Es ist äußerst selten, dass ich ein Buch, bzw. den Kindle in die Hand nehme und das Buch in einem Rutsch durchlese. Auerhaus ist so ein Buch.

auerhausAuerhaus spielt in der Provinz in der Nähe von Stuttgart in den 80ern. Als Berlin noch eine wirkliche Insellage hatte und einen Ausweg aus der Wehrpflicht darstellte. Als es noch Telefonzellen gab und als man noch in die Schule oder zur Stadt trampte.

Auerhaus könnte auch in meiner Schulzeit gespielt haben, alles kommt mir merkwürdig bekannt vor, die Charaktere habe ich so oder so ähnlich auch gekannt, bzw. mich in ihnen wiedergefunden. Diese Zeit vor dem Abi, als noch alles ungeklärt war, man nicht genau wusste, was als nächstes kommen würde und man stetig dabei war, die Grenzen auszuloten.

Auerhaus ist ein schnelles Buch, es erzählt die Geschichte einer Handvoll Jugendlicher, die mit Frieder in ein Haus ziehen, damit er nicht wieder versucht, Selbstmord zu begehen. Madness liefert quasi den Soundtrack zum Buch, denn dieses gemeinsame Haus bedeutet für die Jugendlichen nicht nur Verantwortung zu übernehmen und mit dem Leben auf ihre eigene Art klar zu kommen, sondern eben auch eine exponierte Präsenz im Dorf, denn dort fallen sie auf in dem Haus in der Mitte des Dorfes.

Seit ich Auerhaus durchgelesen habe, schwirren Namen von damals in meinem Kopf, Bilder flashen auf von Parties, von endlosen Diskussionen an Küchentischen, von Joints, von schräger Musik, merkwürdigen Ausflügen, wirren Typen und von viel Neugier und stellenweise schwachsinnigem Mut. Witzigerweise sind die meisten Leute von damals im klassischen Sinne „was geworden“, also kann uns das nicht so sehr geschadet haben. Aber natürlich ist Auerhaus ganz anders.

Lest Auerhaus, es ist ein tolles Buch.

the_swerveVor ein paar Jahren bin ich über The Swerve gestolpert, denn jemand, dessen Blog ich gerne lese, hatte das Buch erwähnt. Ich weiss allerdings mittlerweile schon gar nicht mehr, wer das Buch empfohlen hatte. Und nachdem ich das Buch jetzt durchgelesen habe, stelle ich bei meiner Recherche fest, dass Stephen Greenblatt für The Swerve: How the World Became Modern den 2012 Pulitzer Prize for General Non-Fiction und den 2011 National Book Award for Nonfiction verliehen bekommen hat.

Na, dann muss das Buch aber gut gewesen sein, oder?

Ich bin kein Fan von langen Büchern und 356 Seiten ist echt zu viel für mich. Aber ich habe das Buch durchaus mit Genuss durchgelesen, denn Greenblatt gelingt ein interessanter Spagat zwischen den alten Griechen und den Römern bishin zum Mittelalter. Es geht bei dem Buch um die Wiederentdeckung eines Gedichtes von Lucretius: „On the Nature of things“, oder wie wir alten Lateiner sagen: „De rerum natura“ – das durch Poggio Bracciolini im 15. Jahrhundert in einem deutschen Kloster wiederentdeckt wurde. Durch die dann einsetzende Vervielfältigung wurde dann Gedankengut in Umlauf gebracht, das die Renaissance lostrat, so Greenblatt.

Da ich mal Mittlere und Neuere Geschichte studiert hatte, fand ich diese Fragestellung spannend, denn das ist ja immer so eine der wesentlichen Fragen: „warum ist eigentlich was passiert nach so vielen Jahren Mittelalter?“ – und da entwickelt Greenblatt wirklich eine lesenswerte Story, bei der er gleichzeitig noch ein eindrucksvolles Bild von der römischen Kurie zu der Zeit abliefert.

Alles in allem ein lesenswertes Buch, aber stellenweise hatte es wirklich seine Längen und ich habe mich lange gefragt, was denn nun in diesem sagenumwobenen Gedicht alles drinsteht. Lurcretius hatte bereits vor über 2000 Jahren über Atome geschrieben, aber auch über den freien Willen von Lebewesen – das sind natürlich schon bahnbrechenden Ideen gewesen damals, was naheliegender Weise von der Kirche nicht als hilfreich erachtet wurde.

Das Buch gibt einen guten Blick in das ausgehende Mittelalter und zeigt mit diesem ideengeschichtlichen Abriss eine der wichtigsten philosophischen Entwicklungen auf.

The Swerve: How the World Became Modern
Die Wende: Wie die Renaissance begann

Ich habe in den letzten 8 Wochen 15 kg abgenommen – und da ich immer wieder gefragt werde, wie ich das geschafft habe, könnt ihr hier nachlesen, wie ich das gemacht habe. Dabei war für mich ausschlaggebend, dass die Slow-Carb Diät von Tim Ferriss nicht so aufwändig ist, sondern eher auf dem Weglassen von Kohlenhydraten basiert und ich ohne große Umstellungen diese Form der Ernährung in meinen Tagesablauf integrieren kann. Natürlich hatte ich auch schon etliche Male versucht, durch mehr Sport abzunehmen, aber das ist zeitaufwändig, anstrengend und kaum von Erfolg gekrönt, wenn man nicht auch die Ernährung umstellt.

Slow-Carb basiert auf 4 Punkten:

  1. Verzicht auf weiße Kohlenhydrate
    • keine Kartoffeln, keine Nudeln, kein Reis, kein Mehl
    • kein Frittiertes
    • kein Müsli
    • und natürlich kein Zucker
  2. Einfach zu kombinierende Bestandteile der Mahlzeiten – laut Ferriss sorgen die Hülsenfrüchte für die bessere Aufnahme von Kohlenhydraten, da sie länger verarbeitet werden.
    • Proteine: Eier, Hähnchenbrust, Rind, Schwein
    • Hülsenfrüchte: Linsen, Kidney Bohnen, etc.
    • Gemüse: Spinat, Spargel, Erbsen, Grünkohl, etc.
  3. keine Kalorien trinken, sondern nur:
    • Wasser
    • Kaffee
    • Tee
  4. an einem Tag der Woche kann man essen, was man will. Hurra.

Wichtig ist dabei, dass man pro Mahlzeit genügend Proteine zu sich nimmt, Ferriss empfiehlt 30 Minuten nach dem Aufstehen 30g Proteine zu essen. Das ist also beispielsweise ein Rührei basierend auf 5 Eiern, oder 3 Eiern plus Linsen, oder ein Protein-Shake oder eine Packung Hüttenkäse.

Ich habe in den letzten 8 Wochen immer wieder unterschiedliche Dinge ausprobiert und mich dabei morgens und abends gewogen. Dabei habe ich festgestellt, dass das von Ferriss erlaubte Glas Rotwein am Abend zwar gut schmeckt, aber den Fettabbau einschränkt – ohne Rotwein am Abend nehme ich schneller ab. Fiese ist bei mir der Cheatday am Sonntag, an dem ich „wieder normal“ esse und beim abendlichen wiegen dann locker 2kg mehr auf die Waage bringe. Spätestens Mittwoch ist das alles wieder runter. Laut Ferriss muss man das machen, damit der Körper nicht in einen Sparmodus fällt und man weniger Energie verbraucht – das würde eben auch nicht beim Fettabbau helfen.

Ich esse viel Thunfisch aus der Dose, das sind fast 30g Proteine pro Dose, viel Salat mit Feta, viel Hüttenkäse, ab und zu mal Skyr – damit komme ich gut über den Tag bzw. durch die Woche. Hüttenkäse ist sehr reich an Eiweiss, hat kaum Fett, aber man muss es auch mögen. Beim Dönerteller lasse ich die Pommes weg und frage nach mehr Salat, derartiger Verzicht auf Kohlenhydrate klappt eigentlich ganz gut. Nur bei Spaghetti Bolognese, was unsere Kinder mindestens einmal die Woche essen wollen, fällt es schwer, die Nudeln wegzulassen. Dann esse ich eben Salat.

Allerdings nehme ich auch Hilfsmittel, wie die Protein-Shakes von Leyenberger, die Proteinriegel von Leyenberger, die Big Blocks von Protein System und abends auch mal Schweinekrusten. Die Protein-Shakes sind klasse, wenn man morgens mal keine Lust auf Rührei hat oder wenn es schneller gehen muss.

Damit meine Muckis was zu tun haben, mache ich seit einigen Wochen Kettlebell Swings – da dauert eine Einheit nur ein paar Minuten und danach kann ich vor Kraft kaum Laufen. Wie das geht, kann man hier sehen, bei mir sieht es  vermutlich noch eleganter aus.

Ich wiege mich morgens und abends auf meiner Withings-Waage und staune dann über die Daten in der iPhone App. Die Waage errechnet den BMI und das reicht mir als Annäherungswert, eine Körperfettwaage wäre die nächste Anschaffung, aber aktuell sehe ich durchaus noch, dass ich zu viel Körperfett habe.

Für mich bedeutet diese Ernährungsumstellung vor allem, dass ich keinen Jieper mehr auf Süßigkeiten habe –  der schnelle Griff zum Schokoriegel, weil der Insulinspiegel gerade nach Zucker schreit, ist bei mir vorbei. Das hilft ungemein – ebenso wie der nahezu völlige Verzicht auf Bier, was gerade in Zeiten von Craft Beer wirklich schwierig ist.

Bis zum Sommer ist noch etwas Zeit, um an meiner Bikinifigur zu arbeiten.

 

Neulich im Alpha-Forum

Nico —  19.01.2016

45 Minuten Gespräch mit mir über das Digitale an sich, was ich so mache und wieso. Natürlich im Bildungskanal, wo denn sonst.

Uwe Knüpfer versuchte einmal, Bundestagkandidat zu werden und trat gegen Michelle Müntefering in Herne an. Er unterlag und viele sahen sein Engagement als Affront an, denn er trat als Chefredakteur des Vorwärts gegen die ehemalige Voluntärin Michelle Müntefering an. Knüpfer ist ein langgedienter politischer Journalist, der u.a. Auslandskorrespondent in Washington, D.C. und Chefredakteur der WAZ war.

Man kann also durchaus behaupten, Knüpfer weiss, wie der Politikbetrieb funktioniert, denn er ist seit vielen Jahrzehnten als Insider nah dabei.

du_bist_das_volkIch werde künftig jedem, der zu mir sagt: „Du bist doch so ein politischer Mensch, warum gehst Du nicht in die Politik?“ das Buch Du bist das Volk – Eine Anleitung zum Politiker-Sein: In zwölf Ermunterungen empfehlen. Denn Knüpfer beschreibt in diesem Buch schonungslos und süffisant, was es bedeutet, die Politik zum Beruf zu machen. Ich kenne viele Aspekte davon aus eigener Erfahrung, denn als Politikersohn habe ich selber erlebt, was für ein großer Zeitfresser die Politik ist und was das für die Familie bedeutet.

Knüpfer zeigt ziemlich direkt auf, welche Entbehrungen man auf sich nehmen muss, wenn man im Politikbetrieb vorankommen will. Man kann das Buch als Anleitung und als Warnung zugleich verstehen, denn seine Hinweise sind durchaus zielführend, wenn auch schonungslos direkt. Der Idealismus fällt hinten runter, wenn man die Karriere geplant werden soll und ich weiss von vielen Gesprächen mit Politikern, wie schwer es ist, diesen Idealismus im Tagesgeschäft nicht gänzlich zu verlieren.

Das Ansehen der Politikerinnen und Politiker ist nicht sehr groß, ihr Einsatz allerdings um so mehr. Dafür gibt es im Vergleich mit Leitungspositionen in der Wirtschaft wenig Geld, dafür aber viel Kritik und Gemecker. Wer sich das antun will, verdient meinen Respekt, auch wenn ich vermutlich nicht mit allen Positionen einverstanden bin. Knüpfer wirbt nicht wirklich für den Beruf des Politikers, aber er zeigt, was man tun muss, damit es funktionieren kann.