52 Bücher – Nr. 47: Wer wagt, beginnt

Wer wagt, beginnt ist das Buch des Grünen-Politikers Robert Habeck und ich habe es von meinem Bruder zu Weihnachten bekommen. Zur großen Freude meiner Familie habe ich es direkt durchgelesen, so gut fand ich es.

Ich habe schon seit einiger Zeit die politische Karriere von Robert Habeck interessiert beobachtet, weil ich finde, dass er ziemlich oft das Richtige sagt und sich einer erfrischenden Sprache bedient, die sich wohltuend abhebt von dem leider üblich gewordenen Funktionärsdeutsch.

Man merkt dem Buch an, dass Habeck vor seinem Eintritt in die Politik als Schriftsteller gearbeitet hat. Es liest sich flüssig und er webt gekonnt eigene Erfahrungen und seine politischen Ziele zusammen, so dass alles wie aus einem Guss und dadurch sehr authentisch wirkt.

“Politik bedeutet, in Alternativen zu denken.” – das finde ich einen sehr starken Satz und das kann ich sofort unterschreiben. Ich bin mir sehr sicher, dass die Politik unter dem Mantra der merkelschen Alternativlosigkeit gelitten hat in den letzten Jahren. Leider versäumt Habeck es, konkrete Ziele zu formulieren, sondern bleibt dabei, sein Verständnis von Politik zu formulieren, dass visionäre Ziele mit Realismus paaren will. Was mir natürlich wieder prompt aufgefallen ist: die Digitalisierung spielte keine Rolle, sondern war nur eine Fussnote in diesem Buch. Das finde ich ehrlich gesagt zu wenig für jemanden, der sich als Spitzenkandidaten einer Partei zur Wahl stellt.

Im Vergleich zu den anderen Spitzenpolitikern der Grünen ist Robert Habeck eine wirklich herausragende Person, den ich noch viele Aufgaben in diesem Land übernehmen sehen möchte.

Wer wagt, beginnt von Robert Habeck.

52 Bücher – Nr. 46: Als ich in meinem Alter war

Ich halte Torsten Sträter für einen der derzeit besten Komiker in diese Land, jetzt mal die vielen unfreiwilligen nicht mitberücksichtigt. Wir haben bei seinen Büchern ein Ritual entwickelt. Meine Frau schenkt es mir und ich lese dann Abends im Bett daraus vor und wir lachen uns dann quasi in den Schlaf.

So auch bei Als ich in meinem Alter war. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich es heimlich irgendwann alleine weitergelesen habe. Sträter hat einen herrlich bekloppten Humor und seine Geschichten sind alle wunderbar skurril. Positiv ausgedrückt könnte man sagen: “der Typ hat einen Schuss Pisse im Kopp!” – aber das gehört sich sicherlich nicht.

Egal, das ist ein kurzweiliges Buch, das man durchaus lesen kann.

Als ich in meinem Alter war von Torsten Sträter.

52 Bücher – Nr. 45: 1933 war ein schlimmes Jahr

“Fante was my god” hat Charles Bukowski mal geschrieben, aber das wusste ich natürlich nicht, als ich an einem Sonntag Morgen mit dem Hund zum Brötchenholen war und wie immer das Schaufenster von Das Buch in Eppendorf bestaunte und mich über die vielen interessanten Bücher in der Auslage freute. Leider kaufe ich dort nie ein Buch, denn der Laden hat immer zu am Sonntag Morgen und ich lese eh lieber auf dem Kindle und vermutlich werde ich deswegen mal irgendwann in die Buchhändlerhölle kommen, aber wenn ihr Papierbücher gerne lest, dann geht bitte zu Das Buch in Eppendorf und kauft dort ein, reichlichst. Jedenfalls lag dort 1933 war ein schlimmes Jahr von John Fante und allein schon wegen der Kombination von Baseball, der Jahreszahl 1933 und der Untertreibung “schlimmes Jahr” habe ich das Buch sofort auf dem iPhone gekauft. Und dann herausgefunden, dass ich ein Buch eines großen amerikanischen Literaten gekauft hatte, von dem ich zu meiner großen Schande noch nie etwas gehört hatte.

Das Buch handelt von einem Jungen, der in ärmlichen Verhältnissen in einer Kleinstadt in Colorado lebt und davon träumt, Baseball-Profi zu werden, damit er und damit auch seine Familie den wirtschaftlichen Aufstieg schaffen. Die Verheissungen Amerikas haben sich für diese Einwandererfamilie aus Italien bislang noch nicht so materialisiert, wie es die Großeltern erhofft hatten. Der Vater des Jungen hält von den Plänen seines Sohnes wenig und will stattdessen, dass der Sohn wie der Vater ebenfalls Maurer wird und damit dem Vater bei der Arbeit helfen kann. Hinzu kommt noch ein bester Freund, der aus reichem Hause kommt und eine wunderschöne Schwester hat.

Fante schrieb einen klassenkämpferischen Roman über Träume und Notwendigkeiten, über das Übertreten von Grenzen und über familiären Zusammenhalt.

1933 war ein schlimmes Jahr von John Fante.

52 Bücher – Nr. 44: F–k Ivy and Everything Else

Schon wieder ein Buch mit Fuck im Titel, dieses Mal vom Designer Mark McNairy, der mit F–k Ivy and Everything Else einen herrlichen rotzigen Stil-Ratgeber für Männer abgeliefert hat. Getreu dem Motto “you have to know the rules to break them” stellt McNairy seine Stil-Prinzipien vor. McNairy hat sowohl für J.Press als auch für Woolrich Woolen Mills und Bass gearbeitet, kennt sich also mit amerikanischen Stil-Ikonen durchaus aus. Pro Doppelseite liefert McNairy einen Design-Grundsatz und eine Bebilderung, bei der er gerne Ikonen wie Frank Sinatra, Steve McQueen oder Paul Newman als Beispiele nutzt.

McNairy liebt die Traditionen des amerikanischen Ivy League Stils und bricht vehement mit ihnen, wo er nur kann. Daraus resultiert ein eigener Stil, der durchaus humorvoll und cool ist. McNairy empfiehlt, dass man sich selber nicht zu ernst nehmen sollte und das versucht er auch in seiner Kleidung zu verankern.

F–k Ivy and Everything Else von Mark McNairy.

52 Bücher – Nr 43: Der Walden Field Guide

Ich habe nicht nur Walden von Henry David Thoreau als Schüler verschlungen, sondern bin auch begeisterter Leser der Zeitschrift Walden, die mehrmals im Jahr meine Sehnsüchte füttert. Ich würde gerne mehr in der Natur sein, mehr Wandern, mehr Stille geniessen, so wie man sich das eben als in der Großstadt lebender Vater von vier Kindern wünscht.

Daher habe ich mich sehr über den Walden Field Guide – Das ganze Jahr unterwegs in Deutschland gefreut, den ich zu Weihnachten bekommen habe. Monat für Monat wird erläutert, welche Tiere und Pflanzen man jetzt draußen entdecken kann. Hinzu kommt die Klärung wichtiger Fragen, die man sowieso von den Kindern gestellt bekommt und deren Antworten man kennen sollte. Also z.B. warum knistert Holz beim Brennen? oder woher kommt der Sand am Strand? Die Monatsstatistik zeigt auf, was man von den jeweiligen Monaten erwarten kann, natürlich garniert mit einer Bauernregel.

Der Walden Field Guide bietet einen schönen Überblick über das, was man in Deutschlands Natur erwarten kann. Selbst der Lummensprung fehlt in diesem Buch nicht.

Der Walden Field Guide – Das ganze Jahr unterwegs in Deutschland von Barbara Lich.