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o2 hat mich gefragt, was ich denn für die wichtigste Entwicklung bei der Digitalisierung halte. Ich glaube, es geht dabei vor allem um die Rolle des Menschen.

Ein von Nico Lumma (@rednix) gepostetes Foto am

Bis 2020 sollen mehr als 50 Milliarden Geräte am Netz sein und sich untereinander unterhalten, also Daten miteinander austauschen. Die Möglichkeiten sind faszinierend und atemberaubend, vor allem, weil das schon in 4 Jahren sein soll, aber bei aller Euphorie müssen wir immer auch einen durchaus wichtigen Aspekt mitdenken: was passiert mit uns? Wie verändert das Internet der Dinge unsere Gesellschaft?

Ich will jetzt keine technophobe Technologiefolgekostenabschätzungsdebatte heraufbeschwören, sondern einfach nur anmerken, dass das Internet der Dinge vor allem Auswirkungen auf uns Menschen haben wird. Denn es geht nicht nur um die Automatisierung von Fabriken und Veränderungen von Berufen, sondern eben auch um das ubiquitäre Netz in unserem privaten Umfeld. Beides zusammen wird fulminante Veränderungen nach sich ziehen.

Das Berufsleben vieler Menschen wird sich radikal verändern. Und zwar schneller, als viele vermuten. Ein kurzes Beispiel: es wird nur noch wenige Jahre dauern, bis selbstfahrende LKW Realität sind. Das wird eine zentrale Veränderung im Logistikgewerbe nach sich ziehen, denn der Fernfahrer wird kaum noch als Fahrer gebraucht werden, sondern nur noch die Abläufe überwachen. Diese selbstfahrenden LKW werden zu automatisierten Fabriken oder automatisierten Lagern fahren und auch dort werden die Menschen nur noch die Arbeit der Maschinen überwachen. Und auch für die Verwaltungen wird deutlich werden: Sachbearbeiter sind nicht mehr notwendig, denn die Prozesse werden automatisiert.

Wir werden also mehr Zeit haben. Wir werden aus unser Phase der niedringen Arbeitslosenquoten nahtlos übergehen in eine nie gekannte Massenarbeitslosigkeit, die bis tief in die Mittelschicht hereinreichen wird. Wir werden daher darüber nachdenken müssen, ob unsere bisherigen Sozialversicherungssysteme überhaupt noch funktionieren, wenn die klassische sozialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit immer mehr unter Druck gerät.

Aber auch zuhause wird das Internet der Dinge für Veränderungen sorgen und zwar nicht nur durch den smarten Kühlschrank, der automatisch Produkte bestellt, sondern vor allem durch viele neue Interaktionsmöglichkeiten. Ein aktuelles Beispiel ist Amazon Echo – ein einfaches Gerät, das auf Sprachbefehle lauscht und dann Dinge bestellt, Musik abspielt oder einfach nur die Nachrichten aufsagt. Das ist aber erst der Anfang, viele Geräte werden intelligenter werden und Dinge für uns erledigen.

Wir werden also mehr Zeit haben und diese mit der Interaktion mit Geräten verbringen.

Dabei wird eine der großen Herausforderungen der Zukunft sein, herauszufinden, was das für uns als Menschen bedeutet. Wie funktionieren die Algorithmen, die unser Umfeld bestimmen werden? Welche Auswirkungen hat die sog. Machine-to-Machine Communication auf mich und meine Familie? Wenn alles durchoptimiert wird, was verpasse ich? Wie nutze ich die Freiräume, die entstehen werden, oder sind diese Freiräume eher trügerisch, weil sie durch die Kommunikation mit Maschinen gestaltet wird?

Die Diskussion um eine Ethik für Algorithmen ist noch ganz am Anfang, aber wenn wir wollen, dass der Mensch im Internet der Dinge nicht untergeht, dann müssen wir diese Diskussion dringend führen und auch für mehr Transparenz sorgen. Vor allem aber müssen wir die Datensouveränität des Einzelnen stärken und jeden Bürger in die Lage versetzen, selber zu entscheiden, wie sehr die Digitalisierung das eigene Leben beeinflussen soll.

Wir müssen bei aller Euphorie über die Potentiale des Internet der Dinge den Mensch wieder in den Fokus rücken. Sonst wird unsere Gesellschaft noch mehr als bisher auseinanderdriften. Was es bedeutet, wenn viele Menschen unzufrieden sind und um ihre Rolle in der Gesellschaft fürchten, haben wir gerade erst bei den Landtagswahlen sehen müssen. Es wird also Zeit für eine Debatte und daraus resultierende neue Spielregeln.

Die Nerven liegen blank in Deutschland. Seit Monaten schwappt eine immer größer werdende Welle von Hass und Pöbeleien in die sozialen Netzwerke. Unter dem Deckmantel einer vermeintlichen freien Meinungsäußerung Menschen werden Menschen beleidigt, gegen Ausländer gehetzt und unsere demokratischen Institutionen angefeindet. 

„Das wird man doch wohl noch sagen dürfen.“ – nein, wird man nicht. Mir reicht dieses Gepöbel und es geht vielen anderen ebenso. CDU Generalsekretär Peter Tauber ist jüngst der Kragen geplatzt und er hat einen Pöbler als Arschloch bezeichnet. Er hat Recht, aber er schenkt diesem Menschen zu viel Aufmerksamkeit.

Wir können dem Hass nur entgegentreten, wenn wir diese Leute aus unseren Freundeslisten schmeissen, ihre Inhalte löschen und sie blocken, bzw. melden. 

Es macht keinen Sinn, einen Dialog mit einem hasserfüllten Pöbler zu suchen. Diese Menschen wollen unsere Gesellschaft spalten und versuchen alles, um Diskussionen in den sozialen Medien unmöglich zu machen. 

Dabei sind wir alle gefragt und müssen uns angewöhnen, viel weniger Gepöbel hinzunehmen. Natürlich sind auch die Plattformen wie Facebook, Twitter und Google gefordert und müssen dafür sorgen, dass ehrverletzende Inhalte schneller gelöscht werden. Sie sollten es im eigenen Interesse tun, denn dadurch werden ihre Angebote attraktiver für die Nutzer. 

Wir benötigen allerdings auch keine absurden Vorschläge wie die der CSU, künftig alle Beiträge vor der Veröffentlichung überprüfen zu lassen. Derartige Überwachungsphantasien führen zur Gedankenzensur, was mit der freiheitlioch-demokratischen Grundordnung dieses Landes im Widerspruch steht. 

Also, werdet aktiv, gebt dem Hass im Netz keine Chance!

Neulich in der ARD beim Talk mit Anne Will sagte Angela Merkel über die Flüchtlingsproblematik in Deutschland, dass dieses kein plötzliches Phänomen sei. Landräte aus Bayern hätten ihr mitgeteilt, dass schon seit 1 1/2 Jahren stetig mehr Flüchtlinge kämen, nicht erst seit drei Monaten. Das sagen mir auch Politiker aus den unterschiedlichsten Bundesländern. Es wurden langsam immer mehr Flüchtlinge und plötzlich sind es so viele.

Das ist eine ganz wichtige Erkenntnis, die eine enorme Herausforderung unserer Zeit darstellt. Durch die Digitalisierung entwickeln sich Dinge nicht mehr linear und lokal, sondern exponentiell und global.

Wir haben uns daran gewöhnt, dass wir mit 1 anfangen, dann 2 kommt, dann 3, dann vier und so weiter. Mittlerweile entwickeln sich aber immer mehr Dinge von 1 auf 2, dann 4, danach kommt 8, dann 16, 32, 64 und so weiter. Die Entwicklung ist rasant. Und kaum nachvollziehbar, denn sie sprengt unsere bekannten Denkmuster.

Die Digitalisierung macht es möglich. Informationen fliessen viel schneller und Veränderungen treten viel schneller ein als je zu vor.

Der Handlungsrahmen ist auch nicht mehr lokal, sondern global. Die Daten machen nicht an Grenzen halt.

Das sehen wir an Entwicklungen wie dem Nutzer-Wachstum bei Whatsapp, bei AirBnB, bei Uber und bei vielen anderen digitalen Geschäftsmodellen.

Wenn wir genauer hinsehen, dann sehen wir exponentielles Wachstum allerdings auch bei der Anzahl der Flüchtlingen, die derzeit zu uns kommen.

Auch früher schon gab es Bürgerkriege und Flüchtlinge, allerdings war es unvorstellbar, dass viele Hunderttaussende Flüchtlinge mehrere tausend Kilometer zurücklegen würden. Der Weg war einfach zu weit und zu ungewiss. Es wurde in das Nachbarland geflüchtet, auch um zeitnah wieder in das eigene Land zurückkehren zu können.

Flüchtlinge aus Ländern wie Syrien, Afghanistan oder Irak gehen immer noch ein unglaubliches Risiko ein und es gibt immer noch viel zu viele Todesfälle während der Flucht.

Aber durch digitale Werkzeuge wie GPS, Whatsapp, Kartenanwendungen oder Wetter-Apps lässt sich die Flucht nicht nur besser planen, sondern auch erfolgsversprechender durchführen. Echtzeitkommunikation mit bereits geflüchteten Familienmitgliedern oder Bekannten erleichtert das Unterfangen und auch während der Flucht erfahren die Flüchtlinge über Whatsapp Gruppen genau, wo sie welche Hindernisse erwarten. Fax oder Brief, selbst das Telefon hätten nie für eine derartige Informationsdichte geführt.

Wir sind das Lineare gewohnt und erkennen daher nur sehr schwer, wann das Wachstum wirklich exponentiell wird. Aber wir müssen uns darauf einstellen, dass durch die Digitalisierung in vielen Bereichen des Lebens Entiwcklungen künftig exponentiell verlaufen werden. Also immer wenn man „ach, das kenne ich, entwickelt sich jetzt nicht so stark wie befürchtet“ sagen will, sollte man noch einmal genauer hingucken, ob nicht doch einige Faktoren dafür sprechen, dass die Entwicklung demnächst durch die Decke geht.

Bei Firmen kann das bedeuten, dass man aufstrebende Konkurrenten besser einschätzt, für die Bewältigung der Flüchtlingskrise hätte dies bedeutet, dass man sich schon eher auf größere Zahlen hätte einstellen können, wenn man den ersten Anstieg der Zahlen expontiell gedeutet hätte.

Exponentiell ist das neue linear – das wird uns immer wieder überraschen. Wir müssen lernen, damit umzugehen.

Ich habe ja vor etwas über 3 Jahren einen kleinen, aber feinen Verein gegründet, der zur Aufgabe hat, progressive Digitalpolitik zu entwickeln: D64 – Zentrum für digitalen Fortschritt. Ende Februar hatten wir unseren Neujahrsempfang veranstaltet und das politische Berlin eingeladen.

Das war eine sehr schöne Veranstaltung und mit über 300 Gästen auch sehr besucht. Neben dem Netzwerken gab es auch einen offiziellen Teil. Ich durfte als Gastgeber eine kurze Rede zur Begrüßung halten, danach SPD-Chef Sigmar Gabriel lauschen und kurz mit ihm diskutieren. Danach haben Lars Klingbeil, MdB und ich über die letzten Jahre Netzpolitik geredet.

Hier sind ein paar Videos von der Veranstaltung.

Meine kurze Rede zur Begrüßung:

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Ich kann es nicht mehr hören. Google hier, Google da, Google ist böse, Google zwingt Leute, es zu nutzen, Google strebt die Weltherrschaft an, Google tötet unschuldige Hundewelpen, und so weiter und so fort.

Ich nutze Google seit Ende der 90er. Ich nutze es, weil es funktioniert. Es bietet mir Dienste, die ich praktisch finde. Und auch welche, die ich nicht benötige und nicht nutze. Google ist eine Plattform, Google ist ein Ökosystem und hat dadurch besondere Bindungseffekte für die Nutzerinnen und Nutzer, ähnlich wie Amazon, Facebook, Apple und andere auch. Jetzt wo wir wissen, wie diese Ökosysteme funktionieren, sollten wir darüber nachdenken, wie wir die Lock-in Effekte zu Gunsten der Verbraucher regulatorisch korrigieren. Das wäre ein interessanter Diskurs, der lange schon hätte geführt werden müssen.

Aber wisst ihr was? Zerschlagt Google doch einfach! Macht es doch endlich! Geht los, ändert die Gesetze und zerschlagt endlich diese Firma. Sie ist zu groß geworden, zerschlagt sie! Die Firma versteht, wie die digitale Wirtschaft funktioniert, also zerschlagt sie! Google ist 16 Jahre alt, also zerschlagt den Laden, das kann nicht mit rechten Dingen zu gehen!

Es ist mir egal. Zerschlagt Google. Ich bin da leidenschaftslos. Hotmail soll ja auch toll sein und Microsoft als Underdog sollte unsere Sympathien haben.

Aber dann hört bitte auf mit dem Gejaule, dass Deutschland und Europa digital nicht vorankommen. Das Böse ist dann ja zerschlagen worden, dann muss es ja besser werden!

Nur tut mir bitte mal einen Gefallen, wenn Ihr Eure Zerschlagungsphantasien in den Zeitungen Europas publiziert, wenn ihr in den Parlamenten wettert und in den Hinterzimmern der Republik geheimnisvoll tuschelt. Tut mir bitte mal einen Gefallen. Denkt mal darüber nach, wie es passieren konnte, dass eine Firma, gegründet von zwei Doktoranden vor 16 Jahren so schnell so groß und so wichtig werden konnte für die Nutzer auf dieser Welt, dass ihr sie zerschlagen wollt! Und dann stellt Euch mal ein paar einfache Fragen: warum ist keine deutsche Firma so groß wie Google? Warum ist keine französische Firma so groß wie Google? Warum kommt abgesehen von MP3 kein Standard der digitalen Welt aus Deutschland? Warum kommt keine nennenswerte digitale Technologie aus Deutschland? Warum haben wir so wenig Glasfaserausbau in Deutschland, dass wir noch nicht mal auf den europäischen Vergleichsstastiken verzeichnet werden? Warum sind unsere Schulen immer noch ein Hort der Technologiefeindlichkeit? Warum haben junge Leute kaum Interesse an der digitalen Wirtschaft? Wo Ihr doch neuerdings immer erzählt, dass das Digitale so wichtig sei und dass dort die Jobs der Zukunft entstünden!

Vielleicht gibt es dann ja, in diesem vermutlich seltendem Moment der Reflexion, bei Euch Silberrücken dieses Landes, die einfache und brutale Erkenntnis, dass Ihr es mit Ansage absolut verkackt habt, auch nur annähernd die richtigen Schritte in den letzten 20 Jahren umzusetzen! Stattdessen wartet Ihr immer noch auf den einen, optimalen Moment, um den Hebel umzulegen und dann eine digitale Denke an den Tag zu legen. Stattdessen zögert ihr immer noch, endlich zu investieren! Stattdessen wollt ihr immer noch nur kleine Änderungen, damit ja niemand überfordert wird! Stattdessen murmelt ihr immer noch „das ist doch alles nicht vergleichbar“ und macht weiter wie bisher. Während sich die Welt verändert. Während sich die Welt immer schneller verändert. Und immer digitaler wird. Und Ihr immer weniger versteht, was eigentlich passiert.

Weil Ihr alten Männer der Nation seit 20 Jahren an der Seitenlinie der Ereignisse steht und nicht mehr wisst, was ihr machen sollt, weil die Denkmuster der 70er und 80er Jahre nicht mehr funktionieren!

Zerschlagt Google, los macht es! Und zeigt damit allen, dass Ihr die Zukunft dieses Landes, dass Ihr die Zukunft Europas in den letzten Jahren fahrlässig aus der Hand gegeben habt, weil ihr Euch nicht darum gekümmert habt, wie sich die Digitalisierung der Gesellschaft, wie sich die Digitalisierung der Wirtschaft, wie sich die Digitalisierung aller Lebensbereiche immer rasanter entwickelt! Zeigt, dass Ihr Angst habt vor Veränderungen und Euer Heil in der Besitzstandswahrung sucht!

Aber los, zerschlagt Google, zündet die ultimative Nebelkerze, kämpft den Kampf des vermeintlich Gerechten, zeigt allen, dass ihr mit den Herausforderungen der Zukunft nicht mehr klar kommt!

Es ist ein Trauerspiel und alle sollen es wissen!