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Eine Kampagne von D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt e.V. und Digitale Gesellschaft e.V. – mehr Infos dazu: Gemeinsam für die Netzneutralität!

Bitte nehmt die Kampagnen-Motive und streut sie breitflächig im Netz, es geht um unser aller freies Netz!

Weitere Infos findet ihr auf echtesnetz.de

(Ein Hinweis: Wenn ihr die Motive für eurer Blog verwenden möchtet, ladet diese bitte auf euren eigenen Server und bindet die Bilder nicht über unsere Server ein. Danke schön!)

Online-Werbung ist kaputt, und zwar sowas von. Aber sie funktioniert, und zwar sowas von. Sie funktioniert auch, weil sie penetrant ist. Und zwar sowas von!

Wenn nun immer mehr Nutzer zu Adblockern greifen, weil ihnen die ständige Beschallung mit Werbebotschaften zu viel ist, dann sorgt das bei den Inhalte-Anbietern für weniger vermarktbare Reichweite und damit für weniger Umsatz. Also muss versucht werden, aus dem bestehenden Inventar mehr Umsatz zu generieren. Wie macht man das? Am einfachsten ist es, noch penetranter zu werden. Früher, damals, kurz nach dem Krieg, da hatten Websites einen Fullbanner, oder für die ganz verwegenen, auch mal 2-3 Halfbanner, anders ausgedrückt ging es um 468×60 Pixel bzw. 234×60 Pixel. Heute werden gefühlt sämtliche vom Internet Advertising Bureau (IAB) verabschiedeten Formate plus etwaiger Sonderformate auf eine Seite geklatscht, weil die Preise in den letzten 10 Jahren stetig gesunken sind und trotzdem Inhalte-Anbieter profitabel sein sollen.

Ist das die Schuld der Adblocker-Nutzer? Nö, das ist reiner Selbstschutz, denn nicht nur irgendwelche Websites sind mit Werbung zugepflastert, sondern auch sog. Premium-Sites. Adblocker sind Teil einer Entwicklung, die damit zu tun hat, dass ganz am Anfang der Online-Werbung mit dem sog. Tausender-Kontakt-Preis einfach die falsche Währung genommen wurde, um Online-Werbung zu bepreisen. Niemand würde ein Magazin so vollhauen mit Werbung, aber da ein Tausender-Kontakt-Preis nach Seitenaufrufen berechnet wird und nicht danach, wie häufig ein und derselbe Nutzer die Werbung wahrgenommen hat, wird eben die Penetranz erhöht, um auf die vermeintliche Reichweite zu kommen. Anders ausgedrückt: die Online-Werbung nimmt nicht zur Kenntnis, dass das Web aus Hyperlinks besteht und dass Nutzer auch anderswo Werbung sehen, bzw. gerade ein- und dieselbe Kampagne überall sehen und dann sehr schnell genervt sind. Diese Spirale sorgt dafür, dass immer mehr Nutzer zu Adblockern greifen und nun Premium-Sites darauf hoffen, dass sie von der Adblocker-Nutzung ausgenommen werden. Eigentlich absurd. Zumal der eine Ausweg aus dieser Spirale die sog. Native Ads sind, die sich oftmals als bloße Advertorials in einem neuen Format entpuppen.

So, wer hat also Recht? Beide. Die Adblocker-Nutzer sind genervt von zu viel Werbung und die Inhalte-Anbieter sind genervt, weil sie nicht genügend Umsatz mit der Vermarktung ihres Angebots machen, weshalb sie die Adblocker-Nutzer bitten, doch auf ihren Seiten den Adblocker nicht zu nutzen. Die Adblocker-Nutzer wiederum argumentieren, dass die Inhalte-Anbieter zu penetrant werben.

Hach, so können wir uns weiterhin fröhlich im Kreis drehen. Ich blocke Ads im Kopf und lasse die Inhalte-Anbieter an meiner Nutzung finanziell partizipieren. So lange Nutzer nicht wollen, dass sich Kampagnen an ihnen orientieren, so lange wird Online-Werbung weiter fröhlich penetrant sein.

Auf der re:publica 13 hat Sascha Lobo mal wieder den Versuch unternommen, den Anwesenden auf die Füße zu treten, um Reaktionen zu provozieren. Das finde ich gut so. Auch wenn ich es natürlich stark manipulativ finde und mir einige Tage lang vorgenommen habe, nicht darauf hereinzufallen. Na gut, jetzt eben doch. Egal. Das hat er jetzt davon.

Ja, wir sind überwiegend eine netzpolitische Hobbylobby. Abgesehen vom BVDW, eco, BITKOM, VPRT, dem Börsenverein des deutschen Buchhandels, oder dem Bundesverband der Musikindustrie und anderen finanziell gut ausgestatteten Verbänden jedenfalls, die auch alle munter Netzpolitik betreiben, es aber anders nennen. Und oft auch andere Ziele haben als die netzpolitische Hobbylobby.

Mit vielen anderen zusammen bin ich Teil dieser Hobbylobby, unser Verein heisst D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt und wir finanzieren uns ausschliesslich durch Mitgliedsbeiträge.

Ich würde auch gerne Montag Morgen in das 10-stöckige D64-Hauptquartier in Berlin Mitte kommen, bei der Morgenlage kurz die wichtigsten Themen des Tages erläutern und dann per Telefon kurz ein paar Regierungsvertreter einbestellen lassen, um diese durch D64-Hauptabteilungsleiter kurz zurechtweisen zu lassen, damit sie künftig eine bessere Politik machen.

Tue ich aber nicht. Stattdessen versuchen wir in einer Facebook-Gruppe Themen zu diskutieren, die uns wichtig erscheinen, bilden uns eine Meinung und versuchen dann über Gespräche, Blogposts, Tweets und sogar Telefonate das Thema in unserem Sinne voranzutreiben. Sind wir dabei ultra-erfolgreich? Sicherlich nicht. Ist das aufwendig? Allerdings. Haben wir alle viel Zeit dafür? Natürlich nicht, das wäre ja auch zu einfach. Insofern ja, wir sind Hobbylobby par excellence und das ist mühsam. Es hat aber den großen Vorteil, dass wir nicht einen riesigen Apparat finanzieren und dass wir nicht die Interessen von externen Geldgebern vertreten müssen, sondern dass wir unabhängig sind.

Was uns allerdings fehlt in der Netzpolitik, das sind Trecker. Lange Zeit war die Netzpolitik, oder überhaupt das Internet, nur ein Thema für Nerds und Geeks, nicht aber für den Mainstream. So langsam wird immer mehr Menschen in diesem Land klar, dass die Zukunft immer mehr durch die Digitalisierung bestimmt wird, aber das sorgt nicht immer nur für Jubelstürme, sondern auch für ordentliche Reaktanzen. Allerdings ist das, was wir im Bereich Netzpolitik diskutieren, alles andere als plastisch begreifbar. Allein schon der Begriff Netzpolitik verrät sehr wenig über das, was man damit meinen könnte. Bei Umweltpolitik wissen alle, wovon die Rede ist, und das war auch so, bevor Umweltpolitik en vogue war. Allerdings hatte die Umwelt-Bewegung einen großen Vorteil: die Atomkraftwerke, Wiederaufbereitunsanlagen, Castorbehälter, aber auch das Waldsterben oder die verunreinigten Flüsse waren alles sichtbare Faktoren, die zu einer anderen Politik führen sollten. Hinzu kam, dass im Wendland immer wieder mit Treckern gegen die Castor-Transporte demonstriert wurde, was zu einer Auseinandersetzung mit der Staatsmacht und einer damit verbundenen Infragestellung dieser einherging. Dadurch entsteht eine mediale Aufmerksamkeit, die dazu beiträgt, dass das Thema über die letzten Jahrzehnte immer präsenter wurde im Mainstream.

Open Data, Open Access, Open Education, Netzneutralität, Leistungsschutzrecht, Vorratsdatenspeicherung, Bandbreite, Infrastruktur, Informatik an den Schulen, Medienkompetenz – das sind alles keine Themen, die man am Infostand vorm Aldi mit Menschen diskutieren kann und sie sorgen alle nicht dafür, dass die engagierten Netznutzer einen sinnbildlichen Trecker haben, um ihrem Unmut mehr Ausdruck zu verleihen. Die aktuell einzige Ausnahme kann die Netzneutralität werden, da die Telekom durch ihre angekündigten Tarif-Änderungen für breiten Missmut in der Bevölkerung sorgt, allerdings wird auch in diesem Fall es nicht leicht sein, zu erklären, was das eigentlich Problematische an der Drosselung ist. Das Ende der Flatrates ist ein Thema, die Bevorzugung, bzw. eher die daraus resultierende Diskriminierung von Datenpaketen ist das wirklich Entscheidende an der Debatte um die Drosselkom. Aber ein Trecker ist das noch lange nicht.

So lange wir keinen Trecker haben, müssen wir in aller Ruhe und quasi zu Fuß das Thema Netzpolitik und digitale Gesellschaft beackern. Das ist mühselig und es führt zu Rückschlägen und leider sind nicht alle so schlau wie man selbst. Aber wenn ich mir angucke, was aus der Anti-AKW-Bewegung und den bunten "Atomkraft, nein Danke!"-Buttons geworden ist, dann denke ich, dass wir einen langen Atem brauchen, auch wenn sich die digitale Gesellschaft rasant entwickelt. Wir Menschen lernen ja bekanntlich aus Fehlern und so wird die aktuelle Politiker-Generation noch vieles falsch machen, was wir lautstark zu kritisieren haben. Unsere Themen sind noch lange nicht Mainstream und zugegebenermassen finden wir das ja auch ganz toll so, wie es ist. Wir finden es nur nicht so gut, dass wir noch nicht die Mehrheitsmeinung abbilden bei den wichtigen Themen der digitalen Zukunft. Aber das kommt. Es dauert nur.

Wo war ich? Ach ja, Hobbylobby. Bei D64 kann man Mitglied werden und mitmachen! Aber auch so kann man mitmachen, man kann Eltern, Freunden, Kollegen und Bekannten immer wieder erklären, warum diese komischen geekigen Themen alle so relevant sind und dann kann man einen nach dem anderen überzeugen. Ja, das ist wie der lange Marsch durch die Institutionen, nur ohne Studentenproteste, das ist wie die Umweltbewegung, nur ohne Trecker.

Im Interview mit Michael Praetorius rede ich ein klein wenig über Netzneutralität, Bandbreite und Programmieren für Kinder.

[ via Spreerunde | Kinder sollen Programmieren lernen ]

Es wird ja gerne gesagt, dass es den Verlagen in Deutschland noch viel zu gut gehe und dass es daher nicht zu Innovationen bei den Online-Publikationen komme. Das kann ich nur schwer beurteilen, da ich noch nie in einem Verlag gearbeitet habe, wenn man mal von einem Praktikum bei einem Anzeigenblättchen Mitte der 80er Jahre absieht. In gewisser Weise ist allerdings eine Publikation wie die Huffington Post eine konsequente Fortführung des Gedankens eines Anzeigenblättchens. Nur natürlich viel größer und schneller und mit einem moderneren Antlitz. Und bestimmt auch mit anderen Themen. Aber wie bei einem Anzeigenblättchen auch wird günstigster Inhalt zusammengepackt, der aus leicht umgeschriebenen Pressemitteilungen oder mickrigst bezahlten Stücken von mehr oder weniger talentierten Inhalte-Erzeugerinnen und -Erzeugern geliefert wird, von einer Handvoll ordentlich bezahlter Edelfedern mal abgesehen.

Ist das der große Wurf für die journalistische Arbeit von Morgen oder einfach nur die brutalstmögliche Form der Inhalte-Aggregation für eine durch Traffic von Google und Facebook dominierten Welt?

Mit der Ankündigung der Huffington Post für Deutschland wird die Comfort Zone für Journalisten in Deutschland noch ein wenig enger werden, werden sich noch mehr Medienhäuser irritiert umschauen und die Erfolgsaussichten ihrer Paywall-Phantasien kritischer beäugen müssen, denn wenn die deutsche Huffington Post nur einigermaßen gut gemacht wird, wird sie eine Sogkraft für Leserinnen und Leser entfachen, die zu Reichweiten-Verlusten bei den etablierten Plattformen führen wird. Und das ist erst einmal gut so, denn Konkurrenz belebt das Geschäft oder regt zumindest zum Nachdenken an.

Die deutsche Huffington Post wird für viele talentierte Journalisten ein Sprungbrett darstellen können, wenn genügend Aufmerksamkeit und Reichweite erzeugt werden. Blogs ermöglichen seit über 10 Jahren Menschen, sich einen Namen zu erschreiben, unabhängig von Verlagen und dem Zugriff auf Druckerpressen. Die Bündelung dieser Inhalte kann dazu führen, dass neue kleine und große Stars hervorgebracht werden. Das finde ich erst einmal gut. Für freie Journalisten wird die Huffington Post allerdings für erneuten Kostendruck sorgen, da eine enorme Konkurrenz erzeugt wird bei wahrscheinlich viel geringeren Preisen. Das Hobby Huffington Post kann für viele Menschen die Aufmerksamkeit bringen, die sie bislang über ihre Blogs nicht bekommen haben.

Das genaue Konzept für die deutsche Huffington Post liegt noch nicht vor, aber dennoch kann man sich ausmalen, welche Auswirkungen der Markteintritt haben wird. Für etablierte Medien-Angebote wird es eine starke, neue Konkurrenz geben, für Experten und Hobbyisten dürfte es Reichweite und Aufmerksamkeit geben, aber für freie Journalisten wird die Huffington Post eher weniger Erlöse für ihre Arbeit bringen. Wir werden sehen, inwieweit es die Huffington Post vermag, den deutschen Journalismus durcheinander zu wirbeln. Es wäre wünschenswert, wenn durch die Huffington Post wieder mehr Elan im deutschen Markt entstehen würde.