncard 100 zulegen, dann gibt es keine Dokumentation der einzelnen Fahrten.

Aber worauf ich eigentlich hinaus will: die Infografik mit Maltes Daten suggeriert, dass alle diese Daten auch genau so zusammengeführt werden, um ein Profil zu erstellen. Damit künftig jeder Werbetreibende Malte mit seiner Vorliebe für TV-Zubehör und USA-Reisen direkt ansprechen kann. Allerdings gibt es eben keine zentrale Daten-Instanz, die NSA mal ausgenommen.

Abgesehen davon, dass diese Art der Granularität kaum Sinn macht und Werbetreibende daher versuchen, die Nutzer zu clustern, wird eben auch nicht Malte direkt angesprochen, sondern nur ein Nutzer mit den Merkmalen, die Malte bietet. Das ist ein ordentlicher Unterschied. Wenn also Profildaten angereichert werden, dann basiert es auf dieser Basis und nicht anhand der Stammdaten von Malte Spitz mit Wohnsitz und Information über den aktuellen Kontostand.

Es ist eben auch nicht so, dass Werbetreibende mit Koffern voller Geld bei Google, Twitter oder Facebook reingehen und mit einem Koffer voller persönlicher Daten der Nutzer wieder herausgehen. Die Werbetreibenden erhalten lediglich die Möglichkeit, Nutzer mehr oder weniger zielgerichtet anszusprechen, basierend auf der Clusterung deren Profile. Aber sie erhalten eben nicht den Datensatz von Malte Spitz.

Nun kann man natürlich sagen, dass das amerikanische Datenschutzrecht auf einer anderen Grundlage besteht als die europäischen Datenschutzbestimmungen und dass Irland eher locker mit Datenschutz umgeht und daher alle amerikanischen Internetfirmen per se böse sind. Das ist ja auch gerade en vogue. Allerdings bedeutet ein laxer Umgang mit persönlichen Daten der Nutzer eine Bedrohung des Geschäftsmodells, weswegen die Firmen eine intrinsische Motivation haben, die Daten der Nutzer zusammenzuhalten.

Ich gebe Malte Spitz allerdings in einem entscheidenden Punkt Recht (und fordere es ebenfalls schon länger): die Nutzer sollten jederzeit in der Lage sein, die über sie erhobenen Daten einzusehen. Transparenz schafft Vertrauen. Die Daten der Nutzer müssen verständlich und mit Erklärungen versehen aufbereitet sein. Natürlich sollten Nutzer in der Lage sein, einzelne Daten zu bearbeiten oder zu löschen.

Die in Deutschland gern geschürte Hysterie “die machen was mit Daten!” ist allerdings überhaupt nicht zielführend. Wir sollten stattdessen darüber diskutieren, wie wir die Datennutzung verbraucherfreundlicher gestalten können.

Ich habe jetzt eine Kolumne auf bild.de – beschmeisst mich mit Max Goldt Zitaten!

Hier ist es, damit ihr nicht so lange danach suchen müsst:

“Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun.”

Ich blogge seit mittlerweile über 11 Jahren. In dieser Zeit wurde ich mal als Blog-Guru und auch mal als Blog-Papst bezeichnet. Aber wirklich massenkompatibel wurde mein eigenes Blog nie, dafür ist die Frequenz der Artikel zu gering und die Themen sind irgendwie auch eigenartig. Noch dazu schreibe ich hier nur, wenn ich Zeit und Lust habe, was auch nicht unbedingt zu vielen Lesern führt. Dennoch nutze ich dieses Blog gerne, um meine Gedanken zu mir wichtigen Themen mit den Leserinnen und Lesern zu erreichen. Damit es hier eher textlastig wird, habe ich Anfang des Jahres ein eigenes Blog rund um Produkte gestartet, das sich Neueszeugs.de nennt.

Nachdem ich hin und wieder einmal Meinungsbeiträge in Zeitungen bzw. auf deren Websites (FAZ, Handelsblatt) veröffentlichen durfte, wurde ich Anfang Juni gefragt, ob ich nicht eine Kolumne auf Handelsblatt.com schreiben möchte. Zu dem Zeitpunkt hatte ich ein Beratungsmandat beim Handelsblatt, daher fiel der Einstieg leicht. Also schreibe ich seitdem über Themen der digitalen Transformation: Der Transformer – und habe damit die Filterblase meines Blogs und meiner Follower auf Twitter und Facebook ein klein wenig verlassen können.

cc-by-sa-2.0-de Magnus MertensIch schreibe auf Bild.de über die Herausforderungen bei der Digitalisierung der Gesellschaft. Ich schreibe darüber, weil ich es wichtig finde, möglichst eine breite Masse der Bevölkerung zu erreichen und dieses Thema massenkompatibel aufzubereiten. Wir haben dieses wichtige Thema viel zu lange nur in unserer Blase diskutiert, es aber nicht verstanden, den Rest der Gesellschaft mitzunehmen. Wir haben vor allem eine Sprache verwendet, die vor Anglizismen nur so strotzt und die es anderen Leuten schwer macht, das Thema zu durchdringen. Ich merke das immer wieder, wenn ich beispielsweise in SPD-Gliederungen zum Thema Digitalisierung rede und bei jedem Fremdwort laut gemurmelt wird.

Nur, wenn wir anderen Leuten klar machen wollen, wie wichtig das Thema ist, wenn wir nicht wollen, dass Leute das Thema ablehnen oder die falschen Rückschlüsse aus der Entwicklung ziehen, dann müssen wir das Digitale verständlicher kommunizieren. Und wir müssen mehr Leute als nur die eigene Filterblase erreichen.

Bislang betreiben wir hier viel “Preaching to the Choir”, predigen also den Bekehrten das, was sie schon wissen. Das ist toll, das fördert aber auch ungewollt eine gewisse Wagenburg-Mentalität. Man neigt dazu, sich gegenseitig zu bestätigen und dann die eigene Meinung als die reine Lehre zu begreifen. Nicht erst seit ich bei D64 als Co-Vorsitzender viele Gespräche mit unterschiedlichsten Interessengruppen führe, weiss ich, dass die Digitalisierung der Gesellschaft viele unterschiedliche Facetten hat. Wir müssen eben auch mal dahingehen, wo es weh tut. Deswegen engagiere ich mich im Programmbeirat von #digitalleben bei der SPD, halte Vorträge und schreibe Artikel zu den mir wichtigen Themen. Ich habe ein gewisses Sendungsbewusstsein entwickelt, weil ich es nicht ertrage, wie wenig wir in Deutschland gerade die digitale Zukunft gestalten.

Um noch mal auf Bild.de zurückzukommen. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich mal als Kolumnist auf Bild.de schreiben würde. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich mal mit BILD-Chef Kai Diekmann zu Mittagessen würde, um mit ihm über Entwicklungen in der Medienbranche zu diskutieren. Aber, wie sagte John Lennon mal so schön: “Life is what happens to you while you’re busy making other plans.” Und ich hätte übrigens auch nie gedacht, dass ich mal Diekmann und Lennon in einem Absatz nenne. Ich weiss auch, dass nicht alle nachvollziehen können oder verstehen wollen, warum ich auf bild.de eine Kolumne schreibe. Aber so ist das nun mal.