Meine Familie und ich wollen in den Urlaub fahren. Zwei Erwachsene, drei Kinder. Und wir wollen irgendwohin, wo es nett ist, mit Sonne, aber nicht zu heiss, selbstverständlich mit ordentlicher Kinderbetreuung, mit leckerem Essen und natürlich mit Bade-Möglichkeiten. Dazu ein wenig Kultur und Shopping-Extravaganza wäre auch nicht schlecht. Natürlich sollte auch alles im finanziell überschaubaren Rahmen bleiben, was bei 5 Personen sowieso schwierig ist.
Für die meisten Leser hört sich das nicht dramatisch an, für mich schon. Ich habe nämlich noch nie in meinem Leben Pauschal-Urlaub gemacht, war noch nie auf Mallorca oder an anderen Touristen-Hochburgen, sondern war bis auf eine Kreuzfahrt, zu der wir eingeladen wurden, immer sehr individuell unterwegs. Wir haben einige Urlaube mit Kindern hinter uns, aber eben noch nie den klassischen Sommer, Sonne & Strand Urlaub gemacht. Dieses Jahr wollen wir unsere Comfort Zone mal ein wenig verlassen und pauschal buchen. Wie amateurhaft wir dabei vorgehen sieht man sicherlich auch daran, dass wir nicht schon vor Monaten gebucht haben, sondern jetzt erst damit anfangen, uns Gedanken für den Juli zu machen.
Nach einem Tag wildem Rumgeklicke bin ich allerdings nicht sicher, ob das eine gute Idee war. Alle Reise-Anbieter haben die Usability-Erkenntnisse der letzten 5 Jahre komplett ignoriert und da die meisten deutschen Anbieter auf einem Buchungssystem aufsetzen, wird sowieso fast überall fröhlich dasselbe angeboten. Mir kommt alles sehr, sehr bekannt vor, weil ich vor 8 Jahren mal die technische Konzeption für eine große deutsche Reiseplattform gemacht habe und mich daher ein klein wenig auskenne im Reisemarkt. Ich habe damals schon nicht verstanden, wie Leute so Reisen buchen können, aber es funktioniert ja erstaunlicherweise immer noch genau so. Alle Reise-Anbieter funktionieren ähnlich. Ich finde das null intuitiv. Null.
Ich habe gestern ungefähr 500 Mal den Reise-Zeitraum und den Abflug-Flughafen neu eingeben dürfen, ebenso wie die Anzahl der Kinder und deren Alter, und zwar auch gerne auf ein- und derselben Plattform. Ich habe Kartenmaterial gesehen, das im Vergleich zu Google Maps aussieht wie von einem Drittklässler gemalt, ich habe Übersetzungen gesehen, die neue Wörter erschaffen haben, die ich spontan als aus dem Isländischen entlehnt ansehen würde und ich habe vor allem völlig uninspirierende Listen von Destinationen und Hotels gesehen. Dann clicke ich auf ein Angebot, es erfolgt die Anfrage beim Veranstalter und dann erfahre ich, dass dieses Angebot bereits ausgebucht ist. Na toll. Wenn man dann ein wenig nach Destinationen und Hotels googelt landet man in einer Vorhölle bestehend aus einem Amalgam aus Flash-Sites, Webdesign im Geocities-Stil und puren SEO-Websites. So machen andere Leute ihre Urlaubsplanung? Bei Vamos Reisen (alle Eltern empfehlen das) beispielsweise kann ich gar nicht buchen, da macht mich die Website schon wahnsinnig. Man clickt und clickt, nur um als Antwort “auf Anfrage im Vamos Büro” zu bekommen. Ja, nee, ist klar.
Ich finde das total unintuitiv. Ich könnte mir Schieberegler vorstellen, oder Bilder, die bestimmte Bestandteile des Urlaubs symbolisieren, und dann clicke ich fröhlich darauf rum und am Ende bekomme ich 10 Angebote präsentiert, die alle auch verfügbar sind (gab es sowas nicht mal?). Idealerweise kennt das System sowieso schon meine Vorlieben und kann die mit anderen Nutzern vergleichen und mit deren Feedback, damit mir die Sachen weggefiltert werden, die zwar nach den groben Kriterien passen, im Detail dann aber doch nicht. Wozu haben wir denn Big Data und Personalisierung, wenn nicht für den Urlaub? Dann schicke ich den Link an meine Familie, nenne meinen Favoriten und dann spielen die alle noch mal ein wenig rum, so dass wir dann alle unsere Vorlieben irgendwie berücksichtigt sehen.
Es sieht fast so aus, als ob wir dieses Jahr auch wieder keinen Pauschal-Urlaub machen, weil ich einfach genervt bin von den Websites, die alle nach dem Motto “viel hilft viel” mich als Nutzer überfordern. Oder ich gebe doch nach und mache das, was meine Frau vorschlägt und gehe ins *gasp* Reisebüro.
Ich bin für Anregungen echt dankbar, dies ist quasi ein verzweifelter Hilferuf.













