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Fitbit FlexVor einiger Zeit habe ich mich aktiv der Quantified-Self Bewegung angeschlossen und mir ein Nike Fuelband gekauft. Das war eine tolle Idee, aber nach ein paar Monaten hat das Fuelband aufgehört zu funktionieren, stattdessen blinkte es nur noch seltsam. Erstaunlicherweise konnte ich mehrere Wochen durchs Leben schreiten, ohne täglich nachzulesen, wieviele Schritte ich zurückgelegt hatte. Vielleicht lag das auch daran, dass das Fuelband zwar täglich genutzt wurde, aber irgendwie doch zu wenig konnte. Das Fuelband schlackerte immer am Handgelenk rum und die App kann bestenfalls mit “hat noch Potential” beschrieben werden. Also sollte eine neue Handgelenkfessel her. Das Jawbone Up hat eher wechselnde Reviews bekommen, so dass ich da lieber meine Finger von gelassen habe. Stattdessen habe ich mir das Fitbit Flex bestellt und trage es seit ein paar Wochen an meinem Handgelenk.

Fitbit Flex am ArmDas Fitbit Flex schmiegt sich anders als das Nike Fuelband sehr schön um das Handgelenk, dafür zeigt das Display nur ein paar possierlich blinkende LEDs an und deutet den bisher erreichten Stand des Tagespensums nur an. Dafür vibriert das Teil allerdings öfter mal bei der Erreichung eines Milestones, was mich immer noch irritiert. Mit diesem Vibrationsalarm kann man sich auch wecken lassen, was wirklich sehr praktisch ist und bei mir sehr gut funktioniert. Das Aufladen des Fitbit Flex ist etwas fummelig, weil man dazu aus dem Armband das Trackingdingens rauspuhlen muss, um es in einen speziellen USB-Adapter zu stecken. Daran wird irgendwann bei mir die Nutzung scheitern, weil ich den USB-Adapter nicht mehr wiederfinden werde. Das Fitbit Flex ist wasserdicht und man kann also locker damit duschen, was ungemein praktisch ist, weil ich für das Umtüddeln des Armbands noch länger benötige als für meine eleganten Manschettenknöpfe am weissen Hemd. Für das initiale Setup muss man einen seperaten USB-Dongle nutzen, was ich komplett umständlich finde, abgesehen von dem eher großen Potential, auch dieses Dingens zu verlieren.

Fitbit AppDie App von Fitbit ist so ziemlich das genaue Gegenteil der Nike+ App. Diese App hat einen immensen Funktionsumfang und kann damit quasi zum persönlichen Gesundheits-Dashboard werden. Denn es werden nicht nur die Bewegungen getrackt, sondern ich kann auch meine Withings Waage mit der App verknüpfen, meinen zu wenigen Schlaf aufzeichnen, oder, wenn ich es ganz genau wissen will, auch noch meine tägliche Nahrungsaufnahme protokollieren. Für alle, die sich sorgen, dass sie nicht genug trinken, gibt es auch die Möglichkeit, die Wasseraufnahme zu protokollieren. Aktivitäten wie Schwimmen oder Fahrradfahren erfasst das Fitbit Flex nicht, man kann aber diese Aktivitäten aber nachträglich hinzufügen, so dass eine halbwegs genaue Aufzeichnung der gesamten täglichen Aktivitäten erfolgen kann. Badges gibt es auch für das Erreichen von Milestones, allerdings nicht so peinlich animiert wie bei Nike+.

Für mich ist das Fitbit Flex ein ganzes Stück nützlicher als das Fuelband von Nike, allein schon, weil ich es mit meiner Waage verknüpfen kann und es auch ermöglicht, andere Aktivitäten aufzuzeichnen. Natürlich sind die Messungen letztendlich nur Anhaltspunkte, aber für mich ist es hilfreich zu wissen, ob ich mich genug bewege. Ein großer Pluspunkt ist das Armband, denn der Tragekomfort ist um einiges besser als beim Fuelband.

OK, Glass!

Nico —  23.07.2013 — 3 Comments

Über Google Glass wurde schon viel geschrieben und diskutiert, natürlich in der gesamten Bandbreite von Zukunft der Interaktion bis Untergang des Abendlandes. Gestern hatte ich die Gelegenheit, eine der wenigen in Deutschland verfügbaren Google Glass zu testen. Nein, ich war nicht bei BILD-Chefredakteur Kai Diekmann, sondern bei Stefan Keuchel, Pressesprecher von Google Deutschland.

Nico Lumma mit Mütze und Google GlassIch hatte die Brille leider nur kurz auf der Nase und hätte gerne länger mit Google Glass rumgespielt, aber der erste Eindruck war schon mal ganz gut. Google Glass funktioniert in Verbindung mit einem Android Smartphone und ist letztendlich “nichts weiter” als eine Art neumodische interaktive Fernbedienung mit innovativem Display für das Android Smartphone. Die Bedienung ist intuitiv, sorgt aber eher erst einmal für merkwürdige Momente, wenn man irgendwo steht und Selbstgespräche führt. Auf das Kommando “OK, Glass!” geht das Device in Befehlsempfangsmodus und wartet dann auf weitere Instruktionen, wie z.B. “Take Picture!” oder “Google!”, gefolgt von einem Suchstring. Die Frage nach dem Wetter wird dann netterweise grafisch dargestellt und auch vorgelesen. Die Übertragung der Töne erfolgt ohne Headset, direkt über irgendso ein neumodisches Schädelknochentongenerierungsdingens. Ja, die Slapstick-Comedy Industrie freut sich sicherlich schon auf die Skripte, in denen die Protagonisten Google Glass nutzen und für Verwirrung sorgen, indem Selbstgespräche geführt werden, Devices vertauscht werden und so weiter. Vorher allerdings macht Heineken noch einen Werbespot, der viral durchs Netz geht, bei dem es um Google Glass, schöne Frauen und eiskaltes Bier gehen wird. Da man anstatt “OK, Glass” auch alternativ sein Kopf nach hinten kippen kann, ist die Verknüpfung mit einem zu kippenden Bier irgendwie naheliegend. Denkt bei der Preisverleihung nächstes Jahr in Cannes an mich.

Nach meinen 5 Minuten mit Google Glass kann ich zwar nichts über die Nutzung von Google Glass im Alltag berichten, aber ich sehe Google Glass als einen ersten Entwicklungsschritt eines Produktes an, das in wenigen Jahren auf der Netzhaut oder der Brille landen wird. Bis dahin haben wir als Gesellschaft noch einige ungelöste Fragen im Umgang mit dieser Art von Devices. Einige tendieren zur brutalstmöglichen Ablehnung, während andere sich eher wenig Gedanken darum machen, wie Google Glass vom Umfeld wahrgenommen wird. Erstaunlicherweise gibt es bislang Debatten um Persönlichkeitsrechtsverletzungen durch Fotos und Videos, aber Ton-Aufzeichnungen werden bislang kaum thematisiert, obwohl diese bereits jetzt sehr versteckt erfolgen können. Durch Google Glass wird die Aufmerksamkeit bei diesen Themen sicherlich wieder größer werden, auch wenn letztendlich “nur” ein Android Smartphone bedient wird durch einen Brillen-Ersatz.

Für mich stellt Google Glass eine der aktuell spannendsten UX/UI-Experimente dar, aus dem vielfältigste Innovationen hervorgehen werden. Aktuell mag das noch überteuerter Spielkram mit geringer Akkuleistung sein, aber die Entwicklung, die hinter Google Glass steckt, ist beachtlich. Noch beachtlicher wird allerdings sein, was in den nächsten 5 Jahren rund um Google Glass und ähnliche Produkte enstehen wird.

Neulich las ich How I Went Completely Paperless in Two Days und dachte mir, dass ich vielleicht auf meine alten Tage doch noch mal das Thema Ablage angehen könnte. Jedenfalls habe ich den Artikel gelesen und war fasziniert, dass es mittlerweile Scanner gibt, die man direkt mit Evernote verknüpfen kann. Nachdem ich den Artikel getwittert hatte und mit Christiane Link einen kleinen Austausch über den im Artikel erwähnten Scanner von Doxie geführt hatte, bot mir Doxie an, mir einen Doxie Go zu schicken.

Wir haben so eine Drucker/Scanner/Kopierer/Wagenheber/Sonstwaskombi-Lösung von HP rumstehen, die sich vor allem dadurch auszeichnet, dass das Scannen immer dazu führt, dass ich irgendeinen Treiber neu installieren muss, damit die Scans auch wirklich am Rechner ankommen. Dazu kommt, dass der Scanner einen Lärm macht, der davon zeugt, dass wirklich harte Arbeit verrichtet wird, um ein Dokument zu digitalisieren. Natürlich nutze ich den Scanner nur unter Protest, ich bin einfach zu bequem.

Doxie GoDer Doxie Go ist da anders. Anschalten, Papier durchschieben, auf dem Rechner angucken oder direkt an Evernote, Dropbox, Google Drive oder sonstwo abspeichern. Man kann sogar direkt die Dokumente twittern, so weit bin ich aber noch nicht mit meinen Transparenz-Absichten. Da Google Drive OCR kann, landen die Scans nun so bei Google Drive, dass ich theoretisch alles wiederfinde. Der Doxie Go ist eher so die minimal fuzz Variante eines Scanners. Es gibt nur einen An- und Ausschaltknopf und das war es dann. Papier durchschieben und fertig. Ich werde das Setup noch um eine Eye-Fi Karte mit WLAN ergänzen, damit ich nicht extra den Doxie Go Scanner über USB mit meinem Laptop verbinden muss.

Was jetzt noch fehlt: ich müsste wirklich mal anfangen, die gesamte eingehende Post zu scannen. Die Tools sind jetzt da, nun geht es lediglich darum, die Abläufe zu verändern. Aber Change Management Prozesse im Haushalt können ja auch so ihre Tücken haben.

Tablet first

Nico —  26.02.2013 — 2 Comments

Ich werde gerne und oft gefragt, was ich von der Entwicklung der Mobilbranche halte und wie die aktuellen Trends so sind. Normalerweise antworte ich mit “Tablet first”, weil ich mittlerweile das Tablet für viel relevanter halte bei der Entwicklung der connected personal Devices, keine Ahnung, wie man das auf deutsch benennen würde. Die Infografik: Tabletmarkt wächst 2012 um 78,4% von Statista zeigt diese Entwicklung sehr gut.

infografik_935_Absatz_von_Smart_Connected_Devices_2011_und_2012_n

722,4 Millionen Smartphones wurden laut IDC 2012 rund um den Globus verkauft. Zusammen mit 128,3 Millionen Tablets beläuft sich die Zahl der mobilen, internetfähigen Geräte, die von den Hersteller abgesetzt wurden auf rund 851 Millionen. Das entspricht einer Steigerung von über 50 Prozent. Dagegen waren die PC-Verkäufe im vergangenen Jahr rückläufig. 202 Millionen verkaufte tragbaren und 148,4 Millionen Desktop-PCs sind gleichbedeutend mit einem Absatzrückgang von 3,7 Prozent.

Es ist nicht nur das ordentliche Wachstum im Tablet-Markt, es ist vor allem die Art und Weise, wie das Tablet sich ganz elegant den Platz in der Nutzungshierarchie der Geräte sucht, die mich sehr euphorisch auf die Entwicklung im Tablet-Markt blicken lassen. Das Tablet ist ungeheuer praktisch, es ist vielseitiger als ein Smartphone und leichter zu nutzen als ein Laptop oder gar ein stationärer PC. Wer einmal Tumblr, Flipboard oder Shoplove auf einem Tablet genutzt hat, der weiss, was ich meine.

Ich glaube, wir stehen noch ganz am Anfang einer rasanten Entwicklung im Tablet-Markt und sehen sehr bald, dass Tablet ubiquitär werden und in jedem Haushalt rumliegen so wie früher mal die Fernsehzeitschrift.

Nike-FuelBand-WM0105_001_ASeit Ende August schmückt ein schwarzer Armreif mein linkes Handgelenk und damit gehöre ich zur steigenden Zahl der praktizierenden Quantified Self Nutzer, die irgendwelche Gadgets nutzen, um Statistiken über sich selber erstellen zu können. Lange Vorbei sind die Zeiten, in denen man sich handschriftlich in einer Kladde seine Trainingsfortschritte notierte, mittlerweile gibt es eine Fülle von Tools, die Bewegungen aufzeichnen, Kalorienverbrauch berechnen und das alles schön mit den Aktivitäten der Freunde vergleichen.

Das Fuelband misst drei Dinge: NikeFuel, Schritte und verbrauchte Kalorien, außerdem kann es die Uhrzeit anzeigen. NikeFuel sind die universellen Gummipunkte, die Nike für Aktivitäten vergibt. Nike hat bereits seit Jahren mit Nike+ eine Plattform, die Sportler in die Lage versetzt, Trainingseinheiten zu speichern und mit anderen zu teilen. NikeFuel soll quasi die Währung für Bewegung sein, damit nicht nur Läufer sich mit einander messen können, sondern auch andere Aktivitäten miteinander verglichen werden können.

Ich nutze das Fuelband, um mein tägliches Ziel an Fuelgummipunkten zu erreichen. Das klappt ehrlich gesagt recht gut und ich stelle fest, dass ich öfter mal zu Fuß gehe, anstatt in den Bus zu steigen oder die Treppe nehme anstatt die Rolltreppe oder den Fahrstuhl. Das Fuelband ist also quasi meine selbst auferlegte Erziehungsmaßnahme.

Die gezählten Fuelgummipunkte sind allerdings eher eine grobe Einschätzung von Bewegung, da nämlich von Bewegungen am Arm Rückschlüsse auf Bewegungen des ganzen Körpers gemacht werden. Fahrradfahren wird ebenso wenig getracked wie Schwimmen oder der Schlaf, was ich sehr schade finde. Dafür kann man beim abendlichen Zähneputzen noch einiges an Nikefuel generieren, wenn man mit der richtigen Hand Zähne putzt. Und ich wundere mich eigentlich auch schon länger, dass es in den USA noch keine Nikefuel-basierten Onanie-Wettbewerbe gibt, denn ohne es ausprobiert zu haben, müsste auch hier das Fuelband interessant mittracken können. Ich habe jedenfalls mal ein paar Hundert Fuelpunkte beim genervten Hand-auf-den-Lenker-hauen im Stau erzeugen können, was ich doch eher verwunderlich fand. Diese Übersicht zeigt auch, dass das Fuelband im Vergleich zu anderen Tracking-Mechanismen eher schlecht abschneidet.

Da ich allerdings bereits seit Jahren ein willenloses Opfer des Nike Marketings bin und auch diese kleinen Pönökel im Laufschuh genutzt habe und auch eine Nike Lauf-Uhr hatte, die eigentlich nichts konnte, war mir von Anfang an klar, dass das Fuelband auch nur Anhaltspunkte liefern würde, aber eben keine fundierte wissenschaftliche Auswertung meiner täglichen Bewegung erstellen können wird. Das Fuelband hat Potential, daher hat Nike jetzt den eigenen Startup Accelerator Nike+ Accelerator gestartet, um viele Firmen an den Start zu bringen, die die Nike+ API und die damit verbundenen Produkte nutzen. Das ist auch bitter nötig, denn die Nike+ App ist lädt nicht gerade zum Rumspielen ein, dafür ist sie einfach zu träge und hat zu viele Bugs.

Auf die stets gestellte Frage: “und, bringt das was?” kann ich allerdings erwidern, dass ich mehr darauf achte, mich zu bewegen und das auch dazu führt, dass ich mein Gewicht besser in den Griff bekomme. Ich habe bislang über 500.000 NikeFuel erreicht und werde das Fuelband weiter täglich am Handgelenk haben. Das Fuelband kann man in Deutschland nicht direkt bei Nike kaufen, aus welchem Grund auch immer. Wenn man allerdings in den britischen Nike Shop geht, dort das Fuelband in den Warenkorb legt und danach den Shop umstellt auf Deutschland, dann hat man weiterhin das Fuelband im Warenkorb und kann es sich für €139 kaufen.