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Der Journalist Martin Giesler hat kürzlich kritisiert, dass immer mehr Social Media Manager im Medienbereich offensiver mit Trollen umgehen: Zurücktrollen ist keine Option. Stattdessen fordert Giesler:

Mittel- und langfristig sollte es das Ziel einer jeden Redaktion sein, wirklich mit den Usern ins Gespräch zu kommen und etwa Recherche-Wege aufzeigen, zusätzliche Fakten präsentieren, redaktionelle Entscheidungsprozesse transparent machen.

Nee. Sollte es nicht. Weder die Kommentarspalte unter einem Artikel noch eine Social Media Präsenz ist eine therapeutische Einrichtung. Trolle wollen trollen, sie wollen nichts erklärt bekommen. Der ZEIT Online Chefredakteur Jochen Wegner wiederum fordert: Lasst die Trolle verhungern und er meint, dass „Gelassenheit und Diskussion – viel Diskussion“ helfe.

Ich glaube, das ist alles noch zu nett.

Es gibt einfach viel zu viele destruktive Idioten da draussen, die kein Interesse an Diskussion oder Erklärung haben, die einfach nur Diskussionen stören oder zerstören wollen.

Ich sehe das so: da kommt jemand, sieht ein paar Leute rumstehen, die sich angeregt unterhalten, und kotzt dieser Gruppe voll auf die Füße. Nun kann man tolerant sein oder total nett sein und sich denken, dass sowas ja mal vorkommen kann. Und dann sieht man, wie der Typ aufsteht, zur nächsten Gruppe geht, die sich angeregt unterhält und auch diesen Menschen mitten auf die Füße göbelt. Und dann kommt der nächste Rumkotzer und dann noch viel mehr von der Sorte. Nach und nach stehen bei den einzelnen Gruppen stehen immer weniger Menschen rum, die sich unterhalten, man wendet sich ab und geht.

Das ist doch wiederum auch zum kotzen!

Ich will nicht, dass wir uns diese Errungenschaft des Meinungsaustausches, dieser Möglichkeit zu lernen, dieser Chance zu streiten, einfach so kaputt machen lassen.

Ich fand früher harte Kommentarregeln immer befremdlich, aber mittlerweile glaube ich, dass man wirklich sehr eng fassen muss, was geht und was nicht geht. Ich gehe sogar so weit, dass ich eine Art RednerInnenliste einführen würde, damit nicht eine Person immer und immer wieder die Diskussionen dominiert. Weiterhin würde zeitliche Komponenten einbauen, damit nicht immer diejenigen eine Diskussion bestimmen, die zu viel Zeit und Energie haben. Nicht jeder hat permanent Zeit, alles im Netz zu diskutieren, was einem gerade wichtig erscheint. Das ist einer der Kardinalfehler bei den Online-Debatten, zu meinen, dass alles immer in Realtime ablaufen muss. Es sind nicht immer alle gleichzeitig in der Lage, online zu diskutieren. Wir müssen das Asynchrone wieder mehr fördern, dann dauern Debatten länger und sind vermutlich auch für alle zielführender. Vor allem aber müssen diejenigen geächtet und ausgeschlossen werden, die nur die Debatten stören und rumnerven. Es gibt einfach zu viele Heckenpenner da draußen, die irgendwelche völlig abstrusen „Argumente“ anführen und diese immer und immer wiederholen, damit aber lediglich destruktiv die Diskussionen stören wollen. Mir wäre es auch völlig egal, ob das treue Leser oder Käufer sind, es ist ein Teil der Online-Hygiene, dass man aufhört, diese Menschen stillschweigend zu tolerieren, sondern anfängt, die kotzenden Arschgeigen mit einem ordentlichen Arschtritt vom Hof zu befördern.

Daher ist es gut, wenn immer mehr Community Manager diese Troll genannten Arschlöcher vor allen anderen Nutzern als Arschlöcher bloßstellen und sie zum Gespött der Leute machen. Das ist genau richtig. Asoziales Verhalten erfordert soziale Ächtung, nicht Verständnis. Das kann aber nur der Anfang sein, wir brauchen bessere Algorithmen für ordentliche Diskussionen im Netz!

Schöner bloggen ohne SEO

Nico —  16.01.2015

Mein ehemaliger Kollege Patrick Meier, der unlängst mein altes Projekt Blogg.de übernommen und zu neuer Blüte führen will, hat mich heute auf einen Text aufmerksam gemacht, der mich immerhin zum Nachdenken gebracht hat: Blogger die auf Google starren.

Dieses Blog hier ist ja schon etwas älter und gehörte tatsächlich mal zu den meistgelenen Blogs in Deutschland. Das lag neben dem üblichen brutal guten Premium-Content vor allem an der Tatsache, dass es früher weniger Blogs gab, alle Blogs unter einander gut verlinkt waren, viele Updates erschienen und der Algorithmus von Google noch nicht so gut optimiert war wie jetzt. Die Folge war, dass viel Traffic von Google kam, teilweise auf absurdeste Keywords. Nach ein paar Umzügen mit diesem Blog auf verschiedene Systeme und immer wiederkehrenden Phasen mit einer geringeren Posting-Frequenz ist der Google-Traffic hier ordentlich zurückgegangen und den PageRank 6 habe ich auch schon lange nicht mehr.

Aber auch ich hatte meine Achtungserfolge, aber die waren nicht immer geplant. So habe ich mal ein Foto von einer Zeitschrift gemobloggt, (ja richtig: Moblog, so nannte man das damals, wenn man mit dem Smartphone ein Foto machte und direkt ins Blog stellte) und ein paar Tage später schwappte Unmengen an Google-Traffic auf mein Blog, was in den längsten Kommentar-Thread aller Zeiten auf meinem Blog resultierte: Tokio Hotel. Zweifelhaften Erfolg hatte ich mit einem Artikel über das Thema Nick Berg Enthauptung unzensiert Video Folter Irak Foto, denn das führte lauter Spinner und Verwirrte auf mein Blog, die unzählige nicht veröffentlichungswürdige Kommentare hinterliessen. Aktuell schwappt gerade eine Welle auf meinen Artikel Der Elternabend an sich – die frühen Jahre, was sicherlich an dem Film mit Anke Engelke liegt.

Schon vor etlichen Jahren bin ich dazu übergegangen, das Thema SEO für mein Blog nahezu komplett zu ignorieren. Natürlich habe ich diverse Plugins im Einsatz, die dafür sorgen sollen, dass meine Artikel formal so ausgliefert werden, wie Google es gerne hätte. Aber viel wichtiger finde ich es mittlerweile, die richtigen Sharing-Plugins zu haben, um Traffic über Social Media zu bekommen. Auf Neues Zeugs habe ich einen schönen Traffic-Zuwachs gesehen, seit ich automagisch alle Artikel bei Pinterest einstelle und auch auf mein Google+ Profil schiebe. Aber hauptsächlich landen die Leser auf lumma.de und auf neueszeugs.de, weil ich auf Twitter oder Facebook sage: “guck mal, das ist interessant!” – und das bedeutet auch eine ordentliche Verpflichtung. Denn ich schreibe nicht für den Google Bot und Leute, die ich nicht kenne, sondern ich schreibe für Leute, die mir auf den Social Media Kanälen folgen. Diese Leute wollen nicht verarscht werden, sondern die clicken auf einen Link, weil sie erwarten, dass es sie interessieren könnte. Ehrlich gesagt finde ich es viel angenehmer, so meinen Traffic zu bekommen als nur über Google. Auch wenn nicht immer alles das, was ich schreibe, für alle Nutzer interessant ist. Das sieht man dann aber auch sehr direkt an den Statistiken und den mickrigen Zahlen an den Share-Buttons.

Die Fokussierung auf SEO ist für Blogger ein Irrweg. Fokussiert auf tolle Inhalte und schon sorgen die Nutzer in den sozialen Netzwerken für die Verbreitung!

Die Sache mit Neues Zeugs

Nico —  21.03.2014

neueszeugsvisualisiertSeit knapp zwei Wochen habe ich ein neues Blog mit dem tollen Namen Neues Zeugs. Dort mache ich eigentlich das, was ich schon seit Ewigkeiten immer irgendwie gemacht habe, nur vielleicht einen kleinen Tick strukturierter: ich verlinke Produkte, die ich irgendwie interessant finde.

Neudeutsch heisst das ja Content Curation und bereits 2007 habe ich mit meinem damaligen Startup Shoppero versucht, dieses Thema für den Bereich Shopping anzugehen. Später dann habe ich Links zu Produkten getwittert, auf ein Tumblr-Blog gepackt oder auf Pinterest gepinnt, aber irgendwie fand ich die Lösungen alle irgendwie nur bedingt zufriedenstellend.

Nun also ein einfaches Blog, damit ich tagtäglich die Produkte präsentieren kann, die ich so finde und die mir aus irgendwelchen Gründen gefallen. Vieles davon würde ich mir selber kaufen, bzw. habe es bereits getan, einiges ist mir dann aber doch zu teuer oder zwar irgendwie interessant, aber im Endeffekt doch nichts für mich. Die einzige inhaltliche Klammer, die Neues Zeugs hat, ist die, dass mir etwas gefallen muss.

Natürlich vermuten die üblichen kritischen Geister gleich wieder fiese monetäre Ziele hinter diesem Projekt und sehen Neues Zeugs vor allem unter dem Gesichtspunkt der Monetarisierung durch Affiliate-Netzwerke. Dabei verlinkt man auf Shops und bekommt dann einen Teil des Umsatzes gutgeschrieben. Das ist allerdings nicht ansatzweise der Fokus von Neueszeugs.de, sonst würde ich sicherlich auch suchmaschinenoptimierter schreiben und nicht nur ein, zwei Sätze unter das Bild des Produktes packen. Ich nutze bei Amazon den Affiliate-Link und verdiene dann in der Tat etwas, aber vermutlich wird Amazon langfristig nur bei ein paar wenigen Blogposts pro Woche verlinkt sein. Bei allen anderen verlinke ich einfach so, weil ich es kann und weil mir das Erstellen von Affiliate-Links nicht nur einfach zu umständlich ist, sondern auch egal. Außerdem sind hoffentlich auch viele kleine Shops dabei, die sich über neue Kunden richtig freuen werden. Perspektivisch, also spätestens wenn Neues Zeugs stilprägend für Männer in meiner Alterskohorte geworden ist, kann ich mir auch Native Advertising, Sponsored Stories oder sowas vorstellen.

Ich werde oft gefragt, was mein Ziel ist, das ich mir für Neues Zeugs gesetzt habe. Ich weiss es nicht. Ich hatte das Gefühl, dass es keine derartig auf Produkte fokussierten Blogs für Männer kurz vor der Midlife-Crisis gibt, aber nach dem Start wurde ich dann gleich auf heldth.com hingewiesen, was es wohl schon ewig gibt und durchaus ähnlich ist. Ich weiss auch gar nicht, ob Neues Zeugs jemals mehr als nur ein paar Hundert Leser interessieren wird, oder ob mit der Zeit einfach immer mehr Produkte geshared werden und damit die Leserschaft des Blogs kontinuierlich ansteigt. Das würde mich freuen, sehr sogar. Aber wenn das nicht passiert, dann ist das auch kein Beinbruch, sondern zeigt einfach, dass die Nische “Produkte, die vor allem Nico cool findet” etwas zu klein für eine Weltherrschaft ist.

Also, wenn ihr mir eine Freude machen wollt, dann teilt und liked doch munter Dinge, die ihr auf Neues Zeugs findet in Euren Kanälen, dafür sind die kleinen bunten Buttons unter den Bildern übrigens bestens geeignet. Den Newsletter kann man auch prima abonnieren, dann gibt es jeden Morgen Neues Zeugs in die Inbox. Ansonsten freue ich mich sehr über das Feedback zu Neues Zeugs.

Jochen Mai hat kürzlich eine Studie zu Unternehmensblogs in Deutschland vorgestellt und dabei eine geringe Interaktionsrate festgestellt. Tja, das hätte ich auch ohne Studie attestieren können. Überhaupt halte ich Unternehmensblogs für eines der größten Irrtümer der Kommunikationsbranche der letzten 10 Jahre.

Niemanden interessiert ein Unternehmensblog. Von einigen Ausnahmen mal abgesehen. Ein paar Journalisten lesen sie, ein paar Kunden, ein paar Marktbegleiter. Noch nicht einmal das Unternehmen selber interessiert das Unternehmensblog. Weil nahezu alle Unternehmensblogs von falschen Prämissen ausgehen. Weil nahezu alle Unternehmensblogs auf irregeleiteten Hoffnungen basieren. In der Regel kommt ein Kommunikationsberater vorbei, erzählt was von Storytelling, von Silos, die man einreissen muss, von direktem Austausch zwischen Kunden und Mitarbeitern, von besseren Produkten, die dadurch entstehen und einer daraus resultierenden besseren Kundenbindung, mehr Umsatz, besseres Image, mehr Sex für die Führungskräfte und Weltfrieden für alle. Klingt super, machen wir.

Das ist alles gut und schön, hat aber mit der Realität nichts zu tun. Die Realität sieht so aus, dass Unternehmensblogs strunzend langweilig sind. Sie sind genauso rundgeschliffen wie die Pressemitteilungen, was daran liegt, dass sie meistens aus derselben Abteilung kommen. Der Austausch zwischen Kunden und Unternehmen bleibt aus, weil die Mitarbeiter schon mit ihren Kollegen genug zu tun haben und nicht auch noch irgendwelche Schlauberger benötigen, die zwar keine Detailkenntnisse der Abläufe im Unternehmen, dafür aber jede Menge lautstark formulierte Meinung haben. Herauskommen Blogs, die vor lauter Langeweile nur so strotzen, die Jubelmeldungen schreiben, die langweiligste Blicke hinter die Kulissen bieten ohne etwas zu verraten, die wirken wie das Neue Deutschland zu Honeckers Zeiten.

Warum das alles? Was ist aus der Idee geworden, den Blickwinkel des Nutzers einzunehmen? Will der Kunde wirklich noch mehr Infos haben, will der wirklich wissen, wie die zuständige Produktmanagerin aussieht und welche Hobbies sie hat? Will der Kunde wirklich vorgegaukelt bekommen, dass durch sein Kommentar das Unternehmen noch besser wird? Will der Kunde seine Zeit einem Unternehmen schenken, dem er eh schon mit Geld seine Produkte abgekauft hat?

Nein. Die Verbraucher interessiert das alles herzlich wenig, es sei denn, jemand springt kurz vorm Mond mit einem Fallschirm ab, es sei denn, es gibt Gutscheine, es sei denn, es gibt etwas zu gewinnen. Oder, es sei denn, es werden wirklich coole Stories erzählt. Aber das geht eben nicht mit einem Video, dass der Praktikant vom Produktmanager dreht, in dem dieser im tiefsten Detail erklärt, warum sich die neuen Schrauben so schön in den Dübel drehen lassen. Da muss es fetzen, da müssen Dinge passieren, die man nicht erwartet, da muss eine Inszenierung erfolgen, da muss es krachen, da müssen Emotionen geweckt werden, da müssen Bilder entstehen, die im Kopf weiter gehen. Also so wie gut gemachte Werbung, nur eben nicht in 30 Sekunden, sondern etwas länger. Dafür benötigt man Mut, Geld und Haltung. Deutsche Unternehmensblogs sind hingegen stiefkindlich betreute Resterampen für mässig interessante Pressemeldungen. Fachlich orienterte Unternehmensblogs, die eher ein Fachpublikum oder mögliche Geschäftspartner ansprechen, nehme ich übrigens ausdrücklich aus, mir geht es um Unternehmensblogs mit Verbrauchern als überwiegende Leserschaft.

Unternehmensblogs haben ein irres Potential, da Unternehmen mit Unternehmensblogs selber die Geschichten erzählen können, die sie erzählen wollen, ohne dafür Journalisten und andere Intermediäre zu benötigen. Unternehmensblogs können faszinieren, Unternehmensblogs können inspirieren, aber insbesondere deutsche Unternehmensblogs strotzen vor Langeweile.

Lassen Sie uns zu Jahresbeginn Kaffeeröstgeruch um die Nase wehen. Was vielleicht wenige wissen: In Hamburg steht unsere größte Kaffeerösterei.

Detroit, “Motor City”! In diesen Tagen sorgt die alte Autostadt der USA mal wieder für positive Schlagzeilen. Die NAIAS, die Internationale Automobilausstellung, ist aktuell dort zu Gast.

Auch wenn in den Medien über eine Fristverlängerung für die Umstellung auf SEPA berichtet wird, geht es im SEPA-Fahrplan weiter. Am 18.01.2014 werden bestehende Daueraufträge automatisch in das SEPA-Format umgewandelt.

Na, das ist ja aufregend, bitte erzählt mir mehr! Ich lese das sofort und dann rede ich mit allen, die ich kenne darüber.

Unternehmensblogs können Teil der Kommunikationsstrategie sein, aber nicht als Selbstzweck. Es ist noch nicht die Idee, zu sagen: „Hey, ich hab’s! Wir machen ein Unternehmensblog!“ – sondern man sollte sich schon sehr genau überlegen, ob man etwas zu erzählen hat, was für die Nutzer nicht nur theoretisch interessant sein könnte, sondern auch tatsächlich gelesen, kommentiert und geteilt wird. Sonst kann man sich den Aufwand nämlich getrost sparen, denn die Aufmerksamkeitsökonomie lässt sehr stark die Deutung zu, dass der Aufwand eher vermeidbar gewesen wäre.

So, und jetzt ihr: Welches Unternehmensblog lest ihr regelmässig und wieso? Die Antwort “weil ich es schreibe” lasse ich nicht gelten.

Ich habe letzte Woche einen Gastbeitrag bei der Huffington Post zum Thema Sondierungen ohne Zukunft geschrieben. Und sobald mein Montag geschriebener Artikel endlich freigeschaltet wird, erscheint schon wieder ein Artikel von mir bei der Huffington Post.

Dieser simple Vorgang löst bei einigen Menschen derzeit Schnappatmung aus, denn die Huffington Post bezahlt nicht für diese Gastbeiträge.

Dazu möchte ich folgendes festhalten:
1. Ich bin vernünftiger Sozialdemokrat und habe viele linke Ansichten, würde mich aber nicht als linker SPD-Mann bezeichnen und auch nicht als rechter. Wenn, dann bin ich eher sozial-liberal. Aber Schubladen beengen so.
2. Die Huffington Post hat eine Redaktion und diese Menschen werden bezahlt. Ich weiss nicht, wie gut oder schlecht, aber ich gehe mal von Branchen-üblich aus. Es wäre in der Tat fatal, wenn Journalisten für ihre Arbeit kein Geld mehr bekämen und Verlage einseitig von dieser Kostenloskultur profitieren würden.
3. Die Kritik des DJV kann ich nicht nachvollziehen. Ich habe mal vor 10 Jahren eine Blogplattform gestartet und in den AGB wurde ähnlich formuliert, damit die Plattform abgesichert ist und Inhalte auch geteilt werden können. Ich schreibe daher die Texte originär für die Huffington Post und sehe davon ab, sie im großen Nico Lumma Jahrbuch zweitzuverwerten.
4. Die Huffington Post stellt für mich den Versuch da, in Deutschland eine Meinungsplattform zu etablieren. Ähnlich wie The European, aber etwas anders von der Ausrichtung her. Daher finden in diesem Umfeld die unterschiedlichsten Autoren statt, die eine Fülle von Meinungen vertreten.
5. Die Huffington Post stellt mir Aufmerksamkeit für meine Gedanken zur Verfügung, sie verschafft mir Leser, die es, aus welchen Gründen auch immer, nicht auf dieses Blog hier geschafft haben. Aufmerksamkeit ist ein rares Gut und ich freue mich sehr darüber, dass ich jetzt andere Menschen erreichen und mit meinen Gedanken erreichen, erfreuen oder provozieren kann.
6. Ich habe vor ein paar Monaten einen Gastbeitrag bei der FAZ online veröffentlicht bekommen (Das ist keine Lösung) und es gab ebenfalls kein Geld, aber dafür eben die Gelegenheit, meinen Standpunkt einer größeren Öffentlichkeit mitzuteilen. Dafür investiere ich gerne mal eine Stunde für einen Artikel.
7. Ich schreibe seit 10 Jahren in dieses Blog rein und mache das aus Spaß an der Freude und weil ich gerne meine Gedanken mit anderen teile. Ich freue mich immer wieder darüber, wenn über dieses Blog Aufträge zustande kommen, aber ich würde auch bloggen, wenn ich einfach nur Leser erreichen würde.
8. Ich will Huffington Post bewusst nutzen, um für D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e.V. Positionen zu vertreten und Themen zu diskutieren, die ansonsten vielleicht nicht diskutiert werden, oder über die uns sonst zugänglichen Kanäle nicht weit genug verbreitet werden.
9. Die Huffington Post bietet mir die Gelegenheit, Menschen zu erreichen, die man klassischerweise Mainstream nennen würde. Das finde ich prima, denn gerade in Deutschland bleiben zu viele Blogger mit ihren Blogs eher unter sich.
10. Allein schon, weil viele meinen, sich aufregen zu müssen, schreibe ich gerne für die Huffington Post. Die Welt wird davon auch nicht untergehen, der Journalismus erst recht nicht und vielleicht trage ich ja mit meinen Texten ein klein wenig zur politischen Willensbildung bei, oder wenigsten dazu, dass bei der Huffington Post mehr Arbeitsplätze entstehen, weil die Leser das Format annehmen.

Die Kritiker an der Huffington Post und anderen neuen Formen des Journalismus wie Buzzfeed, Upworthy & Co. sprechen natürlich völlig zu Recht davon, dass Journalisten angemessen bezahlt werden sollten. Aber man sollte nicht davon ausgehen, dass auch in Zukunft journalistische Angebote mit dem klassischen Modell einer Redaktion funktionieren. Da wird es verschiedenste Arten der journalistischen Arbeit geben und auch unterschiedlichste Formen der Bezahlung, genau so wie es vielfältige Geschäftsmodelle geben wird.

Ich bin kein Journalist, schreibe aber gern und habe zu vielen Themen eine Meinung, zu einigen sogar eine fundierte. Meine Motivation ist sicherlich anders als die eines Redakteurs, aber auch ich freue mich über Aufmerksamkeit für meine Texte.