blockchain_revolutionEs hat eine Weile gedauert, bis ich mich durch Blockchain Revolution: How the Technology Behind Bitcoin Is Changing Money, Business, and the World
von Don Tapscott und Alex Tapscott durchgearbeitet habe. Denn diese 368 Seiten haben es in sich. Das Buch startet mit einigen richtig guten Punkten, warum Blockchain so wichtig ist und ich war ganz angetan von dem Buch. Das hat sich dann leider im Laufe des Buchs geändert und das Buch zog sich wie ein alter Kaugummi.

Am Beginn des Buches legen sich die Autoren fest – das Netz ist kaputt:

Many of the dark side concerns by early digital pioneers have pretty much materialized. We have growth in gross domestic product but not commensurate job growth in most developed countries. We have growing wealth creation and growing social inequality. Powerful technology companies have shifted much activity from the open, distributed, egalitarian, and empowering Web to closed online walled gardens or proprietary, read-only applications that among others kill the conversation. Corporate forces have captured many of these wonderful peer-to-peer, democratic, and open technologies and are using them to extract an inordinate share of value.

Die Lösung, ihr ahnt es, ist die Blockchain. Leider ist die Lösung quasi für alles die Blockchain, jedenfalls in diesem Buch. Dabei ist immer wieder die Idee, die global verfügbare Blockchain mit ihren Eigenschaften als immer verfügbares transparentes Kassenbuch, so zu nutzen, dass Transaktionen protokolliert und nachvollzogen werden können. Damit kann man distributed Apps (dApps) entwickeln und das Internet zu einem besseren Ort machen. Einige Ideen finde ich charmant, wie die verteilte Variante von AirBnB, aber viele Themen, die die Tapscotts vorgeschlagen haben, waren einfach nur abstrus.

Das Buch krankt daran, dass die Autoren unbedingt 368 Seiten vollschreiben mussten, aber eigentlich nur ein paar Kapitel ausgereicht hätten. Das Buch strotzt nur so vor Wiederholungen und Endlosschleifen, aber auch Banalitätenbingo zieht sich einmal quer durch das Buch.

We believe that blockchain technology could be an important tool for protecting and preserving humanity and the rights of every human being, a means of communicating the truth, distributing prosperity, and – as the network rejects the fraudulent transactions – of rejecting those cancerous cells from society that can grow into the unthinkable.

Und kalorienfrei ist es auch noch.

Ein Gutes hat das Buch allerdings. Ich halte die Blockchain-Technologie für ziemlich wichtig und vor allem sehr disruptiv. Sie wird etliche Branchen verändern. Die Autoren werden im Rahmen ihrer Buch-Touren das Thema Blockchain vielen Menschen vorstellen und das ist auch dringend überfällig, wenn man das Potential dieser Technologie heben will.

Blockchain Revolution: How the Technology Behind Bitcoin Is Changing Money, Business, and the World von Don Tapscott und Alex Tapscott.

Seit ich mich mit diesem Digitalzeugs beschäftige, gibt es neben vielen Veränderungen eine Konstante: die Professorin Sherry Turkle vom MIT analysiert klar und präzise, wie sich das Kommuniationsverhalten ändert und was das für uns als Menschen bedeutet. Aber dennoch bin ich von ihrem aktuellen Buch enttäuscht.

reclaiming_conversationReclaiming Conversation – The Power of Talk in a Digital Age basiert auf unzähligen Gesprächen, die Turkle mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen geführt hat und aus denen sie ableitet, dass wir uns nicht alleine auf die digitale Kommunikation verkürzen sollten. Am Beginn des Buches hatte ich viele „oh, das kommt mir aber bekannt vor!“ oder „oh, das bin ja ich!“ Momente und es wirkte so, als ob mir, bzw. meiner Familie ein Spiegel vorgehalten wurde. Allein die Erkenntnis, dass Kinder bei zu starker Nutzung von digitalen Werkzeugen die Fähigkeit verlieren, Empathie zu zeigen, fand ich persönlich sehr hilfreich. Vor allem aber auch, dass digital detox bei Kindern und Jugendlichen sehr schnell wieder dazu führt, dass Empathie zurückkommt, lies mich dann doch etwas beruhigter werden.

Letztendlich führten die vielen Beispiele des Buches am Anfang dazu, dass ich verstanden habe, was ich selber permanent falsch mache und was dies für mein Umfeld bedeutet. Ich habe beispielsweise die unhöfliche und unsympathische Eigenschaft entwickelt, in Meetings das iPhone aus der Tasche zu ziehen. Nicht, weil das Meeting langweilig ist, was allerdings auch mal vorkommt, sondern weil ich es ein Stück weit verlernt habe, jemandem meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Ich werde Besserung geloben, genau so wie ich schon länger versuche, beim Abendessen das iPhone in der Tasche zu lassen. Und natürlich habe ich auch viele Verhaltensweisen, die Turkle analysiert, bei meinen Kids schon öfter gesehen.

Allerdings sorgten die vielen Beispiele nach ca. 50 Seiten dafür, dass ich jedes neue Beispiel mit einem innerlichen „jaha, ich habe es begriffen!“ zur Kenntnis genommen habe und mehr und mehr genervt war von dem Buch, da einfach nichts Neues mehr kam, sondern nur noch weiter gezeigt wurde, wie sich die Kommunikation verändert und was das für Auswirkungen hat. Für mich ist dieses Buch ein klassisches Beispiel von „ein längerer Essay hätte mir auch gereicht.“ – 448 Seiten sind echt zu viel für mich.

Ich werde jetzt wieder mehr persönlich mit anderen Menschen reden. Das ist quasi der verspätete gute Vorsatz nach der Lektüre dieses Buches. Wundert Euch also nicht, falls ich plötzlich vor der Tür stehe.

Reclaiming Conversation – The Power of Talk in a Digital Age von Sherry Turkle.

Ob wir es nun wollen oder nicht, wir haben uns daran gewöhnt, dass wir uns mit dem Durchschnitt messen. Und durchschnittlich wollen wir meistens nicht sein, sondern besser als der Durchschnitt.

the_end_of_averageDr. Todd Rose erläutert in The End of Average – How to Succeed in a World that Values Sameness, dass der Durchschnitt keine zielführende Betrachtungsweise mehr darstellt, da wir Menschen sehr individuell und vor allem multi-dimensional sind. Da rennt Rose bei mir offene Türen ein, denn intuitiv fand ich die Betrachtungen eines Durchschnitts schon immer zu kurz gesprungen. Die Durchschnittsnoten sagen eben doch sehr wenig aus über die tatsächliche Eignung einer Bewerberin, sondern die individuellen Stärken und Schwächen halte ich für viel relevanter. Es hat mich auch schon immer genervt, wenn Mütter darüber diskutieren, ob ihre Babies sich richtig entwickeln, oder zu früh krabbeln, zu spät stehen oder was auch immer – alles basierend auf Durchschnittswerten mit zweifelhafter Bedeutung für das einzelne Kind. Und auch die Laufleistung eines Fußballers sagt wenig aus, wenn er immer goldrichtig steht und ein Tor nach dem anderen macht.

Rose zeigt auf, wie die Idee, Menschen anhand eines Durchschnitts zu klassifizieren, während der Industrialisierung entwickelt wurde und bis heute unser Bildungssystem, aber auch unsere Arbeitswelt dominiert. Was damals zielführend war, um Vereinheitlichungen zu etablieren, ist mittlerweile überkommen, insbesondere weil wir mittlerweile viel mehr Daten zur Verfügung haben, die uns erlauben, mehr als nur den Durchschnitt zu betrachten.

Das Buch macht deutlich, wie sehr Taylorismus die Gegenwart immer noch prägt, obwohl wir eigentlich alle wissen, dass diese Prinzipien längst überholt sind. Aber es ist eben schwer, mal eben die Fundamente von Gesellschaften auszutauschen, auch wenn dies dem einzelnen Menschen gerechter werden würde.

The End of Average

bulletproof_dietNachdem ich mit der Umstellung auf Slow-Carb Ernährung gute Erfahrungen gemacht habe und zügig 15 kg verloren habe, ist irgendwann die Bulletproof Diet von Dave Asprey in den Fokus gerückt. Asprey verspricht vollmundig: Lose up to a Pound a Day, Reclaim Energy and Focus, Upgrade Your Life – na, das klingt doch mal nach einem Ansatz.

Dave Asprey ist ähnlich wie Tim Ferriss ein Bio-Hacker, der über viele Jahre an sich selber immer wieder bestimmte Ernährungsweisen, Nahrungsergänzungsmittel oder sportliche Übungen ausprobiert hat. Ich finde das gut, dann muss ich das nämlich nicht machen, sondern kann mir das Kondensat all dieser Bemühungen kurz durchlesen und dann entscheiden, was ich davon übernehme.

Die Bulletproof Diet basiert auf dem LCHF-Prinzip, also Low-Carb, High-Fat – und damit ähnelt es der Slow-Carb Diät durchaus, ist aber anders. Asprey hat diese Diät entwickelt, weil er selber Erfahrungen gesammelt hatte mit seinem eigenen Körper, der durch falsche Ernährung zu hohe Entzündungswerte im Blut aufwies. Asprey versucht, diese Entzündungswerte zu minimieren und teilt dadurch die Lebensmittel auf einer Skala von Bulletproof bis Kryptonite ein. Letztere sollte man unbedingt vermeiden. Einen Überblick über die Bulletproof-Diät gibt es auf dieser Bulletproof Infografik (PDF).

Aspreys Claim to fame ist allerdings der Bulletproof Coffee, den man morgens trinkt und der dafür sorgt, dass man bis zum Mittag nichts essen muss. Letztendlich nimmt man in der Abnehmphase so nur 2 Mahlzeiten zu sich und hat eine ziemlich lange Fastenperiode jeden Tag, in der idealerweise der Körper in den Zustand der Ketose rutscht und Fett abbaut. Der Bulletproof Coffee ist leicht zuzubereiten und schmeckt erstaunlich lecker: Kaffee, zwei Esslöffel Butter (natürlich von Kühen, die auf der Weide stehen) und zwei Esslöffel MCT-Öl. MCT-Öl ist quasi das Wundermittel der Bulletproof Diät – die mittelkettigen Triglyceride sollen direkt Energie liefern und uns leistungsfähiger machen.

Was mich bei der Lektüre des Buches immer wieder erstaunt hat: wie schwierig es für amerikanische Konsumenten sein muss, qualitativ hochwertige Lebensmittel zu bekommen – oder wie sehr ich mich an den Bioladen um die Ecke und den Bio-Wochenmarkt gewöhnt habe.

Kritiker halten die Bulletproof Diät für Quatsch und vor allem für gutes Marketing, damit Asprey seine Bulletproof Produkte verkauft. Ich finde das Ernährungskonzept interessant, da es weniger rigoros auf mich wirkt als die Slow-Carb Diät von Tim Ferriss. Ich werde das jetzt mal testen und sehen, wie mein Körper das so findet.

Bulletproof Diet – Lose up to a Pound a Day, Reclaim Energy and Focus, Upgrade Your Life

Auf dieses Buch bin ich durch Twitter gestoßen. Dushan Wegner ist mir dort aufgefallen, weil er des Öfteren Links zu interessanten Artikeln gepostet oder aktuelle politische Themen kritisch kommentiert hat. Nun kaufe ich nicht gleich jedes Buch, das irgendjemand auf Twitter geschrieben hat, aber natürlich sorgt es bei mir für eine gewisse Neugier, wenn jemand ein Buch geschrieben hat und sich auf Twitter auch nicht ganz blöd anstellt.

talking_pointsPolitische Kommunikation ist ein Thema, das mich seit meinem Studium fasziniert, damals waren die Seminare zu Wahlen und Wahlkämpfen immer die Highlights für mich. Talking Points oder die Sprache der Macht: Mit welchen Tricks Politiker die öffentliche Meinung steuern von Dushan Wegner wirft einen Blick auf die Sprache der Politik und wie sie uns Wähler beeinflussen soll. Dabei benennt Wegner Effekte wie „Güte“, „Weisheit“, „Echtheit“, „Vereinfachung“, „Angst“ oder „Mit der Herde sprechen“ und erläutert, wie diese von Politikern und ihren Kommunikatoren eingesetzt werden und welches jeweilige Ziel damit verfolgt wird. Zusätzlich bringt Wegner immer wieder Exkurse, um speziellere Themen wie „Essen in der Politik“, „Spindoctors“ oder „Nimby“ zu beleuchten.

Wegner seziert die politische Sprache und erläutert dem geneigten Leser, was sich hinter Formulierungen versteckt und wie Reden funktionieren sollen. Allerdings fehlt mir der Lesefluss bei diesem Buch. Die Effekte werden erläutert und von Exkursen, die durchaus interessant sind, immer wieder unterbrochen. Vermutlich liegt es an der Linearität eines Buches, aber bei der Lektüre fehlte mir nach einigen Kapiteln der rote Faden. Es hätte dem Buch gut getan, wenn am Ende des Buches noch zwei, drei Reden anhand der vorher diskutierten Effekte erläutert worden wären, damit man einen besseren Überblick bekommt.

Von allen Effekten fand ich am einprägsamsten, dass man zuerst eine Forderung aufstellen sollte, um sie dann zu begründen und nicht erst die Begründung formuliert, um dann eine Forderung davon abzuleiten. Das ist für mich für meine politische Arbeit ganz praktisch zu wissen, genauso wie die das Umhängen des Deutungsrahmens.

Was mir ziemlich sauer aufgestossen ist: Wegner formuliert immer wieder von Oben herab und es wirkt so, als ob er von den handelnden Personen seines Buches, nämlich den Politikerinnen und Politikern, nicht viel hält. Das tut dem Buch nicht gut. Insgesamt bietet Wegner einen guten Überblick über das, was hinter der Sprache der Politik steckt.

Talking Points oder die Sprache der Macht: Mit welchen Tricks Politiker die öffentliche Meinung steuern